Rußland und die Welt im Jahr 2027
18. Mai 2007 •

von Prof. Stanislaw Menschikow

Bei der Sondersitzung der Russischen Akademie der Wissenschaften anläßlich des 80. Geburtstages von Prof. Stanislaw Menschikow in Moskau präsentierte der Jubilar selbst eine Prognose, wie die Welt an seinem 100. Geburtstag im Jahr 2027 ausschauen wird. Er wurde begrüßt von Prof. Waleri Makarow, Leiter des Zentralen Mathematischen Wirtschaftsinstituts (CEMI) und der Sozialwissenschaftlichen Abteilung der Akademie.

Vielen Dank, Waleri Leonidowitsch [Makarow]. Ich möchte zunächst allen danken, die zu dieser heutigen Sitzung gekommen sind. Vielen Dank für die freundlichen Gefühle, die ich spüre, die Herzlichkeit, die hier heute herrscht.

Insbesondere möchte ich die ausländischen Gäste begrüßen.

Da ist der bekannte amerikanische Ökonom und Politiker, Anführer einer Massenbewegung, Lyndon LaRouche, der heute hier ist. Er ist noch älter als ich, aber er kann noch besser laufen als ich, und darum beneide ich ihn; er wird in diesem Jahr 85 Jahre alt. Als er und ich heute miteinander sprachen, schlug er vor, daß ich zur Feier seines 85. Geburtstags im September dieses Jahres komme. Wir werden es versuchen!

Mit ihm gekommen ist seine Ehefrau Helga Zepp-LaRouche, die u.a. auch Gründerin und wissenschaftliche Leiterin des Schiller-Instituts in Deutschland und eine prominente Politikerin ihres Landes ist.

Ich möchte auch den ausgezeichneten Professor von der Amsterdamer Universität begrüßen, den bekannten Gelehrten Karel von Wolferen, der mit seiner Ehefrau Eithne gekommen ist. Auch sie sind hier. Er ist bekannt als Spezialist für viele Fragen, u.a. für ganz Europa, aber auch seine Bücher über Japan sind besonders bekannt. Nun ist er ein herausragender Professor und ein Autor vieler Bücher. Danke, daß Sie gekommen sind.

Von denen, die nicht kommen konnten, möchte ich James Galbraith nennen, den Sohn von John Kenneth Galbraith, der selbst Professor an der Universität von Texas und ein prominenter Gelehrter ist. Er konnte nicht kommen, weil es seiner Mutter, die schon über 90 ist, nicht gut geht, so daß er in den Vereinigten Staaten bleiben mußte.

Schließlich ist da noch jemand, der direkt mit dem Vortrag zu tun hat, den ich heute halten werde, und der ebenfalls nicht kommen konnte. Das ist der bekannte britische Ökonom Angus Maddison, Autor zahlreicher Bücher darüber, wie sich die Weltwirtschaft entwickelt hat, und ein Sammler von Statistiken von der Zeit Jesus Christi bis zur Gegenwart. Er studiert die Statistiken des Bruttosozialprodukts. Wie er das macht, kann ich Ihnen nicht genau sagen, was Sie sicher verstehen werden, denn das ist ein ziemlich komplexes Unterfangen, aber er hat es in seinen Büchern dargestellt. Er mußte in letzter Minute absagen, weil er an Arthritis leidet.

Ich erwähne das, einerseits um mein Bedauern über seine Abwesenheit zu äußern, aber auch, weil er direkt mit meinem heutigen Vortrag verbunden ist, denn im vergangenen Jahr, als wir seinen 80. Geburtstag feierten und es ihm noch verhältnismäßig gut ging, organisierte er zwei Konferenzen über die Weltwirtschaft im Jahr 2030. Eine dieser Konferenzen fand in Groningen in den Niederlanden statt, die andere in Australien, wo er ebenfalls arbeitet und noch bis vor kurzem unterrichtete.

Diese beiden Konferenzen stellten eine Prognose für die Weltwirtschaft im Jahr 2030 auf. Er lud mich ein, auf einer dieser Konferenzen eine Prognose über die Entwicklung Rußlands bis zum Jahr 2030 im Lichte der Entwicklung der Weltwirtschaft vorzutragen. Und über diesen Gegenstand will ich auch heute sprechen.

Langfristige Prognose

Für heute habe ich eine kleine Änderung vorgenommen, ich werde nämlich nicht über das Jahr 2030 reden, sondern über das Jahr 2027. Denn 2027 werde ich hundert Jahre alt sein. Nach meiner jetzigen Verfassung ist es nicht sehr wahrscheinlich, daß ich an dieser Geburtstagsfeier selbst teilnehmen werde, und deshalb möchte ich einen Blick in die Zukunft werfen, als wäre ich bei der Feier meines 100. Geburtstages, um zu sehen, wie die russische Wirtschaft sich zusammen mit der Weltwirtschaft bis 2027 entwickelt haben wird.

