Europas Mission ist die Entwicklung Afrikas

Von Helga Zepp-LaRouche

Die BüSo-Vorsitzende war am 24. Januar 2009 Ehrengast bei einer Konferenz der französischen Schwesterpartei Solidarité et Progrès in Paris. Dort hielt sie die folgende Rede.

* * *

Meine Damen und Herren, ich grüße Sie ganz herzlich und möchte mich entschuldigen, nicht auf französisch zu sprechen - mein schlechtes Französisch würde Sie nur quälen. Gleich zu Anfang will ich sagen, daß es für einen deutschen Patrioten ein sehr schönes Gefühl ist, in Frankreich zu sein - die Gründe dafür werden hoffentlich im Verlauf meiner Rede deutlich werden -, denn wir brauchen Patrioten in allen europäischen Ländern, um zusammen die Krise lösen zu können.

Wie Sie wissen, bin ich ein erfahrenes politisches Schlachtroß. Ich kämpfe nun seit fast 35 Jahren in der Sache, um die es in diesen Tagen geht: der Zerfall des Finanzsystems und die Notwendigkeit, es durch eine neue, gerechte Weltwirtschaftsordnung zu ersetzen. Doch auch für mich als ein solches altes Schlachtroß sprengt es immer wieder meine Vorstellungskraft, wenn ich mir genau betrachte, was sich derzeit abspielt. Denn seit inzwischen schon 17 Monaten, also fast eineinhalb Jahren, hält der beispiellose Zerfall des Finanzsystems - und parallel dazu der Kollaps der Realwirtschaft - mit atemberaubender Geschwindigkeit an, und die Regierungen tun praktisch nichts.

Tatsächlich läßt sich ohne weiteres sagen, daß wir die größte Finanzkrise der gesamten Geschichte erleben, und die Regierungen haben nichts besseres zu sagen als: „Wir sind davon völlig überrascht worden. Niemand konnte ahnen, daß so etwas passieren würde. Niemand konnte das voraussagen!"

Das ist offensichtlich eine große Lüge. Denn es gibt einen international bekannten Mann, der diese Krise in jeder Phase, wo etwas schief lief, genau vorausgesagt hat: Das ist meine lieber Ehemann Lyndon LaRouche. Seine Gegner finden, daß er gar nicht so lieb sei, aber ich kann Ihnen versichern, er ist sehr lieb!

Alles, was er gesagt hat, ist genauestens belegt, und das ist extrem wichtig, damit heute eine Lösung gefunden werden kann. Wenn nämlich die Regierungen heute ständig weiter die Lüge auftischen, man habe die Krise nicht vorhersehen können, alles sei völlig unerwartet gekommen, dann erinnert mich das an den Tsunami vor einigen Jahren, als eine riesige Flutwelle nach der anderen ganze Küstenstreifen überschwemmte. Da kommen einem die Politiker heute wie kleine Kinder vor, die mit Spielzeugeimerchen das Wasser abzuschöpfen versuchen, um so dem Tsunami etwas entgegenzusetzen.

Das bankrotte System erlebt seit 17 Monaten einen kettenreaktionsartigen Kollaps, und das einzige, was den Regierungen einfiel, war, ein Rettungspaket nach dem anderen zu schnüren, d.h. buchstäblich Billionen von Dollar, Euros oder Pfund Sterling hineinzupumpen, und ein Ende des Absturzes ist überhaupt nicht in Sicht.

Um nur noch einmal die Proportionen zu verdeutlichen: Im Dezember 2007 sagte der Vorsitzende der Welternährungsorganisation (FAO), Jacques Diouf, es müßten dringend 11 Millionen Euro aufgebracht werden, damit die ärmsten Bauern in der Dritten Welt Saatgut für die Sommerernte kaufen könnten. Im April 2008 mußte er eingestehen, daß diese lächerlichen 11 Mio. Euro nicht zusammengekommen waren. Sein Appell kam zu einer Zeit, als es schon in mehr als 40 Ländern zu Hungeraufständen gekommen war. Es wurde somit im Grunde nichts gelöst, und die Lage hat sich seither keineswegs verbessert.

Der Kollaps, den wir erleben, ist in der Tat atemberaubend. Ich möchte nur auf einige Zahlen verweisen:

- Die Produktion von Autos ist weltweit bereits um 30% zurückgegangen.

- Die Stahlerzeugung ist im Zuge des Zusammenbruchs der Automobilindustrie ebenfalls massiv eingebrochen; in China beispielsweise um 60%.

- Das internationale Frachtaufkommen von Trockengütern ist enorm zurückgegangen, wie man am Baltic Dry Index sehen kann: Wenn die Frachtraten für Massengüter um 96% sinken, bedeutet das einen fast vollständigen Stillstand der Weltwirtschaft. In Hongkong und anderswo bleiben die Schiffe und die Container leer. Wir haben es mit einer wirklichen Zusammenbruchskrise zu tun, nicht nur mit einer zyklischen Krise oder einer Depression. Wir erleben die Desintegration der Weltwirtschaft.

Um Ihnen noch einen Größenvergleich zu geben: Die deutsche Regierung hat es nicht geschafft, 2-3 Mrd. Euro für den Bau der kurzen Transrapidstrecke in München vom Hauptbahnhof zum Flughafen aufzubringen - für die in Deutschland entwickelte Magnetschwebetechnik, die jetzt in China genutzt wird. Eine Entscheidung für den Transrapid in Deutschland wäre ein deutliches Zeichen einer politischen Veränderung gewesen, es hätte gezeigt, daß diese Technologie in Deutschland gebaut werden kann, und sie wäre so zu einem fantastischen Exportschlager geworden.

Aber das wurde nicht zustande gebraucht. Statt dessen gab die Bundesregierung 500 Mrd. Euro aus, um die Banken zu retten. Das Ergebnis ist jetzt, daß der Transrapid am Ende ist, die Technologie wird an China verkauft, und sogar die Teststrecke im Emsland wird abgebaut. Dümmer kann man nicht mehr sein.

Hoffnung in Amerika

Der Hauptgrund dafür, warum alle diese Dinge nicht mehr funktionieren, ist der Zusammenbruch des Systems. Und der Kollaps wird solange weitergehen, bis die von LaRouche vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt werden.

