Kesha Rogers’ Wahlsieg, oder: Warum wir den Mars besiedeln sollten
21. Juni 2010 •

von Sky Shields

Der Wahlsieg der LaRouche-Demokratin Kesha Rogers bietet die Möglichkeit, dringende Fragen über die wirtschaftliche Entwicklung des Sonnensystems erneut anzugehen: die ersten Schritte der Industrialisierung des Mondes und das Unternehmen einer erfolgreichen bemannten Mission zum Mars.

Der jüngste Wahlsieg von Kesha Rogers bei den Kongreßvorwahlen in Texas markiert einen Wendepunkt in der Weltgeschichte. Die amerikanischen Wähler haben damit bewiesen, daß sie nicht bereit sind, die Sparpolitik zu akzeptieren, die Obama und seine Kontrolleure uns durch ihre verfassungswidrigen Bankrettungspakete, eine mörderische Gesundheitspolitik und eine allgemeine Tatenlosigkeit angesichts der existentiellen Krise aufzuzwingen versuchen. Insbesondere bedeutet das Wahlergebnis, daß sie Obamas verheerende Entscheidung, die letzten Reste bemannter Präsenz der USA im Weltraum aufzugeben, nicht hinnehmen werden. Statt dessen stimmten sie für eine Zukunft des realwirtschaftlichen Fortschritts, der nur durch wissenschaftliche Fortschritte im Zusammenhang mit einer erweiterten Präsenz des Menschen im Weltraum hervorgebracht werden kann.

Rogers’ Wahlsieg bietet die Möglichkeit, dringende Fragen über die wirtschaftliche Entwicklung des Sonnensystems erneut anzugehen: die ersten Schritte der Industrialisierung des Mondes und das Unternehmen einer erfolgreichen bemannten Mission zum Mars. Mit dieser Mission verbunden ist die Aufgabe, letztlich ein ganz anderes Konzept der Organisation des Sonnensystems und des gesamten Weltraums zu schaffen. Insbesondere die geplante Präsenz von Menschen an Orten, die sehr weit von unserer Erde entfernt sind, erfordert ein viel tieferes Verständnis der Wirkung kosmischer und anderer Strahlen auf und in lebenden Organismen. Eine solche erweiterte Sicht der Rolle energetischer Phänomene in lebender Materie wird nicht nur längere Aufenthalte außerhalb unseres Planeten ermöglichen, sie verspricht auch eine Revolutionierung der Medizin hier auf der Erde, und sie wird uns ein viel besseres Verständnis grundlegender Aspekte des Lebens, der Evolution und der Morphogenese liefern, als dies im Rahmen der heutigen Zersplitterung und Unterfinanzierung solcher wissenschaftlicher Untersuchungen jemals möglich wäre.

Wir könnten somit die Aufgabe in Angriff nehmen, künstliche Umgebungen jener Art zu erzeugen, die der Mensch braucht, um seinen irdischen „Mutterleib“ zu verlassen. Was aus der Biosphäre werden wir dorthin mitführen müssen? Welche Rolle werden elektromagnetische Phänomene und die kosmische Strahlung in jener Umgebung spielen? Vielleicht ist es ratsam, ein Gravitationsfeld wie auf der Erde zu simulieren, indem Raumschiffe im interplanetaren Raum mit dem einfachen der Erdschwerkraft (1 G) beschleunigt werden, aber eine solche willentliche erzeugte, stetige Beschleunigung hat es bisher noch nirgendwo im Universum gegeben. Damit würde erstmals ein solches Gravitationsfeld künstlich aufrecht erhalten; wenn das über längere Zeit erfolgt, könnten schnell relativistische Geschwindigkeiten erreicht werden. Aber welche Folgen hat eine solche Form der Fortbewegung für eine Mannschaft an Bord? Und welche Wirkung hätte das auf das Weltall insgesamt? Diese Fragen führen uns zu weiteren unerforschten Aspekten der Biosphäre in unserer unmittelbaren Umgebung, die geklärt werden müssen, bevor sich der Mensch in die Fernen des interstellaren Raums begibt.

Was ist Leben?

