Deutschlands Schätze für eine menschlichere Zukunft einsetzen

Helga Zepp-LaRouche hielt die folgende Rede bei einer Veranstaltung der BüSo Berlin am 1. April 2014. Der Text wurde für den Abdruck leicht überarbeitet.

Ich bin eigentlich ganz froh, denn wenn man in Deutschland über die politische Lage redet, hat man normalerweise immer nur Düsteres zu berichten. Aber mit den Entwicklungen, die in den letzten Tagen, vielleicht auch Wochen stattgefunden haben, sehe ich zum ersten Mal seit langer Zeit die Perspektive, daß Deutschland wirklich etwas in der Geschichte bewegen kann. Es gibt Widerstand in Deutschland gegen die Eskalation und überhaupt gegen die Konfrontation gegen Rußland, und in der letzten Zeit sind viele Institutionen gegen die Sanktionen herausgekommen, z.B. ein sehr breites Spektrum von Industrievertretern, von Topmanagern großer Firmen, aber auch von der politischen Landschaft von rechts bis links. Da sind doch einige Leute herausgekommen und haben gesagt, es ist völlig falsch, was da läuft.

Das ist zwar noch nicht die Lösung, aber es ist zum ersten Mal seit langer Zeit, daß überhaupt jemand in Deutschland eine Position bezieht, die nicht mit der NATO oder den Positionen der US-Regierung oder der britischen Regierung identisch ist. Das reicht natürlich absolut nicht aus, aber es gibt das Potential, und das ist auch das Ziel unserer Wahlkampagne für die nächsten acht Wochen, daß wir Deutschland auf den Kurs bringen, den Frieden zu sichern, die elende NATO-Eskalation zu stoppen und auch eine völlig andere Lösung für die Krise zu bewerkstelligen.

Ganz wichtig ist in dem Kontext natürlich der Besuch von Xi Jinping, dem chinesischen Staatspräsidenten, und die Tatsache, daß die beiden Regierungen eine strategische Partnerschaft beschlossen haben, die sehr viele Bereiche der Kooperation betrifft. Wenn Deutschland und China zusammenarbeiten, dann ist das eine neue Komponente in der Weltsituation, die einen „Anpack“ bietet, um auch andere Lösungen durchzusetzen.

Immerhin ist die Neue Seidenstraße, die Präsident Xi Jinping zur strategischen Priorität Chinas erklärt hat, das Programm der BüSo. Das ist natürlich die Möglichkeit, in diese amerikanisch-britische EU-NATO-Konfrontation gegenüber Rußland eine andere Dynamik hineinzubringen, die auf ökonomischer Zusammenarbeit basiert und die natürlich auch das Verhältnis zu Rußland positiv beeinflußt.

Es ist sehr wichtig, sich an das zu erinnern, was Xi Jinping in seiner Rede in Berlin betont hat, nämlich, daß China und Deutschland beides Staaten sind, die erfolgreich Wirtschaftswunder gemacht haben. Deutschland hat das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg gemacht, sich aus dem Trümmerfeld zu einer der führenden Wirtschaftsnationen aufgebaut, und China hat ebenfalls, man kann fast sagen, auch aus dem Trümmerfeld, nämlich dem Trümmerfeld der Kulturrevolution, die gigantischste Wirtschaftsentwicklung gemacht, die irgendein Land auf diesem Planeten je vollzogen hat.

Gefahr von Krieg und Bail-in

Warum messe ich dem eine so große Bedeutung zu?

Wir stehen am Rande des potentiell thermonuklearen Dritten Weltkriegs. Diese Kriegsgefahr kommt primär daher, daß das gesamte transatlantische Finanzsystem vor der Implosion steht. Sowohl die Wall Street als auch die City of London und alle Großbanken der Eurozone sind hoffnungslos bankrott.

Gerade erst vor ein bis zwei Wochen haben die Staatschefs Europas das sog. „Bail-in-Gesetz“ unterzeichnet. Für diejenigen, die nicht wissen, was ein Bail-in ist: Wir hatten 2008 den Kollaps von Lehman Brothers und AIG, und damals herrschte einige Wochen lang totale Panik. Alle dachten, das führt jetzt auf der Stelle zur Desintegration des gesamten Weltfinanzsystems. Damals war die Aufregung so groß, daß z.B. selbst Sarkozy davon sprach, daß man dringend ein neues Bretton-Woods-System einrichten müßte.

Das dauerte einige Wochen, aber schon zwei Monate später bei dem ersten G-20-Gipfel in Washington war das alles vergessen, und man hat dann die Rettungspakete beschlossen, wofür der englische Ausdruck lautet: „Bail out“. Das bedeutet, daß der Steuerzahler die privaten Zockerschulden zahlt, durch Steuergelder die Banken rettet. Das hat man mehrfach gemacht, sowohl in den USA als auch in Europa, und man hat - niemand weiß so ganz genau wieviel - zweistellige Billionenbeträge reingepumpt. Das ist jetzt eine hyperinflationäre Liquiditätsblase, die im System noch drin sitzt.

Dann hat man dazu das „Quantitative Easing“ gemacht, also elektronisches Geld gedruckt und einfach Liquidität gepumpt. Zuletzt waren das 85 Mrd. Dollar pro Monat seitens der Fed. Das hat man dann allmählich zurückgefahren, weil natürlich die Hyperinflation - trotz Deflation, die auch da ist - im System vorhanden ist.

Es gab eine Diskussion: Kann man das Quantitative Easing zurückfahren, oder führt das zur Desintegration? Das ging so hin und her. Viele haben gesagt, nein, man kann das überhaupt nicht, denn wenn man anfängt, die Menge von Liquidität, die man zusätzlich ins System hineinpumpt, zurückzufahren, dann kommt es zu dem negativen „De-Leveraging“: die Derivatblase braucht immer einen Zufluß von Liquidität, und wenn man das zurückfährt, dann kommt es zu einem negativen Kettenreaktions-Kollaps. Deshalb hieß es immer, daß man das eigentlich gar nicht machen kann.

Aber jetzt hat man begrenzt begonnen, es doch zu tun, indem man es erst von 85 auf 75 und jetzt auf 65 Mrd. Dollar im Monat zurückgefahren hat. Natürlich sind dann die Währungen der sog. Schwellenländer eingebrochen. Und jetzt haben die Streßtests, die von der Fed gemacht wurden, gezeigt, daß die Banken in einem viel schlechteren Zustand sind, als sie zugeben. Die Citicorp steht kurz vor dem Kollaps. Aber auch die EZB ist dabei, bis Ende Herbst den Streßtest für die europäischen Banken zu machen. Deshalb hat Standard & Poor’s eine Warnung herausgegeben, alle Banken würden abgewertet, weil man erwartet, daß viele davon das nicht überleben werden.