Die gute Nachricht ist jedoch, daß die Vereinigten Staaten einen neuen Präsidenten haben, der allerdings in einer äußerst schwierigen Lage ist, denn er muß mit dem Chaos fertig werden, das zwölf Jahre Bush - acht Jahre George W. und vier Jahre seines Vaters George Herbert Walker Bush - angerichtet haben. Es herrscht offensichtlich eine große Erleichterung auf der Welt, daß die Ära Bush ein für allemal vorbei ist, denn es wird nie wieder ein Bush Präsident der Vereinigten Staaten werden, und das ist gut so. Doch die Welt liegt derzeit in Trümmern, die Bush-Jahre haben einen Scherbenhaufen hinterlassen: eine kollabierende Weltwirtschaft, ein Desaster im Irak, ein Desaster in Afghanistan, eine sehr gefährliche Situation in Pakistan, die sich aus den Entwicklungen in der Region ergeben hat, usw.

Doch nun ist Obama Präsident. Während des Wahlkampfes haben wir ihn nicht unterstützt, da unserer Ansicht nach Hillary Clinton die viel bessere Kandidatin war. Aber jetzt ist der neue Präsident im Amt, er genießt ein enormes Vertrauen, und die ganze Welt blickt auf ihn. Er hat aber nur ein kurzes Zeitfenster. In den Straßen von Paris habe ich Plakate gesehen: „Schafft er es? Kann er die Gelegenheit nutzen?" Das ist tatsächlich die entscheidende Frage. Wenn er entschlossen handelt, kann er die Maßnahmen umsetzen, die mein Ehemann in zwei Internetkonferenzen am 16. und 22. Januar dargelegt hat. Ich kann Sie nur ermuntern, sich diese Sendungen in unserem Archiv im Internet anzusehen, falls Sie das noch nicht getan haben. Dort hat mein Mann genau dargestellt, was Obama in der jetzigen Lage tun müßte, um die Krise zu überwinden. Doch dazu bleibt ihm nur eine sehr kurze Zeitspanne.

Wenn er jetzt entschlossen handelt, so wie Franklin D. Roosevelt 1933, und die Wall Street der Kontrolle der Regierung unterstellt, könnte das Wirtschaftssystem geändert werden, dann kann es funktionieren, aus den Gründen, die ich Ihnen jetzt erläutern will.

Nutzt er diese Chance aber nicht und der Zusammenbruch geht weiter - er hat vielleicht nur einen Monat oder weniger Zeit -, dann werden die Menschen ihn dafür verantwortlich machen, daß er nicht handelte. Es ist deshalb für Sie ungemein wichtig zu verstehen, daß wir uns derzeit in sehr kritischen Wochen befinden, um aus der Krise eine Chance zu machen.

Was mein Ehemann in den beiden Internetforen dargestellt hat, ist sehr einfach: Wir können es schaffen, wenn jemand die Führung übernimmt und den Mut hat, diese Programme umzusetzen. Er müßte dazu nur das Finanzsystem der Vereinigten Staaten einer Konkurssanierung unterziehen. Die amerikanischen Banken müssen einem ordentlichen Konkursverfahren unterzogen werden, was unter der amerikanischen Verfassung möglich ist, weil sie nur der Regierung und dem Kongreß die Vollmacht verleiht, Kredit zu schöpfen. Damit ist die Regierung ermächtigt, die Investmentbanken, die Hedgefonds und Anlagegesellschaften unter staatliche Zwangsverwaltung zu stellen und den finanziellen „Giftmüll" einzufrieren und die ordentlichen Geschäftsbanken zu schützen. Man muß das monetäre System durch ein Kreditsystem ersetzen und eine Nationalbank in der Tradition von Alexander Hamilton zur Vergabe von Krediten schaffen.

Die USA könnten das gleiche tun, was Franklin D. Roosevelt 1933 getan hat, nämlich Kredite für den Wiederaufbau der Vereinigten Staaten, zum Ausbau der Infrastruktur und zur Umrüstung der Automobilindustrie zu vergeben. Mit einem gigantischen Investitionsprogramm könnte die US-Industrie wieder zum Laufen gebracht werden.

Es reicht natürlich nicht, das nur auf nationaler Ebene zu tun; wir brauchen eine internationale Reform des bankrotten Währungssystems. Schon seit einiger Zeit weist mein Ehemann darauf hin, daß wegen der Macht britisch-imperialer Finanzinstitutionen wie der Londoner City, der Wall Street und anderer Geldzentren eine solche Reform nur durchgesetzt werden kann, wenn die vier mächtigsten Nationen der Welt, die Vereinigten Staaten, Rußland, China und Indien, zusammenarbeiten. Sie müssen eine Kerngruppe bilden, der sich auch andere Nationen anschließen können, um die notwendigen Reformen durchzusetzen.

Es gibt Gründe, warum gerade diese vier Länder erforderlich sind: Sie repräsentieren die Mehrheit der Weltbevölkerung, sie sind mächtig genug, um sich gegen das gegenwärtige imperiale System zu stellen, und - was extrem wichtig ist -, sie können als Repräsentanten aller anderen Nationen auftreten. Eine Reform wäre gar nicht möglich, wenn an einer Konferenz für ein neues Bretton Woods 180 oder 190 verschiedene Nationen teilnähmen; alles würde in einem demokratischen Gezänk enden, und nichts wäre erreicht. Deswegen braucht man eine repräsentative Gruppe, die die notwendigen Veränderungen vornimmt.

Kann das funktionieren? Ist das eine realistische Vorstellung? Präsident Sarkozy hat sich einmal zur Notwendigkeit eines neuen Bretton Woods bekannt, doch leider hat er diese Idee seither nicht weiterentwickelt. Man kann also nur raten, was er darunter versteht und wohin er sich wenden wird. Man kann nur hoffen, daß sich daraus weiteres ergibt. Was mein Ehemann vorgeschlagen hat, würde aber sofort funktionieren, wenn die Vereinigten Staaten die Initiative ergreifen.