Lyndon LaRouche stellte unserem Forschungsteam kürzlich die provozierende Frage: „Wie kann man bestimmen, welchem der drei Phasenräume Wernadskijs - dem nicht-lebenden, dem lebenden oder dem kognitiven - ein gegebener Prozeß angehört?“ Die Antwort lautet: Resonanz. Kein Gegenstand existiert als unabhängiger Gegenstand. Alle Gegenstände sind definiert durch Dynamik - durch den Prozeß, in dem sie existieren. Wernadskij sagte aus diesem Grunde einmal, daß die Biologie als Biologie - wie die Geometrie - eine abstrakte Wissenschaft sei, weil sie künstlich versuche, die Untersuchung des einzelnen Organismus von der Untersuchung des Gesamtprozesses, an dem er teilhat, abzutrennen.17 In der Realität gibt es keine individuellen Lebewesen, es gibt bloß Lebewesen im Kontext der gesamten Biosphäre. Das zeigt sich an der verbreiteten Rolle der Symbiose in allen Aspekten der Funktion und evolutionären Entwicklung der Biosphäre. Die Evolution der Biosphäre ist eine Evolution von Beziehungen, nicht von einzelnen Lebewesen. Daher ist es besser, die Biosphäre und ihre Evolution als ein einziges System zu betrachten, worin das individuelle Lebewesen als eine Besonderheit existiert. Die Rolle des einzelnen Lebewesens als Einmaligkeit und nicht als Gegenstand beschreibt Wernadskij sehr anschaulich in seinem Konzept der biogenen Wanderung der Atome.18

Insbesondere haben lebende Organismen keine permanenten Strukturen wie Maschinen. Jeder Teil eines lebenden Organismus befindet sich in einem stetigen Wandel, was sich in einem ständigen Austausch von Materie und Energie zeigt, so daß der Unterschied zwischen dem Organismus und der äußeren Umgebung kein materieller ist. Die gleichen Stoffe sind an beiden Prozessen beteiligt - wie Wasser, das in ein Schwimmbecken hinein- und wieder hinausströmt. Der Unterschied liegt im Prozeß, nicht im Material. Der offensichtliche Unterschied in beiden Fällen - dem lebenden Organismus und dem Schwimmbecken - ist, daß das Material, wenn es seine Wanderung durch die Lebensprozesse des Organismus abgeschlossen hat, in Form fossiler Stoffe vorliegt, welche einen höheren physikalischen Organisationsgrad als vor ihrer Aufnahme in den Organismus aufweisen.

Insgesamt läßt sich also die lebende Erdhülle - die Biosphäre - als ein Prozeß ansehen, bei dem die zuvor unbelebten Stoffe auf immer höhere Organisationszustände gehoben werden. Auf diese Weise entwickeln sich auf der Erde ständig neue Konzentrationen verschiedener Erze und anderer Mineralvorkommen, die eine konzentriertere Organisationsform darstellen, als es sie vorher in dem weniger konzentrierten Stoffzustand der ursprünglichen Sternenmasse gab - ein Zustand, der sich immer noch in der relativ homogenen Verteilung der Elemente z.B. im Mondregolith zeigt.

Der Prozeß der biogenen Migration stellt einen kontinuierlichen Prozeß dar, der noch weit außerhalb der Erdatmosphäre wirksam ist. Zum Beispiel stand am Beginn der wichtigsten Stoffkreisläufe in der Biosphäre die Funktion der Photosynthese. Bei diesem Vorgang wird die dispergierte Sonnenstrahlung mit ihrer geringen Energieflußdichte durch die Tätigkeit photosynthetischer Pflanzen auf großen Landflächen eingefangen und in die kohlenhydratreiche Struktur der Pflanzen umgewandelt. Diese bilden sich buchstäblich aus dem Sonnenlicht, das die Erdoberfläche erreicht. Die so gespeicherten energiereichen Kohlenhydrate werden ihrerseits durch das komplexere Tierleben verbraucht und über den Verdauungsprozeß in die Struktur dieser höheren Lebewesen eingebaut, bis sie schließlich in Form fossiler biologischer Reststoffe wie z.B. Böden, Mineralvorkommen oder auch der Erdatmosphäre wieder in die Umwelt zurückkehren. Diese fossilen Stoffe werden dann erneut durch die geologische Kraft der menschlichen Wirtschaftstätigkeit weiterverarbeitet - zu noetischen Fossilien.4, 3, 5, 16 Man kann somit die Biosphäre und die Noosphäre sowohl nach der Größe des von ihnen in Anspruch genommenen Raums als auch nach der Eigenart ihrer Aktivitäten als Singularitäten in einem ansonsten stetigen Prozeß betrachten, die den Übergang von Materie und Energie in einen qualitativ höheren Zustand von Organisation und Konzentration markieren. Dieser stetige Prozeß erstreckt sich in Form der Sonnenenergie, die von den Pflanzen (und, im Fall der Vitamin-D-Synthese, auch von Tieren) absorbiert wird, bis zur Sonne - aber auch noch viel weiter, was sich an dem stetigen Fluß der kosmischen Strahlung in und aus der Biosphäre zeigt. Dies ist ein stetiger Fluß, ähnlich dem Fluß der Sonnenenergie in die Biosphäre, auch wenn seine Rolle in den biologischen Prozessen bisher noch weitgehend unerforscht ist. Ein Verständnis der biologischen Rolle dieses ständigen kosmischen Materialflusses ist für ein umfangreiches Besiedlungsprojekt von Mond und Mars von entscheidender Bedeutung.

