Kriegsvermeidung in Nordostasien erfordert gemeinsame wirtschaftliche Entwicklung
26. September 2017 • 12:11 Uhr

Trotz der verbalen Eskalation zwischen US-Präsident Trump und Nordkoreas Präsident Kim Jong-un bemühen sich amerikanische, chinesische und russische Diplomaten hinter den Kulissen intensiv darum, Wege hin zum erklärten Ziel einer kernwaffenfreien Koreanischen Halbinsel zu finden. Der UN-Sicherheitsrat beschloß die bisher schärfsten Sanktionen gegen Nordkorea, die China jetzt umsetzt.

Die Außenminister Chinas und Rußlands drangen in ihren UN-Reden beide Seiten auf eine Entschärfung der Rhetorik und auf konstruktive Gespräche. Der frühere US-Botschafter in Korea, Thomas Pickering, hat bestätigt, daß die inoffiziellen Gespräche zwischen Nordkorea und den USA andauern.

US-Außenminister Tillerson betreibt unauffällig ebenfalls eine „Kampagne friedlichen Drucks“, wie er es nennt. In einem CNN-Interview bekräftigte er die „vier Nein“ seiner Regierung: Sie betreibe keinen Regimewechsel, keinen Kollaps des Regimes, keine beschleunigte Wiedervereinigung und suche keinen Grund, Truppen nördlich der Demarkationslinie zu entsenden.

Erfahrene ehemalige Beamte warnen die Regierung Trump, daß ein Krieg eine Katastrophe für Südkorea, die Region und die Welt wäre. Trump selbst versicherte seinem südkoreanischen Amtskollegen Moon Jae-in, keine Militäraktion ohne dessen Zustimmung zu beginnen, und Moon hat erklärt, er werde keinen Krieg zulassen. Mehrere maßgebliche US-Experten, darunter der frühere Geheimdienstchef Admiral Dennis Blair, haben betont, dank ihrer starken Abschreckung könnten die USA auch mit einem nuklear bewaffneten Nordkorea leben, so wie nun bereits seit 20 Jahren.

Aber die anglo-amerikanischen Neokonservativen haben andere Pläne. Dabei ist die eigentliche Bedrohung in ihren Augen nicht Nordkorea, sondern Rußland und China. Solange man behaupten kann, Pjöngjang sei eine direkte Gefahr für die USA und ihre Verbündeten, gibt es einen Vorwand, China mit 60% der nuklear bestückten US-Marinekräfte einzukreisen (wie unter Obamas „Schwenk nach Asien“), Raketenabwehr und starke Radaranlagen (THAAD) in Chinas Nähe zu stationieren und US-Nuklearkräfte in Südkorea zu positionieren. So massive Kräfte werden für eine Eindämmung und Abschreckung Nordkoreas nicht gebraucht, sie richten sich gegen China und Rußland.

Präsident Trump will jedoch mit beiden Mächten wirtschaftlich und politisch zusammenarbeiten. Der Vorschlag Moskaus und Beijings für einen parallelen Stopp der nordkoreanischen Nuklear- und Raketentests und der amerikanisch-südkoreanischen Militärmanöver sowie für gemeinsame wirtschaftliche Entwicklung bietet also eine solide Grundlage für eine Lösung.