Wie Rußland denkt

Auch in bezug auf Rußland bin ich recht optimistisch. Herr LaRouche hat kürzlich ein Papier mit dem Titel „Wie Rußland [von der Krise] überrascht wurde" geschrieben, worin er die tieferen Gründe beschreibt, warum die russische Führung die Gefahr eines Systemzusammenbruchs völlig unterschätzt hat. Einige dieser Gründe haben etwas mit den Relikten des Marxismus zu tun, denn immerhin war Rußland 70 Jahre lang das Zentrum der Sowjetunion, und der Marxismus spielte dabei eine wichtige Rolle.

LaRouche schreibt das weniger dem Kommunismus als solchem zu, sondern mehr der Manipulation von Karl Marx selbst, der zufällig in der gleichen Stadt geboren wurde wie ich; weiter gehen die Gemeinsamkeiten allerdings nicht. Marx wurde von Friedrich Engels manipuliert, der Marx glauben machte, der damalige Manchester-Kapitalismus sei die entwickeltste Form des Kapitalismus gewesen - offensichtlich ein totaler Fehler. Der arme Karl Marx, der ein netter Kerl war, solange er in meiner Heimatstadt Trier lebte, kam erst herunter, als er nach Bonn und später nach Berlin zog. Er war mehr von Adam Smiths Philosophie überzeugt als von den Ideen Friedrich Lists, und das hat noch heute etwas mit der Frage zu tun, was in Rußland als Quelle des Reichtums betrachtet wird.

Als Rußland in den neunziger Jahren aufgrund der geopolitischen Manipulationen von George Bush senior und Margaret Thatcher kollabierte - Gründe, die von Wissenschaftlern und anderen im Westen bisher nicht wirklich untersucht worden sind -, war man im Westen absolut entschlossen, daß Rußland keine Supermacht mehr sein dürfe, sondern ein reiner Rohstofflieferant wie Länder der Dritten Welt werden müßte. Von 1991 bis 1994 wurde die russische Industrie durch die Schocktherapie und andere Maßnahmen innerhalb von nur drei Jahren so weit abgebaut, daß nur noch 30% von dem übrigblieben, was es am Ende der Sowjetunion gegeben hatte. Sie werden sich noch daran erinnern, wie dann mit Hilfe westlicher Oligarchen einige Russen zu Milliardären wurden und das Land ausplünderten. Die neunziger Jahre waren das Jahrzehnt, in dem Rußland völlig verzweifelte: Die Bevölkerung schrumpfte und die Menschen hatten keinerlei Perspektive mehr.

Erst als Putin 2000 an die Macht kam, ließ die beispiellose Ausplünderung langsam nach, und die Bevölkerung faßte wieder Vertrauen. Einer der Gründe, der zum Kollaps der Sowjetunion beigetragen hatte, blieb jedoch bestehen. Denn in der Sowjetunion wurde zwar in „geheimen Städten", die auf keiner Karte verzeichnet waren, die beste Militärforschung auf der ganzen Welt, einschließlich der Vereinigten Staaten, betrieben, doch die Sowjetunion war nicht in der Lage, diese fortgeschrittenen militärischen Fähigkeiten auf die zivile Wirtschaft zu übertragen.

Dieser Fehler wurde nie ganz ausgemerzt, denn selbst nach dem Ende des Kommunismus verließ sich Rußland viel zu sehr auf Öl, Gas und andere Rohstoffe als Quelle des Reichtums. Als die Krise jetzt ausbrach, lag der Ölpreis zeitweise bei 150 Dollar, und Rußland verfügte über Devisenreserven von 600 Mrd. Dollar. Als ich im Oktober letzten Jahres auf dem hauptsächlich von Rußland organisierten Weltforum „Dialog der Zivilisationen" auf Rhodos war, herrschte unter den dort anwesenden 200-300 Russen zwar das klare Verständnis vor, daß das neoliberale Paradigma am Ende wäre - der Kommunismus war 1989-90 kollabiert, aber jetzt sei das neoliberale Paradigma erledigt. Alle waren sehr aufgeregt. Aber in fast allen Diskussionen meinten sie, das gelte für die Vereinigten Staaten, für Westeuropa und andere Teile der Welt - aber nicht für Rußland!

In Moskau gab man sich der Illusion hin, mit den Einkünften aus den Rohstoffverkäufen die Krise unversehrt überstehen zu können. Alles sei nur eine amerikanische Krise, die Amerika und Europa zu Fall bringen, Rußland aber irgendwie verschonen würde.

Als jedoch spätestens im Dezember letzten Jahres die russische Realwirtschaft wie ein Stein zu fallen begann, brach sich plötzlich die Erkenntnis Bahn, daß Rußland von der Krise voll getroffen würde. Wir vermuten, daß Berichte über das Ausmaß der Krise ziemlich heruntergespielt werden, denn in einigen Teilen Rußlands ist es bereits zu Unruhen gekommen. Die Regierung befürchtet offenbar, daß die Stabilität des Landes gefährdet sein könnte, wenn sich Nachrichten über diese Unruhen verbreiten.

Was bedeutet dies für die Möglichkeit Rußlands, bei der Lösung der Krise mit den Vereinigten Staaten zusammenzuarbeiten? Dazu muß man vor allem wissen, daß der Name LaRouche in Rußland sehr bekannt ist. Jedes Mal, wenn mein Mann einen Artikel schreibt, wird auf tausend oder mehr russischen Internetseiten darüber berichtet, und seine Analysen sind überall in Rußland bekannt. In vielen Kreisen, besonders unter Akademiekreisen, kennt man ihn als Ideengeber in der Tradition von Wernadskij und Mendelejew, die zu den angesehensten sowjetischen Wissenschaftlern gehörten. Das ist die eine Seite. Aber auch Präsident Medwedew erklärte kürzlich nach Obamas Amtsantritt, er hoffe, daß sich mit der neuen amerikanischen Regierung die Zusammenarbeit zwischen Rußland und den Vereinigten Staaten erheblich verbessern werde. Wenn Obama tatsächlich der Tradition Roosevelts folgt, könnte sich daraus eine ganz andere Basis ergeben, denn die Zusammenarbeit mit den USA während des Zweiten Weltkriegs war eines der wichtigsten kulturellen und historischen Fundamente der russischen Politik.

