Kreativität: Schlüssel zur Staatskunst
2. Januar 2010 •

David Faku berichtet von der Winterakademie der LaRouche-Jugendbewegung.

Alle Videoaufnahmen der diversen Präsentation sind hier abrufbar.

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Ohne Berichterstattung in den Medien und damit der öffentlichen Wahrnehmung durch die Bevölkerung enthoben, kämpft eine vom Aussterben bedrohte Spezies um ihr Überleben. Keine Artenschutzliste erfaßt sie. Die schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts stark zurückgehende Spezies, welche Exemplare hervorgebracht hatte, die über ein Vokabular von bis zu 90.000 Wörtern verfügten, ist kaum noch auffindbar. Keine Kriege, Seuchen, Hungersnöte oder andere Katastrophen waren der ausschlaggebende Grund für den starken Rückgang ihrer Populationsdichte und den gravierenden Verfall des Wortschatzes ihrer Mitglieder, der in manchen Gegenden nur noch wenige hundert Wörter umfaßt; vielmehr waren es der von der Oligarchie bestimmte Verzicht auf das Streben nach Wahrheit und der Entzug der richtigen Lehrmethode, der diese Art zu einer vom Aussterben bedrohten Spezies machte.

Der Verlust dieser Gattung hätte unvorhersehbare Folgen für den gesamten Planeten Erde, da sie die Säulen der Zivilisation und damit auch der Biosphäre stellt. Um ihren Fortbestand zu sichern, organisierte die LaRouche-Jugendbewegung eine Winterakademie, die vom 27.-30. Dezember in Mainz stattfand.

Was wie eine Hiobsbotschaft für Umweltaktivisten klingt, ist in Wirklichkeit etwas ganz anderes; denn die Rede ist nicht vom Pandabären, sondern von einem höheren Lebewesen - dem geistig entwickelten Menschen, dem Philosophen, der sich fundamental von jeder tierischen Lebensform unterscheidet. Platon charakterisiert den Philosophen in seinem Symposion als jemanden, der die Wahrheit, das Schöne und das Gute liebt und begehrt.

Ein Blick auf die heutige Gesellschaft verdeutlicht die Notwendigkeit einer kulturellen Renaissance, welche an den besten Traditionen anknüpft. Denn die deutsche klassische Periode des 18. und 19. Jahrhunderts konnte nur eintreten, weil wir auf die Ideen der italienischen Renaissance und der griechischen Klassiker zurückgriffen. Die Gedankenschöpfung kennt keine Grenzen, denn jeder Mensch ist von Geburt an mit einer Fähigkeit ausgestattet, die sich in einer Kreativität äußert, wie sie in keiner niederen Lebensform vorkommt. Solange diese Schöpferkraft nicht durch Verrohung praktisch ganz ausgerottet wird, lebt sie in der Bevölkerung mehr oder weniger weiter.

Napoleon statt Nationalstaat

Jacques Cheminade, Vorsitzender unserer französischen Schwesterpartei Solidarité et Progrès, leitete am ersten Tag die Kaderschule ein. Seine Behandlung des Konzeptes der Entstehung und der Notwendigkeit von Nationalstaaten hinterließ einen tiefen Eindruck.

Wie Herr Cheminade erklärte, wird nicht nur in Deutschland durch die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und in den USA durch die Kongreßwahlen ein nationaler Wahlkampf geführt, auch in Frankreich werden am 18. Februar ebenfalls Wahlen stattfinden. Cheminade betonte immer wieder: „Jeder Staatsmann sollte sich die Probleme seines Landes anschauen, sie ansprechen und eine Grundlagenanalyse in der Universalgeschichte betreiben, um eine kompetente Entscheidung treffen zu können!"

Ein Kulturverständnis zu entwickeln, um zukünftige Schwachpunkte auszumerzen, ist in der Gegenwart Frankreichs leider nicht die alltägliche Politik. So charakterisiert sich ein Kulturstudium eines Nationalstaates im allgemeinen in der klassischen Musik, der Dichtung und der Kunst. Der Kampf um nationale Souveränität, eine Regierung, die eine am Gemeinwohl orientierte Politik verfolgt, war keineswegs die Ideenbasis der Jakobiner zu Zeiten der Französischen Revolution. Da vielmehr deren Blutrünstigkeit keine Grenzen kannte, führte dies 1799 zu einem Diktator neueren Typs: Napoleon Bonaparte, der in einem gigantischen Blutbad ganz Europa in ein einziges Trümmerfeld verwandelte.