Aber das sind nur die oberflächlichen Beschreibungen. Bei dem Bail-in nach dem Zypern-Modell, der dann beschlossen worden ist, ist die offizielle Linie: „Man kann den Steuerzahler nicht immer heranziehen, sondern die Banken und die Konteninhaber müssen jetzt selber für die Probleme aufkommen.“ Das haben wir in Zypern gesehen. Dort hat man alle Einlagen über 100.000 Euro mit einem „Haarschnitt“ versehen, und das führte dann dazu, daß ungefähr die Hälfte dieser Konten gepfändet wurden - also eine ziemlich brutale Enteignung. Das hat in Zypern zum Kollaps der Realwirtschaft geführt, und wenn man das in der gesamten transatlantischen Region anwendet, in den USA und in Europa, dann würde das zum totalen Kollaps der Realwirtschaft und zum Finanzkollaps führen.

Mein Ehemann Lyndon LaRouche, der in seinen Prognosen, was die Finanzsituation angeht, immer absolut richtig gelegen hat, sagte dazu, das sei zu vergleichen mit einem Aufzug im 70. Stockwerk eines Wolkenkratzers, bei dem das Kabel reißt und die Kabine ungebremst nach unten stürzt, wenn man dieses Bail-in macht.

Wenn man jetzt einen „Haarschnitt“ macht, um diese Too-big-too-fail-Banken zu retten, dann reicht auch alles, was an Kontengeldern da ist - Geschäftskonten, private Konten, Bankaktien, Bankanleihen -, zusammengenommen nicht aus, denn das ausstehende Paket an Derivatkontrakten umfaßt 1,4 Billiarden Dollar, das sind 1.400 Billionen! Das ist eine Summe, die vollkommen lächerlich ist und um einige Größenordnungen alles übersteigt, was an Einlagen vorhanden ist.

Das ist auch die Absicht, denn die Leute, die jetzt diese kontrollierte Umorganisierung wollen, wollen natürlich, daß hinterher nur einige wenige Banken da sind und damit ein neues Finanzsystem, was aber dann von diesen Leuten kontrolliert wird.

Dazu hat Oxfam vor zwei Monaten einen Bericht veröffentlicht, daß weltweit 85 Personen genausoviel Besitz haben wie 3,5 Mrd. Menschen. 85 Individuen besitzen also genausoviel wie die Hälfte der Menschheit. Es gibt Leute, die wollen diesen Zustand gerne zementieren, damit das so bleibt - egal, was mit den Milliarden Menschen passiert.

Die Tatsache, daß dieser Kollaps ansteht, ist der Grund dafür, daß ein Mechanismus, der seit dem Ende der Sowjetunion im Gange ist, nämlich die Einkreisung Rußlands und Chinas, nun zu dem Punkt des potentiellen Krieges führt.

Die verpaßte Chance von 1989

Als sich die Sowjetunion zwischen 1989 und 1991 allmählich aufgelöst hat, hatten wir ein Konzept für eine neue Friedensordnung. Der Kommunismus war weg, es gab keinen Gegner mehr, man hätte sehr einfach eine neue Friedensordnung etablieren können.
Wir haben das damals mit unserem Vorschlag der Eurasischen Landbrücke gemacht. Es war die Idee, daß man die Bevölkerungs- und Industriezentren Europas mit denen Asiens durch sog. Infrastrukturkorridore verbindet und entwickelt. Es wäre absolut möglich gewesen, das zu machen. Der Eiserne Vorhang war weg, man hätte die wirtschaftliche Kooperation forcieren können.
Aber leider war es so, daß damals in Amerika Bush senior da war, und mit ihm die Neocons, und die haben beschlossen, ein Weltreich aufzubauen, das später als „Globalisierung“ bekannt wurde. Die Idee dabei war, daß man alle Regierungen, die sich diesem extrem ungezügelten System der freien Marktwirtschaft nicht unterwerfen, durch „Regimewechsel“ beiseite räumt. Das hatte damals Bush senior beschlossen mit der Doktrin des New American Century. Die wurde u.a. von Leuten verfaßt wie Robert Kagan, einem ganz bekannten Neocon, der Ehemann einer ebenfalls nicht unbekannten Dame namens Victoria Nuland, die vor kurzem in Kiew bzw. der Ukraine mit der vulgären Aussage gegenüber der EU bekannt geworden ist; sie ist verheiratet mit Robert Kagan.
Die haben die Idee gehabt, daß man auf der Basis der anglo-amerikanischen Sonderbeziehung zwischen Bush senior und Margaret Thatcher ein Weltreich macht. Später hat Bush junior von der „Achse des Bösen“ gesprochen - also Saddam Hussein, Gaddafi, Assad, Iran, Nordkorea.
Dann gab es zum Glück eine Unterbrechung in den acht Jahren der Clinton-Administration, die eine Mischform gemacht hat, aber nicht diese Idee eines Empires hatte. Dann kamen zwei Bush-Administrationen und inzwischen fast eineinhalb Obama-Administrationen, und die sind voll auf diesem Kurs.
Das hat dazu geführt, daß z.B. in der Ukraine 2200 NGOs aufgebaut wurden, finanziert durch die National Endowment for Democracy (NED). Die haben alleine pro Monat Hunderte von Millionen Gelder reingepumpt, um Aktivisten zu rekrutieren, die auf der Basis ihres antirussischen Profils ausgewählt wurden. Das führte 2004 zu der Orangenen Revolution, die Timoschenko an die Macht brachte; die war sehr inkompetent, und dann fiel das auseinander. Jetzt war die Idee, daß man die NATO-Ostausweitung und die EU-Ostausweitung bis an die Grenzen Rußlands voranbringt.
Dabei muß man sich daran erinnern, daß es, als sich damals die Sowjetunion auflöste, eine Zusage des Westens gab, daß es keine Ostausweitung der NATO geben würde. Dieses Versprechen wurde gegeben. Kohl und Genscher, Gorbatschow sprachen damals vom europäischen Haus, in dem natürlich auch Rußland ein Zimmer hätte, da war nie die Rede davon, daß Rußland immer ausgeschlossen blieb.

Erstschlagsdoktrin

Aber dann wurden alle Verträge ohne Rußland gemacht. Dazu gab es überhaupt keine Notwendigkeit. Putin hat mehrfach Angebote gemacht, und nicht nur Putin. Putin hat eine Eurasische Union angeboten von Lissabon bis Wladiwostok, aber darauf wurde nicht einmal geantwortet. Die verschiedenen russischen Verteidigungsexperten haben mehrfach eine gemeinsame Raketenabwehr vorgeschlagen, das wurde ebenfalls ignoriert, und statt dessen hat man die Einkreisungspolitik gemacht, verbunden mit einer Veränderung der Militärdoktrin.

In den 80er Jahren gab es noch die Doktrin der Mutual Assured Destruction (MAD) - die Idee, daß man Atomwaffen überhaupt nicht einsetzen kann, weil sie zur gegenseitigen völligen Vernichtung führen, weil niemand einen Atomkrieg überlebt. Das war damals die anerkannte Idee.

Das hat man sukzessive geändert in eine Erstschlag-Doktrin. Das Raketenabwehrsystem, das die USA inzwischen in Polen, Rumänien und Spanien aufbauen, beruht auf der Idee, daß es möglich wäre, die Zweitschlagkapazitäten Rußlands zu eliminieren - durch moderne Technologie, durch Cyberwar, durch das schnelle Ausschalten der Kommando- und Kontrollfunktion.