Ich bin absolut überzeugt, daß die Bewährungsprobe dafür sein wird, ob Obama die Pläne für Raketenabwehrsysteme in Polen und Tschechien aufgibt. Er muß Rußland ein deutliches Signal geben, daß er die Osterweiterung der NATO aufgibt, und der Verzicht auf die ABM-Stellungen in diesen Ländern ist dafür ein absolut entscheidender Test. Meines Erachtens muß er auch klarstellen, daß er Bushs Politik, Georgien und die Ukraine in die NATO aufzunehmen, nicht fortführt, denn dies wird von Rußland als westliche Politik verstanden, und noch auf dem letzten NATO-Gipfel in Bukarest hatte sich Bush dafür ausgesprochen.

Hillary Clinton wird wahrscheinlich in einer Woche nach Moskau fliegen, was sehr vielversprechend und gut ist. Alles hängt jedoch davon ab, welche Signale dort ausgegeben werden. Und Obama selbst soll im April nach Rußland reisen.

Wir wissen auch, daß die Russen erneut den Vorschlag aufbringen werden, den Putin bereits auf dem Treffen mit der Familie Bush in Kennebunkport (Maine) unterbreitet hatte, nämlich den Vorschlag, ein Raketenabwehrprogramm für die gesamte Welt zu entwickeln. Das geht in die Richtung des SDI-Vorschlags, den mein Ehemann vor mehr als 20 Jahren gemacht hatte. Man wird sehen, was passiert.

Schließt sich China an?

Wenn nach den Besuchen von Hillary Clinton und Obama in Moskau eine positive Konstellation entsteht, d.h. wenn es Zeichen einer russisch-amerikanischen Zusammenarbeit auch in Richtung eines neuen Währungssystems geben sollte, wird es meines Erachtens für China relativ leicht sein, sich dem anzuschließen.

Die Chinesen denken, ihr Schicksal sei im Guten wie im Schlechten völlig mit dem der Vereinigten Staaten verknüpft. Aus offensichtlichen Gründen kann man China das eigentliche Opfer der Globalisierung nennen, denn nachdem China 1970 die Politik der Öffnung einleitete, wurde es das Land der Auslagerung, das Land der Billigproduktion für den US-Markt. Fast die gesamte mittelständische Industrie, die bis dahin in den Vereinigten Staaten tätig war, wanderte aus Kostengründen nach China ab. Denken wir nur an Wal-Mart und all die anderen. Deswegen ist Chinas Exportabhängigkeit vor allem von den USA, aber auch von Europa enorm. China sitzt außerdem auf 2 Bio. Dollar Devisen, größtenteils in Form von US-Anleihen, US-Schatzpapieren u.ä.

Im Zuge der Politik der Öffnung haben sich die chinesischen Küstenregionen und auch die südlichen Provinzen stark entwickelt. Man findet beispielsweise auf der ganzen Welt keine modernere Stadt als Shanghai. Dort gibt es praktisch kein altes Gebäude und keine heruntergekommenen Unterkünfte mehr. Fast die gesamte Zeit lag das Wachstum dort bei 12% oder mehr, was China aber auch brauchte, denn jedes Jahr mußten 10 Mio. neue Arbeitskräfte in den Arbeitsmarkt integriert werden. Es gab aber auch eine negative Seite dieser ungeheuren Entwicklung, und das waren die kommunistischen Milliardäre und ähnliche Erscheinungen, während andererseits fast 70% der chinesischen Bevölkerung nach wie vor praktisch in der Steinzeit leben und Landwirtschaft ohne jede Maschine und sogar ohne Tiere betreiben. Sie bearbeiten die Reisfelder manuell nur mit Holzstöcken!

Die Armut in diesen Gegenden ist unvorstellbar. Nun werden darüber hinaus mindestens 200 Mio. Wanderarbeiter ihre Arbeit verlieren, denn als die Krise einsetzte, mußten fast 50.000 kleine und mittlere Betriebe schließen. Wenn jetzt in einigen Tagen das chinesische Neujahr gefeiert wird, werden Hunderte Millionen Chinesen zu ihren Familien zurückkehren, und die große Frage ist, ob sie dort bleiben müssen, weil sie inzwischen ihre Arbeit verloren haben. Dann droht in China eine riesige soziale Explosion, denn viele der Familien auf dem Lande waren auf die Löhne angewiesen, die die Wanderarbeiter aus den Städten nach Hause schickten.

Schon heute gibt es erhebliche soziale Unruhen in China. Soziale Unruhen sind im übrigen auch vor einigen Tagen in Island ausgebrochen, wo die Leute gegen die Regierung Sturm laufen. Die gleiche Situation gibt es auch in Lettland und in Griechenland. Die sozialen Folgen des Kollapses sind also unübersehbar. Wenn aber die USA Rußland deutliche Änderungen in Aussicht stellen, wird sich China dem sofort anschließen.

Wie ich schon sagte, hat China inzwischen 2 Billionen Dollar Devisenreserven, vor allem in US-Schatzanweisungen, und die müssen bedient werden. Dieses Geld sind die Überschüsse aus chinesischen Exporten, da sich die USA ihrerseits weigerten, China bestimmte Technologien und Güter zu liefern, die als „Dual Use"-Technologien eingestuft wurden, d.h. die nach Auffassung der USA in China für militärische Zwecke eingesetzt werden könnten. Deshalb konnte China von den Vereinigten Staaten nicht alles kaufen, was es wollte. Deshalb haben die USA diese Schulden gegenüber China, die verbindlich sind.

Aus diesem Grund wird China auf jedes Angebot der USA reagieren. Noch mehr Bedeutung messen die Chinesen allerdings der harmonischen Stabilität ihrer Gesellschaft bei, denn China ist eine der ältesten Kulturen auf dieser Erde. Sie ist wahrscheinlich 6000 bis 8000 Jahre alt, und die Philosophie des Konfuzius und Menzius entstand in einer 500 Jahre langen Periode von Kriegen, in der Konfuzius die Notwendigkeit von Harmonie und Stabilität in der Gesellschaft ganz in den Vordergrund stellte. Diese grundlegenden philosophischen Konzepte sind in der chinesischen Kultur seit zweieinhalbtausend Jahren vorherrschend. Als dann die Kulturrevolution einsetzte, in der die Viererbande zehn Jahre lang praktisch alle chinesischen Werte auf den Kopf stellte, erlebten viele Chinesen dies als die finsterste Periode ihrer Geschichte, und sie wollen nicht, daß sich so etwas jemals wiederholt.

