Die Lunte zum Dritten Weltkrieg brennt! Der Kriegsgrund muß beseitigt werden!
26. November 2011 •

Von Helga Zepp-LaRouche

„Meine Herren, es kann ein siebenjähriger, es kann ein dreißigjähriger Krieg werden - und wehe dem, der zuerst die Lunte in das Pulverfaß schleudert!“, warnte Generalstabschef Graf von Moltke d. Ä. in seiner letzten Reichstagsrede, die er als fast 90jähriger am 14. Mai 1890 hielt, kurze Zeit, nachdem Bismarck als Reichskanzler entlassen worden war. Er sollte Recht behalten: es kam zu einem neuen Weltkrieg, wie es der siebenjährige Krieg gewesen war, dem sogenannten Ersten Weltkrieg. Wäre von Moltke heute am Leben, er würde vermutlich angesichts der Zuspitzung in Südwestasien die gleiche Warnung mit einer Variante aussprechen: „Wehe uns allen, wenn dieses Pulverfaß hochgeht!“

Die Vorbereitung für eine militärische Intervention gegen Syrien und einen Präventivschlag gegen den Iran sind so weit fortgeschritten, daß es dazu kommen könnte, noch bevor diese Zeilen den Leser erreichen. Die US-Administration hat ihre Bürger aufgefordert, Syrien zu verlassen, den dortigen Botschafter abberufen und den Flugzeugträger George H.W. Bush (CVN 77) von der Straße von Hormus in das östliche Mittelmeer in die Nähe von Syrien verlegt.

Offiziell sagt die US-Navy, es solle bloß „eine Pause auf dem Heimweg in die USA“ eingelegt werden. Die USA und Großbritannien haben weiterhin offiziell erklärt, sich nicht länger an die Abmachungen des „Vertrags über konventionelle Streitkräfte in Europa“ (KSE) zu halten, mit dem Argument, daß Rußland sich nicht an diesen Vertrag halte. Das heißt, daß die USA und Großbritannien Rußland nicht mehr über Pläne für Truppenverlegungen informieren werden. Rußland hatte den KSE, der ursprünglich 1990 unterzeichnet und 1999 erneuert worden war, 2007 nach der Ankündigung der USA für die Errichtung von Raketenabwehrsystemen in Osteuropa entlang der russischen Grenze suspendiert. Kein NATO-Staat hatte den KSE zuvor jemals ratifiziert.

Anatoli Tsyganok, der Direktor des Zentrums für militärische Prognosen, erklärte gegenüber Pravda.Ru, dies bedeute in der Konsequenz, daß die USA fortan ihre Truppen überall stationieren können, ohne Rußland darüber Mitteilung zu machen - also in den baltischen Staaten, Polen, Tschechien oder Ungarn. Ohnehin würde ein Abkommen aus der Zeit der deutschen Wiedervereinigung, daß die NATO die Oder nicht überschreiten würde, völlig ignoriert. Die jüngste KSE-Entscheidung stünde aber offensichtlich mit Entwicklungen im Mittelmeer im Zusammenhang und der Absicht der NATO, südlich der Grenzen Rußlands eine militärische Gruppe aufzubauen, um von dort aus einen Militärschlag gegen Syrien auszuführen.

„Neuer Krieg beinahe unvermeidlich“

Was verbirgt sich hinter dieser dramatischen Eskalation, geht es hier wirklich um die angebliche Repression des „Diktator“ Baschar Assad gegen die „Rebellen“?

Der prominente russische Fernseh-Journalist, Maxim Schewtschenko, der auch dem Regierungs-Gremium „Public Chamber“ angehört, veröffentlichte soeben in dem Nachrichtendienst Novy Region einen Artikel mit der Überschrift „Ein neuer Krieg ist beinahe unvermeidlich“. Die Ankündigung von Präsident Medwedjew, daß Rußland gegebenenfalls seine Kurzstreckenraketen der Iskander-Klasse in der Region von Kaliningrad gegen die von den USA geplanten Raketenabwehrsysteme in Osteuropa richten wird, falls es zu keiner Verständigung kommen wird, zusammen mit dem Ultimatum der Arabischen Liga gegen Syrien, seien das Grollen des herannahenden Donners eines Dritten Weltkrieges. Die Ernsthaftigkeit der Befehle des obersten Kommandanten der russischen Streitkräfte lasse keinen Zweifel, daß der Krieg so gut wie unvermeidbar ist, und „wir haben die Pflicht, darauf vorbereitet zu sein“.