Die proamerikanischen Kräfte um den Marquis de Lafayette und Bailly wollten hingegen die Amerikanische Revolution nach Frankreich bringen und mit ihrer Verfassungsbewegung die bankrotte absolute Monarchie durch eine konstitutionelle Monarchie ersetzen. Aber den einmal verstandenen Staatsgedanken auch durchzusetzen, ist eine andere Angelegenheit und erfordert eine Führungsstärke, die der tragische Held Marquis de Lafayette leider nicht besaß.

Wenn wir hingegen neue Blütezeiten von Nationalkulturen aufleben lassen wollen, müssen wir als Jugendbewegung den heutigen Kulturdarwinismus anprangern und ihn durch Schönheit ersetzen. Wenn die Gesellschaft sich willentlich für das Schöne des Menschen entscheidet - selbst Engel hätten keinen Willen, so Cheminade -, dann kommen wir dem Bereich sehr nahe, wo die schöpferischen Fähigkeiten des Individuums Kreativität entwickeln können.

Belcanto

Den zweiten Vortrag des Tages hielt Liliana Gorini von unserer italienischen Schwesterorganisation MoviSol. Sie behandelte die Prinzipien der Gesangsmethode des Florentiner Belcanto, welche in allen vier Stimmregistern das natürliche Vibrato erzeugen solle.

Wie schon Leonardo da Vinci in seinen Notizbüchern ausführte, ist diese wissenschaftliche Gesangsmethode die einzig richtige Art des Singens, weil der Klang nicht in der Kehle erzeugt wird, sondern in den Hohlräumen der Nase und der Brust. Diese Gesangsmethode ist viel besser als die Methoden im derzeitigen Bildungswesen, weil sie mit dem übereinstimmt, was LaRouche immer wieder betont: daß der menschliche Geist nicht mechanisch arbeitet, sondern auf Ideen reagiert.

Aber nicht nur in der Gesangsmethode findet eine Verfälschung der musikalischen Ideen statt, auch andere Arten musikalischer Verstümmelung sind heute allgegenwärtig. Kompositionen von Verdi z.B. werden heute bei einer Orchesterstimmung von manchmal mehr als a'=450 Hz gespielt, wobei die natürliche Verdi-Stimmung bei c'=256 bzw. a'=430 Hz liegt.

Liliana Gorini zeigte anhand eines Musikvideos, wie wichtig die richtige Klanggebung ist: Zuerst sahen wir eine hochgesungene Version von zirka 450 Hz, wo die zu helle Klangfarbe unangenehm auffiel, und kurze Zeit später den gleichen Sänger in der natürlichen Verdi-Stimmung, bei der der Ton voll und rund klang.

Wie Frau Gorini weiter berichtete, nahm der Kampf des Schiller-Instituts um die richtige Orchesterstimmung in den letzten Jahrzehnten sehr große Ausmaße an, indem Hunderte Unterschriften von den namhaftesten Opernsängern der Welt gesammelt wurden. Zum Abschluß ihres Vortrags gab es einige Kostproben aus der Musikarbeit der LaRouche-Jugendbewegung, wie z.B. Wolfgang Amadeus Mozarts Ave Verum Corpus, das in der Belcantomethode gesungen wurde.

Internationales Mächtebündnis als Lösung

Als Überraschungsgast des Abends erlebten die Teilnehmer dann den amerikanischen Staatsmann und Ökonomen Lyndon H. LaRouche, der einen strategischen Überblick gab und die weltpolitische Lage erklärte. LaRouche machte die Ernsthaftigkeit der heutigen Situation sehr deutlich, als er das im US-Senat von Senator Harry Reid durchgepaukte „Gesundheitsreformgesetz" als eine Kopie von Adolf Hitlers Euthanasieprogramm „T4" bezeichnete. Jeder Unterstützer dieses Programms im Kongreß habe sich des Landesverrats schuldig gemacht! „Wir haben einen Präsidenten, der eine Völkermordpolitik verfolgt, die die Handschrift des britischen Imperiums trägt. Die Präsidentschaft Obamas ist verloren, die Frage ist, ob wir die Vereinigten Staaten von Amerika retten können oder ob wir in ein dunkles Zeitalter abrutschen, vergleichbar mit dem des 14. Jahrhunderts."

