Lügen haben kurze Beine, oder des Kaisers neue Kleider in Kopenhagen!
19. Dezember 2009 •

Von Helga Zepp-LaRouche

Das unglaubliche Vorhaben, die Welt auf der Basis des größten Wissenschaftsskandals in der Geschichte einer Weltdiktatur zu unterwerfen, ist gescheitert. Damit hat das britische Empire, dessen diverse Repräsentanten sich in nie da gewesener Weise zu ihrem wirklichen Ziel - einer massiven Reduzierung der Weltbevölkerung - bekannt hatten, eine entscheidende Niederlage erlitten. Zu den positiven Ergebnissen der Konferenz gehört die Verteidigung der nationalen Souveränität und, wie die Times of India bemerkte, eine qualitativ neue Zusammenarbeit zwischen China und Indien.

Präsident Obama hingegen machte eine äußerst schlechte Figur, indem er zunächst in seiner achtminütigen Rede Formulierungen benutzte, die weithin als Beleidigung der Chinesen aufgefaßt wurden, um danach, ungeachtet des Protestes chinesischer Protokollbeamter, in ein Treffen der Staatschefs von China, Indien und Brasilien einzudringen, mit dem Argument, er wolle nicht, daß diese Länder im Geheimen verhandelten. Die brasilianische Tageszeitung O Globo kommentierte den Vorfall, zum Glück „sei niemand ernsthaft verletzt worden".

Das Scheitern des Mammutgipfels von Kopenhagen bedeutet eine massive Schlappe für all diejenigen, die ungeachtet von Klimagate und einer wachsenden Anzahl von Wissenschaftlern, die sich von der These des anthropogenen Klimawandels distanzieren, der Welt ihren Paradigmenwandel aufzwingen wollten. Daß die Arroganz der Verhandlungsführung von Frau Hedegaard den Widerstand auf der Seite der Entwicklungsländer noch erheblich verstärkte, konnte nur die Klimaideologen überraschen, denen entgangen ist, daß sich das Zentrum der historischen Dynamik längst in den pazifischen Raum verschoben hat.

Realistischer war da der Kommentar des ebenfalls nach Kopenhagen gereisten republikanischen Kongreßabgeordneten Joe Barton aus Texas: „Ich betrachte es nicht als Obstruktion, was China tut, ich betrachte es als Realität. Sie werden nicht plötzlich jegliche Technologie und wirtschaftliche Entwicklung stoppen, nur um ein politisches Ziel des Westens zu erfüllen... Ich halte ihnen das überhaupt nicht vor. Was hätten wir (die USA, Anmerk d. Verf) 1850 getan, wenn England, Frankreich und Deutschland gesagt hätten, ,Ihr dürft keine Fabriken bauen'? Wir hätten ihnen gesagt, sie sollten hingehen, wo der Pfeffer wächst."

Anstatt an der gescheiterten Agenda und an der erwiesenermaßen nicht realisierbaren Schimäre einer Klimaweltdiktatur festzuhalten, sollten sich die Regierungen und alle Verantwortlichen jetzt einer ehrlichen und vorbehaltlosen Analyse der Ereignisse zuwenden. Denn Klimagate hat nicht nur die Methoden ans Tageslicht gebracht, mit denen gewisse „Wissenschaftler" besonders darin zu Experten geworden sind, sich Forschungsgelder zu erschleichen, es hat auch die Gewissenlosigkeit gewisser Politiker und Medienvertreter demonstriert, mit der sie sich über die Auswirkungen ihrer Klimapolitik auf die Entwicklungsländer hinwegsetzen.

Auch wenn es den Vertretern des westlichen „mainstream" nicht gefällt, so hatte der Vertreter der G 77, Lumumba Di-Aping, doch recht, als er in einer Pressekonferenz darauf hinwies, daß alles versucht wurde, die Entwicklungsländer zu zwingen, einen „Selbstmordpakt" zu unterschreiben. Unter ehrlichen Ökonomen in den USA und Europa wurde diskutiert, daß das vorgeschlagene Klimaabkommen in der Tat eine Zerstörung der bereits erreichten Entwicklung in der Dritten Welt bedeuten würde. Jeden Tag stirbt eine große Anzahl von Menschen an Hunger, einem Mangel an medizinischer Versorgung, einem Mangel an Infrastruktur, die vorgeschlagenen Klimamaßnahmen hätten zur Folge, daß die Sterberate massiv erhöht würde; soziales Chaos und die vier Reiter der Apokalypse - Hunger, Seuchen, Tod und Krieg - wären die Folge, Regierungen würden gestürzt, ein Absturz in ein Finsteres Zeitalter wäre unausweichlich.