Migration kosmischer Strahlung

Die kosmische Strahlung durchläuft einen genauso vollständigen Zyklus, wie es auch bei den anderen biogenen Kreisläufen der Ernährung oder der Photosynthese der Fall ist. Ionisierte Teilchen fließen beständig in die Erdatmosphäre und wieder aus ihr hinaus. Die Teilchen mit der höchsten Energie durchdringen alle Materie - biologische und sonstige -, scheinbar ohne davon irgendwie beeinflußt zu werden. Aber gerade diese Teilchen, die in der Lage sind, alle Abschirmungen zu durchdringen, spielen möglicherweise eine Rolle bei der Regulierung der Tagesrhythmen verschiedener Lebewesen, die ansonsten in abgeschirmten Umgebungen leben.1 Andere, energieärmere Teilchen lösen in verschiedenen Höhenschichten der Erdatmosphäre Kollisionen aus, wodurch Kaskaden sekundärer Teilchen entstehen, die Einfluß auf die Isotopenverhältnisse an der Erdoberfläche nehmen und wahrscheinlich radikale Änderungen des Erdklimas bewirken. Diese Teilchen spielen somit wahrscheinlich  eine maßgebliche Rolle bei der regelmäßigen Abkühlung bzw. Erwärmung des Weltklimas und dem periodischen Auftreten von Eiszeiten.15, 13

Die Wechselwirkung kosmischer Strahlen mit der Atmosphäre, aus der die Wolkenbedeckung und die wechselnden Warm- und Kaltzeiten des Erdklimas entsteht, muß als eine ganz spezifische Form des Zusammenspiels mit der Biosphäre betrachtet werden, denn, wie Wernadskij betont,17 die Erdatmosphäre ist sämtlich aus der Aktivität der lebenden Materie dieses Planeten hervorgegangen. Daher müssen die Kaskaden, welche die kosmische Strahlung nach ihrem Eintritt in die Erdatmosphäre auslöst, sowie die hochenergetischen Vorgänge in der Ionosphäre, die mit dem Sonnenwind interagieren und Phänomene wie das Nordlicht auslösen, im Grunde als Produkte der Biosphäre betrachtet werden. In einer unbelebten Umgebung - etwa auf dem Mond - spielt die kosmische Strahlung eine völlig andere Rolle, wie die besondere Zusammensetzung des Mondgesteins zeigt.

Auch auf der Ebene des einzelnen Organismen ist kosmische Strahlung wirksam: Wenn man Lebewesen gegen diese Strahlung abschirmt, entsteht daraus eine Änderung im Stoffwechsel, wie sie ganz ähnlich auch z.B. bei Entzug von Nahrung, Wärme, Sauerstoff (bei Lebewesen mit Mitochondrien) oder Sonnenlicht (bei Lebewesen mit Chloroplasten) eintreten. Das ist ein weiteres Indiz dafür, daß die kosmische Strahlung eine entscheidende Rolle bei der biogenen Wanderung von Stoffen in der Biosphäre spielt.

