Die verbreiteten Abgründe des heutigen Aberglaubens

Der Tanz der Bio-Narren

von Lyndon LaRouche

18. Januar 2007


Mit der folgenden Schrift, die wir in den kommenden Wochen abdrucken, reagierte Lyndon LaRouche auf den plötzlichen Ausbruch einer Manie für Biotreibstoffe in den amerikanischen Medien und unter den Politikern.


Während einer Séance lernten sie sich kennen, und heirateten. Sie war der Geist. In seinen Augen waren es ihre niedrigen Unterhaltskosten, die er, all ihrem Gejammer zum Trotz, am attraktivsten fand.

Wie immer man es hin- und herwendet, nur mit betrügerischen Rechenmethoden ließen sich Argumente zur Verteidigung der sogenannten viel beworbenen "Biotreibstoffe" vorbringen. Alle, die an den Kult der "Bio-Narren" glauben, dürfen sich nur bei sich selbst für die unvermeidlichen Folgen der Fortsetzung einer solchen Politik beschweren. Das steht bereits als Haupttatsache fest, noch bevor man die kostspieligen Folgen des wiederholten Versuchs in Betracht zieht, diese Politik fortzusetzen: Die auf sicheren Massenmord hinauslaufenden Folgen für die Nahrungsmittelversorgung und damit für die Lebenserwartung der Menschen insgesamt. Ich empfehle hierfür den Gebrauch des Schimpfworts "Bio-Narr"; ich tue das nicht, um grausam zu sein, sondern weil dies die freundlichste Umschreibung der Wahrheit ist.

Die gegenwärtige Marotte der "Bio-Narretei" ist eine Art von Betrug, der mit ähnlicher Wirkung in dem von manchen so geschätzten Reiz einer Prostituierten steckt, die eine vielleicht tödliche ansteckende Krankheit hat. Das Risiko sollte für jeden, der auch nur ein wenig wissenschaftlich bewandert ist, sofort offensichtlich gewesen sein, wenn er nicht vom Reiz einer verlockenden Gelegenheit kompromittiert worden wäre. Deswegen gibt es unter den Geblendeten des Biokults wahrscheinlich nur relativ wenige erwachsene Menschen, die sich wirklich Gedanken darum machen, ob in dem Konzept der "Biotreibstoffe" irgendein Sinn steckt oder nicht. Wie bei zwanghaften Glücksspielern steht bei den Motiven, die man zur Unterstützung solcher Entwürfe antrifft, rücksichts- und ziemlich geistloses Wunschdenken des fanatischen Opportunisten ganz im Vordergrund.

Viele der Schuldigen begründen ihre Entscheidung mit einem verschlagenen: "Ich glaube, ich kann durch diesen Schwindel einen Profit (oder eine Stimme in der nächsten Wahl) herausschlagen." Für Fanatiker, die genauso degeneriert sind wie die heutigen "Neokons", bietet sich damit eine weitere Chance, das Niveau der Volksmeinung auf eine Ebene der Speziesmoral herunterzuziehen, die noch unter der des edlen Chlorophylls liegt: faktisch auf die kulturelle Ebene von Holzkohle.

Meine Mitarbeiter stellen derzeit die grundsätzlichen Beweisgründe zusammen, um wichtige Aspekte des Biotreibstoffschwindels bloßzustellen, der auch in den Köpfen bestimmter Leute im Kongreß und einigen Bundesstaatsparlamenten herumspukt.1Die gewaltigen destruktiven Effekte einer allgemeinen Förderung sogenannter "Biotreibstoffe" werden in begleitenden Berichten meiner Mitarbeiter dokumentiert. (Siehe Neue Solidarität 5/2007.)
An dieser Stelle ist es meine Aufgabe, etwas Tiefgründigeres hinzuzufügen, das qualitativ über das hinausgeht, was meine Kollegen beisteuern. Meine Pflicht hierbei ist, die tiefgehende heidnische Immoralität anzusprechen, die der Biotreibstoffschwindel im korrupten Denken reflektiert, das bei vielen Nachbetern auf der ganzen Welt durch die gegenwärtigen kulturellen Trends induziert wird.

Es sollte angemerkt werden, daß der Schwindel mit den "Biotreibstoffen" vor Gericht auch unter dem Anklagepunkt des "Massenmords" verhandelt werden könnte. Es ist tatsächlich eine besondere Form von Massenmord, denn die auserwählten Opfer sollen auf genau die gleiche Weise gefügig gemacht werden wie einzelne Mitglieder eines Mobs, die freiwillig bei ihrem eigenen Lynchen oder Guillotinieren mithelfen.

1. Der Betrug namens "Thermodynamik"

Es gibt zwei qualitativ voneinander verschiedene Ebenen des Biotreibstoffbetruges. Oberflächlich ist das Argument, welches zugunsten von "Biotreibstoffen" angeführt wird, ein simpler Schwindel, der den Zeitgenossen unter uns, die mit offenem Mund einfach alles glauben, verkauft wird. In seiner übleren, scheinbar raffinierteren Form hat der Biotreibstoffschwindel tiefere, bedrohlichere moralische Implikationen für die Existenz der menschlichen Gattung allgemein. Es sind letztere Implikationen, die ich hier anspreche. Das Stichwort für diesen tieferen Betrug ist "Thermodynamik".

Der Gegenstand, den man heute als "Thermodynamik" kennt, wurde offiziell seit 1850 von Lord Kelvin, Rudolf Clausius, dem Mathematiker Hermann Grassmann und anderen in Umlauf gesetzt, die sich den Schwindel des "zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik" ausgedacht haben.2Eine implizite mathematische Infragestellung von Rudolf Clausius' Hirngespinst ist in Bernhard Riemanns "Ein Beitrag zur Elektrodynamik" von 1858 enthalten, auf die seinerseits Herrmann Grassmann im Namen Clausius' einging, der dabei vom Herausgeber von Riemanns Werke, Heinrich Weber, unterstützt wurde. Riemanns erwähnte Arbeit baute auf einer Reihe von Entwicklungen in der Elektrodynamik auf (welche besonders von Prof. Robert Moon, einem Anhänger von Prof. William Draper Harkins und einer meiner Mitarbeiter im Fusions-Energie-Forum, hervorgehoben wurde). Ironischerweise begannen Riemanns elektrodynamische Arbeiten bei Projekten, an denen er mit Carl F. Gauß' Unterstützung zusammen mit Heinrich Webers Bruder Wilhelm beteiligt war. Hier geht es um die Frage der Methode: das Weiterwirken von Leibniz' Dynamik in der wissenschaftlichen Methode Riemanns vs. die reduktionistische (neocartesische) Methode von Clausius, Grassmann, J.C. Maxwell u.a. sowie der noch radikaleren reduktionistischen Anhänger von Ernst Mach wie Ludwig Boltzmann. Das ist die reduktionistische Methode in der Thermodynamik, diejenige, bei der ein reiner Mathematiker einen bloß häufigen Effekt als nominalistischen Ersatz für ein physikalisches Prinzip annimmt; diese ontologische Perversion ist die Wurzel einer späteren, noch schlimmeren Lehre, wie sie von Verehrern Bertrand Russells wie Norbert Wiener und John von Neumann vertreten wurde, deren Lehre wiederum noch weit inkompetenter ist als die der Autoren des sogenannten "zweiten Hauptsatzes". Der methodische Grundfehler von Clausius' und Grassmanns Behauptungen wird an ihrer Unkenntnis dessen deutlich, was alle heutigen Physikstudenten studieren sollten: der Bedeutung von Johannes Keplers Vorgehen in der Frage des Ausgleichspunktes und damit der Rolle wirklicher Dynamik in Leibniz' einzigartiger, ursprünglicher anticartesischer Entwicklung des Kalkulus des Keplerschen Infinitesimals. Ausgangspunkt dieses Schwindels war eine pervertierte Auslegung einer exzellenten Arbeit des der École Polytechnique nahestehenden französischen Wissenschaftlers Sadi N.F. Carnot, seiner "Betrachtungen über die bewegende Kraft des Feuers" von 1824.3Das berühmte wissenschaftliche und militärische Genie Lazare Carnot (1753-1823), offiziell Frankreichs "Organisator des Sieges", stand mit der von Gaspard Monge gegründeten École Polytechnique, der damals weltführenden wissenschaftlichen Vereinigung, und in selbiger Eigenschaft mit Alexander von Humboldt in Verbindung. Zu den Kreisen der École Polytechnique gehörte auch Sadi Carnot (1796-1823), der 1824 seine eigenen "Réflexions" ("Betrachtungen über die bewegende Kraft des Feuers", übersetzt und herausgegeben von W. Oswald, Frankfurt/M. 1995, 3-4.) anfertigte. Die Familientradition der Carnots wurde von Sadi M.F. Carnot weitergeführt, dem Präsidenten Frankreichs, der 1894 ermordet wurde. Seine Ermordung war das zweite eines Ereignistrios, beginnend mit der Amtsenthebung von Reichskanzler Bismarck und endend mit dem Fall Dreyfus, welches jenen geopolitischen Plan des britischen Prinzen Edward Albert, dem späteren Eduard III., in Gang setzte, der zum Ersten Weltkrieg führte.

Sadi N.F. Carnot hatte eine nützliche Vorstellung entwickelt; doch Clausius und Kelvin belegten sie ein Vierteljahrhundert später mit einer ontologisch betrügerischen Interpretation. Dieser Betrug durch Kelvin, Clausius, Grassmann und andere wurde dann als "Thermodynamik" bekannt.4Entropie als Prinzip der Natur zu betrachten, ist der Knackpunkt des Betruges, den Clausius, Grassmann, Kelvin, Helmholtz, Maxwell und die Machianer sogenannten thermodynamischen Prozessen beimaßen. Bereits eine reduktionistische Methode als solche läßt Entropie implizit in das konzeptionelle System eingehen; dies, wie beim sogenannten "zweiten Hauptsatz" explizit zu tun, verwandelt einen Verstoß aus Unkenntnis in einen Fall krimineller Absicht. Wärme ist im wesentlichen eine Wirkung. In erster Annäherung liegt die Bedeutung von Wärme in der relativen "Energieflußdichte", die als Qualität einer Wärmewirkung zum Ausdruck kommt. Zum Beispiel: "Wärme" in Form von Chlorophyllwirkung ist von höherer Ordnung als die Wärme, die durch Verbrennung der durch Chlorophyll erzeugten Brennstoffe erreicht werden kann. Da liegt der Betrug der "Bio-Narretei".

Um das Wesen und die heutigen Folgen dieses Betruges zu verstehen, müssen wir auf die spezifischen Eigenheiten und damit zusammenhängende Konflikte in der europäischen Wissenschaftsgeschichte seit ihren Wurzeln in den Werken antiker griechischer Gelehrter wie Thales, Heraklit, der Pythagoräer und Platon zurückblicken.

Der historische Hintergrund

Die krankhafte Erfindung von Clausius und Kelvin hat ihren wichtigsten "genetischen" Ursprung in den mechanistischen Methoden, die von den antiken griechischen Sophisten wie Euklid in seinen Elementen entwickelt wurden.

Kompetente europäische Wissenschaft war lange vor Euklid im Rahmen der Astrophysik und -navigation durch Vorfahren wie die Erbauer der großen Pyramiden im antiken Ägypten geboren worden. In Griechenland traten die Pythagoräer und die Kreise um Platon die Nachfolge der Ägypter an. Die Methode dieser Wissenschaftler im klassischen Griechenland war damals unter dem Namen Sphärik bekannt. Auf der Sphärik basiert auch die Methode Gottfried Leibniz' in seiner Widerlegung der inkompetenten, mechanistischen Methode René Descartes'.5Vergleiche Gottfried Wilhelm Leibniz: Philosophical Papers and Letters; Leroy Loemker Hg. "Critical Thoughts on the General Part of the Principles of Descartes" (1692), S. 383-412 und "Specimen Dynamicum," S. 435-452. Leibniz nannte sie nach dem griechischen dynamis "Dynamik". Auch Bernhard Riemanns benutzte diese Methode, wie sie in seiner berühmten Habilitationsschrift von 1854 und in seiner späteren Entwicklung des Begriffs physikalischer Hypergeometrien Ausdruck findet.6"Über die Hypothesen, welche der Geometrie zu Grunde liegen", Bernhard Riemanns Gesammelte Mathematische Werke, Hg. H. Weber, New York: Dover Publications reprint edition, 1953 und Vaduz, Liechtenstein: Sändig Reprint Verlag Hans R. Wohlend.

In der Sphärik gab es keine axiomatischen oder ähnlichen formalen Annahmen; keine Vorwegnahmen der Art, die den ontologischen Annahmen ähnlich sind, wie sie selbst noch heute in fiktiven Begriffen aprioristischer Definitionen, Axiomen und Postulaten vorkommen, wie man sie von Euklids sophistischer Tradition kennt.

Die Menschen, die in der Antike die heute einzig zulässige Strömung europäischer Wissenschaft begründeten, richteten ihre Augen - wie die großen Navigatoren Ägyptens und deren Vorfahren - auf den Nachthimmel. Für sie war der Nachthimmel wie das Innere einer riesigen Kugel, worauf die Sterne gemalt zu sein schienen, die den Hintergrund für Bewegungen jener Objekte bildeten, welche die Griechen als "Wanderer", Planeten, betrachteten.7Der lange Zeitraum vor dem letzten Abschmelzen der jüngsten Gletscherperiode (wie z.B. in Europa und Nordamerika) konfrontiert uns mit einer sehr komplexen Reihe von Entwicklungen. Hierzu gehört auch das Absinken der Meeresspiegel auf etwa 120 m unter die durchschnittliche Höhe der vorhergehenden drei- bis fünftausend Jahre. Das Eindringen einer Welle von atlantischem und Mittelmeerwasser in einen Süßwassersee, das Schwarze Meer, kann mit Recht als wichtige "Wasserscheide" für die Bewegung maritimer Zivilisationen in die Meeresarme großer Flüsse und den anschließenden langen Prozeß der Bewegung organisierter Formen der Zivilisation flußaufwärts ins Landesinnere beschrieben werden. Im Nachhinein datierbare Kalender wie jene, auf die sich Bal Gangadhar Tilak in seinen Werken The Orion und Arctic Home in the Vedas bezieht, zeigen den deutlichen Einfluß seefahrender, maritimer Kulturen, die auf bis zu achttausend Jahre und mehr zurückgehen. Wie man an den Küstengebieten entlang des Mittelmeeres vom zweiten Jh. v.Chr. an sehen kann, waren die zivilisiertesten Kulturen maritime Kulturen, wie die von Cyrenaica, welche in Europa auch gegen feindselige Einwohner des Landesinneren befestigt gewesen schienen. Wir befinden uns noch immer innerhalb eines langen Zeitraums der Entwicklung von Küsten- und großen Flußgebieten aus landeinwärts, von der Vorherrschaft maritimer Kulturen hin zur vollen Entwicklung einer wirklichen Festlandkultur.

Um nachzuerleben, was die Begründer der {sphärischen} Methode in Ägypten und anderswo in Erfahrung brachten, wäre es - auch im Sinne Albert Einsteins - ausreichend, einige der bedeutenden Schriften Keplers zur Astronomie, beginnend mit seinem Mysterium Cosmographicum, durchzuarbeiten, wobei manchmal ein Blick selbst durch ein nur bescheidenes Teleskop hilfreich sein könnte.

Kompetente Beobachter wie die antiken griechischen Sphäriker duldeten keine Apriori-Annahmen. Keine Linie war bei ihnen lediglich die Ausdehnung eines Punktes. Keine Fläche durfte als bloße deduktive Ausdehnung einer Linie erzeugt werden. Kein Körper durfte als bloße deduktive Ausdehnung einer Fläche erzeugt werden. Für jede dieser einzelnen Entwicklungen war eine prinzipielle Form effizienter physischer Aktion (Dynamis) nötig. So legten der große Archytas und die anderen Kreise Platons die Grundlagen für die gesamte Entwicklung kompetenter Naturwissenschaften seit jener Zeit.8Als Referenz zu diesem generellen Thema dient Selections Illustrating The History of Greek Mathematics, Ivor Thomas, übers., Vols. I and II (Cambridge, Mass.: Harvard University Press, 1939-1980). Das sollte man mit den interessanten, aber problematischen neoplatonischen Kommentatoren wie Pappus und Proklus kontrastieren. Man sollte jedoch mit mindestens der gleichen Vorsicht an Ivor Thomas' Werk herangehen, die er wiederholt seinen Lesern nahelegt. Der einzige Behelf aus dieser mißlichen Lage ist, die angeführten Entdeckungen selbst de novo zu machen, so daß die gewonnenen Vorstellungen wirklich die eigenen sind.

Wie auch der große Eratosthenes aufgrund eigener Reflexionen ca. 200 v.Chr. betonte, bedeutet Archytas' Konstruktion der Würfelverdopplung für jeden Studenten ein zentrales Nacherleben der ursprünglichen Entdeckung, das zum Verständnis einer wirklichen physikalischen Geometrie führt, die in völligem Gegensatz zu einer bloß formalen Geometrie von Aprioristen wie dem Sophisten Euklid steht.9Dies definiert implizit eine antieuklidische Geometrie, im Gegensatz zu dem, was akademisch als bloße nichteuklidische Geometrie jener Art gilt, die mit den Arbeiten von Lobatschewski und dem jüngeren Bolyai assoziiert wird. Riemanns Habilitationsschrift 1854 definiert einen modernen, antieuklidischen Ansatz in der physikalischer Geometrie, der vermittels der Abelschen Funktionen zu wirklich dynamischen Modi physikalischer (im Gegensatz zu bloß formaler) Hypergeometrien führt, von denen eine kompetente moderne Wissenschaft physischer Ökonomie absolut abhängt.