Die Kopenhagener Klimakonferenz zeigte die horrende Absicht, durch CO2-Richtlinien eine Art Weltregierung einzurichten, die den Tod von mehreren Milliarden Menschen beabsichtigt. Unter dem Deckmantel der Bekämpfung des „menschengemachten Klimawandels" versuchte eine Finanzoligarchie, die Bevölkerungszahl drastisch zu reduzieren.

Doch die nationale Souveränität und der Drang nach wirklicher Entwicklung waren den meisten Staaten wichtiger, insbesondere China und Indien. Gleichzeitig sind Rußland, China und Indien dabei, Wirtschaftsverträge zu schließen, die einer Hamiltonischen Idee eines Kreditsystems sehr nahe kommen.

Doch wie Herr LaRouche immer wieder betonte: Ohne die USA und eine Viermächteallianz zwischen den USA, China, Rußland und China wird es zu keinem volkswirtschaftlichen Wiederaufbau kommen. Aus Europa wird unter der gegenwärtigen selbstmörderischen EU-Politik keinerlei vernünftige politische Initiative kommen können. Solange die EU-Mitgliedsstaaten unter der kolonialen Kontrolle des Britischen Empires stehen, ist Europa zum Untergang verdammt. Um dem Britischen Empire das Rückgrat zu brechen, brauchen wir eine Allianz der bevölkerungsreichsten Nationen, die ein neues Kreditsystem errichtet. Nur unter einer solchen Machtkonstellation können die europäischen Nationen ihre nationale Souveränität wiedererlangen.

Belcanto-Praxis

Der zweite Tag begann mit Gesangsunterricht, den die beiden Belcantoexpertinnen Liliana Gorini und Lotta-Stina Thronell-Hartmann gaben. Nach einigen Aufwärmübungen und Stimmtraining machten wir uns ans Werk, einige Teile aus Bachs fünfstimmiger Motette Jesu, meine Freude zu üben, was für die meisten Teilnehmer, die noch nicht Teil der LaRouche-Jugendbewegung sind, eine völlig neue Erfahrung darstellte. Johann Sebastian Bach (1685-1750) wäre sicherlich glücklich, wenn er wüßte, daß seine Chorwerke mehr als 250 Jahre nach seinem Tod in aller Welt durch die Räume hallen. Vielen wurde bei dieser Arbeit bewußt, was sie mit ihrer Stimme alles tun konnten, die sie in dieser Form noch nie benutzt hatten.

Die Herausforderung wird noch viel größer, wenn sich alle 50 souveränen Einzelstimmen zu einem Chor vereinigen und eine gemeinsame Absicht zum Ausdruck bringen sollen. Die Schaffung einer solchen Harmonie durch eine frühmorgendliche zweistündige Chorprobe dirigierte Sergej Strid in meisterhafter Art. Wer in der Zeit dieser Proben die Halle betrat, mußte sich wundern, wie konzentriert und begeistert die jungen Menschen arbeiteten. Es ist mit Worten schwer zu beschreiben, aber man bekommt sofort Lust, mitzumachen. Ich denke, daß einigen Gästen eine Vorstellung von dem vermittelt wurde, was sich hinter den Noten verbirgt. Die Nachempfindung von Bachs Geistszustand zur Zeit seiner Komposition sollte lebendig werden.

Wie man wieder aufbaut

Die nächsten Vorträge hielten drei Mitglieder der Jugendbewegung, nämlich Markus Kührt, Xenia Biereichelt und Toni Kästner. Den Anfang machte Markus Kührt, der mit seinem Vortrag über Präsident Franklin Roosevelts Aufbaupolitik die Zeit förmlich zurückdrehte. Seine Beschreibung der katastrophalen Lage in der Großen Depression der dreißiger Jahre und des beherzten und entschlossenen Durchgreifens dieses Präsidenten ließen den Geist Roosevelts förmlich lebendig werden. Anders als unter Obama heute, schufen Roosevelts Programme wirkliche produktive Arbeitsplätze. In den gesamten USA, in allen vier Himmelsrichtungen, wurden Staudämme und andere Infrastrukturprogramme in Gang gesetzt, wobei die TVA wohl das berühmteste war.