Die Rolle der kosmischen Strahlung in der Evolution

Nigel Calder spricht von einer kreativen Rolle der kosmischen Strahlung in der frühen Entwicklung des Sonnensystems, wodurch chemische Reaktionen in Gang gesetzt und die Bildung komplexer Moleküle gefördert wurde.14 Ihre Rolle bei der Evolution beschränkt sich jedoch nicht auf die Entwicklung der unbelebten Materie im Sonnensystem. Das aufschlußreichste Beispiel für die Rolle der kosmischen Strahlung in biologischen Prozessen ist ihre Bedeutung für langfristige evolutionäre Zyklen. Allein die Tatsache, daß kosmische Strahlen eine Rolle bei der globalen Erwärmung und Abkühlung spielen, reicht für deren nachhaltige Wirkung auf das biologische Leben auf der Erde aus, aber es gibt viele Hinweise dafür, daß die kosmische Strahlung eine noch viel direktere Rolle im Evolutionsprozeß spielt. Die meisten dieser Zusammenhänge sind nur in Form von Resonanzen zwischen verschiedenen Zyklen der Biosphäre und ähnlichen Zyklen anderswo im interstellaren Raum feststellbar. Kausale Zusammenhänge und deren Vermittlungsprozesse wurden noch nicht nachgewiesen, aber wir werden im folgenden einige Hypothesen über mögliche Kandidaten hierfür vorstellen, insbesondere die von Gurwitsch.

Außer in den hier diskutierten Beiträgen wurde bisher noch kein Versuch gemacht, die anti-entropische, kreative Natur des Gesamtprozesses zu erklären, der das Leben auf der Erde mit dem übrigen Kosmos verbindet. Ein Vergleich der deutlichen Resonanzen zwischen astronomischen, biologischen und geologischen Zyklen ist jedoch von größtem Interesse für den Beginn einer richtigen Untersuchung.

Es gibt eine deutliche periodische Zu- und Abnahme der fossilen Artenvielfalt (d.h. der Anzahl verschiedener Arten, die zu einem gegebenen Zeitpunkt auf der Erde existierten) von 62 bzw. 140 Mio. Jahren.12 Der 140-Mio.-Jahre-Zyklus entspricht den Schwankungen im Fluß der kosmischen Strahlung während des Durchgangs der Erde durch die Spiralarme unserer Galaxis. Diese vorausgesagte, regelmäßige Änderung in der auftreffenden kosmischen Strahlung wurde auch durch Untersuchungen des sich ändernden Gehalts von Kalium-Isotopen 40 und 41 in Eisenmeteoriten nachgewiesen und ließ sich somit den Frostperioden des „Schneeballs Erde“ zuordnen, die mit der Menge einfallender kosmischer Strahlung korrespondieren.13, 15

Untersucht man das Alter von abgelagertem Eruptivgestein, so zeigt sich, daß die vulkanische Aktivität der Erde ungefähr einem 60-Mio.-Jahre-Zyklus folgt, was auf eine bisher noch unerklärte Verbindung zu geologisch/tektonischen Phänomenen hindeutet.12 Aber noch wesentlicher ist hier, daß dieser Zyklus der gleichen Zeitdauer entspricht, in der sich auch unser Sonnensystem regelmäßig durch die galaktische Ebene bewegt, wenn man von der Wahrscheinlichkeit ausgeht, daß die Dichte der kosmischen Strahlung auf den beiden Seiten der galaktischen Ebene unterschiedlich ist.9

Eine Komponente der von Exxon festgestellten Meeresspiegelschwankung deckt sich in Periode und Phase mit dem kürzeren Zyklus der Artenvielfalt. Der Anteil der Strontium-Isotopen 87 und 86, der mit der Fläche trockenen Landes zusammenhängt, die bei wechselnden Meeresspiegeln nicht von Wasser bedeckt ist, entspricht ebenfalls der Periode und (umgekehrten) Phase des 62-Mio.-Jahre-Zyklus,9 was erneut auf einen Zusammenhang zwischen tektonischen Änderungen und astronomischen Zyklen hindeutet (vergleiche auch den oben erwähnten Zyklus der Vulkanaktivität bei Rohde.12)