Wenn also die Vereinigten Staaten in dieser Phase ein positives Signal gäben, bin ich absolut sicher, daß China dies aufgreifen würde. Und wenn die USA, Rußland und China sich auf eine Reform des Systems einigen, wird auch Indien keine Sekunde zögern, ebenfalls in diese Richtung zu gehen.

Die Lage Indiens

Auch Indien ist derzeit von der Krise betroffen, wenn auch nicht so schwer wie China, weil der indische Binnenmarkt etwa 85% der eigenen Produkte absorbiert und Indien deshalb etwas besser gegen die Auswirkungen abgeschirmt ist. Aber auf der anderen Seite sind 63% der indischen Bevölkerung sehr arm. Und wenn es zu einem Kollaps kommt, wird dieser auch hier sehr dramatische Folgen haben.

Indien, daran sei erinnert, ist auch eine der Wiegen der menschlichen Zivilisation. Dort stammt das Sanskrit her, das Wilhelm von Humboldt einmal als die am weitesten entwickelte Sprache bezeichnete, die es je gegeben hat. Indien hat die schönen vedischen Schriften, den Schöpfungsgesang, den Sie alle einmal lesen sollten. Er enthält alles, worauf noch die heutigen wissenschaftlichen Vorstellungen über die Nichtlinearität der Welt basieren, daß Lösungen nur auf einer höheren Ebene des aktuellen Konflikts gefunden werden können - wunderschöne Ideen, die in die europäische Philosophie eingeflossen sind, usw.

Indien ist eine sehr stolze Nation. So wurden beispielsweise erst vor ein paar Jahren vor der Küste Mumbays im Indischen Ozean versunkene Städte entdeckt, die weit größer waren als die babylonischen Städte, die erst 5000 Jahre später gebaut wurden. Lange Zeit glaubte man, das seien nur Erfindungen, aber dann machte die NASA Aufnahmen aus dem Weltraum, auf denen man sehen konnte, daß das, was in den ursprünglichen vedischen Schriften enthalten war, aufgrund bestimmter Änderungen der Erde tatsächlich auf diese Weise geschehen ist. Die Inder haben also eine sehr stolze Identität. Aber - mein Mann und ich waren erst im Dezember dort - sie werden nur auf die Initiative einer Kombination aus Vereinigten Staaten, Rußland und Indien reagieren. Sie werden sich einer Lösung Rußland, China, Indien nicht anschließen, denn man darf nicht vergessen, daß Indien ein Subkontinent ist, der durch den Himalaja von der übrigen Welt getrennt ist und seit Jahrhunderten, seit Jahrtausenden nur wenig Austausch hatte. Es gab Missionare, die über den Himalaja hin- und herzogen, aber Indien insgesamt war ziemlich abgetrennt. Deshalb betrachten sie die Welt vor allem mit Blick auf Pakistan und Bangladesh, die früher Teil von Indien waren, auf Afghanistan, Iran und China. Aber ihrer Kultur nach haben die Inder noch nicht die Idee, als Katalysator zur Lösung der weltweiten Krise zu handeln. Aber sie werden reagieren, sobald die drei anderen Nationen reagieren.

Ich kenne Rußland ein wenig, ich kenne China ganz gut, ich kenne Indien relativ gut, und ich sage ich Ihnen nach meinem besten Verständnis der Lage: Es kann funktionieren! Das ist keine utopische Idee; es kann funktionieren. Besonders für Europa ist es sehr wichtig, das zu erkennen, denn wenn man sich die europäische Politik ansieht, muß man sich fragen: „Wo sind eigentlich unsere politischen Führer, die sich dieser Krise annehmen?" Da sieht es sehr, sehr dürftig aus. Deshalb ist es wichtig, daß wir ein realistisches Konzept davon haben, wie wir aus der Krise herauskommen können. D.h. wenn in den Vereinigten Staaten, Rußland, China und Indien Bewegung entsteht, dann ist das Beste, was die europäischen Nationen tun können, diese Initiative zu unterstützen.

Madoffs Schneeballsystem

Das bedeutet für Europa nicht nur, das zu unterstützen, was diese vier Länder hoffentlich tun werden. Es bedeutet auch, das Paradigma der letzten 40 Jahre in Europa rückgängig zu machen - nämlich daß wir uns von der Produktion ab- und der Spekulation zugewendet haben. Utopien wie die der nachindustriellen Gesellschaft, die Idee der Globalisierung müssen beseitigt werden, und wir müssen uns vollkommen von der Idee abwenden, daß man „mit Geld Geld macht". Wenn wir nicht von der Idee abkommen, „schnell reich zu werden", werden wir auch dumm genug sein, immer wieder auf Betrügereien wie Madoffs Schneeballsystem hereinzufallen. Wie Sie wissen, war Madoff der Wall-Street-Finanzier, der seine Kunden um fast 50 Mrd. $ betrogen hat. 50 Mrd. $ sind keine „Peanuts" mehr; man muß schon ziemlich gewieft sein, um so viele Leute mit einem solchen Plan hereinzulegen.

Der ganze Schwindel beruhte auf dem Vorbild des berühmten alten Ponzi-Schemas. Ponzi war ein Spekulant in Boston, und in der englischsprachigen Welt ist der Begriff „Ponzi scheme" ein geflügeltes Wort. Lassen sie mich also kurz sagen, worum es sich handelt. Charles Ponzi, der von 1882 bis 1949 lebte, war der Pionier der Schneeball-Systeme. Er fand in der Zeit während und unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg heraus, daß man aufgrund internationaler Vereinbarungen zwischen verschiedenen Postdiensten einen Brief versenden und dabei auch das Porto für die Rückantwort bezahlen konnte, so daß der Empfänger in einem anderen Land ihn beantworten konnte, ohne dafür Porto zahlen zu müssen. Dabei fand er heraus, daß man aufgrund der Währungsabwertung in Europa nach dem Ersten Weltkrieg einen solchen Antwortbrief in Spanien für 1 Cent kaufen konnte, der in den Vereinigten Staaten aber 6 Cent kostete. Er sagte sich also: Kaufen wir eine Menge dieser Rückantwortscheine in Spanien und anderen europäischen Ländern und verkaufen sie in den Vereinigten Staaten. Auf diese Weise können wir einen enormen Profit machen.