Das Wiedererwachen der Wissenschaft im nachmittelalterlichen Europa, als die kompetente moderne Naturwissenschaft entstand, war bereits in Brunelleschis Werk angelegt und wurde, was die Grundsatzfragen betrifft, formell durch Nikolaus von Kues, angefangen mit seiner De Docta Ignorantia, in Gang gesetzt. Johannes Kepler hat in seiner Begründung einer systemischen, umfassenden physikalischen Wissenschaft ausdrücklich auf Cusanus zurückgegriffen. Das Resultat von Keplers Leistung kommt implizit in Gottfried Leibniz' einzigartiger, originaler Entdeckung des Infinitesimalkalkulus zum Ausdruck, wobei er in dieser speziellen Frage Keplers Absicht explizit folgt. Diese Entwicklungen verdeutlichen das Wiederaufleben der Sphärik, wie sie mit den Kreisen von Archytas und Platon zusammenhängt, und ihre Erweiterung durch die moderne europäische Wissenschaft.

Die Geschichte der modernen Wissenschaft wurde durch Renaissancedenker wie Filippo Brunelleschi, der die Kettenlinie als Konstruktionsprinzip nutzte, und durch den Begründer des allgemeinen Konzeptes moderner Wissenschaft, Kardinal Nikolaus von Kues, eingeleitet.

Schon in Cusanus' 15. Jh. stand der Geburt der modernen Zivilisation ein wiedererstarkendes Überbleibsel mittelalterlicher, neo-feudalistischer Reaktion gegen die Zivilisation entgegen, wie sie am besten durch den Großinquisitor Tomás de Torquemada verkörpert wird. Genauso wie der Muslimenhasser Samuel P. Huntington heute wollte der rasende Antisemit und Muslimenhasser Torquemada in ein finsteres Zeitalter zurückkehren, und seine Umtriebe kennzeichneten den Beginn eines neuen Abschnitts inquisitorischen, neo-feudalistischen und massenmörderischen Terrors von 1492 bis zum Westfälischen Frieden 1648.10Ebenso wie das britische Imperium in der Vergangenheit Kriege benutzte, die es zwischen den Nationen Europas und anderswo anzettelte, um die potentiellen Widerstandskräfte, die einem globalen, maritimen Imperialismus auf dem Kontinent entgegenstünden, zu schwächen, so hat die heutige Geopolitik, wie bei den zwei "Weltkriegen" des 20. Jh., das vermeintliche Schreckgespenst von einer Milliarde Muslimen heraufbeschworen. Just so hatten das Byzantinische Reich und sein venezianischer Nachfolger Antisemitismus und Haß gegen Muslime benutzt, um imperiale Macht über die Nationen Kontinentaleuropas zu erhalten.

Nach 1648 gab Frankreich unter der Führung von Jean-Baptiste Colbert, einem Schützling Kardinal Mazarins, das Tempo für eine gewaltige Eruption des wissenschaftlichen Fortschrittes an. Doch dadurch, daß sich Ludwig XIV. in die Falle der holländischen Kriege locken ließ, öffneten sich dann ab Februar 1763 die Tore für den neo-venezianischen Aufstieg der anglo-holländischen Ostindiengesellschaft zur weltweiten imperialen Seemacht, die nur vom Aufstieg der USA maßgeblich bedroht wurde. Das anglo-holländische liberale System war eine imperiale Form spezifisch geopolitischer Finanzkraft. Diese Finanzmacht kommt heute in dem Bestreben zum Ausdruck, die USA sich durch die Kriegs-, Wirtschafts- und Finanzpolitik der ultra-dekadenten Bush/Cheney-Regierung selbst zerstören zu lassen.11Das anglo-holländische System wurde unter Einflußnahme der neuen venezianischen Partei von Paolo Sarpi entwickelt und war dem Präzedenzfall nachempfunden, der auf der mittelalterlichen, ultramontanen Allianz der schleimpilzartigen venezianischen Finanzoligarchie mit ihrem bevorzugten bewaffneten Instrument, der normannischen Ritterschaft, basierte. Aus strategischen Gründen entwickelte die venezianische Finanzoligarchie des späten 17. Jahrhunderts ihren anglo-holländischen Deckmantel als maritime Finanzmacht. Anglo-holländischer Liberalismus ist bis heute das Ergebnis davon. "Globalisierung" ist der aktuelle Name für Imperialismus in der venezianischen und anglo-holländischen Tradition.

Von Kepler bis Riemann

Blickt man von heute auf die Ursprünge der modernen Wissenschaft zurück, dann war es Johannes Kepler, der explizit von Nikolaus von Kues' Standpunkt die Grundlagen für alle kompetenten Strömungen innerhalb eines universellen Erkenntnisschatzes legte, den man als moderne Naturwissenschaften bezeichnet. Hieraus ergibt sich folgendes:

Diese Verbindungen wurden ausdrücklich von Albert Einstein in seinen späteren Jahren identifiziert, wobei er betonte, daß die Grundlagen kompetenter moderner Wissenschaft im Werk Keplers und dessen Weiterentwicklung durch Bernhard Riemann zu finden sind.

Wie jedoch die Erfahrungen der späten 70er und weiter Teile der 80er Jahre in den Reihen einer führenden Wissenschaftsorganisation, dem Fusions-Energie-Forum, bezeugen, hatte die überwiegende Mehrheit selbst führender Nuklearphysiker und ähnlicher Fachleute die wichtigen Elemente zum Verständnis dieser tieferen historischen Wurzeln moderner europäischer Naturwissenschaft entweder nie besessen oder wieder verloren.

In den meisten dieser Kreise gab es mehr seichten Klatsch als eigentliches Wissen um Keplers ursprüngliche Entdeckungen, Entdeckungen, von denen die gesamte kompetente moderne Physik bis heute abhängt. Allerdings gab es bis vor etwa einem Jahrzehnt im Grunde keine allgemein verfügbare kompetente englische Übersetzung der Werke Keplers, die immer noch die Grundlage aller kompetenten zukünftigen Entwicklungen in der modernen mathematischen Physik ausmachen. Schlimmer noch, das heutige Wissenschaftscurriculum für öffentliche Schulen und Universitäten stammt von den bösartigen Kreisen jener "babylonischen Priesterschaft", welche hierarchische Kontrolle über die akzeptierten Lehrstandards ausübt, von welcher die Karrieren von Wissenschaftlern und Forschern abhängen. Karrieren beruhen weniger auf Erkenntnissen aus dem Experimentallabor, sondern auf den wie in "Laputa" offiziell vom Katheder verkündeten Lehren.

Ein roher und von Aberglauben durchsetzter Reduktionismus, eine Art religiöse Leichtgläubigkeit, wie sie sich im Glauben an den Spezialisten für schwarze Magie, Isaac Newton, ausdrückt, hat oftmals sogar genuine Errungenschaften der meisten führenden Wissenschaftler des 20. Jh. verkrüppelt. Noch heute dominiert eine Art "babylonische Priesterschaft" die Begutachtungs-Institutionen und verkrüppeln die wissenschaftliche Lehre und Ausbildung heute noch schlimmer als zur Zeit der Diskussionen im Fusions-Energie-Forum.12Eine Betrachtung der Schriften Isaac Newtons durch John Maynard Keynes gab der Welt einen Einblick in den wirklichen Geist dieses Sir Isaac Newton, der - so wie Jeremy Bentham - eigentlich eine Art ausgestopfte Puppe war, die als Galionsfigur für etwas geschicktere Betrüger wie dem Galileo-Anhänger Hooke diente, der die eigentliche Arbeit tat, die offiziell dem Parlamentsmitglied Isaac Newton angerechnet wird. Das "Newton-Projekt" war ein Entwurf des in Paris ansässigen venezianischen Klerikers Antonio Conti, um eine schlecht getarnte Version des französischen Cartesianismus nach London zu verpflanzen.

Wie Arbeitsgruppen der LaRouche-Jugendbewegung (LYM) bei sich selbst erfahren haben, läßt sich wirkliche wissenschaftliche Methode an dem von Johannes Kepler geschilderten Problem verdeutlichen, Planetenbahnen nach Maßgabe eines Ausgleichspunktes zu definieren. Alle Begriffe einer kompetenten modernen physikalischen Wissenschaft sind in den Implikationen der problematischen Annahme eines Ausgleichspunktes enthalten.13Z.B. Johannes Kepler, The New Astronomy, übers. von W.H. Donahue (Cambridge, U.K.: Cambridge University Press, 1992). Siehe auch den Anhang zu diesem Artikel und Animationen auf wlym.com/~animations/. Diese Entdeckung Keplers hat der modernen Wissenschaft einen streng definierten Begriff davon gegeben, was die ontologisch effiziente Wirklichkeit eines universellen physikalischen Prinzips wie der Gravitation ist. Erst als Kepler den Trugschluß des Ausgleichspunktes erkannt hatte, konnte er nach seiner eigenen Darstellung seine Konzeption einer infinitesimalen Reflexion im Kleinen eines universellen Prinzips im sehr Großen entwickeln. Jede kompetente moderne Wissenschaft gründet sich auf einen apriorismenfreien Begriff eines Universums, das durch einen Entwicklungsprozeß unter einer Reihe universeller physikalischer Prinzipien der gleichen experimentell definierten ontologischen Qualität definiert ist, ganz wie Keplers Begriff universeller Gravitation.14Daher Einsteins Begriff eines endlichen Universums, das keine äußere Begrenzung hat.

Dadurch ergibt sich ein Bild des Universums, welches, wie Albert Einstein betonte, endlich, aber unbegrenzt ist. Dieses Universum ist von universellen Prinzipien charakterisiert, welche dynamisch unter der Herrschaft eines höheren universellen Prinzips antientropischer physikalischer Aktion versammelt sind.

Man betrachte deshalb Keplers Arbeit so, wie Albert Einstein alle kompetente moderne Wissenschaft definierte: eingefaßt in die Entwicklungen von Kepler bis Riemann.

Keplers Entdeckung des Wirkprinzips, welches die Ausrichtungen von Sonne, Erde und Mars bestimmt, war die eigentliche Geburtsstunde kompetenter moderner physikalischer Wissenschaft und daher auch der Wissenschaft der physischen Ökonomie. Wir behandeln den Bio-Schwindel hier von einem Standpunkt, der bereits in Keplers Entdeckung der physischen Natur universeller physikalischer Prinzipien, d.h. in den paradoxen Implikationen seiner Beschäftigung mit dem Ausgleichspunkt enthalten ist.

2. Universelle physische Prinzipien

Wie amerikanische Zeitgenossen aus der schmerzhaften Erfahrung mit dem Schock jener LTCM-Katastrophe von 1998 gelernt haben sollten, die durch die sog. Black-Scholes-Formel ausgelöst wurde, so hatte schon Albert Einstein die Fanatiker der Solvay-Konferenzen gewarnt: der Schöpfer des Universums würfelt nicht.

Nach den bekannten Erkenntnissen der Menschheit sollte es keinen wirklich denkenden Menschen überraschen, daß das Konzept universeller physikalischer Prinzipien eigentlich aus der Astrophysik stammt: das Resultat der Anwendung scheinbar bloßer Astronomie, die aber die Anwendung praktischer Fragen wie der Navigation auf See u.ä. reflektierte. Die Erde, auf der unsere Gattung bekanntermaßen lebt, liegt unter einem Himmel. Wir befinden uns somit offenbar inmitten eines großen sphärischen Bereiches, unseres Universums. Das ist die Sichtweise, von der aus der Begriff universeller physikalischer Prinzipien von den Ägyptern und anderen Vorfahren der klassischen griechischen Zivilisation wie Thales, Solon, den Pythagoräern und Platon entwickelt wurde.

Der entscheidende Unterschied hier ist ein praktischer. Verändert sich das Universum in Bezug auf seine sichtbaren Prinzipien? Wenn ja, was bestimmt diese Veränderungen?

Die empiristischen Nachbeter des Isaac-Newton-Kultes wie de Moivre, d'Alembert, Leonhard Euler und Joseph Lagrange behaupteten implizit, doch nachdrücklich, daß das Universum wie alle mechanistisch-statistischen Systeme unveränderlich sei: unveränderlich, was die Prinzipien betrifft. Carl F. Gauß widersprach den Empirikern nicht nur, er zerstörte mit seiner Doktorarbeit von 1799 ihre Meinung auf wissenschaftliche Weise. Das Universum ist, entgegen den Empirikern und ihresgleichen, nicht entropisch; es ist im wesentlichen dynamisch und daher antientropisch, und auch antieuklidisch, was seine charakteristische physikalische Geometrie angeht.

Ein universelles Naturprinzip ist ein Gesetz des Universums, welches erkennbare Aktion innerhalb des wahrgenommenen Ereignisuniversums begrenzt, welches aber dennoch weder ein diskretes Sinnesobjekt, noch in mechanistisch-statistischer Form eine kinematische Wechselwirkung zwischen sich bewegenden Teilen ist. So ist, beispielsweise, die antimechanistische, dynamische Natur des Prinzips universeller Gravitation, wie es zuerst von Johannes Kepler entdeckt wurde.

Der Begriff eines dynamischen Gravitationsprinzips kam ausdrücklich durch den Einfluß des Nikolaus von Kues auf Kepler. Zum Beispiel hatte Cusanus in einer seiner niedergeschriebenen Predigten berichtet, daß er einen Fehler in der Diskussion des Archimedes über den Kreis entdeckt hätte (Abbildung 1). Statt als Annäherung einer Reihe regelmäßiger Vielecke an einen Kreis als vermuteter Grenze anzusehen, sollte man hinter einer solchen geordneten Reihe regelmäßiger Vielecke ein universelles Prinzip der geringsten Wirkung sehen; einer Reihe, welche unter geeigneten Umständen in Bezug auf ihren ontologischen Kontrast in Form eines primär kreisförmigen Umfanges ausgedrückt werden kann.15Unser heutiges Wissen über diese Angelegenheit verdanken wir dem katholischen Theologen Rudolf Haubst, dem Gründer der Cusanus-Gesellschaft. Die angeführten Tatsachen kamen zum Vorschein, als sich Haubst mit den überlieferten geschriebenen Predigten von Cusanus beschäftigte. Helga Zepp-LaRouches hatte durch ihre jahrzehntelange Zusammenarbeit mit Haubst im Zusammenhang mit ihren Studien der Arbeiten Cusanus' und Friedrich Schillers Zugang zu diesen wichtigen Informationen. (Helga teilt die Herkunft aus dem Moselgebiet und geistige Verwandtschaft mit Haubst und Cusanus.) Mein eigenes Wissen über Archimedes' Arbeit an Kreis und Parabel stammt aus meiner genauen schmerzlichen Durchsicht relevanter Teile der französischen Ausgabe von Archimedes' gesammelten Werken.

Für diejenigen unter uns, die, wie Cusanus, Kepler und Leibniz, mit der Arbeit von Platon u.a. in der Anwendung der {Sphärik} vertraut sind - so wie Theaitets Entdeckung der Vervollständigung einer Reihe fünf regulärer Platonischer Körper dieses Wissen repräsentiert - gibt es nichts wahnsinnig Überraschendes in Cusanus' Mitteilung einer erforderlichen Korrektur an Archimedes' Argument über den Kreis. Für Cusanus-Anhänger wie Luca Pacioli, Leonardo da Vinci und Kepler war diese Wiederentdeckung Cusanus' allerdings ausschlaggebend. Vor allem die Beschäftigung mit der Reihe der fünf regelmäßigen Körper, auf die Platons Dialog Timaios verweist, war für die Entdeckungen Keplers kritisch.16Der ganze Entdeckungsprozeß über die Einzigartigkeit der sogenannten Platonischen Körper wurde von Sokrates' berühmten Schüler Theaitet vollendet. Der erste Teil war durch die Pythagoräer in Syrakus bewerkstelligt worden, aber der ganze Beweis geht auf den Theaitet zurück, der ein berühmter Mathematiker seiner Zeit war. Der Name "Platonische Körper" geht auf die Bedeutung zurück, welche diesem Thema in Platons Dialog Timaios zukommt. Eigentlich müssen wir, wie Kepler, noch weiter zur Rolle der angeschnittenen archimedischen Körper gehen, um einige wichtige Eigenschaften zu entdecken, welche die Organisation des physikalischen Universums im Kleinen hat.

Die gültige Form einer modernen Konzeption universeller physischer Prinzipien kann daher im wesentlichen auf Platon und speziell seinen Timaios zurückgeführt werden. Dieses Konzept ist implizit auch in den Veröffentlichungen Cusanus' enthalten; indes wurde die Idee eines universellen physischen Prinzips für die moderne Zeit von Keplers Entdeckungen in einem Bereich etabliert, der einzigartig die Idee eines Universums ausdrückt: im Felde der Astronomie, oder besser gesagt der Astrophysik.17Cusanus erwähnte bereits die Entdeckung des vorptolemäischen Aristarchos von Samos, daß die Planeten die Sonne umlaufen.

Keplers einzigartige, ursprüngliche Entdeckung der Gravitation erst im Fall von Sonne, Erde und Mars und später für die harmonische Komposition des Sonnensystems, wie es ihm bekannt war, ist die Grundlage einer kompetenten physikalischen Wissenschaft - einer universellen Wissenschaft, die sich streng im Bereich manchmal als "einzigartig" (wie bei Riemann) oder in anderen Sprachgebräuchen als "kritisch" bezeichneter physikalischer Experimente gründet.

Die Fragen universeller Wirkprinzipien, die sich so für experimentelle Ansätze stellen, liegen jeweils innerhalb der Bereiche des unmeßbar Kleinen bzw. Großen. Wenn es um Fragen universeller physikalischer Prinzipien und ihrer praktischen Implikationen etwa bei der Definition experimenteller Bereiche der physischen Wirtschaft geht, brechen die mechanistischen Ansätze in den typischen Beschränktheiten der Euklidischen oder Cartesischen Geometrie zusammen und stellen diese Ansätze als hoffnungslose Fehlschläge bloß, wenn es um die Praxis geht.

Das noch heute vorherrschende konzeptionelle Versagen in der sachkundigen Sicht der modernsten wissenschaftlichen Methode ist kein Zufall. Das Versagen war beabsichtigt, wie ich es in der Geschichte dieses Problems in früheren Publikationen im einzelnen dargestellt habe. Der Punkt, um den es hier geht, ist für das vorliegende Thema von so kritischer Bedeutung, daß ich nun die entsprechenden Argumente im vorliegenden Kontext der tieferen, thermodynamischen Implikationen des "Biotreibstoff"-Schwindels erneut darlegen muß.

