Bringt die Schlacht um Aleppo den langersehnten Frieden?
2. August 2016 • 09:28 Uhr

Im Krieg in Syrien ist ein Wendepunkt erreicht: Die syrische Armee hat mit russischer Luftunterstützung Aleppo vollständig eingekreist, um die Nachschublinien der seit 2012 im Ostteil der Stadt verschanzten Terrorgruppen zu unterbrechen. Am 26.7. eroberte die syrische Armee die Castello-Ringstraße nördlich von Aleppo und schnitt damit den Rebellen in der Stadt die Verbindung zur nordöstlichen Region Idlib und zur türkischen Grenze ab, über die sie bis zuletzt mit Waffen, frischen Rekruten und Material versorgt worden waren.

Die syrischen und russischen Streitkräfte eröffneten dann vier humanitäre Korridore, damit Zivilisten, die den Terroristen im Ostteil der Stadt als menschliche Schutzschilde dienen, in dem vom syrischen Staat beherrschten Westteil Unterkunft und Hilfe erhalten können. Gleichzeitig verkündete die Regierung eine Amnestie für alle Rebellen, die ihre Waffen niederlegen und Ost-Aleppo verlassen. Diese Taktik hatte sie schon erfolgreich in Homs und anderen Städten angewandt, um größeres Blutvergießen in den dichtbesiedelten Stadtgebieten zu vermeiden.

Mit diesen Schritten nahmen Damaskus und Moskau westlichen Regierungen, Medien und NGOs den Wind aus den Segeln, die gewöhnlich Zeter und Mordio schreien, daß eine Militäroffensive in Rebellengebieten unnötig das Leben von Zivilisten gefährde, und mit dieser Begründung einen Waffenstillstand fordern, unter dessen Schutz sich die Rebellen mit Nachschub versorgen und umgruppieren können.

Auch die diplomatischen Bemühungen zwischen der UN, Rußland und den USA werden verstärkt.

Damit beginnt eine Wende nicht nur in Syrien, sondern in der ganzen Region. Im Westen des Irak nahe der syrischen Grenze wird ISIS von der irakischen Armee sowie kurdischen und patriotischen Milizen in die Enge getrieben. Auch der wichtigste Stützpunkt von ISIS, die Großstadt Mossul, wird eingekreist, die Streitkräfte warten nur noch darauf, daß Ministerpräsident Haidar Al-Abadi das endgültige Signal zur Befreiung der Stadt gibt.

Zudem greifen die von den USA unterstützten syrischen Kurdenmilizen der YPG Städte und Dörfer im Kerngebiet von ISIS in der Region Rakka an und schneiden ihren Nachschub aus der Türkei ab. Allerdings fordern ihre Interventionen, die nicht so umsichtig sind wie die syrisch-russischen, hohe Verluste unter der Zivilbevölkerung.

Darüber hinaus hat die türkische Regierung, wie wir berichteten, ihre Politik gegenüber Rußland und Syrien radikal verändert - sowohl vor als auch nach dem gescheiterten Militärputsch am 15.7. -, während die Spannungen zwischen Ankara und dem Westen sich jetzt immer weiter hochschaukeln.

Es entsteht somit eine völlig neue Lage, die es erforderlich macht, daß Rußland und die USA zusammenarbeiten, um die Plage des islamistischen Terrors auszumerzen und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß die Staaten der Region ihre Einheit und Souveränität wiedererlangen. Optimal wäre es, alle diese Länder in den Prozeß rascher wirtschaftlicher Entwicklung einzubeziehen, den China mit seinem Seidenstraßenplan „Gürtel und Straße“ eingeläutet hat. Wenn diese souveränen Staaten der Region sich wirtschaftlich und kulturell eigenständig entwickeln können, so wie dies in der Konferenz des Schiller-Instituts am 25.-26.6. in Berlin vorgeschlagen wurde, dann wäre dies entscheidend, um ein Wiedererstarken von religiösem Extremismus und Terrorismus zu verhindern. Gleichzeitig müßte man die verheerende Geopolitik der Supermächte endgültig auf den Abfallhaufen der Weltgeschichte werfen.

siehe auch: Das Phönix-Projekt: Aleppo, die ewige Stadt