Präsident Putin: Russisch-türkische Zusammenarbeit in Syrien sollte mit Botschafter-Mord torpediert werden
20. Dezember 2016 • 16:42 Uhr

Zur gestrigen Ermordung des russischen Botschafters Andrej Karlow in der Türkei sagte Präsident Putin, dieser Anschlag sei „definitiv eine Provokation zu einem Zeitpunkt, an dem die Türkei und Rußland sich entschlossen haben, ihre Beziehungen weiter zu vertiefen und eine Lösung für das Syrienproblem zu suchen. Wir werden die verborgene Seite dieses Vorfalls zusammen mit der Türkei untersuchen.“ Das habe er mit Präsident Erdogan telefonisch vereinbart. „Wir müssen herausfinden, wer wirklich dafür verantwortlich ist.“ Rußland hat eine 18-köpfige Delegation in die Türkei geschickt.

Beim heutigen Treffen der russischen, türkischen und iranischen Außenminister in Moskau sagte der türkische Außenminister Cavusoglu, man werde gemeinsam die Verantwortlichen ausmachen. Die türkische Bevölkerung sei ebenso betroffen und traurig wie die russichen Menschen. Er versprach: „Unsere bilateralen Beziehungen werden nicht unter dem Angriff leiden, der darauf zielte, die russisch-türkischen Beziehungen zu unterminieren.“

Der russische Außenminister Lawrow griff diejenigen an, die behaupteten, der Anschlag sei eine Racheaktion gegen Rußlands Rolle in Syrien gewesen. „Das ist eine provokative, perverse und unakzeptable Logik. Diese Leute versuchen, Terroristen zu beschützen und den Kampf gegen sie zu stoppen. Die Versuche, die Welt glauben zu machen, daß die Unterstützung für die legitime syrische Regierung die Terrorgefahr erhöhe, sind absolut unakzeptabel.“. Er fügte hin: „Wenn die Organisatoren dieser terroristischen Attacke vorhatten, den Kampf gegen Terrorismus und insbesondere unser Treffen (des russischen, iranischen und türkischen Außenminister) zu vereiteln, dann ist das misslungen und daran wird sich auch nichts ändern.“

Die Normalisierung der Beziehungen zwischen der Türkei und Rußland hatte in der letzten Phase des Krieges den schnellen Erfolg der Militäroperationen zur Befreiung Aleppos ermöglichte. Nach der militärischen Befreiung Aleppos begannen Verhandlungen über Syriens militärische und politische Zukunft zwischen Rußland, der Türkei, dem Iran und Kasachstan. Die Präsidenten der vier Länder einigten sich auf eine landesweite Waffenruhe als mittelfristiges Ziel. Am 27.12. will die Gruppe die ersten formellen Gespräche mit syrischen Oppositionsvertretern führen. TASS zufolge haben sich seit 2015 syrische Oppositionsgruppen schon mindestens zweimal in Astana in Kasachstan getroffen.

Präsident Obama hatte bei seiner letzten Pressekonferenz als amtierender Präsident am 16.12. Rußland und Präsident Putin persönlich beschuldigt, mit Cyber-Attacken den amerikanischen Wahlkampf manipuliert zu haben und Vergeltungsmaßnahmen angekündigt – einige davon explizit und öffentlich, andere so, daß Rußland die Urheber erkennen würde. Helga Zepp-LaRouche warnte in ihrem letzten Artikel: „Diese Ankündigung verdeckter Operationen muß Anlass für eine weltweite Alarmbereitschaft sein – welche Art von Operation ist da gemeint, Drohnen-Einsätze, Kollateralschäden aller Art?“

Der künftige US-Präsident Donald Trump verurteilte die Ermordung des türkischen Botschafters scharf. Der Mord sei von einem „Terroristen“ ausgeführt worden und habe „alle Regeln einer zivilisierten Ordnung“ gebrochen. Trump sprach der Familie des ermordeten Diplomaten sein Beileid aus.