Galileis Neigungen

Um die verbreitete Korruption in der heutigen Wissenschaftslehre zu verstehen und hoffentlich auch zu beheben, ist es sehr nützlich, die Rolle eines Mannes zu betrachten, der zu seiner Zeit ein ebenso widerlicher wie einflußreicher Schurke war: Galileo Galilei. Man muß verstehen, was an Galilei faul war, genauso wie an seinen Nachfolgern, René Descartes und der weitgehend fiktiven Figur des Sir Isaac Newton, und wie dasselbe im 18. Jh. an den schon erwähnten Fällen de Moivre, d'Alembert, Euler und Lagrange sowie Laplace, Augustin Cauchy usw. zum Ausdruck kam.

Über Keplers Briefwechsel mit Galileis Vater über Fragen der musikalischen Stimmung hatte Galileo Galilei Zugang zu einigen laufenden Arbeiten Keplers. Der erwachsene Galileo war ein Schwindler und der Hauslakai des berüchtigten Gründers der Neuen Venezianischen Partei, Paolo Sarpi, von welcher der heutige anglo-holländische Liberalismus ausging, der sich vom Ende des 16. bis zum Ende des 17. Jh. in entsprechenden Teilen Nordeuropas verbreitete. Sarpi selbst spielte eine entscheidende Rolle dabei, daß die Cecil-Fraktion in England den noch sehr schaffensreichen William Shakespeare in seinen letzten Lebensjahren praktisch kaltstellte. Dies war eine Folge davon, daß man Sir Francis Bacon unter König Jakob I. von England zum Machtfaktor gemacht hatte. Sarpis Lakai Galilei bildete Thomas Hobbes persönlich aus. Außerdem ergänzte Galilei in der damals laufenden Diffamierungskampagne gegen Kepler den skurrilen Robert Fludd. Galileis plumpe Verdrehungen von Keplers Werk spielten eine wichtige Rolle bei den falschen englischen Ansprüchen, die man auf die literarischen Produkte der künstlich aufgebauten Sekte der "Rechtgläubigen" um den Spezialisten für schwarze Magie Isaac Newton stützte.18Der "Isaac-Newton"-Schwindel, der die Wissenschaft bis heute verpestet, ging eigentlich von Venedig aus (siehe Lyndon H. LaRouche, Jr. "How Bertrand Russell Became an Evil Man", Fidelio, Herbst 1994). Im Mittelpunkt dieser Operation, die vom letzten Viertel des 17. Jh. bis zum Ende des 18. Jh. andauerte und sich gegen die zentrale Figur des Gottfried Wilhelm Leibniz richtete, stand eine Studie, die Leibniz im Auftrag der feudalen Interessen des Hauses Hannover durchzuführen hatte, in dessen Dienst er in den letzten Jahrzehnten seines Lebens stand. In diesem Zusammenhang wurden alle möglichen venezianischen Agenten nach Italien, Deutschland und Frankreich entsandt; einer der wichtigsten davon war ein gewisser Abt Antonio Conti, der den größten Teil seines Lebens bis zu seinem Tode 1749 in Frankreich verbrachte. Conti wurde in Paris bekannt als treuer Anhänger René Descartes' und später, in der ersten Hälfte des 18. Jh., als Koordinator eines europaweiten Netzwerks leibnizfeindlicher Salons, in denen sich seine Komplizen wie Voltaire, d'Alembert, Leonhard Euler, Maupertuis, Joseph Lagrange u.a. herumtrieben, aber auch als Anhänger der Londoner Operation, welche die synthetische Persönlichkeit des Spezialisten für "schwarze Magie" Sir Isaac Newton schuf. Contis wesentlicher Beitrag zu diesem schmutzigen Geschäft war, daß er sich in Paris den Plan ausdachte, in England einen "synthetischen Descartes" zu schaffen, ein Schwindel, an dem Rev. Samuel Clarke beteiligt war (siehe Loemker, op.cit., S. 675-721). Da in England zur damaligen Zeit eine starke antifranzösische Stimmung herrschte (siehe H. Graham Lowry, How the Nation Was Won, Executive Intelligence Review, Washington D.C., 1988), wurde mit Hilfe wirklicher englischer Wissenschaftler wie Hooke und unter Rückgriff auf das intellektuelle Erbe des Betrügers Galileo Galilei ein synthetischer Descartes, Newton, geschaffen. Die Namen, die Carl F. Gauß in seiner Dissertation von 1799 nannte, waren typische Agenten der britischen "Neokartesianer", die im Rahmen des Netzwerks der Contischen Salons geschaffen wurden.

 

Abgesehen von seinen diversen Betrügereien im Namen der Wissenschaft bestand Galileis eigentliche Leistung darin, chronische Spielernaturen mit beträchtlichen finanziellen Mitteln in der reduktionistischen Mathematik des Glücksspiels zu beraten. In der Hinsicht zieht sich eine Linie von diesen damaligen Tätigkeiten Galileis bis zu den Torheiten von Leuten wie Morton Scholes von LTCM oder Ben Bernanke und ihren leichtgläubigen Opfern heute. Die große Lüge bei Galileis Methode ist, daß Gott oder vielleicht irgendeiner seiner Widersacher das Schicksal der Menschheit auswürfeln würde. Tatsächlich besteht eine wesentliche Verbindung zwischen diesem Aspekt der Aktivitäten Galileis und den pseudowissenschaftlichen Apologien verwandter Lügner und Schwindler wie Bernard Mandeville, Francois Quesnay und dem Plagiator Adam Smith zur Frage der anglo-holländischen Sicht monetärer und finanzieller Abläufe. Diese spezifisch empiristische Ideologie, für die Galilei, Descartes und ihr Einfluß nur typische Beispiele sind, durchzieht nicht nur das ganze allgemein akzeptierte Denken in Finanz- und Währungsfragen, sondern auch die axiomatischen Annahmen, die noch heute fast überall der unterrichteten formalen Wissenschaftsmethode zugrunde liegen.

Deshalb müssen wir jetzt eine für die Zukunft höchst bedeutsame Frage behandeln, die ich zugegebenermaßen in früheren Veröffentlichungen schon häufiger angesprochen habe: die systematische Bedeutung des prägenden Einflusses von Paolo Sarpi auf die noch heute fortdauernde Erfahrung des neuzeitlichen Europa mit dem anglo-holländischen Liberalismus und dessen Ausdruck in Form eines neumittelalterlichen Imperialismus.

Die wesentlichen Elemente des historischen Prozesses, der zur Entstehung des anglo-holländischen Liberalismus führte, und die Entwicklung dieses Liberalismus zu der Form, die seit Londons Triumph über Kontinentaleuropa beim Pariser Frieden vom Februar 1763 zunehmend die Welt beherrscht, lassen sich folgendermaßen zusammenfassen. Auch wenn ich an verschiedenen anderen Stellen diese Entstehung der sogenannten "Geopolitik" schon beschrieben habe, ist es um der Klarheit des vorliegenden Themas willen nötig, gerade an dieser Stelle die Geschichte dieser Entwicklungen noch einmal darzustellen.

Das "oligarchische Modell"

Die Geschichte der heutigen, weltweit ausgedehnten Zivilisation seit dem selbstverschuldeten Niedergang Athens in dem törichten Peloponnesischen Krieg ist im wesentlichen eine Geschichte des europäischen Imperialismus. Unter "Imperialismus" verstehe man hier den Triumph des sog. "oligarchischen Modells" über den Republikanismus, wie man ihn historisch mit der Erinnerung an Solon von Athen verbindet.19Siehe Friedrich Schillers Jenaer Antrittsvorlesung über das republikanische System des Solon und das oligarchische System des Lykurg. Dieser "Erbstamm" des Imperialismus, der sich nach dem Sieg Alexanders des Großen auf der Ebene vor Arbela und seinem anschließenden, für die Menschheit tragischen Tod herausbildete, fand seinen deutlichsten Ausdruck im Römischen Reich, in Byzanz, im ultramontanen System der Kreuzfahrer des Mittelalters und im späteren Aufstieg der anglo-holländischen Liberalen, die eine Neuauflage der ultramontanen Kreuzfahrerordnung anstrebten und dies auch heutzutage noch tun. Man stößt heute auf die Folgen dieser Imperialismusgeschichte, wenn die Londoner City Leute wie Vizepräsident Dick Cheney oder andere für ihre geopolitischen Zwecke einsetzt. Die "Globalisierung", wie sie heute betrieben wird, ist ein klarer Ausdruck des Strebens der anglo-holländischen Liberalen nach einer solchen neovenezianischen imperialen Weltherrschaft. Das ist der Schlüssel für den "geopolitischen Krieg", in dem man sich der faktisch verräterischen Regierung Bush/Cheney und des internationalen neokonservativen Netzwerks als wichtigste Waffe bedient, um die Vereinigten Staaten zu zerstören.

Der Schlüssel zum Verständnis dieser gegenwärtigen anglo-holländischen Gefahr für die Zivilisation im allgemeinen und die USA im besonderen liegt für denjenigen, der sich in der Geschichte der europäischen Kultur auskennt, im Rückgriff auf den Grundgedanken des "persischen Modells" oder allgemein des "oligarchischen Modells", wie es im Zusammenhang mit dem Machtaufstieg Makedoniens in der Zeit nach dem Peloponnesischen Krieg aufkam. König Philipp von Makedonien war, anders als sein Verwandter und politischer Erzfeind Alexander der Große, ein Mitverschwörer des Perserreiches. Auch Aristoteles, der zu König Philipps Fraktion gehörte und auch ein Agent des Delphikultes und persönlicher Feind Alexanders des Großen war, war darin verwickelt.

Wie die Fachwelt weiß, errang Alexander einen großen Sieg über die diversen Verbündeten seines Vaters, starb aber wahrscheinlich an einer Vergiftung infolge eines Mordanschlages oder einer massiven Rufmordkampagne - ein Schicksal, das unbequemen Gegnern der Oligarchie offenbar bis auf den heutigen Tag droht.20Ihren verängstigten Gegnern sagt die Oligarchie ganz nach ihrer Art: "Seid impotent, spielt den Narren, dann foltern und töten wir euch vielleicht nicht als Exempel für andere, so wie wir so viele andere unserer fähigen Gegner ermordet oder auf anderer Weise ruiniert haben. Ihr könnt gerne etwas Opposition spielen, solange ihr närrisch und impotent seid!"] Der Plan, der während der Zeit König Philipps und des sehr erfolgreichen Alexander als Projekt der Feinde Alexanders zur Schaffung erst eines westlichen, dann eines östlichen Weltreiches bekannt war, war mit dem Begriff "persisches Modell" oder allgemein "oligarchisches Modell" verbunden. Das Persische Reich ging unter, aber das Modell lebt bis auf den heutigen Tag weiter.21Es ist historisch von Belang, daß Alexander mütterlicherseits cyrenaisch war; wie sein strategisch wichtiger Besuch des Ammon-Tempels in der Cyrenaika beweist, teilte er außerdem die Überzeugungen der späteren Anhänger Platons und des berühmten cyrenaischen Mitglieds der platonischen Akademie in Athen, Eratosthenes. Die Cyrenaika war schon vor Platons Zeiten ein Zentrum der maritimen Kultur und Navigationstechnik, die von den Ägyptern für ihre hochseetauglichen großen Holzschiffe verwendet wurde. Ungefähr seit dem 7.Jh. v.Chr. war die ägyptische Seefahrerkultur, für die die Rolle der Cyrenaika typisch ist, mit den Seefahrerkulturen der Etrusker und der Ionier gegen die feindlich gesinnten Kräfte von Tyros verbündet. Das Bündnis der cyrenaischen Priesterschaft mit Alexander setzte in Ägypten und anderswo eine Reihe von Entwicklungen in Gang, die zur Niederlage von Tyros und zum späteren Untergang des Persischen Reichs führten.

Zum Thema erfolgreicher Verschwörungen in der realen Geschichte: In gewöhnlichen Darstellungen solcher historischer Tatsachen steht meist fälschlich eine wirklich vorhandene oder bloß angenommene Verschwörung von Leuten im Mittelpunkt, die vermeintlich innerhalb einer kartesischen mechanistisch-statistischen Mannigfaltigkeit zusammenstoßen. Die wirklich wichtigen erfolgreichen Verschwörungen der Geschichte sind hingegen durch widerstreitende Prinzipien definiert - wie z.B. durch den organischen Unterschied zwischen der Tradition der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und Verfassung einerseits und der unter den anglo-holländischen Liberalen verbreiteten oligarchischen "Verfassung" venezianischer Art andererseits. Widerstreitende Ideen, nicht bloße Komplotte, prägen das Wirkpotential, in dem die Hauptrichtung der Geschichte liegt.

Der Ursprung närrischer tatsächlicher und bloß behaupteter Verschwörungen liegt gewöhnlich darin, daß es an der epistemologischen Kompetenz mangelt, die so ausgedrückten Meinungen richtig herauszubilden.

Dieser Punkt hinsichtlich der ontologischen Eigenschaften tatsächlicher Verschwörungen in einer Gesellschaft bezieht sich auf den Unterschied zwischen Mensch und Affe sowie zwischen der Gesellschaft als Prozeß und niederen Arten und Artengruppen allgemein. Die Verschwörung als funktionaler Ausdruck fundamentaler Ideen in der Geschichte ist die natürlichste Existenzform von und zwischen menschlichen Gesellschaften. Eine vernünftige Sicht der Rolle von Verschwörungen in der Gesellschaft gehört zu den Qualitäten eines entwickelten Geistes im erwachsenen Menschen und ist für erfolgreiche Naturwissenschaft und klassische Kunst unverzichtbar. Wer behauptet: "Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien", der verrät eine mangelnde Fähigkeit, rational an der Gesellschaft teilzuhaben.

Deshalb liegt der wahre Hintergrund der Verschwörung im Zusammenhang mit dem Geschehen im Jahrhundert nach dem Ende des Peloponnesischen Krieges in den leitenden Ideen, wie sie auf der einen Seite mit den Entwicklungen im pro-oligarchischen delphischen Apollokult verbunden sind und auf der anderen Seite von Solon, Platon und dessen Vermächtnis verkörpert werden.

Die Idee des damaligen oligarchischen Prinzips ist als überlieferter Teil von Aischylos? Der gefesselte Prometheus erhalten geblieben. Der olympische Zeus im Gefesselten Prometheus ist das Urbild der Gestalt des Tyrannen, ähnlich wie solche Ausgeburten Carl Schmitts wie die Hitlerdiktatur oder die dem "Führerprinzip" entsprechende Theorie von der "Exekutivmacht" in der Präsidentschaft George W. Bushs. In dieser Tradition, die auf den olympischen Zeus in Aischylos' Drama zurückzuführen ist, droht der Masse der Menschen, als einzelne wie im ganzen, die Herabwürdigung auf den Zustand hirnlosen Viehs, wie bei den Aufmärschen der Nazis in Nürnberg. Die Bedrohung drückt sich darin aus, wie Zeus den Menschen verbietet, sich das Feuer (und die Kernkraft) allgemein zunutze zu machen. Dies ist - wie im System Bernard Mandevilles - die Vorstellung, damit wenige privilegierte Herrschende Erfolg haben, müsse man mit dem Rest der Gesellschaft nach dem Motto "den letzten beißen die Hunde" verfahren.

Das gleiche pro-oligarchische Dogma ist die Hauptdoktrin des Existentialismus hinter dem System von 1933-45, zu dem der Nazi-Existentialist Martin Heidegger in Freiburg seinen Teil beitrug, indem er echte Ideen aus den Beratungen in der Gesellschaft verbannte. Genauso gingen Theodor Adorno und Hannah Arendt nach dem Krieg in ihrer Autoritären Persönlichkeit vor. Das Schlagwort "Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien" wurde zum Markenzeichen des hirngewaschenen Zombies, wie bei dem Monster aus dem Film "Schwarze Lagune", das triefend mit ausgestreckten Armen aus dem Wasser hervorkommt.

Es ist die Fähigkeit zur Entwicklung und Umsetzung von Ideen der Art, wie sie in experimentell bestätigten Entdeckungen universeller physikalischer Prinzipien und in Ideen klassischer Kunstformen zum Ausdruck kommen (im Gegensatz zur humanoiden Nachahmung der "Kulturen" von Menschenaffen oder Rhesusaffen im Käfig), was den Menschen und seine Kultur von den Gewohnheiten niederer Lebensformen unterscheidet. Unter dem Vorzeichen des oligarchischen Prinzips wird die Masse der menschlichen Gesellschaft im wesentlichen eingeteilt in "zahmes Vieh", das man züchtet und später schlachtet, und "wildes Vieh", das man zur sportlichen Ertüchtigung jagt, wie es die Allianz von Blair, Bush und Cheney gerade in Südwestasien vormacht.

Das innere Kennzeichen der weltweit ausgedehnten europäischen Zivilisation, wie wir sie auf den Aufstieg des antiken klassischen Griechenlands zurückführen, ist der noch anhaltende Konflikt zwischen denjenigen, die die Rechtsauffassung des Solon von Athen und der Präambel der amerikanischen Verfassung vertreten, und auf der gegnerischen Seite derjenigen, deren Vorstellung von der Organisation der Gesellschaftlich auf der willkürlichen Herrschaft irgendeines Gemischs oligarchischer Klassen beruht. Der heutige Imperialismus nennt sich "Globalisierung" - ein Weltreich mit seinem Sitz am Standort der neovenezianischen Finanzoligarchie des anglo-holländischen Liberalismus.

Sarpis Strategie des Neuen Venedig

Seit den frühesten Spuren der Einflüsse asiatischer Kulturen auf die entstehende antike europäische Zivilisation war "Imperialismus" immer eine spezifische Bezeichnung für Entwicklungen innerhalb einer größeren Gesamtkategorie wie auch in der heutigen "Globalisierung". Nach gängiger romantischer Auffassung versucht man ein Imperium immer als Werk eines Kaisers zu definieren, wohingegen in der wirklichen Geschichte die Institution des Kaisers Bestandteil eines Imperiums sein kann, aber nicht muß. Das ultramontane System der venezianischen Finanzoligarchie und ihres normannischen Anhangs ist dafür ein gutes Beispiel, ebenso wie heute die "Globalisierung". Das eigentliche Merkmal eines Imperiums liegt nicht in den Institutionen, die die Oligarchie nach Bedarf benutzt oder verwirft, sondern in der Rolle der Oligarchie an sich.