Ich habe Erfahrung mit langfristigen Prognosen. Bei der UNO arbeiteten Wassily Leontief und ich an einer Prognose über die Weltwirtschaft bis zum Jahr 2000. Sie wurde in einem bekannten Buch publiziert, Die Zukunft der Weltwirtschaft, das von Leontief mitverfaßt und herausgegeben wurde. Es erschien Ende der 70er Jahre in mehreren Sprachen, auch auf Russisch. Sie können es also nachlesen und sehen, daß unsere Prognose sich in gewissem Maß bestätigt hat.

Kommen wir auf das Thema meines Vortrags zurück. Die Daten über die übrigen Länder stammen aus den Papieren, die die Forscher bei den erwähnten Konferenzen in den Niederlanden und in Australien vorlegten. Die Prognose für Rußland beruht auf meinen eigenen Daten.

Bei jeder Prognose ist der Ausgangspunkt entscheidend. Für Rußland ist dieser Ausgangspunkt natürlich nicht sehr vorteilhaft. Nach den Daten der OECD und anderen quantitativen Daten der Welt liegt Rußlands Anteil am weltweiten BIP irgendwo zwischen 1,5 und 2,5%. Das ist sehr wenig, weit hinter allen anderen großen Ländern. Rußland liegt beim Volumen des BIP an 10. Stelle. Das ist keine so große Leistung, wie es unser Präsident glaubt - er hat es sogar in seiner jüngsten Botschaft [an den Föderationsrat] erwähnt, und man hat applaudiert -, wenn man bedenkt, daß Rußland noch 1990 an dritter Stelle hinter den Vereinigten Staaten und Japan lag. Und noch kurze Zeit zuvor lag es sogar an zweiter Stelle. Und sein Anteil an der Weltwirtschaft betrug laut der gleichen Datenreihe der OECD 9%. Zusammen mit den Comecon-Staaten waren es sogar 12%.

All das bezieht sich auf die Sowjetunion insgesamt, und nicht nur auf Rußland. Die Sowjetunion war damals eine bedeutende Wirtschaftsmacht - nicht nur militärisch, rüstungstechnisch und natürlich auch politisch war es eine Macht auf der Weltbühne, auch wirtschaftlich. Nun ist das auf 1,5-2,5% zurückgefallen. Ich habe als Ausgangspunkt die optimistischere Annahme, 2,5%, gewählt.

Wie ist das gekommen? Zum Teil war es natürlich ein Resultat des Auseinanderfallens der Sowjetunion, wodurch Rußland nur noch ein Teil dessen ist, was sein damaliges „Imperium“ darstellte. Und dann kam die tiefe Krise, die das Land bei dem nicht gerade wohldurchdachten Übergang vom Sozialismus zum Kapitalismus durchlebte.

In den letzten Jahren, von 1999 bis heute, erlebte Rußland stetiges Wachstum mit einer ziemlich hohen Rate: 7% im Jahr oder sogar etwas mehr im Durchschnitt der letzten Jahre. Aber in dieser ganzen Zeit befand sich Rußland in einem Wettlauf, sich selbst wieder einzuholen, denn das BIP lag 1998 noch 41% unter dem von 1991. Und deshalb müssen wir, wenn wir die gesamten 16 Jahre betrachten, feststellen, daß Rußland stehengeblieben ist, d.h. 2007 hat es gerade erst das Niveau der Zeit vor den Reformen wieder erreicht.

Natürlich hat sich in dieser Zeit die Struktur der Wirtschaft verändert.

Unterdessen sind andere Länder aber nicht stehen geblieben; das gilt nicht nur für China, es gilt auch für die Vereinigten Staaten, Westeuropa und die Welt insgesamt. Und das Ergebnis ist dieser 2,5%-Anteil Rußlands am BIP der Welt.

Was wird weiter mit Rußlands BIP geschehen? Kann die Wachstumsrate von 7% aufrechterhalten werden - und sollte es das? Es gibt Leute, die Zweifel geäußert haben, ob das überhaupt notwendig sei. Und diese Leute sitzen in der Regierung, unter den Ministern, die für Wirtschaftsfragen verantwortlich sind. Einer von ihnen, Alexej Kudrin, sagte kürzlich so etwas wie: Warum sollten wir weiterhin solche Wachstumsraten haben?