Das gleiche gilt für eine andere Doktrin, Prompt Global Strike, die Idee, daß man mit modernen Technologien Interkontinentalraketen mit konventionellen Waffen umrüstet und damit die Kapazitäten eines Gegners ausschaltet. Dasselbe gilt gegenüber China mit der Doktrin „Air Sea Battle“, die ebenfalls auf der Idee beruht, daß man die Luftverteidigung durchbricht und das gegnerische Potential ausschaltet und dann einen Krieg gewinnt.

Die Kritiker dieser Doktrinen in den USA selbst haben darauf hingewiesen, daß diese Idee, daß man einen Atomkrieg gewinnen kann, diesen Krieg befördert, also kriegstreibend wirkt. Denn die Vorstellung, daß nur der, der den ersten Schlag macht, gewinnt, ist natürlich eine Einladung, nicht zu warten, denn wenn man wartet, ist man der Dumme. Beide, Rußland und China, haben sehr deutlich gemacht, daß sie dies nicht akzeptieren und daß sie sehr wohl Zweitschlag-Kapazitäten haben.

Die ganze Idee ist absolut wahnsinnig, wenn man sich einmal überlegt, wie viele Atombomben auf der Welt existieren: in U-Booten, in Jagdflugzeugen, in Cruise Missiles, auf Kriegsschiffen, versteckt in Bergen, auf mobilen Lastwagen. Die Idee, daß man einen solchen Krieg führen könnte und es nicht zum großen Krieg kommt: Das sind Verrückte! Wer im thermonuklearen Zeitalter davon redet, daß man Kriege gewinnen kann, der ist klinisch verrückt. Das sind Leute, die machen am Computer irgendwelche Modelle und planen Dinge, die vollkommen wahnsinnig sind; die gehörten eigentlich vor ein Kriegsgericht gestellt, denn wer einen Angriffskrieg plant, ist nach dem Nürnberger Prozeß ein Kriegsverbrecher. Nur weil es jetzt „Mainstream“ ist und niemand widerspricht, ist das trotzdem nicht weniger wahr.

Jetzt sind wir an dem Punkt angekommen, wo die Taktik darin bestand, diese Euromaidan-Bewegung aufzubauen. Die setzt sich einerseits zusammen aus normalen Menschen, die einfach die Korruption in der Ukraine, die es gibt, satt hatten. Immerhin hat selbst Putin gesagt, er stünde in dem Punkt auf der Seite der Menschen auf dem Maidan, weil diese Oligarchen in der Ukraine ein System von Korruption etabliert hatten. Aber es ist natürlich nicht so, daß das nur normale Menschen waren, sondern selbst wenn diese Demonstrationen mit friedlichen Personen und Studenten angefangen hatten, waren das innerhalb von wenigen Tagen eben auch Nazis. Und wenn wir Nazis sagen, dann meinen wir auch wirklich Nazis, und nicht Neonazis, sondern richtige Nazis, also alte Nazis.

Das geht zurück auf die Untergrundorganisation, die sich in den 40er Jahren um Stepan Bandera in der Ukraine gruppierte, die die Naziinvasion mit vorbereitet haben und dann über 100.000 Menschen umgebracht haben - Juden, Zigeuner, Kommunisten -, aber dann bei Kriegsende nicht bestraft wurden, sondern nahtlos von den westlichen Geheimdiensten übernommen wurden. Und zwar von Allen Dulles, vom CIA, vom britischen Geheimdienst MI6 und später von der Gehlen-Organisation im BND.

Jemand hat mir einen Link geschickt von einer ZDF-Dokumentation, die noch im Internet zu sehen ist. Da geht es um die Gladio-Netzwerke, die im Kampf gegen die Sowjetunion im Kalten Krieg Nazi-Netzwerke im Westen benutzt haben, für den Fall, daß es zu einem sowjetischen Angriff käme, die man dann als Guerilla-Kämpfer eingesetzt hätte, mit Waffendepots usw. Darin kommen Historiker zu Wort, die darüber schon Bücher geschrieben haben. Es wurde zwar nicht die Ukraine mit berücksichtigt, aber es ist sehr nützlich, damit die Leute einen Geschichtsbegriff bekommen, der nicht nur aus Schlagzeilen der Bild-Zeitung oder der Tagesschau besteht. Denn die offizielle Geschichte ist nur die Spitze des Eisbergs, aber dann sind neun Zehntel unterhalb der Meeresoberfläche, die man normalerweise nicht sieht. Diese Dokumentation ist sinnvoll, weil es einem einen Begriff davon gibt.

Diese Nazis haben dann z.T. im Westen im Exil operiert - in London, in München - und dann irgendwann in den 60er/70er Jahren angefangen, neue Leute in der Ukraine zu rekrutieren. Und das waren dann die Leute, die dann einige Tage, nachdem das EU-Assoziierungsabkommen aufgekündigt worden war, die Gewalttaten angefangen haben, die maskiert waren, die Molotowcocktails geworfen haben, die Waffen eingesetzt haben, und die aller Wahrscheinlichkeit nach die Snipers waren, also die Scharfschützen, die dann am 20. Februar von oben sowohl Demonstranten als auch Polizisten erschossen haben und damit den Umsturz erzeugten, der dann den von Frau Nuland ausgesuchten Ministerpräsidenten „Jaz“, wie sie ihn interessanterweise nennt, an die Macht gebracht hat - also mit einem Coup, mit einem Putsch.

Deshalb ist die Anerkennung dieser Übergangsregierung in Kiew durch die EU und durch die deutsche Regierung ein völlig krimineller Akt gewesen. Wie kann man jemanden, der durch einen Putsch an die Macht kommt, anerkennen, und dann im nachhinein sagen, wenn eine demokratische Abstimmung auf der Krim stattfindet und die Bevölkerung auf der Krim sagt, wir wollen Teil von Rußland sein, das ist dann Völkerrechtsverletzung? Das ist eine Scheinheiligkeit und ein Doppelstandard, der absolut aufhören muß!

Der Plan A war also eine Konfrontation mit der Idee, daß Rußland kapituliert: Man bringt den Euromaidan nach Rußland, der wird den Putin auch wegputzen, und Putin wird das alles akzeptieren. Aber das ist eben nicht passiert, sondern Putin hat sehr richtig gesagt, nein, man muß historisch sehen, daß die Ukraine jahrhundertelang immer Teil von Rußland war. Kiew war einmal die Hauptstadt von Rußland, und die Bevölkerung auf der Krim ist vorwiegend russisch und versteht sich auch als russisch. Wenn dann eine Abstimmung stattfindet und sie beschließen, Teil von Rußland sein zu wollen, dann ist das vielleicht nicht die optimale Entwicklung, aber es ist jedenfalls völkerrechtlich weit eher legitim, als in Kiew Nazis an die Macht zu putschen.