Im allgemeinen gibt es somit viele Hinweise auf eine Art astrobiogeochemische Resonanz, die in uns die Vorstellung entstehen lassen sollte, daß die Biosphäre Teil eines organisierten Systems ist, das sich bis zu den entferntesten bekannten Quellen kosmischer Strahlung erstreckt. Der Eindruck, daß astronomische Prozesse durch riesige leere Räume von uns getrennt sind, ist offensichtlich falsch; die Biosphäre ist funktionell durch einen erstaunlich aktiven, für das bloße Auge nicht sichtbaren Prozeß mit den entferntesten Regionen des physischen Universums verbunden. Der Weltraum ist keineswegs leer, sondern vielmehr gefüllt, dynamisch und komplex - und, wie die Erde selbst, organisierbar in die miteinander in Wechselwirkung stehenden Phasenräume des Abiotischen, der Biosphäre und der Noosphäre, wobei letztere die Möglichkeit für eine aktive wirtschaftliche Entwicklung und Neuordnung dieses komplexen Systems durch die Menschheit aufzeigt. Das ist der eigentliche Kontext, in dem wir über die Industrialisierung des Mondes, die Kolonisierung des Sonnensystems und die wirtschaftliche Organisation des interplanetaren, interstellaren und intergalaktischen Raums diskutieren müssen.

Das führt uns zu dem großen Problem bei all solchen Zyklusvergleichen, gleichzeitig aber auch zu einer Vielzahl möglicher neuer Forschungsrichtungen. Es ist nämlich eine Tatsache, daß der eigentliche evolutionäre Entwicklungspfad, insbesondere nach dem Aufkommen des Menschen und der Noosphäre, nicht zyklisch verläuft, sondern eine ständige Aufwärtsentwicklung auf immer höhere Ebenen der Organisation und der Energieflußdichte darstellt, wie sie der physische Ökonom Lyndon LaRouche definiert und mißt.

Kehren wir nun zu der Frage zurück, die LaRouche zu Beginn gestellt hat: Welchem der drei Phasenräume Wernadskijs ist der Strom kosmischer Strahlung zuzurechnen? Wenn die kosmischen Strahlen und die Zyklen, mit denen sie in Resonanz stehen, Teil der Entwicklung der Biosphäre sind, dann muß die anti-entropische Entwicklung der Biosphäre eine Eigenschaft des Gesamtsystems der Material- und Energieflüsse sein, die an der Entwicklung der Biosphäre beteiligt sind. Gleichzeitig müssen Möglichkeiten entwickelt werden, die qualitativen und nicht nur quantitativen Unterschiede in der Wechselwirkung kosmischer Strahlen mit der Biosphäre herauszufinden. Das Leben kann, wie wir gleich am Werk Gurwitschs sehen werden, zwischen solchen qualitativen Unterschieden in der elektromagnetischen und sonstigen Strahlung, welche bei den oben erwähnten Untersuchungen noch nicht berücksichtigt wurden, unterscheiden.

Leben und Strahlung

Bezüglich Quantität und Qualität von Strahlung sowie der Empfindlichkeit des Lebens für qualitative Unterschiede (wofür der gegenwärtigen Generation von Meßinstrumenten noch die Präzision fehlt) siehe A.G. Gurwitsch.6, 7 Die Wechselwirkung von Lebensvorgängen mit kohärenter elektromagnetischer Strahlung und deren Nutzung ist den abiotischen Phänomenen, die ihr in den eher theoretischen als experimentellen Überlegungen gemeinhin zugeschrieben werden, weit überlegen. Die Kenntnis der Komplexität, wie unterschiedliche Strahlungstypen innerhalb lebender Organismen normalerweise funktionieren, wird klären helfen, welche Wirkung bei der Einwirkung atypischer Strahlungsformen zu erwarten ist.

Aufgrund unseres ungenauen Wissens über die verschiedenen Strahlungsformen in lebenden Organismen müssen wir uns darauf beschränken, lediglich die destruktive Wirkung großer Mengen relativ unorganisierter Strahlung zu beschreiben, wie man sie mit unterschiedlichen Ergebnissen bei der Behandlung verschiedener Krebserkrankungen einsetzt. Welche viel präziseren medizinischen Strahlungsanwendungen könnten wir entwickeln, wenn wir die Rolle der Strahlung bei normalen Lebensabläufen genauer kennen würden?