Im antiken Griechenland war das "Imperium" beispielsweise ein Ausdruck des Apollokults von Delphi.

Ein Blick auf die Ruinen dieser Kultstätte läßt noch heute die kennzeichnenden Bestandteile erkennen. Um den eigentlichen Tempel herum liegen kleine Gebäudestrukturen, die nominell jeweils für den Reichtum einer bestimmten griechischen Stadt standen. Praktisch waren es Schatzämter. Dann betrachte man die nahegelegene Küste, wo mit den Schiffen der delphischen Geldinteressen Handel getrieben wurde - in einer Form, die auch daran erinnert, wie die venezianische Finanzoligarchie im mittelalterlichen Europa im maritimen Herzen der ultramontanen Ordnung herrschte. Dazu gehörte u.a. eine frühere delphische Kolonie, die sich etwas aufwärts von der Tibermündung auf einer Bastion in den Hügeln von Rom entwickelte, ein Stück Land, das aus dem Territorium von Delphis Rivalen im westlichen Mittelmeer, den Etruskern, herausgeschnitten wurde.

Ein Beispiel: Nachdem der römische Kaiser Diokletian in weiser Voraussicht das dekadente Römische Reich in einen östlichen und einen westlichen Teil aufgeteilt hatte - eine Art Nachahmung des oligarchischen Projekts aus der Zeit Philipps von Makedonien -, wollte Diokletians Schützling Kaiser Konstantin die Christen als Anhängsel des römischen imperialen Pantheons vereinnahmen (indem er, wie in Nizäa, als Pontifex Maximus das Recht beanspruchte, Bischöfe zu ernennen und anzuleiten). Der byzantinische Kaiser war ständig bemüht, die Befehlsgewalt im Reich zu behaupten, was auch die den bloßen Königen verwehrte Machtbefugnis einschloß, allein die Rechtsgrundsätze zu definieren, und er wollte so die angestrebte Kontrolle über die christlichen Kirchen als Werkzeug imperialer Macht benutzen: ein System, das erst mit der Krise des Papsttums im Zuge des Zusammenbruchs des ultramontanen Systems im "neuen finsteren Zeitalter" Mitte des 14. Jh. endete.

Ein Beispiel: Obwohl das venezianisch beherrschte ultramontane System nach der Vertreibung der Anjou aus Sizilien die Habsburger eingesetzt hatte, um das zerstörte europäische System Karls des Großen unter dem Hohenstaufenherrscher Friedrich II. und seinen unseligen Erben abzulösen, wurde das imperiale System Roms nach dem Aufstieg der venezianischen Finanzoligarchie zur mittelalterlichen Großmacht nie wieder in seiner cäsarischen Form wiederhergestellt. Nach dem Sieg Venedigs über Byzanz, das es plünderte und zerstörte, wurde das oligarchische System in der venezianischen Form des anglo-holländischen liberalen Systems der Finanztyrannei fortgeführt. Heute hat es die Form eines nachnationalstaatlichen Systems angenommen, das sich "Globalisierung" nennt.

Es gab jedoch zwei verschiedene Spielarten venezianischer Herrschaft als eigentliches finanzoligarchisches Imperium - nicht die Herrschaft des Kaisers, sondern die des Stiletts.

Die erste endete mit den Erschütterungen nach dem Zusammenbruch des lombardischen Bankhauses der Bardi. Es wurde nach dem Fall Konstantinopels und dem Aufstieg der Institution des Großinquisitors unter Spaniens Tomás de Torquemada im Sinne von Bram Stokers Dracula noch einmal wiedergeboren, aber Torquemadas Absicht kam in zweckmäßigerer Weise zum Ausdruck, als sein System seinerseits unter der Führung der von Paolo Sarpi geführten Partei des "Neuen Venedig" reformiert wurde.

Im Laufe des 17. Jh. durchlief Sarpis Neues Venedig die nächste Metamorphose und tauchte als innere Komponente des anglo-holländischen liberalen Systems finanzoligarchischer Herrschaft wieder auf. 1763, am Ende des sog. "Siebenjährigen Krieges", den die anglo-holländischen Liberalen mit Erfolg orchestriert hatten, wurde das anglo-holländische liberale System der in London konzentrierten finanzoligarchischen Macht zum neuen Weltreich, dessen jüngste geopolitische Ausprägung in dem Ruin deutlich wird, in den sein Einfluß unsere Vereinigten Staaten in der beabsichtigten Form der "Globalisierung" gestürzt hat.

In der modernen Geschichte Englands wurde nach dem Sturz Richards III. das französische Commonwealth-System Ludwigs XI. in ein plötzlich modernes England unter Heinrich VII. eingeführt. Der venezianischen Partei, die damals vom venezianischen Eheberater Heinrichs VIII., Zorzi (alias Giorgi), repräsentiert wurde, gelang es dann, den englischen Commonwealth von innen zu unterminieren. Unter James I. kam es zu einer zweiten Übernahme der britischen Monarchie durch die Partei des Neuen Venedig unter Paolo Sarpi.

Auch wenn Venedig vieles tat, um die Bemühungen zur Gründung eines neuen Systems souveräner Nationalstaaten in der Zeit zwischen 1492 und 1648 zu verhindern,22Seit der naziähnliche Großinquisitor Tomás de Torquemada 1492 Pogrome gegen die Juden in Gang gesetzt hatte, bis zum Westfälischen Frieden von 1648. gelang es trotz oft massiver Rückschläge, die die Inquisition und die Habsburger der Zivilisation zufügten, nicht, die Existenz und die beharrlich fortschreitende realwirtschaftliche und sonstige Entwicklung des jungen Systems der kontinentalen Nationalstaaten in Europa oder seiner Kolonien in Amerika zu unterdrücken. Vom Standpunkt Paolo Sarpis hatten sich die theologischen und philosophischen Dogmen der alten römischen, byzantinischen und mittelalterlichen Systeme als unfähig erwiesen, das neue System souveräner Nationalstaaten auszurotten, dessen Aufbau im Umfeld des großen ökumenischen Konzils von Florenz in der Mitte des 15. Jh. in Gang gekommen war. Für Sarpi bedeutete dies, daß der im Römischen Reich wiederbelebte Aristoteles ein ungeeignetes Instrument war, um mit der Herausforderung fertig zu werden, die das System der aufstrebenden souveränen Nationalstaaten zur Wiederbelebung des klassischen naturwissenschaftlichen und künstlerischen Denkens darstellte.

So, wie sich damals Paolo Sarpi dem mittelalterlichen Irrationalismus des William of Ockham zuwandte, übernahmen die britischen Gegner Präsident Franklin D. Roosevelts und ihre Verbündeten in den Vereinigten Staaten unmittelbar nach Roosevelts Tod den radikalen Irrationalismus der "Frankfurter Schule" und ähnlicher Existentialisten.

Derartige existentialistische und verwandte Einflüsse dienten als Instrumente, um die Wissenschaft und Kunst in den USA und Europa mit tatkräftiger Hilfe der Babyboomer praktisch zu zerstören. Stattdessen wurde versucht, diese durch einen wilden dionysischen Irrationalismus (jenen Wahnsinn, den einige Insassen der Londoner Tavistock-Klinik als eine Form von Freiheit betrachten) zu ersetzen, wie ihn die Anhänger Voltaires, Marquis de Sades und Marats vertreten - jenes verrückten Franzosen aus dem Drama, der auch ein Agent des britischen "Geheimkomitees" unter Jeremy Bentham war. Im übrigen wurzeln diese Einflüsse in den Dogmen Friedrich Nietzsches und anderer, die dazu benutzt wurden, um dem kriegszerstörten West- und Mitteleuropa nach 1945 den von den USA geschaffenen Kongreß für kulturelle Freiheit aufzuzwingen. Der gleichen Massengehirnwäsche wurde auch die neue Generation der amerikanischen Mittelschicht, die zwischen 1945 und 1956 geboren wurde, unterzogen.

Der strategische Vorläufer dieses existentialistischen Massenwahns, der nach 1945 die Mittelschicht in Europa und den USA erfaßte, verfolgt die gleiche strategische Absicht wie der Liberalismus, den die Anhänger von Paolo Sarpis Politik des "Neuen Venedig" als "Empirismus" bezeichneten.

Intermezzo: Das wahre Gesicht des Imperiums

Paolo Sarpis Sieg führt unseren Bericht in ein Intermezzo: Schauen wir aus dem späten 16. Jh. auf die zukünftige Geschichtsepoche nach 1688, als das britische Empire, auch bekannt als das anglo-holländische liberale System, entstand. Um die Gegenwart zu verstehen, muß man zunächst einen Standpunkt in der noch zu erlebenden Zukunft einnehmen und von diesem Standpunkt aus auf die Gegenwart zurückschauen, um die bevorstehende Zukunft zu betrachten. Für die Methode, die man bei solchen Prognosen braucht, muß man den von der Gegenwart definierten Standpunkt der mechanistisch-statistischen Vorhersage verlassen und die in der bevorstehenden Zukunft liegenden Grenzbedingungen betrachten, die die zur Auswahl stehenden Ergebnisse der Gegenwart enthalten. Das ist die Methode langfristiger realwirtschaftlicher Prognosen, wie sie zur Aufstellung kompetenter Investitionshaushalte erforderlich sind; mit der gleichen Methode entdeckte Kepler die Gravitation und andere universelle Naturprinzipien.

Das ist die spezifisch dynamische Methode jeder kompetenten Wissenschaft und jeder kompetenten Geschichtsprognose.

Das Konzept der "Geopolitik" entstand unter Edward Albert, dem britischen Prinzen von Wales, im Vorfeld dessen, was man später den "Ersten Weltkrieg" nannte. Die Funktion, die dieser Begriff bezeichnet, entstand als Reaktion des Britischen Empire auf das Scheitern der Pläne Lord Palmerstons gegenüber den USA und gegenüber dem Mexiko des Präsidenten Benito Juárez. Die USA unter Präsident Lincoln waren in den Jahren 1863-1865 zu einer Kontinentalmacht vom Atlantik bis zum Pazifik aufgestiegen, die mit militärischen Mitteln nicht mehr zu besiegen war, sondern nur noch durch jene Art Korruption, wie sie in extremer Form die heutige Regierung Bush/Cheney charakterisiert.

Die treibende strategische Frage für Großbritannien unter Prinz Edward Albert war der Umstand, daß sich das Amerikanische System der Politischen Ökonomie insbesondere nach der Jahrhundertausstellung in Philadelphia 1876 in den wichtigsten Nationen Mittel- und Südamerikas und vieler Nationen Eurasiens wie in Bismarcks Deutschland, in Rußland unter Zar Alexander III, in Japan nach der Meiji-Restoration und anderen rapide verbreitete. Das Britische Empire reagierte auf diese Entwicklungen ganz in der Tradition der herrschenden imperialen Fraktion Englands - jener anglo-holländischen liberalen Finanzinteressen, die mit der britischen Ostindiengesellschaft und der Baringsbank verbunden waren und durch den Pariser Frieden von 1763 ihre Position als imperiale Seemacht etabliert hatten.

Der bösartige Bertrand Russell formuliert dies so: "Als ich erstmals politisches Bewußtsein entwickelte, standen sich Gladstone und Disraeli noch inmitten viktorianischer Beständigkeit gegenüber, das Britische Empire schien unumstößlich, eine Bedrohung der britischen maritimen Überlegenheit war undenkbar... Für einen alten Mann mit einer solchen Vergangenheit ist es schwer, sich in einer Welt... des amerikanischen Supremats zuhause zu fühlen."23Zitiert nach: Carol White et al., The New Dark Ages Conspiracy, New Benjamin Franklin House, New York, 1980, S. 77.

Das in England unter dem Räuber Wilhelm von Oranien errichtete anglo-holländische liberale System hatte sich im Februar 1763 als imperiale Privatmacht etabliert, indem es eine Reihe ruinöser Kriege auf dem europäischen Kontinent orchestrierte, die im sog. "Siebenjährigen Krieg" kulminierte, durch den Lord Shelburnes Ostindiengesellschaft zur imperialen Macht wurde. Trotz der zeitweiligen Niederlagen, die das Britische Empire bei seinen Versuchen erlitt, die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika zu vernichten, gelang es ihm mit der entscheidenden Hilfe der martinistischen Freimaurerei, sich nach dem 14. Juli 1789 wieder zu erholen und zu triumphieren, indem es zunächst die Französische Revolution orchestrierte und dann sämtliche Rivalen Englands auf dem europäischen Kontinent durch die Napoleonischen Kriege ausschaltete.

Klären wir zunächst einige Abstammungen. Jeremy Bentham wurde von Lord Shelburne kontrolliert, er selbst war der Kontrolleur der Haileybury-Schule, die nicht nur die antiamerikanischen Wirtschaftslehren des britischen Systems hervorbrachte, sondern auch die Karriere von Karl Marx als Ökonom lenkte. Bentham steuerte den Geheimdienst des britischen Außenministeriums und überließ diesen dann seinem Nachfolger Lord Palmerston. Abgesehen davon, daß ihm der Verräter Aaron Burr praktisch gehörte, verfolgte Bentham seine Ziele auf dem amerikanischen Kontinent hauptsächlich in Südamerika, wo er die Grundlage für die vollständige Kontrolle Palmerstons über die subversiven Netzwerke des Jungen Europa und des Jungen Amerika durch eben jenen Mazzini legte, der auch Karl Marx aufbaute und praktisch übernahm. Auf diese Weise entstand durch Palmerston die Südstaatenkonföderation, und er beeinflußte seine Marionette Napoleon III. von Frankreich, einen blutrünstigen habsburgischen Diktator in Mexiko einzusetzen.

Palmerstons Operationen scheiterten vor allem an der Rolle Präsident Abraham Lincolns, was weltweit das Blatt gegen die imperialen Ambitionen Großbritanniens wendete.

London unter Prinz Edward Albert reagierte auf diese Entwicklung mit der Entscheidung, auf dem eurasischen Kontinent einen mörderischen Konflikt auszulösen, um so das politische und wirtschaftliche System der Vereinigten Staaten zu isolieren und letztlich zerstören zu können. Das Entwicklungspotential Eurasiens sollte zerstört werden, damit kein Land mehr dem amerikanischen Vorbild folgen könnte, das von außen betrachtet im Sieg Präsident Lincolns bestand. In den ersten Schritten, die London zur Einleitung des "Zweiten Weltkriegs" ergriff, kam seit Anfang der 30er Jahre die gleiche zugrundeliegende Absicht zum Ausdruck, wie sie Eduard VII. bei der Einfädelung des Ersten Weltkriegs benutzte: Die "unerledigte Aufgabe" sollte sozusagen zu Ende geführt werden

Tatsächlich wurde der Krieg aufgrund des Eingreifens von US-Präsident Franklin Roosevelt gewonnen, und deshalb setzte das Empire nach dem Tod des Präsidenten seine Leute in den USA dazu ein, den amerikanischen Sieg so schnell wie möglich zunichte zu machen. London brauchte mehr als zwei weitere Jahrzehnte, um Roosevelts Bretton-Woods-System der festen Wechselkurse zu zerschlagen.

In der plötzlichen Wende gegen die Politik von Präsident Franklin Roosevelt unter der Regierung Truman zeigten sich die von New York aus operierenden anglo-holländischen imperialen Interessen, die entschlossen waren, über die Vereinigten Staaten zu triumphieren.

Alle diese Fakten sind wahr, aber für sich betrachtet sind sie zu simpel und können vom Standpunkt jener naiven Kreaturen zu leicht mißverstanden werden, welche die Welt als ein mechanistisch-statistisches System stoßweiser Wechselwirkungen zwischen Individuen betrachten und deshalb die wirksame Rolle wahrer Ideen, die qualitativ mit denen der kompetenten Naturwissenschaft verglichen werden können, außer Betracht lassen. Die Beziehungen zwischen Menschen sind nicht wie der Zusammenstoß von Billardkugeln - jedenfalls sollten sie keine solchen erbärmlichen Spielzeuge sein.

Diese Überlegungen über die jüngere Geschichte bringen uns zum Thema der empiristischen Revolution Paolo Sarpis zurück. Was war die Vergangenheit, aus der heraus die Zukunft des Paolo Sarpi entstand?

Sarpis empiristische Revolution

Die neue Lage, welche damals im Europa des 16. Jh. die Mehrheit der venezianischen Finanzoligarchie dazu brachte, Sarpis Partei des "Neuen Venedig" zu unterstützen, wurde hauptsächlich durch zwei kritische Veränderungsfaktoren definiert, die durch die Entwicklungen nach dem großen ökumenischen Konzil von Florenz Mitte des 15. Jh.in die europäische Kultur insgesamt einflossen. Der erste Faktor war die Schaffung des modernen souveränen Nationalstaates, auch als Prinzip des Gemeinwohls bekannt; der zweite war - nach etwa zweitausendjähriger Hegemonie des oligarchischen Modells und eineinhalbtausend Jahre nach dem Tode des Erathostenes und seines Korrespondenten Archimedes - die Wiederbelebung des wissenschaftlichen Fortschrittes, wie er zu Platons Zeit unmittelbar mit der pythagoräischen Bewegung zusammenhing.

Man betrachte diese neue Situation im Europa des aufgehenden 16. Jh. so, wie Niccoló Machiavelli sie sah und in seinem Der Fürst und seinen Discorsi, den Abhandlungen über die ersten zehn Bücher des Titus Livius, beschrieb.