Wenn wir über diese Frage nachdenken, wird aber klar, daß das ein Imperativ ist. Denn sonst wird Rußland wahrscheinlich nicht nur unfähig sein, mit anderen Ländern zu konkurrieren und dem Druck anderer Länder standzuhalten, es wird wahrscheinlich gar nicht als Nationalstaat überleben, denn eine langsamere Wachstumsrate führt wahrscheinlich zu einer Verschlimmerung der sozialen und wirtschaftlichen Konflikte, die jetzt reifen, und zu einer Intensivierung der zentrifugalen Tendenzen innerhalb der [Russischen] Föderation. Man sollte daher ein Wachstum von 7% als wirtschaftlichen Imperativ für Rußland betrachten.

Erdölfieber oder Industriepolitik?

Aber kann Rußland das schaffen? Betrachtet man die Zeit, in der das Wachstum stetig 7% betrug, dann verweisen unsere neoliberalen Ökonomen auf den hohen Ölpreis als Hauptursache. Aber der hohe Ölpreis ist nur ein Teil der Erklärung. Ich persönlich betrachte lieber, wie sich Rußlands produktive Kapazitäten in dieser Zeit entwickelt haben. Wenn wir diese 7% Wachstum auf die verschiedenen grundlegenden Produktionsfaktoren Arbeitskraft, Kapital oder einen Gesamtproduktivitätsfaktor verteilen, dann zeigt sich: Der größte Teil dieses Wachstums, über die Hälfte, entfällt auf die Nutzung von Kapazitätsreserven bei der Arbeitskraft und der Energie und auf überschüssiges Kapital, das während der Krise der 90er Jahre geschaffen wurde, also auf die Nutzung von Kapital, das schon in sowjetischen Zeiten existierte und in der Zeit der Wirtschaftskrise stillgelegt oder nur geringfügig genutzt wurde.

Nur 10% des gesamten Wachstums gehen auf neue Kapitalinvestitionen zurück. Es ist absolut klar, daß diese beiden grundlegenden Faktoren einmalige Faktoren sind, die keine Grundlage für weiteres Wirtschaftswachstum in Rußland bieten können, weil sie bereits ausgeschöpft wurden. Die einzige wirkliche Quelle von Wachstum ist Kapital, das in neue Technologien und in das Wachstum des Sachkapitals und natürlich in die Verbesserung der Qualität der Arbeitskraft investiert wird.

Das ist im wesentlichen die Richtung dessen, was Wladimir Wladimirowitsch Putin in seiner jüngsten Botschaft [an den Föderationsrat] andeutete, in der er erstmals so etwas wie eine Industriepolitik für Rußland vorlegte. Er verwendete diesen Begriff, der hier eine lange Zeit verpönt war, nicht direkt. Man glaubte, nur der Markt könne die Wirtschaft angemessen strukturieren und die Kräfte für Wirtschaftswachstum erzeugen.

Aber die Oligarchen des russischen Kapitalismus sind nicht sehr versessen darauf, in Sektoren zu investieren, die sie für wenig profitabel halten, und die langfristige Investitionen ohne schnelle Gewinne erfordern. Sie investieren ihr Kapital lieber in Bereiche, die für den Export produzieren, wie Öl, Aluminium, andere Nichteisenmetalle und Stahl. So bleiben die Appelle des Präsidenten, man müsse in die eigenen produktiven Industrien investieren, unbeantwortet.

Daraus folgt, daß eine aktivere Intervention des Staates notwendig ist, was manche als Staatskapitalismus bezeichnen. Und einige Leute glauben, das bedeute praktisch eine völlige Rückkehr in sowjetische Zeiten und wäre ein Schritt zurück. Aber ich persönlich sehe darin die einzige Möglichkeit, bei all ihren Nachteilen, die Kapitalinvestitionen in die Richtung zu steuern, in die sie fließen müssen: in die dynamischeren, produktiven Industrien und natürlich in die Infrastruktur der Wirtschaft. Putin hat all das in seinem Bericht recht detailliert dargestellt, und ich will hier nicht weiter darauf eingehen.

Das ist die Richtung, die meiner Meinung nach für ziemlich hohe Wachstumsraten sorgen wird. Ich sehe zwei Szenarien. Das eine Szenario würde bedeuten, daß man die jährliche Wachstumsrate von etwa 7% in den kommenden zehn Jahren aufrecht erhält und dann geringfügig auf 5,5-6% senkt, was für die kommenden 20 Jahre insgesamt etwa 6,5% wären. Das ist ein optimistisches Szenario, das davon abhängt, ob das von Putin vorgestellte Programm auch umgesetzt wird. Wir wissen nicht, ob Putins Nachfolger diese Richtung weiterverfolgen wird.