Er begann sehr klein. Im ersten Monat machte er aus einer Anlage von 1.000 $ 15.000 $, doch dann gewann er immer mehr Leute für seine Geschäfte. 1919 gründete er in Boston eine kleine Firma namens Security Exchange Co.; als er sein Unternehmen ins Handelsregister eintragen ließ, war der Postinspekteur zunächst sehr skeptisch und sagte, es sei nicht legal, die Rückantwortscheine in den Vereinigten Staaten gegen Geld zu tauschen - aber irgendwie kam er mit seinem Plan durch. Seine Kunden legte er mit einer phantastischen Geschichte herein. Er sagte, sie könnten 400% Gewinn erzielen: in 45 Tagen könne man 50% Gewinn machen, und diesen in 90 Tagen verdoppeln. Das war offensichtlich ein völliger Betrug, denn wenn irgend jemand nachgefragt hätte, hätte sich sofort herausgestellt, daß man mit sämtlichen Rückantwortscheinen der Welt kein solches Geschäft hätte machen können. Aber niemand hat nachgefragt, und Ponzi hielt alles geschickt im Unklaren. Er sagte nicht offen, wie es funktionierte, da dies ein Geschäftsgeheimnis sei, und je mysteriöser er es verpackte, desto mehr Leute sagten, „Ja, das will ich! Das will ich!" Immer mehr Leute sprangen darauf an, und das Schema wurde für Investoren immer attraktiver.

Schon bald hatte er 30 Angestellte, und er kaufte ein großes Gebäude für sein Büro. In Wirklichkeit hat er nie Geschäfte mit Rückantwortscheinen gemacht, sondern er nahm das Geld der neuen Investoren, um es an die alten weiterzureichen. Er gewann also neue Investoren dafür, in seinen Plan einzuzahlen, und er zahlte davon älteren Investoren hohe Gewinne aus, so daß sie dachten, er mache riesige Gewinne. Ein solches Schema funktioniert natürlich nur, solange die Blase wächst.

Wenn der Geldfluß leichtgläubiger, dummer Investoren versiegt, fällt das Schneeballsystem in sich zusammen - und genau das geschah dann auch: Eines Tages konnte er einen Investor nicht mehr auszahlen, und als sich das dann herumsprach, kam es zum Kollaps. Es stellte sich heraus, daß er 40.000 Kunden hereingelegt und 10 Mio. $ gestohlen hatte. Das war damals, anders als heute, eine enorme Summe.

Ponzi kam ins Gefängnis, und als er später wieder freikam, beging er eine Reihe weiterer Betrügereien. Der Madoff-Skandal von heute ist genau das gleiche! Er gewann immer neue Investoren hinzu, zahlte mit diesem Geld die alten Investoren aus... und eines Tages kollabierte das Ganze.

Der Grund, warum ich Ihnen das alles erzähle, ist: Das ganze System der Globalisierung funktioniert ebenfalls so. Das ist sehr wichtig, zu erkennen, denn all die „kreativen Finanzinstrumente", die Alan Greenspan erfunden hat, bewirkten genau das. Nehmen wir beispielsweise in den USA die minderwertigen Hypotheken, bei denen jeder von Anfang an hätte wissen sollen, daß man damit eine Bauchlandung machen würde. Wenn man jemandem eine Hypothek andreht, der weder Ersparnisse hat noch ein ausreichendes Einkommen, um sie zurückzuzahlen, selbst wenn die Hypothek nur null Prozent Zinsen hat, so ist klar, daß die Zinsen nicht immer bei null bleiben werden. Diese minderwertigen Hypotheken wurden dann in Paketen zusammengefaßt; man hat diese Pakete wie in einem Schneeballsystem an andere Leute weiterverkauft, und tatsächlich ein gigantisches Ponzi-Schema aufgebaut.

Der ganze Schwindel wurde so aufgeblasen, daß die ausstehenden Derivate inzwischen 1,4 Billiarden Dollar erreicht haben. Das gesamte Finanzsystem ist also ein gigantisches Ponzi-Schema mit Billiarden Dollars ausstehender Derivate.

Warum fallen die Leute auf so etwas herein? Warum wiederholt sich das immer wieder, obwohl der betrügerische Charakter solcher Geschäfte immer klar ist? Dahinter steckt die reine Geldgier, und diese Geldgier verleitet die Menschen dazu, sich imperialen Strukturen zu unterwerfen. Dieses System hat weltweit wahrscheinlich Tausende zu Milliardären und Hunderttausende zu Millionären gemacht, während 2-3 Milliarden Menschen ständig am Rand des Verhungerns leben.

Jeder, der kein völliger Trottel ist, wer moralisch nicht völlig schweinisch ist, hätte erkennen müssen, daß dieses System nicht immer so weitergehen konnte. Das muß jetzt aufhören. Dieses System muß weg. Präsident Obama muß dafür sorgen, daß seine Regierung das einleitet, was Franklin D. Roosevelt beabsichtigte, bevor er starb und Truman die Regierung übernahm. Er muß dem Kolonialismus für immer ein Ende setzen. Das neue System muß jedem Menschen auf diesem Planeten einen anständigen Lebensstandard bieten, und jede Nation muß ein souveräner Nationalstaat werden, der blühen und gedeihen kann.

Das Wohl der anderen

Dazu brauchen wir den philosophischen Ansatz des Nikolaus von Kues, des großen Denkers des 15. Jahrhunderts, des Vaters der modernen Wissenschaft, des Vater des modernen Nationalstaats, der aber auch das wunderschöne Konzept entwickelte, daß es Konkordanz im Makrokosmos, im Universum bzw. auf der Erde insgesamt, nur geben kann, wenn sich alle Mikrokosmen in der besten Weise entwickeln. Das bedeutet, daß es nur dann Frieden auf der Welt geben kann, wenn alle Nationen sich in gleicher Weise entwickeln und in der besten Weise für das Wohl der übrigen einsetzen. Das war übrigens auch die Idee des Westfälischen Friedens: Es wird nur dann Frieden geben, wenn jedes Land es als sein höchstes Interesse betrachtet, das andere in der bestmöglichen Weise zu entwickeln.