Bis zum Fall Konstantinopels 1453 hatte Italien eine Art Inspiration erlebt, die an die relativ optimistische Haltung Percy Shelleys denken läßt, mit der er 1821 A Defence of Poetry schrieb.24Diese Schrift wurde schon 1821 verfaßt, jedoch erst 1840 von Mary W. Shelley in ihrer Sammlung Essays, Letters from Abroad, Translations and Fragments ("Aufsätze, Briefe aus dem Ausland, Übersetzungen und Fragmente", Edward Moxon, London 1840) veröffentlicht. Der spätere Beginn der klassischen Bewegung in Deutschland und anderswo, die von Abraham Kästner, seinem Schüler Gotthold Lessing und Lessings großem Freund Moses Mendelssohn inspiriert und angeführt wurde, ähnelt sehr dem wachsenden Einfluß des Nikolaus von Kues nach dem Fall Konstantinopels. Im frühen 19. Jh., etwa zu der Zeit, als Friedrich Schiller, die großartigste Stimme der deutschen Klassik, starb, und besonders nach dem Wiener Kongreß 1815, schlug in Europa der kulturoptimistische Höhepunkt aus der Zeit des siegreichen Unabhängigkeitskrieges der USA in den Kulturpessimismus der Zeit nach dem Wiener Kongreß um. Dieser Umschwung drückte sich wohl am besten in der Person des Protofaschisten G.W.F. Hegel aus, der aus seiner Bewunderung für Fürst Metternich keinen Hehl machte.

Für Heinrich Heine war der damalige Feind die romantische Schule, die sich im Zuge des Siegeszugs von Napoleon Bonaparte gebildet hatte und nun ihren Triumph feierte. Er lebte unter der Knute des zweifachen Übels von Kantianismus und romantischer Schule, die er haßte, und er versuchte, darin eigene Wirkungsmöglichkeiten zu finden. So fand sich auch Machiavelli nach 1512 unter ähnlichen Umständen wieder, wie auch Sir Thomas Morus quasi wie ein Geist aus besseren Zeiten unter König Heinrich VII. in die Aufgaben der häßlichen Zeit unter König Heinrich VIII. geworfen wurde. Vor diesem Hintergrund läßt sich für unsere Zwecke hier der eigentliche Gehalt aus Machiavellis Abhandlungen über die ersten zehn Bücher des Titus Livius gewinnen.

Man blicke vom Europa des 16. Jh. auf die Situation, in der gewisse Verlockungen Venedigs am Anfang des Jahrhunderts die Anhänger Sarpis zur Politik des "Neuen Venedig" des in Paris lebenden Abbé Antonio Conti führten, die den Entstehungsprozeß der anglo-holländischen Gestalt eines neuen Venezianismus unter Wilhelm von Oranien am Ende des 17. Jh. dominierte. Zieht man diese Bezugspunkte in Betracht, was ist dann die Lektion von Machiavellis Discorsi für das Venedig Paolo Sarpis? Was ist die Vorahnung, was ist die in der Zukunft liegende Grenzbedingung, die ihren vorauswarnenden Schatten auf Machiavelli wirft, während er seine Discorsi schreibt?

Die Antwort auf diese Fragen liegt im Bereich der Dynamik und nicht in der Weltsicht des "Und dann?" beim mechanistisch-statistischen Ansatz von Analysen und Vorhersagen. Der Lauf der Geschichte ist mittel- und langfristig durch die Grenzbedingungen bestimmt, denen sich der ausschlaggebende Teil des Geschichtsverlaufs annähert. Daher ist es vom Standpunkt des mechanistisch-statistischen Prognostikers stets die Zukunft, welche die Gegenwart bestimmt. Das Schicksal, welches sich in Sarpis beginnender Vorherrschaft über die Politik des alten Venedig während des späten 16. Jh. ausdrückte, prägte bereits den Verlauf des 16. Jh. von 1492 an. Es entstand nichts "Unvermeidliches", definierte aber die Gabelungen entlang des gewählten Weges, an denen sich das Schicksal entscheidet - genau so, wie sich heute am Schicksal des Prinzips langfristiger Investitionshaushalte entscheiden wird, ob die USA nebst vielem anderen noch sehr viel länger existieren wird. Die turbulenten Zeichen eines wichtigen zukünftigen Ausganges kommen in jener Betrachtung von Machiavellis Discorsi zum Ausdruck, die wir uns zu eigen machen sollten, indem wir Machiavelli beim Schreiben dessen betrachten, was wir uns jetzt anschauen werden.

Mit anderen Worten: wie hat Johannes Kepler die Gravitation entdeckt?

So, das sollte hier und jetzt betont werden, müssen wir die qualitativen Veränderungen vorhersehen, die uns in der eigenen herannahenden Situation drohen, wenn wir jetzt vorwärts in die Zeit blicken.

Trotz der schweren Rückschläge für die Goldene Renaissance, wie sie sich im Untergang Konstantinopels und der naziähnlichen Orgie äußerten, die der spanische Großinquisitor Tomás de Torquemada 1492 anstiftete,25Die Verbindung Torquemadas als Vorbild zu Adolf Hitler ist nicht weit hergeholt. Torquemada wurde von dem führenden martinistischen Freimaurer Graf Joseph de Maistre dazu benutzt, die neue Persönlichkeit zu gestalten, die de Maistre für Napoleon Bonaparte entwarf und ihm präsentierte. Das Modell Bonaparte, das auf dem Präzedenzfall des mörderischen Antisemiten Torquemada beruhte, diente wiederum ausdrücklich dazu, die synthetische Persönlichkeit des antisemitischen Nazi-Diktators Adolf Hitler zu formen; das gleiche Modell fand seine Nachahmer auch in der Diktatur Pinochets in Chile, insbesondere in den Machenschaften der Todesschwadronen der frühen 70er Jahre in Südamerika. hatte der Kollaps des mittelalterlichen venezianisch-normannischen Systems zusammen mit den Errungenschaften der Renaissance Mitte des 15. Jh. irreversible "strukturelle" Veränderungen in der europäischen Kultur hinterlassen. Nach dem großen ökumenischen Konzil von Florenz hatten das Gemeinwohlprinzip und das dazugehörige Prinzip des souveränen Nationalstaates tiefgehende, revolutionäre Effekte in der Kultur ausgelöst, Effekte, die sich während der nächsten Generationen nicht rückgängig machen ließen. Die faschistoide Reaktion, für die Großinquisitor Tomás de Torquemadas Inquisition stellvertretend steht, war eine Reaktion gegen die Renaissance, aber sie war auch eine Reaktion gegen die fundamentale, axiomatische Veränderung, die sich im Charakter der europäischen Kultur vollzogen hatte.

Die Fraktion des "alten Venedig" hinter Torquemada haßte, unterschätzte jedoch auch die Tiefe der Veränderung, welche das Florentiner Konzil bewirkt hatte.

Machiavelli hat in seinen Discorsi, in denen er sich mit der anhaltenden Krise des 16. Jh. auseinandersetzte, die in den Ereignissen von 1512 zum Ausdruck kam, nicht nur den Grund der speziellen Niederlage seiner Sache behandelt - die Allianz mit dem Frankreich Leonardo da Vincis -, sondern auch die Vergeblichkeit aller Versuche, das alte venezianische Modell gegen die Welle des neuen europäischen Nationalismus zu behaupten, die das große ökumenische Konzil von Florenz ausgelöst hatte. Die besiegten Kräfte seiner Zeit, zu denen Machiavelli gehörte, waren zurückgedrängt, aber nicht beseitigt. Die Discorsi zeigen heute wie damals die strategischen Realitäten jener Zeit, denen Machiavellis Feinde nicht entgehen konnten. Die Rolle der Bevölkerung und insbesondere der Änderungen, welche die aufkommende technologische und damit zusammenhängende soziale Entwicklung der Städte verkörperten, waren eine Kraft, an die sich die Venezianer entweder anpassen oder an der sie scheitern mußten.

Sarpis Anpassung, seine Revolution, äußerte sich als der Liberalismus seiner Partei des Neuen Venedig, wodurch das eingeführt wurde, was dann die venezianische Macht ablöste und was wir heute als den anglo-holländischen Liberalismus eines Walpole oder Shelburne im 17. und 18. Jh. und ihrer imperialistischen Nachfolger im 19. Jh. kennen. Das war der monetaristische Liberalismus, gegen den der amerikanische Unabhängigkeitskrieg geführt wurde und gegen den sich die Präambel der amerikanischen Bundesverfassung als Banner der Verteidiger der Zivilisation gegen die Übel des imperialen Liberalismus richtete.

Sarpis liberale Revolution war keine Revolution gegen Venedig, sondern vielmehr Ausdruck der Entschlossenheit, die Macht der venezianischen Finanzoligarchie in einer neuen, oftmals protestantischen Form fortzusetzen. Tatsächlich war sie ihrem Wesen nach weder protestantisch noch katholisch, sondern eine heidnische Verehrung der Tyrannei des Geldes. Sie war eine Revolution im politischen Vorgehen der venezianischen Finanzoligarchie, eine Revolution in den Methoden der Kriegführung, eine Revolution, welche die venezianische Finanzoligarchie als notwendige Praxis übernahm, um mit den neuen Bedrohungen fertig zu werden, die aufgrund der Nachwirkungen des großen ökumenischen Konzils von Florenz entstanden waren.

Das Prinzip des Liberalismus

Wäre der Mensch nur eine höhere Affenart, so wie T.H. Huxley und sein Zeitgenosse Friedrich Engels den Menschen definierten, hätten zu keinem Zeitpunkt in den letzten zwei Millionen Jahren mehr als einige Millionen Vertreter dieser Gattung auf unserem Planeten existieren können. Der Unterschied zwischen Mensch und Affe ist im wesentlichen der, den das russische Mitglied der Akademie der Wissenschaften W. I. Wernadskij zwischen Biosphäre und Noosphäre trifft. Hier liegt der Kern der Frage, mit der sich Sarpi auseinandersetzte.

Beide Seiten der Kontroverse zwischen der alten und der neuen Fraktion der venezianischen Finanzoligarchie stimmten im wesentlichen mit dem üblen heidnischen Götzen des olympischen Zeus überein, wie ihn Aischylos in Der gefesselte Prometheus darstellt. Beide waren sich darin einig, daß die Erhaltung der Macht des oligarchischen Gesellschaftsmodells davon abhing, die unterworfene Bevölkerungsmehrheit in relativ verrohten Lebensbedingungen zu halten. Beide waren sich im Prinzip mit den "Maschinenstürmern" des frühen 19. Jh. und den dionysischen "Umwelt"-Fanatikern unter unseren heutigen Babyboomern darin einig, daß die Idee des wissenschaftlichen Fortschritts selbst bekämpft oder sogar ausgerottet und rückgängig gemacht werden müsse.

Im Römischen Reich wurde der Kult des olympischen Zeus und des Sparta von Lykurg zum Axiom erhoben. Entsprechend avancierten der Kult des Aristoteles und des Sophisten Euklid zur staatlich geförderten Religion.

Das bedeutete nicht, daß es überhaupt keinen Fortschritt gab; es bedeutete jedoch, daß die meisten Menschen dazu verurteilt waren, sich mit einem Zustand relativer Knechtschaft wie Sklaverei oder Leibeigenschaft abzufinden, und es den niederen Schichten nicht erlaubt wurde, sich über das ererbte Niveau relativer technologischer Stagnation zu erheben, wie es T.H. Huxleys oder Friedrich Engels' "Menschenaffen" entspricht.26Die Absurdität von Friedrich Engels? Vorstellung des ?opponierbaren Daumens? zeigt, wie auch sein absurder ?Anti-Dühring?, einen gewissen quasireligiösen Fanatismus, genauso wie seine Neigung zu bedenkenloser wissenschaftlicher Unbildung und sein Fanatismus gegen Gotthold Lessing, Bismarck und Henry C. Carey. Zu diesem Zweck übernahm die imperiale römische Kultur Euklids aristotelische Sophisterei, wie der Fall Claudius Ptolemäus zeigt. Durch die imperialen Kanäle des Römischen Reiches fand ab der Zeit von Kaiser Konstantin die nachgelassene Altlast des delphischen Apollokultes sogar Einzug in die christliche Lehre.

Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Verhandlungen auf den Kirchenkonzilen, die im Kontext des Florentiner Konzils im 15. Jh. zur Wiederaufrichtung des zerstörten Papsttums auf der Grundlage des christlichen Humanismus führten. Die drei wichtigsten Glaubenslehren des Nikolaus von Kues - seineConcordantia Catholica (die Schaffung eines Systems ökumenisch verbundener, souveräner Nationalstaaten: das Gemeinwohlprinzip), seine De Docta Ignorantia (die Wiedergeburt einer Naturwissenschaft, die von den Fesseln eines wissenschaftlich blinden Dogmatismus befreit war) und sein ökumenischer Dialog De Pace Fidei - wirkten über die führenden Kreise dieses Konzils wie eine Befreiung der Menschheit von den imperialen Hinterlassenschaften.

Die venezianische Finanzoligarchie gründete ihren Versuch eines Neuanfangs darauf, diese drei Aspekte des großen Renaissance-Aufschwungs der christlichen Kirche und der Würde des Einzelnen in der Gesellschaft zu zerschlagen. Das Komplott, durch das Konstantinopel verraten wurde, stand im Mittelpunkt der venezianischen ?Gegenrevolution? gegen die Renaissance.

Wie Ludwig XI. von Frankreich und sein Anhänger Heinrich VII. von England exemplarisch zeigen, ist es eine ironische Tatsache, daß das einzigartige Genie des Kardinals Nikolaus von Kues die Gesellschaft mit einer neuen Kraft pro Kopf und pro Quadratkilometer ?infiziert? hatte. Das Recht, von den sklavischen Fesseln widernatürlicher Dogmen wie dem astronomischen Betrug des Claudius Ptolemäus frei zu sein, entzündete in den normalen Mitgliedern der Gesellschaft einen Funken wahren Menschseins. Als sich so das Recht durchsetzte, jene schöpferischen Kräfte zum Ausdruck zu bringen, die den Menschen über das Tier erheben, entstand eine Gesellschaftsform, die physisch, pro Kopf und Quadratkilometer mächtiger war, als es die europäische Zivilisation seit dem Aufstieg des Römischen Reiches nach dem Zweiten Punischen Krieg je erlebt hatte.

Bis zur Zeit Machiavellis brachte niemand diese dem Menschen angeborene wissenschaftliche und künstlerische Kreativität besser zum Ausdruck als der erklärte Cusanus-Anhänger Leonardo da Vinci, und niemand nach Leonardo praktizierte dies großartiger als der Begründer der systematischen Wissenschaft, Johannes Kepler. Betrachtet man die Discorsi vor dem Hintergrund, den ich bisher in diesem Kapitel dargestellt habe, müssen die militärischen und damit zusammenhängenden strategischen Implikationen von Machiavellis Schrift deutlich werden. Dies muß jedoch vor dem Hintergrund der wissenschaftlichen und kulturellen Revolution betrachtet werden, die durch das politische und soziale Aufbegehren im Zusammenhang mit dem Gemeinwohlprinzip in Gang gesetzt wurde, wie es sich bei Ludwig XI. und Heinrich VII. ausdrückte.

Paolo Sarpi und sein Lakai Galilei verfolgten daher das Wirken von Johannes Kepler sehr aufmerksam. Sie kopierten und verdrehten dann Keplers Entdeckungen, und arbeiteten darauf hin, das Wissen um die ursprünglichen Erkenntnisse zu unterdrücken, die sie auf diese Weise in böswilliger Absicht kopiert hatten.

Sarpis und Galileis Neue Venezianische Partei erkannten, daß sie mit den technologischen Kapazitäten mithalten mußten, welche die moderne europäische Wissenschaft hervorbrachte, ansonsten würden die Kräfte der modernen europäischen Zivilisation die venezianische Fraktion aufgrund ihres eigenen Versagens vernichten. Aber diese Fraktion war fanatisch entschlossen, das Wissen um die Methoden zu unterdrücken, durch die wissenschaftlicher Fortschritt selbst entsteht, um zu verhindern, daß der wissenschaftliche Fortschritt das oligarchische Interesse, das die venezianische Fraktion repräsentierte, überwältigte.

Ein Phänomen, das sich hieraus entwickelte, waren die ?Lehrbücher? in der Erziehung, in anderen Worten, eine zunehmende ?Indoktrinierung? unter einer Hierarchie "wissenschaftlicher" und "künstlerisch-kultureller" Hohepriester babylonischer Art, die Wissen als Handauflegen und Weitergabe von ?Kanons? betrachten. Hierin liegt der tiefere Grund, warum Paolo Sarpi das Erbe des mittelalterlichen Irrationalisten Wilhelm von Ockham übernahm: Innovationen sind erlaubt, aber sie müssen in Gestalt einer neosophistischen ?Mysterienreligion? angebetet werden. Die im Irrationalismus wurzelnden Theorien eines Galilei, Sir Francis Bacon, Thomas Hobbes, Descartes, John Locke, des offen prosatanischen Bernard Mandeville, David Hume, Fran?ois Quesnay, Adam Smith und des ebenfalls offen prosatanischen Jeremy Bentham sind dafür typisch.

Daraus entwickelten sich im 19. Jh. die irrationalistischen Lehren des Positivismus und der noch radikaleren Auswüchse moralischer Verkommenheit, die mit Bertrand Russell und den existentialistischen Kulten der Anhänger von Husserl u.a. im 20. Jh. verbunden sind: Naturwissenschaften könnten nur unter der Bedingung toleriert werden, daß die Quelle menschlicher Fähigkeiten zur Entdeckung wirksamer, universeller Werke in Naturwissenschaft und der klassischen Kunst hinter einem völlig willkürlichen und letztlich dionysisch-existentialistischen Mystizismus verschwindet, wie er in Extremform in dem heutigen verrückten Mystizismus eines Alan Greenspan oder Ben Bernanke und den ?Hedgefonds? als rein räuberischen Nachfolgern des John-Law-Kultes zum Ausdruck kommt.

Für letztere Kreaturen gibt es keine universellen Naturprinzipien, sondern nur wilde, reduktionistische Formelsammlungen, die, wie das Black-Scholes-Dogma von LTCM, als Ersatz für wirklich menschliches Denken dienen.