Wir kennen die Photosynthese als eine offensichtliche Wechselwirkung lebender Organismen mit dem elektromagnetischen Spektrum. Ähnlich ist bei Säugetieren die vom Sonnenlicht vermittelte Synthese von Cholecalciferol (Vitamin D3) bekannt. Gurwitsch und seine Nachfolger haben jedoch auch gezeigt, daß kohärente ultraviolette Strahlung eine sehr wichtige regulierende Rolle bei der Zellteilung spielt, der wichtigsten Funktion, welche die Gestalt des Organismus bestimmt: die Morphogenese und -regulation.6, 7  Störungen dieser ultravioletten „mitogenetischen“ Strahlung hat man mit der Entwicklung von Krebs in Zusammenhang gebracht.

Die oben erwähnten Arbeiten von Frank Brown zeigen, daß kosmische Strahlung eine wichtige Rolle bei der Regulierung des tierischen Stoffwechsels spielen könnte: Die Stoffwechselfunktionen verschiedener Lebewesen sind mit verschiedenen astronomischen Zyklen verbunden, die in etwa einem Tag oder einem Monat entsprechen. Diese Zyklen sind sogar noch dann im Stoffwechsel feststellbar, wenn das Lebewesen nicht mehr direkten Reizen von der Sonne oder vom Mond ausgesetzt ist. Brown hat gezeigt, daß die Regulierungsfunktionen anhalten, wenn die einzigen nicht abgeschirmten äußeren Einflüsse kosmische Strahlen und von der Erde selbst erzeugte elektrische, magnetische und Gravitationsfelder sind. Viele Tiere haben bekanntlich die Fähigkeit, sich am Magnetfeld der Erde zu orientieren. Kürzlich wurde gezeigt, daß Vögel ihren Weg finden, indem sie das Magnetfeld der Erde praktisch „sehen“.

Schließlich wissen wir im Zusammenhang mit Gurwitschs Werk, daß Nukleinsäuren extrem empfindlich sind für ultraviolette Strahlung und mit ihr in Resonanz stehen, und zwar soweit, daß bestimmte Viren unter Laborbedingungen durch die Wechselwirkung mit ultravioletter Strahlung quasi „an- und abgeschaltet“ werden können (in ihre lytische oder krebserzeugende Phase ein- bzw. austreten können).

Pulsare

Erste Hinweise auf die grundlegend kreative Natur sogar des „unbelebten“ Universums finden sich, wenn wir erkennen, daß das Universum die Eigenschaft eines dynamischen, sich entwickelnden Systems hat, das ständig im Entstehen begriffen ist. Besonders wichtig für unseren Gegenstand ist hier die ständige Erzeugung neuer kosmischer Strahlungsquellen in Form von Supernovae, Hypernovae, Pulsaren und ähnlichen Himmelskörpern. Das meiste, was gegenwärtig über solche Sternformationen behauptet wird, ist zwar reine Spekulation, ausgehend von einfachen Extrapolationen des bestehenden physikalischen Wissens hier auf der Erde, doch klar ist, daß ihre ständige Neuerschaffung den Eindruck nicht eines zyklischen, sondern eines voranschreitenden, gerichteten Prozesses vermittelt, der eher dem ähnelt, was die Entwicklung der Biosphäre bzw. Noosphäre kennzeichnet. Wenn wir die Resonanz dieser Prozesse mit den Lebensvorgängen auf der Erde verstehen, werden sich auch bessere Einblicke in ihre bisher noch unerforschten kreativen Eigenschaften eröffnen.

Eine Reise mit der Beschleunigung von 1-G zum Mars bedeutet, daß der Mensch neue, relativistische Phänomene erzeugt. In diesem Zusammenhang ist es bedeutsam, daß die größten bekannten Quellen kosmischer Strahlung, wie z.B. der Krebsnebel, alle mit Phänomenen verbunden sind, die vom Standpunkt der Relativitätstheorie paradox erscheinen. Das läßt darauf schließen, daß solche Prozesse außerhalb einfacher, kinematischer Kausalketten von Ursache und Wirkung liegen und wir in den Bereich in einen mehr vom System ausgehenden Ansatz der Kausalität gelangen: Dynamik. Eine gesichertere Einschätzung über die Natur dieser Prozesse verlangt eine genauere Untersuchung und wirft die Frage auf: An welche physischen Grenzen werden wir stoßen, sobald es möglich wird,  Reisen mit einer Beschleunigung von 1-G über große Entfernungen zu unternehmen?