Jetzt sind wir in einer Lage, wo von den USA, von Großbritannien und der NATO eine Eskalation gepusht wird: mehr Präsenz in Osteuropa, in Polen, in Rumänien, mehr NATO-Truppen, mehr F-16 und andere Kampfflugzeuge in diese Länder zu verlagern.

Unsere neue Verteidigungsministerin, die eine Art Schnellfeuergewehr als Mund hat, was losschießt, bevor der Kopf Zeit hatte zu denken, sagt: „Wir brauchen mehr Präsenz in Polen usw.“ Die Frau hat keine Ahnung, wovon sie redet, denn wohin soll das führen? Soll das zum Krieg führen? Es ist eine dumme Intervention, und natürlich ist noch dümmer, was Herr Schäuble gesagt hat, mit seinem unsäglichen Vergleich von Putin und Hitler. Die Frage ist, was geht im Kopf von solchen Leuten vor? Will er Krieg machen? Warum sagt man so etwas, was vollkommen unsinnig ist?

Herr Schäuble sollte lieber aufpassen, daß man nicht - wenn man schon mit historischen Beispielen anfängt - auf die Idee kommt, daß er nicht nur ein neuer Brüning ist, sondern vielleicht auch ein neuer Hjalmar Schacht. Das könnte man auch sagen, wenn man seine Politik gegenüber Griechenland anschaut. Der Mann sollte in den Ruhestand treten und aufhören, sich so zu exponieren.

Von den USA kommt weiter diese Eskalation, und heute [1.4.] treffen sich die NATO-Außenminister in Brüssel, und man wird sehen, was sie sich da ausdenken. Wenn das weiter gemacht wird: Das ist wirklich der Stoff, aus dem Weltkriege gemacht werden.

Das gleiche passiert gegenüber China, da wird auch entsprechend gezündelt. Ich will nur kurz erwähnen: Das entführte Flugzeug, das von Malaysia nach China fliegen sollte und verschwunden ist, die Sache hat sehr stark den Anstrich von einem neuen 11. September-Anschlag. Damals waren auch Flugzeuge entführt worden, die dann das Pentagon und das World Trade Center angegriffen haben. Dazu kommt natürlich das unglaubliche Massaker in Kunming, wo Maskierte, die wahrscheinlich aus der Xinjiang-Region, also Uiguren sind, Menschen mit Macheten abgestochen haben.

Es ist also eine Kriegführung gegenüber Rußland und China im Gang. Deshalb bin ich so extrem froh, daß zum ersten Mal, seit langer, langer Zeit, von Deutschland ein selbständiger Impuls kommt. Normalerweise machen die deutschen Regierungen immer, was ihnen vorgegeben wird. Offensichtlich sind einige Leute aufgewacht und sehen, daß die Sanktionen gegen Rußland mindestens genauso Deutschland treffen würden, deutsche Arbeitsplätze zerstören und deutsche Industriepotentiale zerstören wurden.

Was führt zum Weltkrieg?

Ich will ganz kurz nur in Erinnerung rufen, daß die Geschichte der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert der Hintergrund ist, vor dem wir jetzt die Gefahr eines Dritten Weltkrieges sehen müssen.

Was hat zum Ersten Weltkrieg geführt? In Deutschland gab es Bismarck, der ein extrem kluger Staatsmann war. Er hat durch verschiedene diplomatische Verträge eine Friedenssituation geschaffen, z.B. durch den Rückversicherungsvertrag mit Rußland, und er hatte auch mit anderen Staaten umfangreiche Abkommen geschlossen. Und vor allen Dingen, und das ist das wichtigste, hat er Deutschland innerhalb von wenigen Jahren aus einem Feudalstaat in eine moderne Industrienation verwandelt.

Die Leute vergessen, wie das passiert ist. Ich habe mir vor einigen Jahren alle gängigen Bismarck-Biographien angesehen. Da war kein Wort von den wirklichen Gründen, warum Deutschland Industrienation wurde - daß es nämlich der Kontakt war, den Bismarck mit den Theorien von Henry C. Carey, dem Wirtschaftsberater von Lincoln, hatte. Er hat dann mit Leuten wie Wilhelm von Kardoff, dem damaligen Chef der Industrieverbände, den Freihandel und die Philosophie der preußischen Junker über Bord geworfen und hat durch die Bismarckschen Industrie- und Sozialreformen ein protektionistisches System eingeführt, das den Freihandel beendet hat. Das hat dazu geführt, daß die Industrie in Deutschland explosionsartig gewachsen ist. Dann wurde Bismarck durch britische Intrigen aus dem Amt gejagt.

Damals entstand in Großbritannien, das damals als Britisches Empire und als Seemacht dominierte, die Geopolitik. Es waren z.B. Leute wie Halford Mackinder, Milner, später Haushofer, die diese verrückte Geopolitik entwickelten. Die Idee war, daß wenn sich die eurasischen „Herzländer“ entwickeln, daß dann die atlantischen „Randländer“ ins Hintertreffen kommen und daß man diese transatlantische Entwicklung verhindern muß.

Es ist wohl dokumentiert von uns, daß der Prinz von Wales, der spätere Edward VII., die 25 Jahre zwischen Bismarcks Entlassung und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges benutzt hat, um eine Allianz nach der anderen gegen Deutschland zustande zu bringen. Das waren die Entente Cordiale, die Tripelentente, der Krieg Japans gegen Rußland 1905, und natürlich die Balkankriege, so daß dann die Schüsse von Sarajewo nur der zufällige Auslöser waren, der zum Ersten Weltkrieg führte.

Der Versailler Vertrag setzte die alleinige Kriegsschuld Deutschlands voraus, was vollkommen falsch war, und bestand auf Bedingungen, die deutsche wirtschaftliche Entwicklung für hundert Jahre oder mehr verhindern sollten. Das versuchte Walther Rathenau durch den Rapallo-Vertrag, eine verstärkte wirtschaftliche Kooperation von Deutschland und Rußland, zu umgehen. Alle Leute, die den Rapallo-Vertrag unterschrieben hatten, waren innerhalb von einem Jahr tot, einschließlich Walther Rathenaus.

Den Leuten, die Mein Kampf gelesen hatten, war klar, daß wenn Hitler an die Macht kommt, ein Krieg zwischen Rußland und Deutschland unvermeidbar sein würde. Das war auch der Grund, warum Hitler bekanntermaßen von London und der Wall Street finanziert wurde: Montagu Norman, der Chef der Bank von England, und natürlich Prescott Bush, Averell Harriman. Prescott Bush war der Großvater von Bush junior. Der Effekt war bekanntlich, daß Hitler an die Macht kam und dann aber nicht nach den Plänen seiner Unterstützer nur Rußland angegriffen hat, sondern zuerst die Westfront eröffnete.

Der Morgenthau-Plan sollte Deutschland wieder herunterhalten. Das ist dann nur durch den Beginn des Kalten Krieges geändert worden, durch den Marshall-Plan. Und jetzt haben wir eine Situation, wo Deutschland wieder Ziel dieser anglo-amerikanischen Kriegspolitik ist, bzw. der Sanktionen, die, wenn sie weiter eskalieren, zu einem Krieg führen würden.