Dann stellt sich die Frage: Schön und gut, aber was geschieht, wenn der Ölpreis sinkt? Woher bekommen wir dann das Geld und die Rohstoffe? Ich glaube aber nicht, daß wir mit einem abrupten Rückgang des Ölpreises rechnen müssen. Warum? Weil die Weltwirtschaft insgesamt relativ schnell weiter wächst. Vor allem wachsen die asiatischen Nationen schnell, China und Indien. China sehr schnell, etwa 10 oder 11% in allen diesen Jahren, Indien wuchs um 6% und wird mit 7 oder 8% weiter wachsen. Keine dieser Nationen hat eigene Ölvorkommen.

Deshalb wird die Nachfrage nach Öl enorm sein, und sie wächst mit einer sehr hohen Rate. Man sollte also nicht davon ausgehen, daß der Ölpreis in den kommenden Jahren plötzlich abstürzen wird, jedenfalls nicht in den kommenden 10 Jahren.

Die Frage nach alternativen Energiequellen ist spekulativer Art. Ich glaube nicht, daß in nächster Zukunft alternative Energiequellen eine große Rolle spielen werden. Wenn sie das tun, fein, aber die Nachfrage nach Öl wird wachsen, und ich glaube nicht, daß wir in ein finanzielles Loch stürzen werden.

Rußland in der Welt des Jahres 2027

Nehmen wir also an, daß sich dieses optimistische Szenario durchsetzen und eintreten wird. Wo wird dann Rußland im Jahr 2027, an meinem 100. Geburtstag, innerhalb der Weltwirtschaft stehen?

Vorläufige Berechnungen zeigen, daß sein Anteil an der Weltwirtschaft in diesem Fall wachsen wird. Aber er wird nur auf etwa 5-5,5% des BIP der Welt anwachsen. Ist das viel oder wenig? Das hängt davon ab, womit man es vergleicht. Im Vergleich zu China wird es sehr wenig sein. Wir liegen derzeit nach einigen Berechnungen um 50% hinter China, also um den Faktor zwei oder mehr. Natürlich liegen wir beim BIP pro Kopf vor China, aber in absoluten Zahlen liegen wir schon jetzt deutlich dahinter. Bis 2027 werden wir etwa um den Faktor vier hinter China liegen [d.h. Rußlands Anteil am Welt-BIP wird nur ein Viertel des chinesischen Anteils erreichen - d. Red.].

Die Vereinigten Staaten werden dann nach dieser Prognose an zweiter Stelle in der Weltwirtschaft hinter China, dessen Anteil am BIP der Welt bei 23% liegen wird, rangieren. Das alles sind natürlich nur Schätzwerte. Die Vereinigten Staaten werden dann bei 17% liegen, gegenüber den 25%, die sie heute darstellen.

Wir werden natürlich weit hinter diesen Ländern liegen. Und offensichtlich steht das, was sich Stalin und dann Chruschtschow vorgenommen haben, nämlich, die USA einzuholen, für uns nicht auf der Tagesordnung, und das wird in diesen kommenden Jahrzehnten nicht anders sein.

Aber unser Anteil von 5,5% wird größer sein als der aller anderen europäischen Nationen wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien oder Italien. Das wird ein Sprung nach vorne sein, und Rußland wird dann an fünfter Stelle liegen - nicht an zehnter, sondern an fünfter, und nur China, die USA, Indien und Japan werden dann vor Rußland liegen. Wenn man die Europäische Union im ganzen nimmt, werden ihre Mitglieder zusammen einen Anteil von 20% erreichen, und unser Anteil wird im Vergleich zur EU natürlich bescheiden sein.

Was folgt daraus? Die erste Schlußfolgerung ist, daß Rußland auch im Jahr 2027 nicht zu den großen Partnern gehören wird, die die Regeln der Weltwirtschaft bestimmen. Es wird immer noch ein zweitrangiger Partner sein und wird sich auf Allianzen und die Zusammenarbeit mit anderen großen Zentren der Weltwirtschaft ausrichten müssen, wenn es vorne mitspielen will.