Aber unter ernsthaften Wissenschaftlern wird auch eine Bereitschaft demonstriert, Fehleinschätzungen zuzugeben. So zirkuliert eine Reihe prominenter Mitglieder der American Physical Society (APS) zur Zeit einen Offenen Brief an die Führung der APS, mit der Aufforderung, ein Positionspapier von 2007 zurückzunehmen, in dem die Theorie der globalen Erwärmung unterstützt worden war. Das Papier sei auf der Grundlage inzwischen zugegebenen Wissenschaftsbetrugs zustande gekommen, und die Integrität der APS stünde auf dem Spiel.

Präsident Medwedjew hatte sich vor dem Gipfel mit einer Gruppe russischer Wissenschaftler getroffen, die bereits 2004 Beschwerde gegen den britischen Klimaideologen Sir David King, dem damaligen Berater von Tony Blair, geführt hatten, darunter der Chef der russischen Akademie der Wissenschaften, Juri Osipow, und das Akademiemitglied Juri Israel. Osipow betonte, schon für das Kioto-Abkommen habe es keine wissenschaftliche Basis gegeben, trotzdem habe King enormen Druck ausgeübt. Medwedjew versicherte den Wissenschaftlern, er akzeptiere ihre Besorgnis, daß „Rußland in das politische Spiel anderer" hineingezogen werden solle. Die Geschäftswelt habe festgestellt, daß die Energiespar-Industrie eine lukrative Einnahmequelle sei, offensichtlich sei es der Geruch von Geld, warum sich einige politische Führer so enthusiastisch an dieser Debatte beteiligten.

In diesem Zusammenhang ist es sehr interessant, daß jetzt eine bei J.P. Morgan angestellte Bankerin, Blythe Masters, bei dieser Bank für den CO2 Emissionshandel zuständig ist. Die Besonderheit von Frau Masters besteht darin, daß sie das kreative Finanzinstrument der „Credit Default Swaps" erfunden hat, das einen nicht unerheblichen Beitrag am Zustandekommen der globalen Finanzkrise gehabt hat. In einer Art von modernem Ablaßhandel bezahlen zum Beispiel Produzenten in den Industrienationen für Emissionskredite bei Climate Care, einer in Oxford angesiedelten Firma, die Öfen für acht Dollar in Uganda an Dorffrauen verkauft. Natürlich werden die mit Emissionen verbundenen finanziellen Produkte auch an außenstehende Investoren verkauft, und damit sind wir wieder bei demselben alten Schwindel, der schon den Kollaps der Finanzmärkte im Juli 2007 ausgelöst hat.

Bundeskanzlerin Merkel sollte als Naturwissenschaftlerin und ehemalige Umweltministerin die gleiche Integrität demonstrieren wie die Wissenschaftler der APS, und eine Untersuchung der neu zu Tage getretenen Fakten in der Klimaforschung anordnen. Eine solche Untersuchung müßte nicht nur alle Hintergründe von Klimagate aufdecken, sondern zum Beispiel auch der Frage nachgehen, ob mathematische Modelle für die Prognose von Klimaentwicklungen überhaupt geeignet sind, oder ob sie zu genau solchen Fehleinschätzungen führen, wie sie dies bei den Prognosen der gesamten ökonomischen Zunft über die Entwicklung des Finanzsystems getan haben.

Aber auch andere inzwischen etablierte Denkgewohnheiten müssen in Frage gestellt werden. Auf der Weltbevölkerungskonferenz in Bukarest 1974, d. h. zu einem Zeitpunkt vor dem „grünen" Paradigmenwandel, war allen dort vertretenen NGOs noch völlig klar, daß die angebliche „Überbevölkerung" ein „Rockefeller-Baby" war. Das wirkliche Problem ist nicht Überbevölkerung, sondern ein Mangel an Entwicklung, der „zum Himmel schreit", wie die Enzyklika von Papst Paul VI. von 1967 sehr richtig konstatierte.

Die dänische Tageszeitung Berlinske Tidende hatte während der Konferenz eine Schlagzeile: „Die neue Weltwirtschaftsordnung hat den Klimagipfel übernommen". Das war es vielleicht noch nicht, aber es war ein ordentlicher Schritt in die richtige Richtung. Jetzt müssen schnell weitere folgen, denn der globale Systemkollaps ist im vollen Gang, die Reihe der tatsächlichen und potentiellen Staatsinsolvenzen wird immer länger: Island, Dubai, bald schon können Griechenland, Spanien und einige Länder mehr folgen. Die Frage eines neuen Bretton-Woods-Systems, die Wiedereinführung des Glass-Steagall-Standards und eine gerechte neue Weltwirtschaftsordnung werden immer dringender. Vor diesem Hintergrund war das Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen ein Etappensieg.          

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