Wie läßt sich das in der heutigen Lage verwirklichen, wo die europäischen Staaten, die Vereinigten Staaten, Japan u.a. kollabieren? Es gibt vielversprechende, aufstrebende Länder, es gibt Länder mit großen Ressourcen, es gibt Länder, die sehr arm sind, Länder, die nur Wüsten sind, und andere Länder mit reichen Rohstoffvorkommen. Wie kann man ein gerechtes System künftig ausbalancieren? Genau darüber Herr LaRouche in seinem Buch Die kommenden 50 Jahre geschrieben.

Das bedeutet, daß wir uns von der Idee des Geldprofits verabschieden müssen, daß ich heute investiere und morgen einen Profit haben will. Wir müssen vielmehr eine Welt schaffen, in der jeder Mensch ein anständiges Leben führen kann, genug zu essen hat, gute Lebensbedingungen hat, lernen und studieren kann - aber wir brauchen keinen überflüssigen Reichtum! Wir brauchen keine Milliardäre, wir brauchen nicht einmal Millionäre, denn das entspricht nicht dem Wesen des Menschen!

Wir brauchen ein vielschichtiges Vertragswerk zwischen den Nationen der Welt, um für die kommenden ein bis zwei Generationen ein Gleichgewicht zu schaffen, so daß die Länder, die jetzt rückständig sind, aufholen können. Es müssen gewisse Investitionen gemacht werden: Wir vergeben Kreditlinien für die Produktion, so daß die notwendige Infrastruktur und andere Einrichtungen gebaut werden können. Wenn nach ein oder zwei Generationen die nötige Kaufkraft entstanden ist, verlangen wir einen Teil der Kredite, die wir ihnen gegeben haben, zurück. Wir dürfen nicht die jetzige Politik der Weltbank weiterführen, die im Grunde eine Rückzahlung der Kredite verlangt, bevor eine Entwicklung überhaupt stattgefunden hat.

Was ist die Quelle des Reichtums?

Wir müssen also die Art, wie wir denken, grundsätzlich ändern. Die wichtigste Frage, über die wir uns klar werden müssen, ist: Was ist die Quelle des Reichtums in der Gesellschaft? Wenn wir diese Frage nicht klären, können wir nicht zu der richtigen Lösung gelangen. Die einzige Quelle des Reichtums in jeder Gesellschaft ist die Kreativität der Menschen. Denn nur, wenn wir das kognitive Potential eines Volkes stärken, seine Fähigkeit, immer wieder neue universelle Prinzipien der Naturwissenschaft und der Kunst zu entdecken, die zur Anhebung der Produktivität der gesamten Bevölkerung führt, kommt es wirklich zu einer Verbesserung des Lebensstandards. Wir müssen uns von der Idee verabschieden, die Quelle des Reichtums sei das „billig Einkaufen, teuer Verkaufen". Wir müssen uns von der Idee verabschieden, die Quelle des Reichtums sei der bloße Besitz von Rohstoffen, von Gas, Öl oder ähnlichen Dingen. Denn nur dort, wo mehr und mehr Menschen in der Gesellschaft produktiv tätig sind, so daß sie wirklich menschlich handeln und ihr Potential als Menschen verwirklichen, liegt die Quelle des Reichtums.

Zu erkennen, daß Kreativität der fundamentale Unterschied zwischen den Menschen und allen übrigen Lebewesen auf diesem Planeten ist, ist übrigens auch der Grund dafür, daß LaRouche in der Lage war, den Kollaps des Systems korrekt zu diagnostizieren. In seinem jüngsten Internetforum schilderte er, wie er die Krise von 1957 erkannte, die eine Krise der Konsumgesellschaft war. Aber noch grundsätzlicher hatte er schon etwa 1950 erkannt, daß die statistischen Methoden der Informationstheorie und der Systemanalyse völlig ungeeignet waren, um die wahren Prozesse in der Wirtschaft zu beschreiben. Als er den Unsinn sah, den Norbert Wiener und John von Neumann, die Erfinder der Systemanalyse und der Informationstheorie, produzierten, war ihm klar, daß diese Art des Denkens, die die Kreativität aus dem Prozeß der realen Wirtschaft ausschließt, niemals die wahren Wirtschaftsprozesse beschreiben könnten. Und er stellte dem sein eigenes LaRouche-Riemann-Modell entgegen.

Die Frage der Kreativität war auch der Grund, warum LaRouche praktisch ganz allein erkannte, daß die Rock-Drogen-Gegenkultur in den sechziger Jahren der Beginn des Kollapses des Systems war. Dafür, daß er als Individuum aufstand und feststellte, daß die Hippiekultur, die Gegenkultur von Rock, Drogen und Sex die Produktivität der Gesellschaft zerstörte, gebührt ihm meiner Meinung nach der größte Respekt. Das war nicht leicht. Wenn in der vorherrschenden Kultur eine Wende eintritt, wo plötzlich Dinge akzeptiert wurden, die zuvor so nicht geduldet wurden, und die Leute auf einmal sagten: „Oh, das ist so cool" - darin eine langfristige zerstörerische Kraft der Gesellschaft zu erkennen, ist wirklich sehr, sehr wichtig. LaRouche erkannte auch die systemischen Fehler des nachindustriellen „Umweltschutz"-Paradigmas, das damals erfunden wurde.

Wir müssen alle diese Paradigmen ändern und zu einer Gesellschaft zurückkehren, die auf Wissenschaft und Technologie, auf der Suche nach der Wahrheit, auf der Fähigkeit des menschlichen Geistes, universelle Prinzipien zu erkennen, beruht. Wir in Europa müssen uns darauf vorbereiten, mit dem neuen System zusammenzuarbeiten.

Wir müssen zum Europa vor Maastricht zurückkehren. Wir müssen alle europäischen Verträge kündigen, die von Maastricht, von Amsterdam und von Nizza, und wir dürfen nicht zulassen, daß der Lissabon-Vertrag je in Kraft gesetzt wird. Denn der Lissabon-Vertrag, die ganze Idee, aus der Europäischen Union einen Superstaat zu machen, in dem die nationale Souveränität aller beteiligten Mitgliedsstaaten faktisch aufgehoben ist, ist völlig falsch; er beruht auf der Idee, daß sich nur ein europäischer Superstaat in einer multipolaren Welt gegen die Vereinigten Staaten, gegen China, gegen Rußland usw. durchsetzen könne. In Wirklichkeit würde der Lissabon-Vertrag Europa in eine oligarchische Diktatur verwandeln, welche eine militärische Mission für globale Interventionen unter dem Vorwand von „Menschenrechten", „Demokratie", „humanitären Katastrophen" usw. hätte.