Deshalb kann ich nur sagen: Helfen Sie uns in diesem Wahlkampf, dafür zu sorgen, daß wir in Deutschland eine Widerstandsbewegung kriegen gegen die Sanktionen, gegen die Eskalation und die Konfrontation mit Rußland, weil das zum Dritten Weltkrieg führen würde. Wir müssen diese Politik stoppen. Wir brauchen in der deutschen Bevölkerung eine breite Diskussion darüber. Es kann nicht sein, daß wir wieder auf einen Weltkrieg zusteuern oder mit hineingerissen werden, und es gibt keine öffentliche Debatte. Unser Ziel muß sein, in den nächsten acht Wochen dafür zu sorgen, daß eine ganz klare, positive Politik gegenüber Rußland und China an die Stelle dieser Konfrontation kommt.

Das ist die Gefahr, und die negative Seite.

Die Alternative

Die Alternative ist schon vorbereitet. Ich hatte schon gesagt, daß wir, als die Sowjetunion sich auflöste, dieses Programm der Eurasischen Landbrücke vorgeschlagen haben. Wir haben gesagt: Die alte Transsibirische Eisenbahn muß zur Linie eines neuen Korridors werden, ebenso die alte Seidenstraße. Dann haben wir gesagt, ein Zweig dieser alten Seidenstraße ginge dann von Iran nach Indien bis nach Indonesien, ein anderer über die Türkei nach Europa, dann natürlich die Entwicklung über die Beringstraße nach Kanada, Alaska, und natürlich die Entwicklung Afrikas.

Wir haben dieses Programm vorgeschlagen und haben Konferenzen gemacht, Seminare, überall, in allen europäischen und amerikanischen Städten, Moskau, Delhi, Beijing. Ich persönlich war 1996 bei einer großen Konferenz mit 34 Nationen in Beijing als Rednerin zu diesem Programm.

Wir haben das dann immer weiter entwickelt zu einer „Weltlandbrücke“. Nicht nur mit eurasischer ökonomischer Kooperation, sondern auch mit einem großen Infrastrukturprogramm für Nordamerika, dem NAWAPA-Programm. Das ist die Idee, das Wasser, das jetzt in Alaska und Kanada ins Arktische Meer fließt, durch ein Kanalsystem entlang der Rocky Mountains bis nach Mexiko zu bringen und damit die Wüsten, die rechts und links von den Rocky Mountains sind, durch Bewässerung aufzuforsten, Landwirtschaft zu entwickeln, neue Städte zu bauen.

Das ist jetzt hoch aktuell, denn in Kalifornien und in Texas herrscht derzeit die größte Dürre seit 500 Jahren. Das ist ein Riesenproblem, denn Herden sterben, die Landwirtschaft verkommt. Deshalb ist so ein Entwicklungsprogramm auf der Basis von Bewässerung und der Schaffung von einer neuen Biosphäre, indem man die Wasserkreisläufe dazu bringt, sich mehrfach im Zyklus zu entwickeln und nicht gleich abzufließen - das ist jetzt wirklich die Lösung für das Problem.

Dann haben wir den Vorschlag des Tunnels unter der Beringstraße, der schon seit über hundert Jahren immer wieder in die Diskussion kam, der Alaska mit Sibirien verbinden würde, und wir haben jetzt die Eurasische Landbrücke aktualisiert.

Ein Teil dieser Programme ist in den letzten 20 Jahren begonnen worden. Wir haben jetzt ein Crashprogramm, um diese Gesamtkonzeption nicht nur im Ist-Zustand zu erfassen, d.h. welche Projekte in den letzten beiden Jahrzehnten gebaut worden sind, sondern vor allem zu definieren, wo jetzt der Fokus sein muß, damit die Weltwirtschaft wiederaufgebaut wird.

China setzt auf die Neue Seidenstraße

Wir haben in den letzten 23 Jahren, seit 1991, Hunderte von Konferenzen und Seminaren veranstaltet, wir haben es überall in die entsprechenden Industriekreise hineingebracht, und jetzt steht es auf der Tagesordnung. Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping hat im letzten September auf einer Konferenz in Kasachstan erklärt, daß der Ausbau der Neuen Seidenstraße die strategische Priorität Chinas ist.

Die alte Seidenstraße war vor 2000 Jahren der Handelsweg, über den man mit Schiffen, Kamelen, Eseln und Pferden Seide, Gewürze, Kultur und Ideen zwischen den Nationen austauschte, und die Idee ist jetzt, daß man diese alte Seidenstraße auf moderner Basis, mit Schnellbahnen, mit moderner Technologie, Pipelines mit Handelsrouten, modernisiert und diese Länder alle entwickelt. Das ist eine ganz phantastische Sache.

Europa und die USA stecken jedoch seit 1989, mit nur einer kleinen Unterbrechung unter Clinton - und Clinton war dann ja auch in der letzten Phase mehr oder weniger neutralisiert -, in einem totalen Kulturpessimismus. Die Leute haben inzwischen ein Amerikabild, das besteht aus Bush senior, aus Bush junior, es besteht aus Folter, Guantanamo, aus Drohnenkriegen, aus Coups gegen alle möglichen Länder. Besonders junge Leute, die in dieser Zeit geboren wurden, haben überhaupt keinen Begriff von einem Amerika, das anders sein könnte.

Wir haben kürzlich anläßlich des 50. Jahrestages von Präsident Kennedys Ermordung in zwei Städten in Amerika Mozarts Requiem aufgeführt und dabei eine halbe Stunde Audioausschnitte aus Reden Kennedys vorgespielt. Ich kann Ihnen nur empfehlen, auf unsere Webseite zu gehen und sich das anzuhören. Es waren Reden von Kennedy über die Raumfahrt, das Apolloprogramm, über die Notwendigkeit von Wasserprogrammen, über die unbegrenzte Fähigkeit des Menschen, alle Probleme durch technologischen und wissenschaftlichen Fortschritt zu lösen. Es kommt ein Kulturoptimismus zum Tragen, den die Leute vollkommen vergessen haben, denn dieses letzte halbe Jahrhundert war gekennzeichnet von immer mehr Spekulation, von grüner Ideologie, von Nullwachstum und von einem allgemeinen Absturz. Es wird nur noch gespart, es wird zurückgefahren.

In Asien ist es eine völlig andere Situation. Ich hatte das Glück, 1971 nach China fahren zu können, während der Kulturrevolution, gerade auf dem Höhepunkt. Und das war sehr nützlich. Vielleicht haben Sie in letzter Zeit Bilder von Beijing oder Shanghai gesehen, die endlosen Wolkenkratzer und riesengroßen Gebäude: Damals gab es nichts dergleichen. Auf 100.000 Fahrräder kam ein Auto. Aller Verkehr lief damals mit Rikschas, die von Männern und Frauen gezogen wurden, oder mit Fahrrädern, die total überladen waren. Wie die das transportiert haben, war ein Wunder. Es gab nur ungeteerte Straßen. Ich bin einmal von Tientsin nach Beijing gefahren mit einem Auto, da sind die Hühner nur so rechts und links weggesprungen, die Esel sind zur Seite gehüpft, es war völlig unentwickelt.

