Besuch in Jordanien, Türkei und Irak: Entwicklungsminister Müller fordert erneut Marshallplan für Nahost
27. Januar 2016 • 19:39 Uhr

In einem sehr bewegenden Interview mit dem Hessischen Rundfunk erklärte der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) bei seinem Besuch in Jordanien eindringlich, warum der Ausweg für die Flüchtlingskrise nur im wirtschaftlichen Wiederaufbau der Region liegen kann.

Eine Pressemitteilung des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) vom 26.01.2016 über den Besuch Müllers in Amman trägt die Überschrift: "Marshallplan für Nahost - Minister Müller berät mit jordanischer Regierung Investitionen in Wirtschaft, Handwerk und Infrastruktur". Müller reiste anschliessend ins türkische Mersin weiter und besuchte zum Abschluß den Nordirak.

In der Pressemitteilung des BMZ heißt es: "Ein Investitions- und Infrastrukturprogramm sowie eine gezielte Wirtschaftsförderung sollen Jordanien helfen, die Situation im Land zu verbessern. Jordanien mit seinen 6,5 Millionen Einwohnern hat fast eine Million syrische Flüchtlinge aufgenommen. In Gesprächen mit der jordanischen Regierung lotete Bundesminister Dr. Gerd Müller Möglichkeiten aus, legale Arbeitsmöglichkeiten für syrische Flüchtlinge in Jordanien zu schaffen."

Minister Müller wird zitiert: "Fast 90 Prozent der syrischen Flüchtlinge leben in jordanischen Dörfern und Gemeinden. Mit Investitionen in die Infrastruktur dieser Gemeinden, unter anderem in den Bau von Unterbringungen, Schulen und Gemeindezentren, können Arbeitsplätze für Zehntausende Flüchtlinge und Einheimische geschaffen werden. Damit schaffen wir wichtige Bleibeperspektiven für die Flüchtlinge in der Region und kurbeln zugleich die heimische Wirtschaft an. Mit einem solchen Investitions- und Infrastrukturprogramm gehen wir einen wichtigen Schritt hin zu einem Marshallplan für die Region. Nur mit einem solchen Marshallplan wird es gelingen, die Flüchtlingskrise zu bewältigen und Syrien nach einem Ende des Krieges wieder aufzubauen."

"Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) startet in diesem Jahr ein Programm, das für syrische Flüchtlinge in der Region Arbeitsplätze schafft. Außerdem soll die Gründung von Unternehmen und Handwerksbetrieben gezielt gefördert werden. Im Bildungs- und Ausbildungsbereich entwickelt das BMZ dafür gezielt Programme, zum Beispiel mit der deutsch-jordanischen Universität in Amman. Ziel ist es, den Flüchtlingen die Möglichkeit zu geben, den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien selbst zu verdienen und damit Investitionen in der Region freizusetzen."

Minister Müller habe sich bei seinem Besuch in Jordanien ein Bild von der Infrastruktur- und Wirtschaftsförderung Deutschlands gemacht, heißt es in der Pressemitteilung. "So können mit deutscher Unterstützung 800.000 Menschen mit Wasser versorgt werden, 200.000 Menschen mit Strom, 130.000 syrische Flüchtlingskinder konnten in den vergangenen beiden Jahren zur Schule gehen. Insgesamt hat das BMZ sein Engagement in der Syrien- und Irak-Krise in den vergangenen zwei Jahren verdreifacht und investiert dort 640 Millionen Euro."

Hier finden Sie das umfassende Projekt für den Wiederaufbau Syriens: Das Phoenix-Projekt – Syrien neu erschaffen.