Bail-in als "Lösung" für Finanzcrash?
26. September 2017 • 11:29 Uhr

Angesichts der Zahl neuer Warnungen von Bankern und Finanzinstituten vor einem akut drohenden Finanzkrach muß die strikte Glass-Steagall-Bankentrennung zur Trennung der Spekulationsblase von der Realwirtschaft ganz oben auf die Tagesordnung, wie es die BüSo seit langem fordert. Aber genau das wird nicht diskutiert, stattdessen gibt es weitere Begründungen für die EZB-Geldvermehrung und eine verstärkte Diskussion über verschiedene „Bail-in“-Prozeduren, mit denen die Bankkunden für die Spekulationen der Finanzinstitute die Zeche zahlen sollen.

Die Warnungen vor einem neuen Crash häufen sich, teils von überraschender Seite: In Großbritannien machte ein Bericht des ultraliberalen Adam-Smith-Instituts zum zehnten Jahrestag des Bankrotts der Bank Northern Rock Schlagzeilen, der erklärte, daß die „Streßtests“ den wahren Zustand der Banken verschleiern, die in Wirklichkeit heute noch stärker schuldenfinanziert seien als vor zehn Jahren. Der nächste Finanzkrach werde früher oder später kommen, heißt es in dem Bericht.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) widmete in ihrem Vierteljahresbericht den „versteckten“ Schulden von bis zu 13 Bio.$ an Devisenderivaten ein ganzes Kapitel. Die Summe mag im Verhältnis zum nominellen Gesamtwert aller Derivatwetten von 1,2 Billiarden $ klein erscheinen, aber die BIZ macht darauf aufmerksam, daß diese 13 Bio.$ keine nominellen Werte, sondern eigentlich als Derivate getarnte echte Kredite sind. Die Schuld wird nominell als Derivat verbucht, „obwohl sie praktisch ein versicherter Kredit ist, dessen Kreditsumme nach Fristablauf vollständig zurückgezahlt werden muß“, heißt es dort. Das sei ein Hinweis auf „das Risiko einer Schuldenfalle“, wie BIZ-Chefökonom Claudio Borio bei der Vorstellung des Berichts sagte. „Die Zentralbanker wagen nicht, die Zinsen zu erhöhen, aus Furcht davor, was das zur Explosion bringen könnte“, schrieb Ambrose Evans-Pritchard im Telegraph.

Eine mögliche Zinsveränderung ist auch einer von zwölf Bereichen, die in einem neuen Bericht der Deutschen Bank als mögliche Auslöser eines Systemzusammenbruchs aufgelistet werden. Das sei eine „Reise ins Ungewisse“, warnen die Deutsche-Bank-Strategen Jim Reid, Nick Burns, Sukanto Chanda und Craig Nicol. „Die Geschichte legt nahe, daß der Schritt substantielle Folgen hätte, besonders angesichts des erhöhten Niveaus vieler Preise globaler Vermögenswerte.“ Und weiter: „Selbst wenn die Auflösung aufhört, weil entweder die Zentralbanken kalte Füße bekommen oder die Wirtschaft unerwartet schwächelt, werden wir uns dennoch in einer beispiellosen globalen Lage befinden, und in einer, die die Finanzwelt inhärent instabil macht.“

Unterdessen wird in Italien im Zusammenhang mit der Krise der Sparkasse Genua (Carige) über den nächsten Bail-in verhandelt. Und genau dieses Procedere ist offensichtlich etwas, was keineswegs Italien vorbehalten bleiben wird, wenn es nach dem Willen der FInanzminister und "Währungshüter" geht. So warnte der Chef der deutschen Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld am 22.9. in Frankfurt, hinsichtlich der Summe der für einen Bail-in heranzuziehenden Vermögenswerte von Endkunden komme Deutschland gleich hinter Italien. Dies betreffe Zertifikate und nachrangige Anleihen, auch wenn er keine Zahlen nennen wollte. Man kann davon ausgehen, daß diese Papiere Kunden wahrscheinlich, ähnlich wie in Italien, unter falschen Versprechungen als angeblich sichere Geldanlagen verkauft worden sind.