Einen ebenso fesselnden Vortrag hielt Xenia Biereichelt über die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen des Civilian Conservation Corps (CCC), welche damals sehr viele junge Menschen von den Straßen Amerikas in Arbeit brachte. Durch die CCC-Programme wurden alleine 200.000 km Straßen angelegt, knapp 145.000 km Telefonleitungen verlegt und über drei Milliarden Bäume aufgeforstet, um die Bodenerosion einzudämmen.

Den dritten Vortrag hielt Toni Kästner über die Gestaltung der nächsten 50 Jahre mit der Priorität eines Mars-Raumfahrtprojektes, das sogar eine Überlebensfrage für die Menschheit sei. Alleine die Vorstellung, solche Distanzen zu überwinden, versetzte die Kaderschulteilnehmer in Denkprozesse: Wie soll so etwas funktionieren? Nicht nur effizientere Antriebssysteme sind dafür eine Bedingung, wir müßten ganz neue Wirtschaftszweige schaffen, um diese Mission zu meistern. Nicht nur ganz neue Begriffe und Gegenstände würden den Wortschatz der Nationalkultur erweitern, das Umdenken zur Wissenschaft würde auch das gesellschaftliche Verhalten spürbar verändern.

Am späteren Abend gaben Markus und Toni noch einen weiteren, sehr bewegenden Vortrag über eine Jugendbewegung der vierziger Jahre: die Weiße Rose, deren Mitglieder im damaligen Nazi-Deutschland ihr Leben für die Freiheit und Menschheit riskierten. Die Widerstandsbewegung baute sich ein deutschlandweites Netzwerk auf, welches sie neben dem Studium organisierten. Tragischerweise wurden die Geschwister Scholl bei einer Verteilaktion festgenommen und später zum Tode verurteilt. Die Frage, die Markus im Raum stehen ließ, lautete: Wäret ihr bereit, dort mitzumachen?

Eine Nänie auf die Bildungsreform

Zum Schluß hielt Helga Zepp-LaRouche einen Vortrag über die deutsche Klassik und Nationalkulturen. Sie begann damit, das völlige Versagen ganzer Berufsgruppen aufzuzeigen, wie Ökonomen, Politiker, Banker, Finanzexperten, Professoren, Wissenschaftler, die jegliches Vertrauen und Respekt in der Bevölkerung verloren haben. Vergleicht man dies mit den Blütenzeiten der deutschen Universitätsausbildung in der Vergangenheit, so sollte man sich die Frage stellen: Welche Ursachen hat dieser Niedergang?

Schauen wir uns den berühmtesten Bildungsreformer etwas näher an. Wilhelm von Humboldt, der das nach ihm benannte Bildungssystem schuf, welches das deutsche Bildungswesen weltberühmt machte, hatte die Absicht, eine Bildung zu entwickeln, die jeden Menschen an Entdeckungen heranführt und ihm hilft, sie nachzuempfinden, denn nur so und nicht anders gelangt man zu wirklichem Wissen. Durch das Nachempfinden des Entdeckungsprozesses entwickelt sich beim Schüler ein lebendiges Verständnis, daß er wirklich etwas wissen kann - nicht weil es ihm jemand sagte, sondern weil er es selbst entdeckt hat.

Leider sei die deutsche Klassik nach Heine, Schubert und Brahms sozusagen „ausgelaufen". Mit den Bildungsreformen unter Willy Brandt 1970 wurde das Humboldtsche Bildungssystem zum großen Teil beseitigt, was früher oder später als einer der größten Diebstähle in der Geschichte eingehen werde, so Frau Zepp-LaRouche. Was unserer Generation durch diesen Diebstahl entgangen ist, demonstrierte sie dann anhand von Schillers Nänie. Nun liegt es an uns, in nicht so ferner Zukunft eine neue Renaissance einzuleiten.

Sie können das Video von Helga Zepp-LaRouches Vortrag hier ansehen.