Die Entsendung von drei russischen Kriegsschiffen in die Gewässer Syriens müsse in diesem Zusammenhang gesehen werden, was zwar einen NATO-Schlag gegen Syrien nicht verhindern, ihn aber weniger wahrscheinlich machen könne. Es sei eine Sache, gegen das wehrlose Syrien zu Felde zu ziehen, eine andere aber, es mit Radar ausgestatteten russischen Schiffen zu tun zu haben, die Daten über herannahende NATO-Flugzeuge und -raketen weitergeben können. Man habe verstanden, daß die Bedrohung der Russischen Föderation gelte, und daß diese Bedrohung von der NATO komme, und nicht vom Iran oder Nordkorea.

Seitdem die Debatte um einen israelischen Präventivschlag gegen die iranischen Atomanlangen und den kontroversen Bericht der IAEA um ein angebliches Nuklearwaffenprogramm ausgebrochen ist und Lyndon LaRouche ihn in den Zusammenhang eines drohenden Dritten Weltkrieges gestellt hat, kam es in vielen Ländern der Welt zu massiven Gegenreaktionen. In den USA selbst machten aktive Militärs und solche im Ruhestand deutlich, daß sie einen solchen Krieg für ungewinnbar und gegen die fundamentalen Interessen der USA gerichtet halten.

Die Militärs von Rußland und China, das im Übrigen sehr scharf auf die Führungsansprüche Präsident Obamas in Asien reagierte, beschlossen, keinen Zweifel daran zu lassen, daß sie einem Angriff auf Syrien und den Iran nicht tatenlos zusehen würden, sondern begannen mit einer äußerst ernst gemeinten Mobilisierung, diese Angriffe zu blockieren. Denn sowohl Rußland wie auch China haben verstanden, daß es überhaupt nicht um Syrien und Iran geht, sondern um sie selbst, und daß eine Kapitulation gegenüber amerikanischen, britischen oder NATO-Angriffen auf diese beiden Staaten zu einer Eskalation von Kriegshandlungen führen würde, bei denen Atomwaffen eingesetzt und ihr eigener Untergang herbeigeführt würde.

Genau um diese Wahnsinns-Dynamik zu blockieren, machten Präsident Medwedjew und Generalstabschef Makarow, der von der Gefahr eines regionalen Krieges sprach, in den Rußland hineingezogen werden und der sich zu einem großen Krieg ausweiten könnte, deutlich, daß es um nicht weniger als einen thermonuklearen globalen Krieg geht.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow verdeutlichte während seiner jüngsten Reise nach Moldawien, daß die russische Führung den Grund für die Eskalation in Südwestasien in dem Versuch bestimmter westlicher Kreise sieht, die neuen Zentren eines starken wirtschaftlichen Wachstums in der Asien-Pazifik-Region zu behindern und den eigenen Einflußverlust durch verantwortungslose und provokative Aktionen zu kompensieren.

Es könnte nicht klarer sein: Rußland, China und viele andere haben verstanden, daß das gescheiterte System der Globalisierung auf seinen Machtverlust auf die gleiche Weise zu reagieren versucht, wie Imperien schon so oft in der Geschichte reagiert haben: mit Krieg.