Zur Bekräftigung

Wie der Freund des Petrus, Philon von Alexandria, betonte, ersetzten die Aristoteliker ?Gott? durch einen Architekten, der auf diese Weise zum Opfer seines eigenen unveränderlichen Plans wird. Die Gnostiker nahmen an, daß, da Satan keinen solchen Vertrag unterschrieben habe, der aristotelische Gott daher praktisch ungehindert in der Welt der sterblichen Menschen umhergeistern könne. Im Gegensatz zu so dümmlichen Meinungen hat Gott die Menschheit nicht im Stich gelassen; vielmehr hat eher die Menschheit oft ihren Schöpfer verraten. Einigen unter uns ist dies klar, aber für die meisten ist das heute ?starker Tobak?.

Für diejenigen, die den närrischen Spezialisten für magische Spielchen, Sir Isaac Newton, in Betrieb hielten, indem sie ihm merkwürdig perverse Äußerungen in den Mund legten, war das ebenfalls sehr starker Tobak. Sie schrieben in das Drehbuch, das sie ihm lieferten, eine Vorstellung Gottes, der die Welt wie ein Uhrwerk aufgezogen habe und danach arbeitslos geworden sei, der nur noch ab und an die Uhr wieder aufzieht, wie Gottfried Leibniz hervorhob.

Solche Ansichten sind eine Beleidigung für Gott und den Menschen, Beleidigungen, die darum um so mehr mit den Absichten hinter dem Sarpischen Empirismus übereinstimmen: der Überzeugung jenes Satans, der sonst als olympischer Zeus in Der gefesselte Prometheus des Aischylos bekannt ist, wonach der Mensch den Entdeckungsakt eines universellen Naturprinzips nicht kennen dürfe.

Vielmehr sei, so der prosatanische Plagiator und Empirist Adam Smith in der folgenden, vielsagenden Passage aus seiner Theorie der moralischen Empfindungen (1759), ?die Sorge für das allgemeine Glück aller vernünftigen und empfindsamen Wesen, ... Sache Gottes, nicht des Menschen. Dem Menschen ist eine weit bescheidenere Abteilung zugewiesen, aber eine, die der Schwäche seiner Kräfte und Beschränktheit seines Verständnisses angemessener ist - die Sorge für seine Familie, seine Freunde, sein Land ... Aber obwohl wir ... mit einem sehr starken Wunsch nach diesen Zielen ausgestattet sind, wurde es den langsamen und unsicheren Bestimmungen unseres Verstandes anvertraut, die richtigen Mittel zu ihrer Bewerkstelligung herauszufinden. Die Natur hat uns zu diesen weitgehend durch die ursprünglichen und unmittelbaren Instinkte gebracht. Hunger, Durst, die Leidenschaft, welche die beiden Geschlechter vereinigt, die Freude am Vergnügen und die Furcht vor Schmerz veranlassen uns, diese Mittel um ihrer selbst willen einzusetzen, ohne irgendwelche Rücksicht darauf, daß sie auf jene wohltätigen Ziele hinführen, welche der große Lenker der Natur durch sie herbeiführen wollte.?

Gnostische Heiden wie René Descartes, John Locke, Bernard Mandeville, Fran?ois Quesnay oder der Plagiator Adam Smith leugnen die nur dem Schöpfer und dem individuellen menschlichen Geist eigene Qualität, universelle Naturprinzipien zu entdecken und zu nutzen, die uns leiten müssen, wenn wir die in Genesis 1:26-31 angeführten mosaischen Gebote erfüllen wollen. Wie W.I. Wernadskij mit Hilfe der experimentellen Naturwissenschaft streng bewies, definieren die Prinzipien lebender Prozesse einen höheren physikalischen Phasenraum, die Biosphäre; und die Prinzipien des menschlichen Denkens erheben das menschliche Individuum und die Gesellschaft über die Ebene nur lebender Prozesse in die Noosphäre, in der die Entdeckung wißbarer Formen universeller Naturprinzipien stattfindet. Das ist der Fall bei Keplers einzigartiger und ursprünglicher Entdeckung der unendlichen, aber infinitesimalen Wirkung der universellen Gravitation. In der wirksamen Entdeckung solcher Prinzipien und im Nacherleben solcher Erfahrungen drückt sich der absolute Unterschied des Menschen zu selbsterklärten Tieren wie dem erbärmlichen Sir Isaac Newton oder dem entsetzlichen Bernard Mandeville und Adam Smith aus.

Satan kann also ruhig schlafen, solange Paolo Sarpi an Orten wie dem Weißen Haus oder dem Büro des Vizepräsidenten Dick Cheney weiter seinen Dienst tut.

Wenn zur Reife gediehen, definieren die schöpferischen Kräfte, die dem menschlichen Geist innewohnen, den Menschen als ein Wesen, das zwar in einem sterblichen Körper lebt, aber sich wesentlich dadurch auszeichnet, daß es implizit ein unsterbliches Geistesgeschöpf ist. Auf diese Ironie trifft man gewöhnlich in dem unsterblichen Akt der Übermittlung wahrer Ideen über den Prozeß der unbegrenzten Schöpfung - jenes Universums, in dem die Menschheit existiert. Es gibt Ideen, die in der Entdeckung und Anwendung universeller Naturprinzipien und klassischer Prinzipien der Kunst zum Ausdruck kommen. Die Schönheit und Leidenschaft, die die klassische Kunst dem Entdeckungs- und Erkennungsakt wißbarer universeller Naturprinzipien verleiht, unterscheiden in ihrem Zusammenwirken den Menschen vom Tier.

Weder am Entdeckungsakt eines gültigen universellen Naturprinzips noch an dem Prinzip selbst ist irgendetwas Unwißbares.

Im Gegensatz zu Tom?s de Torquemada, jenem brutalen Verehrer des satanischen Zeus, hat der schlaue Erfüllungsgehilfe Satans, wie der Anhänger des Empiristen Paolo Sarpi, nichts gegen die Wissenschaft an sich; er paßt sich ihr vielmehr an und vergewaltigt sie. Anders als der Aristoteliker, der sich weigert, eine gegen seine Dogmen verstoßende Realität zu akzeptieren, eine Realität, die er nur mit brutaler Gewalt bekämpfen kann, adoptiert der hinterlistige Mephistopheles - der Anhänger Paolo Sarpis wie die Person des ?Uriah Heep? bei Charles Dickens oder die Drahtzieher in Das Porträt des Dorian Grey von Oscar Wilde - das Kind und gibt ihm anstelle seines wahren Namens den von Sarpi ausgewählten Namen - Empirismus. Indem das Kind in seiner Dummheit das ihm verliehene akademische oder ähnliche Erbe übernimmt, wird es dazu verleitet, seinen eigenen Untergang herbeizuführen.

Auf diese Weise wurden ehrenwerte Mitglieder des US-Kongresses und andere dazu verleitet, in die Falle der sogenannten ?Biotreibstoffe? zu tappen.

3. Die Kraft, die Ideen innewohnt

Es war geradezu kriminell, was Clausius, Grassmann, Kelvin und andere Sadi Carnot antaten: sie stürzten sich auf das, was sich in der Eigenschaft des menschlichen Geistes ausdrückte, was aus der Entdeckung universeller physikalischer Prinzipien - von der gleichen Qualität wie Keplers Entdeckung der universellen Gravitation - folgte, und behandelten die Wirkungen solcher Prinzipien genauso, wie Galilei, der satanische Lakai Sarpis, das Kernstück von Keplers Entdeckungen zu vergewaltigen versuchte.

In diesem Zusammenhang sind, wie ich zeigen werde, die Entdeckungen W.I. Wernadskijs in Hinblick auf die Biosphäre wie auch auf die Noosphäre von entscheidender Bedeutung, um den Betrug offenzulegen, der die Biotreibstoff-Kampagne durchzieht.

Zuerst werde ich hier einige wesentliche Beobachtungen darüber anstellen, wie Politiker und andere Bürger über die ?öffentliche Meinung? in der Frage der Biotreibstoffe geradezu verdummt werden.

Mit meinen Darlegungen möchte ich, wie bei ähnlichen Gelegenheiten, dem Bürger helfen, sich von Anfälligkeiten für Betrügereien der hier behandelten Art zu befreien. Man darf wohl fairerweise sagen, daß die schlimmste Sünde, die der Bürger hierbei begeht, die Angewohnheit ist, auf die eigene Kleingeistigkeit auch noch stolz zu sein. Man denke zum Beispiel an Äußerungen wie: ?Reden Sie bitte so, daß ich es verstehe; ich bin ein Mann der Praxis!?

Diese verbreitete, wirklich korrumpierende Gefühlsregung muß als jener klinische Fall erkannt werden, wie er in der berühmten Kurzgeschichte von Daniel Vincent Benet, The Devil and Daniel Webster, angesprochen wird (eine englische Version findet sich in http://www.gckschools.com/vhs/eng3/fall/romantic/danwebread.htm). Nach meinem Geschmack wahrhaftiger Geschichte zollt Benet Webster viel zuviel Anerkennung, aber die Schilderung ist gut, das gut erzählte Werk eines fähigen Künstlers seines Faches.

Sehr oft ist nämlich das kleingeistige und darum auch grundfalsche Verständnis vom Eigeninteresse des Individuums mit dem manchmal tödlichen Fehler des sogenannten ?gesunden Menschenverstandes? befallen, der jene unter uns bedrückt, die, so wie ich, wieder und wieder mit mitleidsvollem Grauen ansehen müssen, was die Mehrheit unserer Bürger sich selbst und auch unserer Zivilisation antun. Wie oft vergehen sie sich an ihren Familien und an unserer Republik, wenn sie ihrem selbstverdummenden Drang nachgeben, Diskussionen über wichtige wissenschaftliche Fragen und ähnliche Prinzipien ?auf den Boden der Wirklichkeit? herunterzuholen, jenen Boden, in dem der Betreffende und sogar unser Land insgesamt infolgedessen viel zu bald begraben sein könnten. Man kann dies nicht besser ­- und sehr bald wohl kaum dramatischer - darstellen als an der dümmlichen Verschlagenheit eines Zeitgenossen, der meint, aus der Förderung von Biotreibstoffen seinen eigenen Vorteil zu schlagen.

So akzeptiert der verschlagene Neuengländer in Benets Kurzgeschichte das moralische Äquivalent der Biodieselverlockungen, wie sie von dem noch verschlageneren ?Mr. Scratch? verkörpert werden, und überläßt es uns (oder in dem Fall mir), die wir weniger leicht von derartigen Rührseligkeiten übertölpelt werden, den armen Dummkopf vor dem Schicksal zu retten, welches ein Mr. Scratch für ihn von Anfang an vorgesehen hatte. Daher bitte ich Sie, seien Sie nicht auch ein dummköpfiger Bionarr.

Dergleichen gängige Torheit, wie sie sich bei Mr. Scratchs ?Werde-doch-konkret?-Dummkopf zeigt, begegnet man auch auf etwas höherer intellektueller Ebene bei Examensstudenten, die es akzeptiert haben, mit den akademischen Ehrenbezeugungen eines ?Professor Scratch? zu graduieren, anstatt das Pulsieren in der fraktionellen Geschichte von Kulturen zu betrachten, das einige dazu bringt, diese oder jene spezielle Lehrmeinung anstelle einer anderen zu übernehmen, die genauso denkbar gewesen wäre. So wird ?Wunschglauben? zur Grundprämisse einer falschen Glaubenslehre, die oft als allgemein akzeptierte wissenschaftliche Weisheit hingestellt wird. Wie oft habe ich getäuschte Sophisten beteuern hören: ?Aber ich muß glauben, daß...?

Wie aus dem bereits Gesagten deutlich geworden sein sollte, muß kompetentes wissenschaftliches und verwandtes Denken das Pulsieren zwischen widerstreitenden Epistemologien im Pulsschlag antiker bis zeitgenössischer europäischer Wissenschafts- und Kunsttraditionen erkennen und daraufhin einen höheren Standpunkt zur Beurteilung von oftmals als ?autoritativen?, aber dennoch falschen Prämissen bestimmter Glaubenssysteme finden, mit anderen Worten, sokratisches Beurteilungsvermögen, wie die Methoden der Pythagoräer und Platons einen solch höheren Standpunkt bei der Suche nach Wahrheit im Glauben ausdrücken. Am besten erinnert einen heute der Titel von Bernhard Riemanns Habilitationsschrift von 1854, ?Über die Hypothesen, die der Geometrie zugrunde liegen?, an diese essentielle Vorsichtsmaßregel, wie dies in den ersten drei Absätzen dieser Arbeit der Genauigkeit halber unterstrichen wird.

Es ist hierbei von bemerkenswerter praktischer politischer Bedeutung, daß ich die zweite Entwicklungsphase der inzwischen international bekannten ?LaRouche-Jugendbewegung? (LYM) mit der Feststellung begonnen habe, daß wissenschaftliche Ausbildung in ihrem beabsichtigten Dienst für die Staatskunst erfolglos sein wird, wenn nicht die Prinzipien des Kontrapunktes, wie sie beispielhaft an Johann Sebastian Bachs Motette Jesu, meine Freude zum Ausdruck kommen, als integrale Triebkraft von Bemühungen behandelt werden, bestimmte wesentliche Erfahrungen wissenschaftlicher Entdeckung nachzuerleben. Die Leidenschaft, die durch das pythagoräische Komma als kohärenter Ausdruck des wohltemperierten Kontrapunktes genährt wird, um dieses Bachwerk mit einem florentinischen Belcanto aufzuführen, verleiht dem Ringen um wissenschaftliche Wahrhaftigkeit ein leidenschaftliches Element. Ein passabler Wissenschaftler von heute wird eher in Schwarz und Weiß träumen; ein fähiger klassischer Künstler träumt in Farbe. An dem Punkt, wo sich beide decken, wird Glauben real, d.h. wirklich wahrhaftig.

Wahre Wissenschaft vereinigt wie die klassische Kunst im Sinne von Leonardo da Vinci, Raffael Sanzio, Rembrandt und Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Beethoven und anderer das Geistesleben mit den gemeinsamen Grundprinzipien, die alles in sich fassen, was wir wahrhaftig über die Entwicklungen der Kulturen wissen, die sich als Wissenschaft und klassische Kunst über die gesamte Zeitspanne der bekannten europäischen Zivilisation - und in Kulturen darüber hinaus - ausgedrückt haben. Dieses Prinzip trennt wahre Wissenschaft und wahre künstlerische Kultur von jenen Affentricks, die oftmals als Ersatz für Wissenschaft herhalten müssen.

Ich habe es daher als meine Aufgabe angesehen, das Wesentliche aus der Geschichte des europäischen (und anderen) wissenschaftlichen und politisch-kulturellen Fortschritts der letzten ungefähr dreitausend Jahre sowie einige wesentliche Elemente früherer Zeiten zusammenzutragen. Die Herausforderung dabei war, die historischen Entwicklungen so zu betrachten, als seien sie von oben nach unten rückverfolgbar. Das Ziel war es, die Geschichte im Hinblick auf die wesentlichen Grundelemente als funktional einheitlich zu betrachten.

Hilfreich hierbei war die Zusammenarbeit mit meiner Frau und anderen in Europa, insbesondere ihr wichtiger eigener Beitrag zum Verständnis des großen ökumenischen Konzils von Florenz und der Rolle des Nikolaus von Kues im allgemeinen, der eine entscheidende, spezifische Rolle dabei spielte, transatlantische und andere Forschungsreisen in Gang zu setzen sowie unmittelbar, wenn auch posthum, die erste Reise von Christoph Columbus zu veranlassen. Daran schlossen sich auf ähnliche Weise ihre ausgedehnten Studien über das Werk Friedrich Schillers an, die eine wichtige Rolle dabei spielten, unser Verständnis der europäischen Wurzeln der Amerikanischen Revolution zu vertiefen.

Die Geschichte der europäischen Zivilisation und auch die Wurzeln der Zivilisation in breiter angelegten früheren Jahrtausenden haben mir in meiner persönlichen Erfahrung ein außerordentlich glückliches Leben beschert. Mein Glück gründete sich auf ein Verständnis menschlichen Daseins als einem nachvollziehbaren Prozeß im Kampf um die Aufwärtsentwicklung der menschlichen Lebensumstände. Die menschliche Gattung ist eine einheitliche Gattung ohne wesentliche Unterteilungen, lediglich mit unterschiedlichen historisch-kulturellen Erfahrungen, denen aber mit bestimmender Wirkung eine implizite Konvergenz auf ein gemeinsames zukünftiges Ziel zugrunde liegt, dem man sich auf oftmals unterschiedlichen Wegen angenähert hat. Deswegen stehen wir heute vor der Notwendigkeit, das Prinzip des souveränen Nationalstaates durchzusetzen, um uns gegen mannigfache vergangene und gegenwärtige Versuche zu wehren, die Menschheit durch den Abstieg in die Hölle eines neuen ?globalisierten? Turmbaus zu Babel zu ruinieren.

Insgesamt war für mich die wichtigste Überlegung, der verdammten Kleingeistigkeit zu entkommen, die heute als sogenannte ?öffentliche Meinung? toleriert wird, jener verdammten Engstirnigkeit, welche von Anfang bis Ende das Thema von Benets Kampf gegen den Teufel des Populismus in seinem Devil and Daniel Webster ist. Das umschreibt unsere Aufgabe, die Seelen der Bionarren vor jener Hölle zu bewahren, die sie mit ihren opportunistischen Torheiten über sich selbst, über unsere Nation und über die Menschheit als Ganze zu bringen drohen.

Zurück zur Dynamik

W.I. Wernadskij hat in seinen Schriften über Biogeochemie 1935-36 und später, mit denen er diesen Zweig der Naturwissenschaften begründete, betont, daß lebende Prozesse zwar offenbar aus den gleichen chemischen Elementen wie nichtlebende bestehen, doch die Organisation des Ablaufs lebender Prozesse spiegelte ein Prinzip wider, welches im Bereich nichtlebender Prozesse fehlt.27Er zählte die Überreste lebender Prozesse zu dem Bereich der Biogeochemie der Biosphäre. Siehe auch Lyndon H. LaRouche jr. ?Vernadsky & Dirichlet's Principle?, Executive Intelligence Review (EIR), June 3, 2005. Auf deutsch: ?Wernadskij und das Dirichlet-Prinzip?, Fusion, 2/2005. Diese Feststellung Wernadskijs verlieh dem Begriff eines universellen physikalischen Prinzips des Lebens entscheidenden wissenschaftlich-experimentellen Gehalt, denn es umfaßt damit einen qualitativ anderen universellen Phasenraum als nichtlebende Prozesse. Dies war und ist die einzig kompetente Definition für die Biosphäre.