Nach 25 Jahren, 1996, bin ich zum ersten Mal wieder nach China gefahren. Es gab eine Wahnsinnsentwicklung. Und gerade jetzt im Februar war ich wegen der Neuen Seitenstraße zwei Wochen lang in Beijing und Schanghai, und ich kann sagen: Das Land entwickelt sich unglaublich.

Natürlich haben sie am Anfang, als China gezwungen wurde, Billigproduktionsstätte für Europa und Amerika zu werden, massive Fehler gemacht. Diese Billigproduktion hatte den Preis, daß sie z.B. bei der Herstellung von Elektronik, Billigelektronik, Autoradios u.a., einfach die Abwässer in die Erde gelassen haben. Dadurch haben sie eine unheimlich starke Grundwasserverschmutzung und jetzt ein Riesensmogproblem. Dieses Problem wollen sie jetzt korrigieren und tun es auch. Trotzdem ist von 1,4 Mrd. Menschen über die Hälfte von einem Zustand völliger Armut auf einen sehr guten Lebensstandard gelangt. Es ist unglaublich. Die Menschen essen gut, sie sind ausgeglichen, sie sind in optimistischer Stimmung.

Das ist mit hier überhaupt nicht vergleichen. Wenn man hier in Deutschland mit den Menschen spricht, dann sagen sie: „Ach, man kann ja doch nichts machen.“ In Griechenland, in Spanien, in Portugal sind sie total verzweifelt, weil ihr Land kaputt geht. In China sagen sie: Wir haben das Land so weit entwickelt, wir werden es weiter entwickeln. Es ist eine total optimistische Herangehensweise. Das gilt auch für die Idee, die Seidenstraße nach Zentralasien weiterzubauen, sie sagen: Wir werden einfach das, was wir jetzt schon in großen Teilen Chinas gemacht haben, nach Zentralasien bringen.

Dann war der chinesische Premierminister Li Keqiang vor 2-3 Monaten in Bukarest und hat sich dort mit 16 Staatschefs aus Ost- und Mitteleuropa getroffen, und sie haben dort gesagt, wir wollen jetzt die Schnellbahn, die man in China gebaut hat, auch in Osteuropa bauen. Die EU ist dazu natürlich nicht in der Lage, also brauchen wir Chinesen, die nach Osteuropa kommen und dort Schnellbahnen bauen.

Ich kann Ihnen versichern, ich bin mit einer chinesischen Schnellbahn von Beijing nach Shanghai gefahren, und die fuhr 305 km/h, aber so glatt, so ruhig, man hat nichts gehört, man hätte ein volles Wasserglas hinstellen können, es wäre nicht ein Tropfen ausgelaufen. Und das alles mit chinesischer Technologie. Dann bin ich auch mit dem Transrapid gefahren, von Shanghai nach Pudong zum Flughafen. Das ist das wunderbare Schnellbahnsystem auf der Basis von Magnetbahnen, was wir in Deutschland nicht in der Lage waren zu bauen, nicht einmal die lächerlichen 30 Kilometer von München zum Flughafen. Das hat China gebaut und es funktioniert phantastisch.

Jetzt war Xi Jinping in Frankreich und in Deutschland und hat mit beiden Ländern umfangreiche Wirtschaftskooperationsverträge gemacht, mit Frankreich insgesamt 25 Mrd. Euro an Kooperation, in Deutschland ein sehr umfangreiches Spektrum, von Autos bis zu allen möglichen anderen Bereichen. Aber vielleicht noch wichtiger ist der strategische Partnerschaftsvertrag, der besagt, daß sie ab sofort auch bei Sicherheitsfragen, bei der Konfliktlösung - in der Ukraine, Syrien, Iran und in anderen Krisenherden - zusammenarbeiten wollen. Das ist wirklich sehr gut, denn Deutschland hat einen Export von 70 Mrd. und fast genauso viel Import. Das ist ein großer Faktor.

Und China ist nicht expansionistisch. Sie haben viel Wert darauf gelegt, daß die Länder in Zentralasien, mit denen sie diese Seidenstraße bauen wollen, nicht das Gefühl haben, daß China sie überrumpelt, sondern daß die souveräne Entscheidung der Länder zum Tragen kommt.

Das ist der Beginn. Die Frage ist: Wie können wir aus einer Situation herauskommen, wo die Menschheit am Rande der Selbstauslöschung steht? Denn wenn es zu einem Atomkrieg kommt, dann bleibt niemand übrig. Wir haben einen Film produziert, wie ein Atomkrieg ablaufen würde, um die Leute wachzurütteln - daß wir im Zeitalter von Atomwaffen nie mehr Krieg als Lösung annehmen dürfen, und auch keine Eskalation, weil es das Spiel mit dem kollektiven Selbstmord ist.

Der Kasinowirtschaft ein Ende setzen

Deshalb müssen wir jetzt unbedingt in die nächste Phase der Evolution der Menschheit eintreten, und zwar ganz bewußt. Wir müssen die Idee der Konfrontation ersetzen durch die gemeinsamen Ziele der Menschheit.
Natürlich ist das wichtigste, daß wir diesen Kollaps des transatlantischen Finanzsystems überwinden, und da ist unsere Idee, daß wir die Kasinoökonomie ein für allemal beenden müssen. Wir wollen deshalb durch ein Trennbankensystem in der Tradition von Franklin D. Roosevelt, also ein Glass-Steagall-Gesetz, einfach die Geschäftsbanken und die Investmentbanken trennen. Das bedeutet: keine Steuergelder mehr für Zocker, und kein Zugriff der Investmentbanker auf die Konten der Geschäftsbanken und Sparkassen. Wenn man diese Trennungslinie zieht und verhindert, daß es weiterhin Liquiditätspumpen für diese Zockerschulden gibt, dann müssen diese Banken aller Voraussicht nach Insolvenz anmelden und schließen. Das ist gut. Wir wollen die Wall Street schließen, und die City of London ebenso.
Als nächsten Schritt müssen wir dann anstelle des jetzigen monetären Systems ein Kreditsystem schaffen, d.h. wir müssen die Rolle des Geldes, das ein Popanz geworden ist, ändern. Papst Franziskus hat neulich gesagt, daß wir in einem Wirtschaftssystem leben, das tötet, wo das 6. Gebot „Du darfst nicht töten“ auch auf die Wirtschaft anzuwenden ist - auf eine Wirtschaftspolitik, die die Leute umbringt.
Dieses Wirtschaftssystem muß ersetzt werden, und die Rolle des Geldes muß reduziert werden, denn dieses neue goldene Kalb, um das die Leute herumtanzen, das muß ein für alle Mal in den Zoo hinter Gittern, nur noch als Museumsstück. Das muß eingeschmolzen werden, das muß wirklich beendet werden. Deshalb ist die Idee eines Kreditsystems der nächste Schritt.
Die Neue Seidenstraße, die Nordamerikanische Wasser- und Strom-Allianz zur Bewässerung von Nordamerika, der Bau des Tunnels unter der Beringstraße, die verschiedenen Projekte der Eurasischen Landbrücke - das sind ja nicht nur Transportlinien, sondern z.B. auch Wasserprojekte. Wir wollen die Wüsten begrünen, wir wollen Flußsysteme umlenken. Z.B. würden die beiden sibirischen Flüsse Ob und Irtysch nicht ungenutzt in das Arktische Meer abfließen, sondern man pumpt einen Teil des Wassers durch eine Pumpstation hoch und es fließt dann in die entgegengesetzte Richtung in den Aralsee. Damit wird ganz Zentralasien bewässert.
Dann haben wir die Idee der Nutzung von Grundwasserschichten, um die gesamte Region von der atlantischen Küste Afrikas über die Sahelzone und die Sahara bis zur Arabischen Halbinsel und vom Iran bis nach China zu begrünen. Das ist ein großer Wüstenstreifen, der bewässert werden muß, auch durch die friedliche Nutzung der Kernenergie, Entsalzung von großen Mengen Meerwasser.

