Völkermord in Jemen: UN-Hilfsorganisationen warnen vor Verschärfung der Lage
4. Januar 2018 • 12:00 Uhr

Drei Organisationen der Vereinten Nationen - die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Weltnahrungsmittelprogramm (WFP) und das Kinderhilfswerk der UN (UNICEF) - veröffentlichten am 30. Dezember eine gemeinsame Erklärung, in der sie warnen, daß der Jemen infolge des Krieges der von Saudi-Arabien angeführten Koalition immer schneller in einer Katastrophe versinkt.

„Der Konflikt im Jemen hat die schlimmste humanitäre Krise weltweit geschaffen - eine Krise, die das ganze Land erfaßt hat“, schreiben sie in der Erklärung. „Etwa 75% der Bevölkerung des Jemen brauchen humanitäre Hilfe, darunter 11,3 Millionen Kinder, die ohne sie nicht überleben können. Mindestens 60% der Jemeniten haben derzeit keine gesicherte Ernährung, und 16 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser und angemessenen sanitären Anlagen. Viele haben keinen Zugang zu grundlegender Krankenversorgung. Weniger als die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen des Jemen sind voll einsatzbereit, und das medizinische Personal hat seit Monaten keinen Lohn mehr erhalten.

Diese schreckliche Aufzählung der verheerenden Folgen des Konflikts spiegelt nur das wider, was wir wissen. Tatsächlich ist die Lage wahrscheinlich noch viel schlimmer. Die UN-Agenturen haben keinen vollen humanitären Zugang zu einigen der am schlimmsten betroffenen Gemeinden. In vielen können wir nicht einmal den Bedarf erfassen. Aber wir wissen: Der Jemen hat den Punkt überschritten, an dem er von einer Krise in eine immer tieferen Katastrophe abstürzt.“

Es gab in den letzten Tagen Fortschritte bei der Wiedereröffnung des Hafens Hodeidah für die Lieferung von Nahrungsmitteln und Treibstoffen. Aber es herrscht immer noch großer Mangel an Treibstoffen für Kraft- und Wasserwerke. „Sicheres Wasser ist derzeit für mehr als zwei Drittel der Jemeniten, die in äußerster Armut leben, völlig unerschwinglich. All dies droht die Bemühungen zu untergraben, den derzeit laufenden Ausbruch von Diphterie, Cholera und akutem wäßrigem Durchfall einzudämmen.“

Wer im Jemen an Cholera erkranke, habe eine fast 100%ige Chance, zu überleben - vorausgesetzt, er oder sie hat Zugang zu funktionierender Krankenversorgung. „Aber die sich verschlimmernde Lage vor Ort droht unsere Reaktionskapazitäten zu überwältigen. Wenn wir keinen größeren Zugang erhalten und die Gewalt nicht nachläßt, sind die Verluste an Menschenleben nicht vorherzusehen. Deshalb appellieren wir erneut an die Parteien des Konflikts im Jemen, sofort umfassenden humanitären Zugang zu gewähren und die Kämpfe einzustellen.“