Das Modell für den drohenden Dritten Weltkrieg ist dabei der Siebenjährige Krieg, der von 1756 bis 1763 in Europa, Nordamerika, der Karibik, Indien und auf allen Meeren ausgetragen wurde und insofern der erste wirkliche Weltkrieg war, an dessen Ende sich das Britische Empire als die größte Kolonialmacht der Geschichte konsolidierte. Die Methode - Nationen zum eigenen Vorteil gegeneinander aufzuhetzen und sich aufreiben zu lassen, immer nach dem Motto „teile und herrsche“ durch irreguläre Kriegsführung potentielle Kriegsparteien gegeneinander aufzubringen und durch die langfristig vorbereitete Platzierung von Einflußagenten scheinbar objektive Ereignisse zu orchestrieren, durch die Kontrolle der Finanzmärkte und die Finanzierung von Rebellen, die dann durch „humanitäre Interventionen gerettet werden müssen, durch private Söldnerarmeen  - diese Methode gehört seitdem zum besonderen Repertoire des Britischen Empire. Und dieses Empire ist im Gegensatz zu den Ansichten der Ignoranten der Gegenwartspolitik keineswegs untergegangen, sondern existiert in der Form dessen fort, was allgemein als „Globalisierung“ bezeichnet wird.

Das war der Zusammenhang, den der weitsichtige General von Moltke in der Dynamik erkannte, die sich als Vorgeschichte zum offiziell Ersten Weltkrieg erweisen sollte und der auch für den Zweiten Weltkrieg galt, in dem die gegenseitige Aufreibung Deutschlands und Rußlands eine intendierte Wirkung derjenigen war, die Hitlers Aufstieg mitfinanziert hatten. Und dies ist der Zusammenhang heute, bei dem es offenbar Kräfte gibt, die eher die mögliche Auslöschung der menschlichen Zivilisation riskieren, als hinzunehmen, daß sich die asiatischen Mächte dynamisch entwickeln, während die transatlantische Region im Chaos versinkt.

Letzte Option - Gelddrucken?

Den USA bleibt innerhalb des gegenwärtigen kollabierenden Systems nichts als das sogenannte „quantitatve easing“, sprich Geld drucken. Und genau das gleiche, buchstäblich in grün, ist die Rezeptur, die die Europa-Befürworter von Barroso, van Rompuy, Monti bis Schäuble und Fischer als letzte Option auf die Tagesordnung bringen wollen. Die EZB soll zum Kreditgeber der letzten Instanz werden, also zur Bad Bank, und Geld drucken, und Eurobonds sollen die EU vollends in eine Transferunion verwandeln, in der das Ersparte der Deutschen großzügig transferiert wird, um die Banken und Spekulanten zu retten. Wenn auf diesem Weg fortgeschritten wird, ist Hyperinflation und ein Absturz ins Chaos vorprogrammiert - ergo, lieber einen Krieg inszenieren, der die Koalition der Willigen und nicht so Willigen wieder unter Kontrolle bringt.

Die USA werden dafür sorgen müssen, daß der Friedensnobelpreisträger, der gegenwärtig im Weißen Haus sitzt, für seine Verletzungen der Verfassung durch ein Amtsenthebungsverfahren aus dem Amt entfernt wird, ehe es zu spät ist. In Europa ist es allerhöchste Zeit, zuzugeben, daß das Euro-Experiment gescheitert ist, weil es scheitern mußte. Was sich bis jetzt allerdings abzeichnet - ein stark integriertes Kerneuropa mit einem losen Europa zweiter Klasse, veränderten EU-Verträgen, die wiederum nur mit Tricks hinter dem Rücken der Bevölkerung dahingeschummelt werden - das alles wird die Katastrophe nicht aufhalten.

Es gibt nur einen einzigen ehrlichen und machbaren Weg: die Vorstellung, die Welt bis in alle Zukunft als Empire regieren zu wollen, sei es in der Form der Globalisierung, die nur der Profit- und Machtmaximierung einer kleinen oligarchischen Elite dient, sei es in der Form einer EU-Diktatur, die quasi als regionale Unterabteilung dieses Empires fungiert, muß endgültig eliminiert werden.

Es bleibt vielleicht noch eine ganz kleine Frist, rechtzeitig ein globales Trennbankensystem zu verwirklichen und zu einem wirklichen Bündnis souveräner Republiken für eine Friedensordnung für das 21. Jahrhundert zu gelangen. Hoffen wir, daß diese Frist nicht verstrichen ist, wenn Sie diese Zeilen lesen.

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