Statt dessen müssen wir die Verträge von Lissabon, Nizza, Maastricht und Amsterdam annullieren und zu der gaullistischen Idee eines „Europas der Vaterländer", eines Europas souveräner Nationalstaaten, zurückkehren. Zu einer solchen gemeinsamen Mission müssen wir uns sammeln.

Wie ich schon sagte, der einzige Weg, wie wir aus dieser Krise herauskommen werden, ist, zu der Idee von Roosevelt zurückzukehren, daß das Bretton-Woods-System dem Kolonialismus für immer ein Ende zu setzen versprach.

Europas Mission: Afrika entwickeln!

Eines möchte ich noch hinzufügen. Was wäre für uns in Europa offensichtlicher, als daß wir es als unsere gemeinsame Mission übernähmen, Afrika zu entwickeln? Wenn wir die Krise jetzt nicht dazu benutzen, eine feierliche Verpflichtung einzugehen, den afrikanischen Kontinent zu entwickeln, wären wir moralisch unfähig, zu überleben. Denn unser Nachbarkontinent stirbt praktisch vor unserer Haustür! Schauen wir nach Afrika, vor allem an das Horn von Afrika: In Somalia gibt es keine Regierung mehr! Sie ist von Räuberbanden und Piraten verdrängt worden, wobei das Piratentum das Symptom des Feudalismus in einer kollabierten Gesellschaft ist. Das gleiche im Kongo! In den letzten Jahren wurden im Kongo sechs bis sieben Millionen Menschen getötet. Sehen Sie nach Simbabwe! Das Britische Empire droht Simbabwe gegenwärtig mit völliger Zerstörung. Daß in Simbabwe heute Menschen verhungern und daß es dort Epidemien gibt, hat nichts mit dem Versagen Mugabes zu tun, sondern ausschließlich mit der Sanktionspolitik des Britischen Empire.

Wenn all das aufhören soll, brauchen wie eine wirkliche Entwicklung. Und das bedeutet Aufbau der Infrastruktur. Wir müssen den afrikanischen Nationen helfen, Straßen, Häfen, und Eisenbahnen zu bauen, und wir sollten uns nicht länger darüber beschweren, daß die Chinesen in Afrika Einfluß ausüben. Die Chinesen machen vielleicht nicht alles richtig, aber ich habe mit vielen Afrikanern gesprochen, die gesagt haben: „Wenigstens geben uns die Chinesen etwas für unsere Rohstoffe." Um Rohstoffe aus Afrika zu bekommen, bauen die Chinesen beispielsweise einen Staudamm im Sudan, anderswo bauen sie Eisenbahnen. Die Probleme, denen die Chinesen jetzt begegnen, weil sie kulturell für diese Aufgabe nicht ganz gerüstet sind, ließen sich leicht abstellen, wenn die Chinesen und die Europäer bei der Entwicklung Afrikas zusammenarbeiteten!

Ich denke, Afrika braucht dringend Kernenergie. Südafrika arbeitet derzeit an einem Kraftwerkstyp der vierten Generation, dem inhärent sicheren Hochtemperaturreaktor. Afrika braucht Hilfe, damit jede Nation Afrikas Zugang zur Kernkraft bekommt.

Eigentlich müssen wir zu den Ideen von Leibniz zurückkehren. Denn schon Leibniz dachte, daß es Europas Mission sein sollte, Afrika zu entwickeln. Zu diesem Paradigma können wir nur zurückkehren, wenn wir die ganze Kultur der letzten 40 Jahre vergessen. Alles, was mit der Globalisierung verbunden war - die „Ellbogen-Gesellschaft", die Orientierung am Geld, um schnell reich zu werden - müssen wir aus dem Fenster werfen. Wir sind herausgefordert, zu den besten Traditionen Europas zurückzukehren. Wir müssen die Periode der klassischen Griechen wiederbeleben. Wir müssen die italienische Renaissance wiederbeleben. In Frankreich müssen wir die Ideen Ludwigs des XI., Jeanne d'Arcs, der Ecole Polytechnique und anderer großer Perioden wiederbeleben, in denen Frankreich einzigartige Beiträge zur menschlichen Zivilisation leistete. Wenn es Deutschland nicht gelingt, sich wieder an der deutschen Klassik zu orientieren, wird Deutschland es nicht schaffen. Wenn wir nicht zu den Höhepunkten unserer Kultur zurückkehren, dann werden sich bald der Kölner Dom und die Kathedrale von Chartres in einem Museum in der Mongolei wiederfinden - als Fossilien einer Kultur, die nicht überlebt hat.

Weil ich das nicht möchte, sollten wir uns zusammenreißen und in der kommenden Zeit eine wirklich konstruktive Rolle übernehmen. Wir befinden uns jetzt in der größten Krise der menschlichen Zivilisation. Wir haben es nicht nur mit einer Finanzkrise zu tun, einer Krise der Wirtschaft, einer moralischen Krise, sondern mit einem Zusammenbruch der Zivilisation.

Aber wir haben das Glück, jemanden zu haben, der all das sehr detailliert studiert und auch viele der Lösungen erarbeitet hat, nämlich meinen lieben Ehemann, Lyndon LaRouche. Wenn Sie etwas tun wollen, um die Zukunft zu retten, dann helfen Sie uns, die Lüge aus der Welt zu schaffen, daß diese Krise nicht vorhersehbar gewesen sei, denn in einer Krise wie dieser wollen wir es nicht mit Scharlatanen und Hohlköpfen zu tun haben, die diese Krise noch vor zwei Monaten nicht haben kommen sehen. Wir wollen jene Leute an der Spitze sehen, die wußten, warum diese Krise kommen mußte, und wir wollen auf jene hören, die uns schon vor langer Zeit die Lösungen genannt haben.

Vielen Dank.

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