Wall Street Journal: „Mit Chinas Seidenstraßenprojekt den islamischen Extremismus bekämpfen“
4. Dezember 2015 • 09:30 Uhr

Ein faszinierender Artikel von Andrew Browne im Wall Street Journal vom 1. Dezember mit dem Titel „Kann Beijing die Seidenstraße als Marshallplan gegen den Terror verkaufen?“ fordert die USA auf, sich Chinas Politik der Neuen Seidenstraße anzuschließen – als notwendigem Mittel, um der islamischen Welt Entwicklung zu bieten, und als einzigen Weg, der Region Frieden zu bringen.

„Nach dem Pariser Massaker“ schreibt Browne, „ist eine Frage, die es zu stellen wert ist, ob China den Westen dazu bewegen kann, mit ihm an einem Netzwerk von Schnellstraßen, Eisenbahnen, Kraftwerken und Industrieparks zu arbeiten, das sich bis nach Europa erstreckt. Der Wirtschaftsgürtel der Seidenstraße ist der bedeutendste Wirtschaftsvorschlag, den ein Land vorgelegt hat, um chaotische Teile der Welt zu stabilisieren. Noch dazu steht bares Geld dahinter: China stellt seine 3,5 Billionen Dollar an Devisenreserven hinter die Bemühungen, in den islamischen Gebieten das Wachstum anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen […].

Es geht um eine ungeheuer ehrgeizige chinesische Initiative, die entscheidend ist für Beijings Bemühungen, seine verwundbare Westflanke zu sichern. Das Projekt ist mit einem nicht weniger umfassenden Konzept verbunden, der Maritimen Seidenstraße, die eine ähnlich transformierende wirtschaftliche Wirkung entlang der Seewege von China nach Europa über Südostasien, den Mittleren Osten und Afrika haben soll […].

Fast jeder wird zustimmen, daß das Bombardieren des Islamischen Staats die zugrundeliegenden Probleme, die die mörderischen Fanatiker ausbrüten, nicht beheben wird. Hier wartet nun China mit einem entscheidenden fehlenden Element, einem Plan auf, den manche mit den amerikanischen Bemühungen nach dem Zweiten Weltkrieg zum Wiederaufbau der zerstörten Volkswirtschaften in Europa und Japan vergleichen. William H. Overholt, Forschungsleiter am Asien-Center der Harvard-Universität, schreibt, daß Chinas Seidenstraßen-Initiative, ähnlich wie Amerikas visionäres Programm, nicht allein wegen ihres geographischen Umfangs beeindruckend ist, sondern auch, weil sie die wirtschaftlichen, politischen und nationalen Sicherheits-Überlegungen zusammenführt […].

Die Beseitigung der wirtschaftlichen Verzweiflung, die den islamischen Extremismus nährt, ist eine Vision, die China und die USA ganz natürlich zusammenführen sollte: der Terrorismus ist für beide gleichermaßen eine Herausforderung, ebenso wie der Klimawandel oder Seuchen, wo man bereits gut zusammenarbeitet. Und anders als in Ostasien, wo die strategischen Interessen der Amerikaner und der Chinesen kollidieren, stimmen sie in der Islamischen Welt weitgehend überein.

Xinjiang könnte der Ort werden, wo Chinas innere Sicherheit zerbricht. Oder es könnte zum Ausgangspunkt einer globalen Anstrengung werden, der Anziehungskraft der islamischen Todeskulte zu begegnen. Aber dafür muß China den Westen vom Wert seines Seidenstraßenplans überzeugen.“