Experimentelle Vorschläge

Die ersten experimentellen Untersuchungen erfordern offensichtlich eine gründlichere Betrachtung der Lebensumwelt, der Menschen bei interplanetaren Reisen ausgesetzt sind. Wir werden Sonden mit verschiedenen Instrumenten über einen längeren Zeitraum mit 1-G beschleunigen müssen, um einschätzen zu können, welche unerwarteten physikalischen Wirkungen dieser Prozeß haben könnte.

* * *

Bei den wirtschaftlichen Fragen, die mit dieser umfassenderen Untersuchung zusammenhängen, geht es um weit mehr als nur um „lokale Arbeitsplätze“. Eine solche politische Orientierung, wie sie Kesha Rogers und LaRouche repräsentieren, ist auf die Zukunft der Menschheit als Ganzer ausgerichtet. Die Zukunft der Menschheit auf diese Weise anzupacken, ist die einzige Möglichkeit, auch das Fortbestehen unseres Gesundheitssystems zu sichern, produktive Arbeitsplätze zu schaffen und ein kulturelles Empfinden für die Bedeutung einer solchen Mission nicht nur für diese Nation, sondern für die ganze Welt zu erzeugen. Wirkliche Patrioten - Politiker, Wissenschaftler, Ingenieure und einfache Bürger - werden sich dieser Vision anschließen, werden die finanziellen Kontrolleure der Regierung Obama entmachten und mithelfen, diese Politik zu realisieren. In einer Welt, die verzweifelt wirkliche Führung sucht, liegen die Zukunft und unser Überleben in unseren eigenen Händen.

sky.jason.shields@gmail.com


 

Literaturhinweise

(1) Brown, F. Living Clocks. Science 130 (1959)

(2) Brown, F. An Exogenous Reference-Clock for Persistent, Temperature-Independent, Labile, Biological Rhythms. Biological Bulletin 115 (1958)

(3) LaRouche, Lyndon H. „The Economics of the Noosphere“ EIR News Services, Inc. (2001)

(4) LaRouche, Lyndon H. Vernadsky and Dirichlet's Principle. 21st Century Science and Technology (2005), auf deutsch: Wernadskij und das Dirichlet-Prinzip, in Fusion 2/2005

(5) LaRouche, Lyndon H. The Astrophysics of Gurwitsch Radiation. 21st Century Science and Technology (Fall 1998)

(6) Lipkind, M. Alexander Gurwitsch and the Concept of the Biological Field, Part 1. 21st Century Science and Technology (Summer 1998), auf deutsch: Gurwitschs Theorie vom biologischen Feld, Teil 1, in Fusion 4/1985.

(7) Lipkind, M. Alexander Gurwitsch and the Concept of the Biological Field, Part 2. 21st Century Science and Technology (Fall 1998). Auf deutsch: Gurwitschs Theorie vom biologischen Feld, Teil 2, in Fusion 5/1985

(8) Lowry, Colin. Gurwitsch's Non-Reductionist Biology. 21st Century Science and Technology (Fall 1998)

(9) Medvedev, Mikhail V. & Melott, Adrian L. Do Extragalactic Cosmic Rays Induce Cycles in Fossil Diversity? The Astrophysical Journal (2007)

(10) Melott, Adrian L. & Bambach, Richard K. An ubiquitous ~62 Myr periodic fluctuation superimposed on general trends in fossil biodiversity: Parts I and II

(11) Presman, A. S. „Electromagnetic Fields and Life“ Plenum Press (1970)

(12) Rohde, Robert A. & Muller, Richard A. Cycles in fossil diversity. Nature 434 (2005)

(13) Shaviv, N. Cosmic ray diffusion from the galactic spiral arms, iron meteorites, and a possible climactic connection. Phys. Rev. Lett. 89 (2002)

(14) Svensmark, H & Calder, N. „The Chilling Stars: A New Theory of Climate Change“ Totem Books (2008)

(15) Svensmark, H. Cosmoclimatology: A New Theory Emerges. A&G 48 (2007)

(16) Vernadsky, Vladimir I. Some Words About the Noosphere. 21st Century Science and Technology. (2005). Auf deutsch: Einige Anmerkungen über die Noosphäre, in Fusion 2/2005.

(17) Vernadsky, Vladimir I. „The Biosphere“ Springer. (1998)

(18) Vernadsky, Vladimir I. „Scientific Thought as a Planetary Phenomenon“ Nongovernmental Ecological V.I. Vernadsky Fndtn (1997)





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