Terrorismus und Drogen besiegen

Diese ganze Region vom Kaukasus bis zum Golf, von Afghanistan bis zum Mittelmeer ist heute zerrüttet durch Terrorismus, Al Kaida, Al Nusra, Drogenproduktion. Diese ganze Region müssen wir als Teil der Eurasischen Landbrücke wirtschaftlich entwickeln und damit einen positiven Anreiz schaffen für die Menschen, die jetzt Terroristen sind und das vielleicht nur, weil sie damit Geld verdienen. Wir müssen einen Anreiz schaffen, daß das eine wirkliche Entwicklung wird.

Gerade hat dazu in Moskau eine Konferenz stattgefunden. Der Wahnsinn war ja, daß bei dem letzten G8-Gipfel Rußland rausgeworfen wurde und damit der geplante G8-Gipfel in Sotschi nicht stattfinden wird. Das ist sehr bezeichnend. Was Rußland bei diesem Gipfel in Sotschi auf die Tagesordnung bringen wollte, war ein Plan des russischen Drogenzaren Viktor Iwanow, der genau dieses Programm für Afghanistan vorschlagen wollte, daß nämlich alle Nachbarn bei der wirtschaftlichen Entwicklung Afghanistans zusammenarbeiten, um wirtschaftlich Afghanistan zu entwickeln und durch eine Elektrifizierung zu industrialisieren. Also nicht durch „angepaßte Technologien“, sondern so, wie Rußland unter Lenin und Stalin elektrifiziert wurde oder wie z.B. Roosevelt durch die Tennessee Valley Authority in den 30er Jahren große Teile Amerikas durch eine Elektrifizierung industrialisiert hat: Das soll man in Afghanistan machen. Also wirkliche wirtschaftliche Entwicklung, wirklicher wirtschaftlicher Aufbau, um damit einen Anreiz für den Frieden zu schaffen: Das wollte Rußland auf dem G8-Gipfel in Sotschi vorschlagen.

Dadurch, daß er jetzt Rußland aus der G8 hinausgeworfen hat, hat der Westen auch diese Kooperation aufgekündigt und sagt, wir arbeiten in allen diesen Punkten nicht mehr mit Rußland zusammen. Wenn man weiß, daß sich der Heroinanbau in Afghanistan in den 13 Jahren, seit die NATO dort ist, vierzigmal vergrößert hat - und es ist bekannt, daß diese Drogengelder nicht nur zur Finanzierung von Terrorismus benutzt werden, sondern auch eine wichtige Quelle waren, die seit dem Ausbruch der Finanzkrise das marode Bankensystem weiter mit Liquidität versorgt hat -, dann ist auch klar, warum gewisse Kreise diese Kooperation überhaupt nicht wollen.

Aber es hat trotzdem in Moskau am 25. März eine sehr wichtige Konferenz stattgefunden, mit über 100 Experten aus 27 Ländern, die genau das beschlossen haben - daß diese Pest des internationalen Drogenanbaus und damit der Finanzierungsquelle für Terrorismus bekämpft werden muß. Und wir schlagen vor, und dafür müssen wir auch kämpfen, daß z.B. Deutschland dabei mitmacht. Deutschland könnte eine ganz wichtige Rolle spielen bei der Industrialisierung nicht nur von Afghanistan, sondern auch der ganzen Region.

Wir haben eine unglaubliche Chance. Wir haben alle nötigen Voraussetzungen. Wir haben eine Zukunftsperspektive, wir können innerhalb von wenigen Jahrzehnten die Welt transformieren, z.B. Afrika entwickeln als gemeinsame Mission von unabhängigen, souveränen europäischen Staaten. Wir brauchen keine EU-Bürokratie, die nur dafür sorgt, daß die Küstenwachen verstärkt werden, damit die afrikanischen Flüchtlinge nicht über das Mittelmeer herkommen, sondern wir sollten dieses Geld lieber benutzen, um Afrika zu entwickeln. Die Menschen, die jetzt vor Hunger und Krieg zu fliehen versuchen, die würden wesentlich lieber in Afrika bleiben, wenn es dort neue Städte gäbe, neue Landwirtschaft, neue Straßen - überhaupt eine Perspektive.

Wir können doch nicht immer denken, wir könnten um Europa einen Limes ziehen! Es ist für uns eine moralische Aufgabe, daß Europa gemeinsam den afrikanischen Kontinent entwickelt, daß wir mit den afrikanischen Staaten so zusammenarbeiten, daß sie in fünf oder zehn Jahren diese Armut überwunden haben und dann anfangen können, eine Entwicklung auf dem ganzen Kontinent zu machen, der in einigen Jahren einen vergleichbaren Lebensstandard für Afrikaner erzeugt wie den, den wir heute haben.

Das ist etwas, was wir sehr wohl machen können. Die Idee, daß Afrika für immer rückständig bleiben soll, ist nicht akzeptabel! Die Eurasische Landbrücke oder Neue Seidenstraße ist nicht nur ein Konzept für Eurasien oder für Europa, sonder es ist vor allem auch ein Konzept, wie wir die gesamte Welt in einen menschenwürdigen Zustand verwandeln.

Wir sind heute an einem Punkt, wo wir die nächste Stufe der Evolution bewußt anfangen müssen - daß wir z.B. die Idee der Konfliktlösung durch Kriege für immer ad acta legen. Es gibt kein Problem, das man nicht durch Verhandlung, durch Diplomatie lösen kann.

Wir brauchen eine Perspektive

Wir brauchen vor allem eine Perspektive für die Gestaltung der Zukunft. Die menschliche Gattung hat sich in kürzester Zeit entwickelt, von Jägern und Sammlern. Wir waren vor 10.000 Jahren Jäger und Sammler, die, wenn wir auf der Stufe geblieben wären, irgendwann ausgestorben wären, weil wir irgendwann alle Bären und Kaninchen verspeist hätten, und dann wäre es zu einem Zusammenbruch gekommen. Aber das ist eben nicht passiert, weil der Mensch das einzige Lebewesen ist, das kognitive Fähigkeiten hat und immer wieder durch neue technische und wissenschaftliche Erkenntnisse die Lebensgrundlagen der Menschen verbessern kann.