Mit vergleichbarer Bedeutung führte Wernadskij später das Konzept der Noosphäre ein - ein Bereich, in dem sich ein lebender Prozeß, die menschliche Gattung, qualitativ von den Begrenzungen der Biosphäre unterscheidet, vergleichbar mit dem Unterschied zwischen dem Bereich der Biosphäre und eindeutig nichtlebenden (d.h. subbiotischen) Prozessen. Dieses Verständnis der Noosphäre bietet uns eine physische Definition der noetischen Geistesprozesse des Menschen, der tatsächlich kreativen potentiellen Fähigkeiten des Individuums, welche die Mitglieder der menschlichen Gattung vollkommen von allen anderen bekannten lebenden Prozessen unterscheiden.

Dieser Vergleich lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das Chlorophyll, welches eine Plaque kaulquappenförmiger Moleküle bildet. Diese absorbieren das Sonnenlicht durch die ?antennenartigen? Eigenschaften des Moleküls bei geringer Energieflußdichte und transformieren es in einen Puls relativ hoher Energiedichte, der vom zentralen Atom im ?Kopf? dieser Plaque emittiert wird. Dieser Puls hat eine relativ höhere Energieflußdichte als das einfallende Sonnenlicht, eine Dichte, die notwendig ist, um Sauerstoff und Kohlenstoff im Kohlendioxidmolekül voneinander zu trennen.

Je höher also die Konzentration von Kohlendioxid ist, die für diese Funktion desChlorophylls zur Verfügung steht, desto niedriger wird die relative mittlere Temperatur der Umgebung und um so größer wird auch das Recycling von Wasserdampf im Ökosystem sein. Gräser sind in dieser Hinsicht nützlich, aber Bäume entfalten für die Anwohner eine viel angenehmere Wirkung, wobei sich meine Ansichtenin Hinblick auf hybride Mangobäume in der Vergangenheit mit denen der indischen Premierministerin Indira Gandhi deckten.28Bei einem früheren Besuch in Indien war ich Gast des Landwirtschaftsinstitutes in Delhi, wo mir die Hybridart eines Mangobaumes gezeigt wurde, der jedes Jahr reichliche Früchte trägt. Wegen einer früheren politischen Wende waren die Bauern Südindiens dazu gezwungen worden, ihre Bäume als Brennstoff niederzuhauen, wodurch es dort zu einem unerträglichen Anstieg der mittleren Temperatur gekommen war. Für mich unterstrich dies erneut die dringende Notwendigkeit, die Kernenergie zu entwickeln, um das Eisenbahnsystem von der ruinösen Belastung mit dem Kohletransport zu befreien. Und es zeigte auch den Nutzen des verbesserten Mangobaumes, den kein Bauer als Brennstoff niederzuhauen wünschte, um den Temperaturanstieg in dieser südlichen Region wieder rückgängig zu machen. Ich teilte meine Ansicht darüber einem Mitarbeiter von Frau Gandhi mit, der mir zu meiner Freude berichtete, daß sie ähnlicher Ansicht sei.

Soviel zu dem hirnverbrannten Kultglauben an das heidnische Dogma der ?Treibhausgase?, die offenbar in großen Mengen zu unser aller Nutzen aus den Mündern sogenannter ?Ökologen? hervorströmen.

Allgemein gefaßt liegt die Funktion von Energie nicht unbedingt in der Anzahl zählbarer Kalorien, sondern in der relativen ?Energieflußdichte? der verwendeten Energie. Die geniale Funktion des niedrigen Chlorophylls zur Schaffung einer von Menschen bewohnbaren Umwelt, für seine Ernährung und andere Annehmlichkeiten illustriert nur ein generelles Prinzip, welches jede kompetente Lehre und Praxis der Wissenschaft der physischen Ökonomie und auch die politischen Entscheidungsprozesse jeder halbwegs vernünftigen Regierung durchzieht.

Abgesehen von lebenden Prozessen als solchen war die menschliche Überlebenskraft, wie sie pro Kopf und Quadratkilometer der Erdoberfläche meßbar ist, immer vom Fortschritt der eingesetzten Energieformen von relativ niedrigen zu qualitativ höheren ?Energieflußdichten? abhängig. So ist es zum Beispiel für die fortgesetzte menschliche Existenz auf diesem Planeten in vergleichbaren heutigen Trends erforderlich, die Verbrennung von Erdöl und Erdgas sofort auf den Einsatz der Kernspaltung und dann in einer weiteren Generation auf die Kernfusion als primärer Energiequelle umzustellen; wenn wir uns in der Zukunft im gesamten Sonnensystem bewegen wollen, müssen wir noch viel höhere Energiedichten beherrschen lernen, wie sie in sogenannten ?Materie/Antimaterie-Reaktionen? enthalten sind.

So wie das Chlorophyll lediglich einen verwandten, sehr bedeutsamen Punkt illustriert, läßt sich die Entwicklung des Sonnensystems, in dem wir heute leben, auf das Anfangsstadium einer einzelnen, sich schnell drehenden jungen Sonne zurückverfolgen (einer Sonne, deren Herkunft Gegenstand einer späteren Diskussion sein kann). Die Entstehung des Periodensystems der Elemente - wie die Entwicklung des Planetensystems selber - reflektiert den gleichen antientropischen Entwicklungsvektor, den wir in der Rolle des Chlorophylls zur Ermöglichung menschlichen Lebens kennengelernt haben.

Daher sollte aus diesen und verwandten Gründen implizit klar sein, daß das sogenannte "Zweite Gesetz der Thermodynamik" ein kompletter Betrug ist, wenn man es als ein Grundprinzip physikalischer Prozesse darstellt. Wäre es wirklich ein physikalisches Prinzip, dann hätte das Universum mit der Existenz der Menschheit angefangen und wäre dann rückwärts weitergelaufen, so daß jetzt vielleicht die Ebene der Herrschaft der Würmer erreicht wäre, um von da aus zur Herrschaft nichtlebender Prozesse fortzuschreiten. Irgendwann würde das mißmutige Universum dann den passiven "Wärmetod" sterben.

Die Rolle der sogenannten "Energieflußdichte", so wie sich dieser Begriff in den 70er und 80er Jahren unter Kernforschern einbürgerte, sollte, kurz gesagt, der Leitfaden in allen politischen Betrachtungen über das Thema Energie sein.

Die Themen, die wir hier betrachten müssen, hören aber damit nicht auf.

Womit wir uns erneut mit dem Thema Dynamik beschäftigen sollten.

Wie bereits betont, erscheint das Prinzip der Dynamik in der europäischen Wissenschaftsgeschichte als dynamis, dem zentralen Prinzip der Pythagoräer und der mit ihnen verbundenen Kreise von Sokrates und Platon.29Theätet, dessen wichtige Rolle hier schon früher angemerkt wurde, erscheint als ein Schüler des Sokrates, als eine führende Figur bei Platons eigenen Kreisen und Anhängern. Es wurde erneut von Leibniz aufgegriffen, um die mechanistischen Methoden von René Descartes und von Descartes' und Newtons Gefolgsleuten auszumerzen. Genauso wie Leibniz machte davon später auch explizit Riemann Gebrauch, als er die Gaußschen Hypergeometrien in ihre physikalische hypergeometrische Form weiterentwickelte30Gauß, Werke, Bd. VIII, S. 99-117, in den ersten beiden Anmerkungen von Fricke., welche bereits in Riemanns Habilitationsschrift von 1854 implizit enthalten ist. Ein solches Verständnis von Dynamik in physikalischen (anstatt lediglich mathematisch formalen) Hypergeometrien ist der Kern kompetenter Methoden für langfristige, dynamische Wirtschaftsprognosen heute.

Wie die einleitenden Absätze in Riemanns Habilitationsschrift von 1854 bereits implizieren, entspricht der Begriff universeller physikalischer Prinzipien, wie er an Keplers Entdeckung des universellenPrinzips der Gravitation deutlich wird, den Hypothesen, die in der Arbeit von 1854 behandelt werden.

Um diesen Punkt vorläufig zusammenzufassen: jedes universelle physikalische Prinzip, so wie das ursprünglich von Kepler entdeckte Prinzip der universellen Gravitation, definiert ein Objekt, welches so groß wie das unbegrenzte Universum (nach Albert Einstein) selber, gleichzeitig aber ein so feines Wirkprinzip ist, daß es wie ein absolutes Infinitesimal erscheint. Keplers Erkenntnis, daß die Wirksamkeit dieses universellen Prinzips in den Grenzen eines Infinitesimales liegen müsse, brachte ihn dazu, zukünftige Mathematiker mit der Entwicklung eines spezifischen Infinitesimalkalküls zu beauftragen, woraufhin Leibniz genau eine solche Lösung entwickelte - zunächst in einer Abhandlung über dieses Thema, das 1676 einen Pariser Verleger erreichte, bis hin zu seinem Konzept eines auf der Kettenlinie basierenden universellen Dynamikprinzips der geringsten Wirkung, das er gegen Ende des 17. und Anfang des 18. Jh. entwickelte.

Für die Fragen der Naturwissenschaften heute, die der physikalischen Ökonomie eingeschlossen, ergibt sich daraus die Sicht, daß die reale Welt unserer Erfahrung durch universelle physikalische Prinzipien, vergleichbar mit Keplers Entdeckung der universellen Gravitation, gewissermaßen "von außen" begrenzt ist. Implizit ist dieser Bereich somit ein endliches Universum ohne äußere Begrenzungen, das aber innen durch die Reichweite universeller physikalischer Prinzipien begrenzt ist. Also ein endliches, aber nicht äußerlich begrenztes Universum.

Biotische und kognitive Kräfte

Insoweit, wie sich unser Argument in erster Annäherung darauf beschränkt hat, das Universum nur als einen einfachen unbelebten Phasenraum zu behandeln, müssen wir uns nun einigen kurzen, aber entscheidend wichtigen Beobachtungen über die Biosphäre bzw. die Noosphäre zuwenden.

Der Mensch konnte bisher nie aufzeigen, daß Leben aus unbelebten Prozessen entstünde oder daß die kognitiven Fähigkeiten des Menschen aus irgendwelchen anderen Lebensformen als denen menschlicher Individuen entstünden. Leben ist somit ein universelles Prinzip, dessen Kraft außerhalb des unbelebten Bereiches liegt, welche aber fähig ist, den unbelebten Bereich zu organisieren. Und somit liegen die kognitiven Kräfte des menschlichen Individuums, die mit validierbaren Entdeckungen wirksamer Prinzipien in Wissenschaft und klassischer Kunst verbunden sind, zwar außerhalb des biotischen und abiotischen Bereichs, haben aber auf beide wirksamen Einfluß.

Die "Geschichte" unseres Planeten besteht so gesehen in einer fortschreitenden Transformation seiner gesamten Masse, bei der die Biosphäre überwiegt. Ähnlich zeigt die Geschichte, daß die Noosphäre im Verhältnis zur Biosphäre wie auch zum Planeten als Ganzem immer schneller an Masse zunimmt.

Leben und Kognition sind relativ ausgeprägte universelle physikalische Prinzipien, wobei die Kognition die entsprechenden biologischen Schichten der Biosphäre infiziert und der Planet als Ganzer immer mehr zum Ausdruck eines lebenden Prozesses wird.

In dieser Hinsicht wäre der Versuch, Nahrungsmittel (ein Element der Biosphäre) als unbelebte Energiequelle zu verwenden, in den Annalen der Wissenschaft oder der Moral nicht allzuweit davon entfernt, zur laufenden Lebensmittelproduktion seine eigenen Kinder groß zu ziehen und aufzuessen.

Vor weiteren Betrachtungen dieser Aufgabe besteht das nächstinteressante Thema dieser Gliederung darin, daß jede Entdeckung eines weiteren universellen physikalischen Prinzips ein Universum definiert, das zwar immer noch endlich, aber unbegrenzt ist, aber durch den menschlichen Willen in dem Maße geändert wird, daß der Mensch dieses entdeckte Prinzip im Universum durchsetzt. In diesem spezifischen Sinne verleihen solche Prinzipien dem realen Universum somit einen neuen selbstbegrenzten Charakter, wenn sich die Menschheit anschickt, mit diesen Prinzipien das Universum, wie es noch einen Moment zuvor existierte, zu verändern. Die physikalische Geometrie, die diese Anordnung impliziert, definiert ein im Prinzip antientropisches Universum. In einem solchen Universum erzeugt die Sonne ein Planetensystem, und die Entstehung des Planetensystems schafft eine Grundlage, auf der sich lebende Prozesse ausdrücken können, welche wiederum die Voraussetzung dafür sind, daß die kreativen Kräfte des individuellen Menschen als eine zunehmend mächtige Kraft zur Veränderung - letztlich - innerhalb des gesamten Sonnensystems ins Spiel kommen.

Diese Eigenschaft des Universums entspricht der Dynamik willentlicher Handlungen des menschlichen Geistes innerhalb der Grenzen von Wernadskijs Noosphäre.

Die Existenz der Gesellschaft ist daher durch die Kraft begrenzt, die der Menschheit durch von ihr entdeckte und angewandte Prinzipien gemessen pro Kopf und Quadratkilometer Oberfläche des Planeten als Ganzem und so auch für jede größere Region des Planeten zuwächst. Die Möglichkeit fortgesetzter menschlicher Existenz hängt daher von der Entdeckung und Anwendung neuer physikalischer Prinzipien ab, Prinzipien, welche, zumindest maßgeblich, entsprechend einem Prinzip universeller Antientropie in einem antieuklidischen physikalischen Universum geordnet sind.

Jederzeit und überall in diesem Prozeß ist das ausgedrückte erforderliche Wirkprinzip von einer Form, die Reduktionisten wie die Kartesianer und die Schule der Clausius-Kelvinschen Thermodynamik samt ihrer radikal positivistischen Nachfolger wie die Ideologen Ernst Mach (d.h. Ludwig Boltzmann) und ganz ausdrücklich Bertrand Russell (d.h. Norbert Wiener und John von Neumann) axiomatisch ausschließen.

In dieser Ordnung universeller Angelegenheiten herrscht durchgängig das Prinzip der Antientropie.

In diesem Universum ist der radikal reduktionistische Malthusianer, der Kult des "Klimawandels", d.h. der Kult der Gefolgsleute Kelvins u.a., mit nichts anderem als Satan selber vergleichbar.

Jeder Daseinszustand einer Gesellschaft ist durch die notwendige Entwicklung des physischen Vermögens der Menschheit antientropisch begrenzt, so wie diese in pädagogischer Annäherung als "Energieflußdichte" pro Kopf und Quadratkilometer meßbar ist. Wird die augenblicklich existierende Grenze erreicht, wirkt dieser Zustand auf den Prozeß innerhalb dieser Grenzen zurück. Dann muß sich das Verhalten der Gesellschaft in Richtung einer zunehmenden "Energieflußdichte" pro Kopf und Quadratkilometer ändern. Das bedeutet eine neue Kategorie technologisch revolutionärer Fortschritte und einen steigenden Anteil der Gesamtbevölkerung, die sich darum kümmert, daß dieser charakteristisch antientropische Prozeß des wissenschaftlichen und entsprechenden kulturellen Fortschritts - im Unterschied zu anderen Funktionen - vorangetrieben wird.

Dieser Fortschritt wäre undenkbar ohne ein Menschenbild, das nicht mit der eben beschriebenen Sicht antientropischer Eigenschaften und einem ständig selbstbewußten Selbstverständnis der erwachsenen Mitglieder der Gesellschaft übereinstimmte.

Das ist die praktische Bedeutung von Dynamik, wie sie für die politische Planung der USA und anderer Nationen heute erforderlich ist.

Abschließend ist somit die Förderung von Biotreibstoffen nicht nur dumm, sondern in den Augen des Schöpfers auch böse.