Mit wem sollten wir uns verbünden, und an wem sollten wir uns orientieren? Das hängt natürlich vom Standpunkt ab. Meiner ist, daß Rußland vorsichtig sein sollte. Rußland wird selbstverständlich niemals mit den derzeitigen Industriezentren brechen, aber gleichzeitig sollte es sich am Eurasischen Dreieck orientieren, ich meine China, Indien und Rußland. Warum? Während die EU und die USA schon jetzt ihre Sorge darüber äußern, was geschehen wird, wenn Rußland auf die Weltbühne zurückkehrt, und ob das dann nicht eine Bedrohung darstelle, sehen China, Indien und andere asiatische Länder darin im allgemeinen keine Bedrohung und haben keine Angst vor der Entwicklung Rußlands, weil sie, realistisch betrachtet, gar keine Bedrohung für sie darstellen kann. Wir sollten uns also auf diese Länder hin orientieren, aber die übrigen Industrienationen auch nicht wegschieben, sondern weiter mit ihnen zusammenarbeiten.

China, Rußland und Indien werden zusammen rund 35% des BIP der Welt produzieren, während die USA 17-18% und die EU weitere 17-18% beisteuern. Sorge machen Konflikte, die aufkommen. Der größte Konflikt wird zwischen China und den USA entstehen, wie man jetzt schon sieht. Tatsächlich besteht dieser Konflikt schon heute, denn das schnelle Wachstum der chinesischen Wirtschaft, der chinesischen Industrie und ihrer Exporte haben den weithin wahrgenommenen Prozeß des Industrieabbaus in den USA wie der EU gefördert. Und wenn sich dieser Prozeß in unkontrollierter Weise fortsetzt, dann kann es sehr wohl gegen Ende dieses Jahrzehnts oder zu Beginn des nächsten eine große Weltwirtschaftskrise geben, in der gleichen Größenordnung wie die der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts - sozusagen eine neue Kondratjew-Krise.

LaRouches Landbrücke

Aber natürlich gibt es auch eine andere Möglichkeit. Und hier will ich erneut Lyndon LaRouche erwähnen, der heute unter uns ist. Er hat das Konzept des Baus der Eurasischen Brücke vorgeschlagen. Die Eurasische Brücke ist ein Programm zur Zusammenarbeit zwischen den USA, Westeuropa und Rußland mit seinem wissenschaftlichen Potential und seinen enormen Roßstoffreserven, ferner mit China und Indien: eine Zusammenarbeit zum Zweck des Baus und der Reorganisation der wirtschaftlichen Infrastruktur in den kommenden 50 Jahren. Das wird das Wachstum der gesamten Weltwirtschaft stimulieren.

Aber dieser Plan kann nur umgesetzt werden, wenn all diese Länder zusammenarbeiten, wenn ihre Entwicklung konfliktfrei voranschreitet. Lyndon LaRouche glaubt, daß eines der Gebiete dieser Zusammenarbeit eine Reform des Währungs- und Finanzsystems sein muß, die er ein Neues Bretton Woods nennt. Das hieße, ein fundamental neues Währungssystem zu schaffen, das in einigen Aspekten an das alte Bretton-Woods-Abkommen erinnert, das am Ende des Zweiten Weltkrieges geschaffene System, das später wieder abgeschafft wurde.

Solch ein neues Weltwährungs- und -finanzsystem wird auf der Zusammenarbeit all der Nationen beruhen müssen, die ich genannt habe. Denken Sie nur an die Auswirkungen für die Devisenreserven Chinas, Japans und Rußlands. Man muß bedenken, daß die USA der größte Kreditnehmer und der größte Schuldner Chinas und Japans sind, um zu verstehen, daß finanzielle Konflikte und Handelskonflikte zu einer schwerwiegenden Destabilisierung der gesamten Weltwirtschaft führen müssen.

Bis zum Jahre 2027 könnte also der Planet, was seine Wirtschaft angeht, völlig umgekrempelt sein. An der Spitze werden dann Staaten stehen, die man früher als Länder der Dritten Welt betrachtete, während der Platz der traditionellen Industriestaaten im Rahmen der internationalen Arbeitsteilung von der Produktion bestimmter hochspezialisierter Güter und Dienstleistungen abhängen wird.

Ich will hier nicht weiter auf diese Prognose und ihre Einzelheiten eingehen. Meine letzte Ankündigung lautet: Rußland wird die Projekte zur weltweiten Zusammenarbeit aufrechterhalten. Rußland wird sich am Dreieck ausrichten und, ohne die Industrienationen zu vergessen, an den Programmen, die eine konfliktfreie Entwicklung und einen stetigen Aufschwung ermöglichen, teilnehmen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Ich möchte noch sagen, daß eine ausführlichere Darstellung dessen, was ich hier vorgetragen habe, in der Wochenzeitung Slowo veröffentlicht wurde, die am Literaturtisch ausliegt. Bitte bedienen Sie sich. Vielen Dank.





AKTUELLES ZUM THEMA

VIDEOS ZUM THEMA

EMPFEHLUNGEN