Der nächste Schritt war die Entwicklung der Landwirtschaft, die Domestizierung von Tieren als Vieh, die Entwicklung von fossilen Energieträgern, die Entwicklung der Dampfmaschine, die Entwicklung immer höherer Energieflußdichten, die eine höhere Bevölkerungszahl ermöglicht haben, eine längere Lebenserwartung und einen höheren Lebensstandard.

Es gibt keinen Grund, warum der Mensch nicht auf diesem Weg fortschreiten kann, denn die Frage des Lebens oder die Identität des Lebens ist das Entwicklungsgesetz des Universums. Dieses Gesetz entwickelt sich antientropisch, und nicht in einem geschlossenen System, wie die Grünen behaupten. Unsere Erde ist ein kleiner Planet in einem großen Sonnensystem in einer noch größeren Galaxie, die auch nur eine von mehreren Milliarden Galaxien ist. Die Entwicklungsgesetze dieses Universums, das, was die Inder „kosmische Ordnung“ nennen, das müssen wir zur Grundlage des Handelns in der Politik und Wirtschaftspolitik machen.

Das ist das, was Nikolaus von Kues schon im 15. Jahrhundert gesagt hat: Es gibt eine Koinzidenz von Makrokosmos und Mikrokosmos. Der Beweis ist sehr einfach. Eine kreative Idee über ein Prinzip des Universums, die ein Mensch entwickelt, die kann man nicht wiegen, die kann man nicht messen, die ist immateriell, aber sie hat trotzdem, wenn sie richtig ist, die Kraft, das physische Universum zu verändern - z.B. zum Mars zu fliegen mit der Curiosity oder mit dem Mondhasen auf den Mond wie die Chinesen, die jetzt vorhaben, das Helium-3 auf dem Mond abzubauen für die zukünftige Kernfusionsenergie hier auf der Erde.

Wenn wir das schaffen, wenn wir die Kernfusion jetzt als Crashprogramm entwickeln, die wir dann in vielleicht zehn Jahren als Energiequelle haben können - eine Energiequelle, die unbegrenzt ist, die inhärent sicher ist, indem wir lernen, die Prozesse der Fusion von Atomkernen, die auf der Sonne stattfinden, auf der Erde nutzbar zu machen -, dann haben wir das Energieproblem für wahrscheinlich Zehntausende von Jahren gelöst. Und wir haben das Rohstoffproblem gelöst, weil wir dann allen Abfall einschließlich des radioaktiven Abfalls in Isotopen verwandeln und zu neuen Rohstoffen zusammenbauen können.

Und wir können damit anfangen, das Zeitalter der Menschheit zu überwinden, in dem die Menschheit noch unterteilt war in ein paar Privilegierte, die ihren Geist entwickeln konnten, während die Masse der Bevölkerung rückständig und dumm blieb. Und wir können durch ein allgemeines humanistisches Erziehungskonzept das kreative Potential, das in jedem Menschen angelegt ist, auch entwickeln.

Meiner Meinung nach sind wir erst in der Embryonalphase der Menschheit. Wir sind als Gattung vielleicht gerade einmal in den Geburtswehen, wir sind noch nicht das, das wir potentiell sein können. Wir müssen jedem Kind auf diesem Planeten ein vernünftiges Elternhaus ermöglichen, eine Erziehung, die nach Humboldtschen Kriterien alle Fähigkeiten entwickelt, die in den Kindern angelegt sind: Jedes Kind kann singen lernen, kann ein Musikinstrument lernen, kann lernen, naturwissenschaftliche Experimente zu machen, es hat Freude an der Schöpferkraft, weil es das im Spiel und in der Schule automatisch mitbekommt. Diese Kinder werden nicht kaputt sein, Drogen nehmen, sie werden sich nicht gegenseitig die Köpfe einhauen oder Pornos drehen, wie es heute leider sehr verbreitet ist, sondern wir können eine Renaissance machen, eine Renaissance, die die Menschheit voranbringen wird.

Es wird nie wieder einen zweiten Schiller geben oder einen zweiten Beethoven, aber die Freiheitsgrade im Bereich des Genies sind unendlich. Wir haben wahrscheinlich noch nicht einmal eine Ahnung, was alles möglich sein wird, wenn sich die Menschen entwickeln. Das kostbarste Gut, das wir auf der Welt haben, sind Menschen. Jeder Mensch, der neu geboren wird, könnte wie Beethoven werden. Kein nächster Beethoven, sondern ein neues Genie, das vollkommen Neues schaffen kann. Je mehr solche Menschen es gibt, desto besser.

Wenn dieses neue Paradigma wirklich von den Kriterien von Naturwissenschaft, von klassischer Kunst, d.h. von nachvollziehbaren universellen Prinzipien bestimmt wird, dann wird auch das zwischenmenschliche Zusammenleben überhaupt völlig anders werden.

Schiller war Ende des 18. Jahrhunderts überzeugt, daß das Zeitalter der Vernunft angebrochen wäre; bis 1789 war er davon überzeugt. Ich habe lange Zeit gedacht, vielleicht war er zu optimistisch. Irgendwann ist mir der Grund klargeworden, warum das damals nicht klappen konnte: Es war vor der industriellen Revolution. Man konnte damals das Zeitalter der Vernunft gar nicht aufbauen.

Erst mit den wissenschaftlichen und technischen Erfindungen, durch das Werk von Leuten wie Einstein, Wernadskij, Planck, und indem wir jetzt tatsächlich mit höheren Energieflußdichten menschenwürdige Bedingungen für alle Menschen auf diesem Planeten schaffen können - nur dann ist das Zeitalter der Vernunft denkbar. Das ist die einzige Form, die der Menschenwürde angemessen ist.

Und ich hoffe, daß jetzt durch den Anblick der totalen Katastrophe, die eintreten könnte, mit einer Entwicklung zum Krieg und einem Kollaps, genügend Menschen wach werden, und daß durch diesen Anblick des potentiellen Chaos und der Katastrophe die Energien freigesetzt werden, sich für eine menschlichere Zukunft einzusetzen.

Denn wir haben in Deutschland Schätze, die uns dankenswerterweise vom chinesischen Staatspräsidenten in Erinnerung gerufen worden sind - nämlich Musik von Bach über Beethoven bis zu Schumann und Dichter wie Lessing und Schiller und Heine -, und die Chinesen erinnern uns gewissermaßen daran, was wir alles hier für Schätze haben und daß wir sie einfach nur einbringen müssen. Dann können wir eine menschlichere Zukunft bauen.

AKTUELLES ZUM THEMA

VIDEOS ZUM THEMA

EMPFEHLUNGEN

5. September 2013 •
23:58

Min

18. März 2017 •

Artikel von Zepp-LaRouche

28. November 2016 •

Artikel von Zepp-LaRouche