Anmerkungen

1Die gewaltigen destruktiven Effekte einer allgemeinen Förderung sogenannter "Biotreibstoffe" werden in begleitenden Berichten meiner Mitarbeiter dokumentiert. (Siehe Neue Solidarität 5/2007.)
2Eine implizite mathematische Infragestellung von Rudolf Clausius' Hirngespinst ist in Bernhard Riemanns "Ein Beitrag zur Elektrodynamik" von 1858 enthalten, auf die seinerseits Herrmann Grassmann im Namen Clausius' einging, der dabei vom Herausgeber von Riemanns Werke, Heinrich Weber, unterstützt wurde. Riemanns erwähnte Arbeit baute auf einer Reihe von Entwicklungen in der Elektrodynamik auf (welche besonders von Prof. Robert Moon, einem Anhänger von Prof. William Draper Harkins und einer meiner Mitarbeiter im Fusions-Energie-Forum, hervorgehoben wurde). Ironischerweise begannen Riemanns elektrodynamische Arbeiten bei Projekten, an denen er mit Carl F. Gauß' Unterstützung zusammen mit Heinrich Webers Bruder Wilhelm beteiligt war. Hier geht es um die Frage der Methode: das Weiterwirken von Leibniz' Dynamik in der wissenschaftlichen Methode Riemanns vs. die reduktionistische (neocartesische) Methode von Clausius, Grassmann, J.C. Maxwell u.a. sowie der noch radikaleren reduktionistischen Anhänger von Ernst Mach wie Ludwig Boltzmann. Das ist die reduktionistische Methode in der Thermodynamik, diejenige, bei der ein reiner Mathematiker einen bloß häufigen Effekt als nominalistischen Ersatz für ein physikalisches Prinzip annimmt; diese ontologische Perversion ist die Wurzel einer späteren, noch schlimmeren Lehre, wie sie von Verehrern Bertrand Russells wie Norbert Wiener und John von Neumann vertreten wurde, deren Lehre wiederum noch weit inkompetenter ist als die der Autoren des sogenannten "zweiten Hauptsatzes". Der methodische Grundfehler von Clausius' und Grassmanns Behauptungen wird an ihrer Unkenntnis dessen deutlich, was alle heutigen Physikstudenten studieren sollten: der Bedeutung von Johannes Keplers Vorgehen in der Frage des Ausgleichspunktes und damit der Rolle wirklicher Dynamik in Leibniz' einzigartiger, ursprünglicher anticartesischer Entwicklung des Kalkulus des Keplerschen Infinitesimals.
3Das berühmte wissenschaftliche und militärische Genie Lazare Carnot (1753-1823), offiziell Frankreichs "Organisator des Sieges", stand mit der von Gaspard Monge gegründeten École Polytechnique, der damals weltführenden wissenschaftlichen Vereinigung, und in selbiger Eigenschaft mit Alexander von Humboldt in Verbindung. Zu den Kreisen der École Polytechnique gehörte auch Sadi Carnot (1796-1823), der 1824 seine eigenen "Réflexions" ("Betrachtungen über die bewegende Kraft des Feuers", übersetzt und herausgegeben von W. Oswald, Frankfurt/M. 1995, 3-4.) anfertigte. Die Familientradition der Carnots wurde von Sadi M.F. Carnot weitergeführt, dem Präsidenten Frankreichs, der 1894 ermordet wurde. Seine Ermordung war das zweite eines Ereignistrios, beginnend mit der Amtsenthebung von Reichskanzler Bismarck und endend mit dem Fall Dreyfus, welches jenen geopolitischen Plan des britischen Prinzen Edward Albert, dem späteren Eduard III., in Gang setzte, der zum Ersten Weltkrieg führte.
4Entropie als Prinzip der Natur zu betrachten, ist der Knackpunkt des Betruges, den Clausius, Grassmann, Kelvin, Helmholtz, Maxwell und die Machianer sogenannten thermodynamischen Prozessen beimaßen. Bereits eine reduktionistische Methode als solche läßt Entropie implizit in das konzeptionelle System eingehen; dies, wie beim sogenannten "zweiten Hauptsatz" explizit zu tun, verwandelt einen Verstoß aus Unkenntnis in einen Fall krimineller Absicht. Wärme ist im wesentlichen eine Wirkung. In erster Annäherung liegt die Bedeutung von Wärme in der relativen "Energieflußdichte", die als Qualität einer Wärmewirkung zum Ausdruck kommt. Zum Beispiel: "Wärme" in Form von Chlorophyllwirkung ist von höherer Ordnung als die Wärme, die durch Verbrennung der durch Chlorophyll erzeugten Brennstoffe erreicht werden kann. Da liegt der Betrug der "Bio-Narretei".
5Vergleiche Gottfried Wilhelm Leibniz: Philosophical Papers and Letters; Leroy Loemker Hg. "Critical Thoughts on the General Part of the Principles of Descartes" (1692), S. 383-412 und "Specimen Dynamicum," S. 435-452.
6"Über die Hypothesen, welche der Geometrie zu Grunde liegen", Bernhard Riemanns Gesammelte Mathematische Werke, Hg. H. Weber, New York: Dover Publications reprint edition, 1953 und Vaduz, Liechtenstein: Sändig Reprint Verlag Hans R. Wohlend.
7Der lange Zeitraum vor dem letzten Abschmelzen der jüngsten Gletscherperiode (wie z.B. in Europa und Nordamerika) konfrontiert uns mit einer sehr komplexen Reihe von Entwicklungen. Hierzu gehört auch das Absinken der Meeresspiegel auf etwa 120 m unter die durchschnittliche Höhe der vorhergehenden drei- bis fünftausend Jahre. Das Eindringen einer Welle von atlantischem und Mittelmeerwasser in einen Süßwassersee, das Schwarze Meer, kann mit Recht als wichtige "Wasserscheide" für die Bewegung maritimer Zivilisationen in die Meeresarme großer Flüsse und den anschließenden langen Prozeß der Bewegung organisierter Formen der Zivilisation flußaufwärts ins Landesinnere beschrieben werden. Im Nachhinein datierbare Kalender wie jene, auf die sich Bal Gangadhar Tilak in seinen Werken The Orion und Arctic Home in the Vedas bezieht, zeigen den deutlichen Einfluß seefahrender, maritimer Kulturen, die auf bis zu achttausend Jahre und mehr zurückgehen. Wie man an den Küstengebieten entlang des Mittelmeeres vom zweiten Jh. v.Chr. an sehen kann, waren die zivilisiertesten Kulturen maritime Kulturen, wie die von Cyrenaica, welche in Europa auch gegen feindselige Einwohner des Landesinneren befestigt gewesen schienen. Wir befinden uns noch immer innerhalb eines langen Zeitraums der Entwicklung von Küsten- und großen Flußgebieten aus landeinwärts, von der Vorherrschaft maritimer Kulturen hin zur vollen Entwicklung einer wirklichen Festlandkultur.
8Als Referenz zu diesem generellen Thema dient Selections Illustrating The History of Greek Mathematics, Ivor Thomas, übers., Vols. I and II (Cambridge, Mass.: Harvard University Press, 1939-1980). Das sollte man mit den interessanten, aber problematischen neoplatonischen Kommentatoren wie Pappus und Proklus kontrastieren. Man sollte jedoch mit mindestens der gleichen Vorsicht an Ivor Thomas' Werk herangehen, die er wiederholt seinen Lesern nahelegt. Der einzige Behelf aus dieser mißlichen Lage ist, die angeführten Entdeckungen selbst de novo zu machen, so daß die gewonnenen Vorstellungen wirklich die eigenen sind.
9Dies definiert implizit eine antieuklidische Geometrie, im Gegensatz zu dem, was akademisch als bloße nichteuklidische Geometrie jener Art gilt, die mit den Arbeiten von Lobatschewski und dem jüngeren Bolyai assoziiert wird. Riemanns Habilitationsschrift 1854 definiert einen modernen, antieuklidischen Ansatz in der physikalischer Geometrie, der vermittels der Abelschen Funktionen zu wirklich dynamischen Modi physikalischer (im Gegensatz zu bloß formaler) Hypergeometrien führt, von denen eine kompetente moderne Wissenschaft physischer Ökonomie absolut abhängt.
10Ebenso wie das britische Imperium in der Vergangenheit Kriege benutzte, die es zwischen den Nationen Europas und anderswo anzettelte, um die potentiellen Widerstandskräfte, die einem globalen, maritimen Imperialismus auf dem Kontinent entgegenstünden, zu schwächen, so hat die heutige Geopolitik, wie bei den zwei "Weltkriegen" des 20. Jh., das vermeintliche Schreckgespenst von einer Milliarde Muslimen heraufbeschworen. Just so hatten das Byzantinische Reich und sein venezianischer Nachfolger Antisemitismus und Haß gegen Muslime benutzt, um imperiale Macht über die Nationen Kontinentaleuropas zu erhalten.
11Das anglo-holländische System wurde unter Einflußnahme der neuen venezianischen Partei von Paolo Sarpi entwickelt und war dem Präzedenzfall nachempfunden, der auf der mittelalterlichen, ultramontanen Allianz der schleimpilzartigen venezianischen Finanzoligarchie mit ihrem bevorzugten bewaffneten Instrument, der normannischen Ritterschaft, basierte. Aus strategischen Gründen entwickelte die venezianische Finanzoligarchie des späten 17. Jahrhunderts ihren anglo-holländischen Deckmantel als maritime Finanzmacht. Anglo-holländischer Liberalismus ist bis heute das Ergebnis davon. "Globalisierung" ist der aktuelle Name für Imperialismus in der venezianischen und anglo-holländischen Tradition.
12Eine Betrachtung der Schriften Isaac Newtons durch John Maynard Keynes gab der Welt einen Einblick in den wirklichen Geist dieses Sir Isaac Newton, der - so wie Jeremy Bentham - eigentlich eine Art ausgestopfte Puppe war, die als Galionsfigur für etwas geschicktere Betrüger wie dem Galileo-Anhänger Hooke diente, der die eigentliche Arbeit tat, die offiziell dem Parlamentsmitglied Isaac Newton angerechnet wird. Das "Newton-Projekt" war ein Entwurf des in Paris ansässigen venezianischen Klerikers Antonio Conti, um eine schlecht getarnte Version des französischen Cartesianismus nach London zu verpflanzen.
13Z.B. Johannes Kepler, The New Astronomy, übers. von W.H. Donahue (Cambridge, U.K.: Cambridge University Press, 1992). Siehe auch den Anhang zu diesem Artikel und Animationen auf wlym.com/~animations/.
14Daher Einsteins Begriff eines endlichen Universums, das keine äußere Begrenzung hat.
15Unser heutiges Wissen über diese Angelegenheit verdanken wir dem katholischen Theologen Rudolf Haubst, dem Gründer der Cusanus-Gesellschaft. Die angeführten Tatsachen kamen zum Vorschein, als sich Haubst mit den überlieferten geschriebenen Predigten von Cusanus beschäftigte. Helga Zepp-LaRouches hatte durch ihre jahrzehntelange Zusammenarbeit mit Haubst im Zusammenhang mit ihren Studien der Arbeiten Cusanus' und Friedrich Schillers Zugang zu diesen wichtigen Informationen. (Helga teilt die Herkunft aus dem Moselgebiet und geistige Verwandtschaft mit Haubst und Cusanus.) Mein eigenes Wissen über Archimedes' Arbeit an Kreis und Parabel stammt aus meiner genauen schmerzlichen Durchsicht relevanter Teile der französischen Ausgabe von Archimedes' gesammelten Werken.
16Der ganze Entdeckungsprozeß über die Einzigartigkeit der sogenannten Platonischen Körper wurde von Sokrates' berühmten Schüler Theaitet vollendet. Der erste Teil war durch die Pythagoräer in Syrakus bewerkstelligt worden, aber der ganze Beweis geht auf den Theaitet zurück, der ein berühmter Mathematiker seiner Zeit war. Der Name "Platonische Körper" geht auf die Bedeutung zurück, welche diesem Thema in Platons Dialog Timaios zukommt. Eigentlich müssen wir, wie Kepler, noch weiter zur Rolle der angeschnittenen archimedischen Körper gehen, um einige wichtige Eigenschaften zu entdecken, welche die Organisation des physikalischen Universums im Kleinen hat.
17Cusanus erwähnte bereits die Entdeckung des vorptolemäischen Aristarchos von Samos, daß die Planeten die Sonne umlaufen.
18Der "Isaac-Newton"-Schwindel, der die Wissenschaft bis heute verpestet, ging eigentlich von Venedig aus (siehe Lyndon H. LaRouche, Jr. "How Bertrand Russell Became an Evil Man", Fidelio, Herbst 1994). Im Mittelpunkt dieser Operation, die vom letzten Viertel des 17. Jh. bis zum Ende des 18. Jh. andauerte und sich gegen die zentrale Figur des Gottfried Wilhelm Leibniz richtete, stand eine Studie, die Leibniz im Auftrag der feudalen Interessen des Hauses Hannover durchzuführen hatte, in dessen Dienst er in den letzten Jahrzehnten seines Lebens stand. In diesem Zusammenhang wurden alle möglichen venezianischen Agenten nach Italien, Deutschland und Frankreich entsandt; einer der wichtigsten davon war ein gewisser Abt Antonio Conti, der den größten Teil seines Lebens bis zu seinem Tode 1749 in Frankreich verbrachte. Conti wurde in Paris bekannt als treuer Anhänger René Descartes' und später, in der ersten Hälfte des 18. Jh., als Koordinator eines europaweiten Netzwerks leibnizfeindlicher Salons, in denen sich seine Komplizen wie Voltaire, d'Alembert, Leonhard Euler, Maupertuis, Joseph Lagrange u.a. herumtrieben, aber auch als Anhänger der Londoner Operation, welche die synthetische Persönlichkeit des Spezialisten für "schwarze Magie" Sir Isaac Newton schuf. Contis wesentlicher Beitrag zu diesem schmutzigen Geschäft war, daß er sich in Paris den Plan ausdachte, in England einen "synthetischen Descartes" zu schaffen, ein Schwindel, an dem Rev. Samuel Clarke beteiligt war (siehe Loemker, op.cit., S. 675-721). Da in England zur damaligen Zeit eine starke antifranzösische Stimmung herrschte (siehe H. Graham Lowry, How the Nation Was Won, Executive Intelligence Review, Washington D.C., 1988), wurde mit Hilfe wirklicher englischer Wissenschaftler wie Hooke und unter Rückgriff auf das intellektuelle Erbe des Betrügers Galileo Galilei ein synthetischer Descartes, Newton, geschaffen. Die Namen, die Carl F. Gauß in seiner Dissertation von 1799 nannte, waren typische Agenten der britischen "Neokartesianer", die im Rahmen des Netzwerks der Contischen Salons geschaffen wurden.
19Siehe Friedrich Schillers Jenaer Antrittsvorlesung über das republikanische System des Solon und das oligarchische System des Lykurg.
20Ihren verängstigten Gegnern sagt die Oligarchie ganz nach ihrer Art: "Seid impotent, spielt den Narren, dann foltern und töten wir euch vielleicht nicht als Exempel für andere, so wie wir so viele andere unserer fähigen Gegner ermordet oder auf anderer Weise ruiniert haben. Ihr könnt gerne etwas Opposition spielen, solange ihr närrisch und impotent seid!"] Der Plan, der während der Zeit König Philipps und des sehr erfolgreichen Alexander als Projekt der Feinde Alexanders zur Schaffung erst eines westlichen, dann eines östlichen Weltreiches bekannt war, war mit dem Begriff "persisches Modell" oder allgemein "oligarchisches Modell" verbunden. Das Persische Reich ging unter, aber das Modell lebt bis auf den heutigen Tag weiter.
21Es ist historisch von Belang, daß Alexander mütterlicherseits cyrenaisch war; wie sein strategisch wichtiger Besuch des Ammon-Tempels in der Cyrenaika beweist, teilte er außerdem die Überzeugungen der späteren Anhänger Platons und des berühmten cyrenaischen Mitglieds der platonischen Akademie in Athen, Eratosthenes. Die Cyrenaika war schon vor Platons Zeiten ein Zentrum der maritimen Kultur und Navigationstechnik, die von den Ägyptern für ihre hochseetauglichen großen Holzschiffe verwendet wurde. Ungefähr seit dem 7.Jh. v.Chr. war die ägyptische Seefahrerkultur, für die die Rolle der Cyrenaika typisch ist, mit den Seefahrerkulturen der Etrusker und der Ionier gegen die feindlich gesinnten Kräfte von Tyros verbündet. Das Bündnis der cyrenaischen Priesterschaft mit Alexander setzte in Ägypten und anderswo eine Reihe von Entwicklungen in Gang, die zur Niederlage von Tyros und zum späteren Untergang des Persischen Reichs führten.
22Seit der naziähnliche Großinquisitor Tomás de Torquemada 1492 Pogrome gegen die Juden in Gang gesetzt hatte, bis zum Westfälischen Frieden von 1648.
23Zitiert nach: Carol White et al., The New Dark Ages Conspiracy, New Benjamin Franklin House, New York, 1980, S. 77.
24Diese Schrift wurde schon 1821 verfaßt, jedoch erst 1840 von Mary W. Shelley in ihrer Sammlung Essays, Letters from Abroad, Translations and Fragments ("Aufsätze, Briefe aus dem Ausland, Übersetzungen und Fragmente", Edward Moxon, London 1840) veröffentlicht.
25Die Verbindung Torquemadas als Vorbild zu Adolf Hitler ist nicht weit hergeholt. Torquemada wurde von dem führenden martinistischen Freimaurer Graf Joseph de Maistre dazu benutzt, die neue Persönlichkeit zu gestalten, die de Maistre für Napoleon Bonaparte entwarf und ihm präsentierte. Das Modell Bonaparte, das auf dem Präzedenzfall des mörderischen Antisemiten Torquemada beruhte, diente wiederum ausdrücklich dazu, die synthetische Persönlichkeit des antisemitischen Nazi-Diktators Adolf Hitler zu formen; das gleiche Modell fand seine Nachahmer auch in der Diktatur Pinochets in Chile, insbesondere in den Machenschaften der Todesschwadronen der frühen 70er Jahre in Südamerika.
26Die Absurdität von Friedrich Engels? Vorstellung des ?opponierbaren Daumens? zeigt, wie auch sein absurder ?Anti-Dühring?, einen gewissen quasireligiösen Fanatismus, genauso wie seine Neigung zu bedenkenloser wissenschaftlicher Unbildung und sein Fanatismus gegen Gotthold Lessing, Bismarck und Henry C. Carey.
27Er zählte die Überreste lebender Prozesse zu dem Bereich der Biogeochemie der Biosphäre. Siehe auch Lyndon H. LaRouche jr. ?Vernadsky & Dirichlet's Principle?, Executive Intelligence Review (EIR), June 3, 2005. Auf deutsch: ?Wernadskij und das Dirichlet-Prinzip?, Fusion, 2/2005.
28Bei einem früheren Besuch in Indien war ich Gast des Landwirtschaftsinstitutes in Delhi, wo mir die Hybridart eines Mangobaumes gezeigt wurde, der jedes Jahr reichliche Früchte trägt. Wegen einer früheren politischen Wende waren die Bauern Südindiens dazu gezwungen worden, ihre Bäume als Brennstoff niederzuhauen, wodurch es dort zu einem unerträglichen Anstieg der mittleren Temperatur gekommen war. Für mich unterstrich dies erneut die dringende Notwendigkeit, die Kernenergie zu entwickeln, um das Eisenbahnsystem von der ruinösen Belastung mit dem Kohletransport zu befreien. Und es zeigte auch den Nutzen des verbesserten Mangobaumes, den kein Bauer als Brennstoff niederzuhauen wünschte, um den Temperaturanstieg in dieser südlichen Region wieder rückgängig zu machen. Ich teilte meine Ansicht darüber einem Mitarbeiter von Frau Gandhi mit, der mir zu meiner Freude berichtete, daß sie ähnlicher Ansicht sei.
29Theätet, dessen wichtige Rolle hier schon früher angemerkt wurde, erscheint als ein Schüler des Sokrates, als eine führende Figur bei Platons eigenen Kreisen und Anhängern.
30Gauß, Werke, Bd. VIII, S. 99-117, in den ersten beiden Anmerkungen von Fricke.