Helga Zepp-LaRouche: Gretchenfrage an Kanzlerin Merkel - wie hält sie es mit der Kasinowirtschaft?

von Helga Zepp-LaRouche

Wir befinden uns in Deutschland in einem dramatischen Dilemma: 85% der Bürger sind in Sorge, daß Deutschland in dieser existentiellen Krise ohne wirkliche Führung dasteht, und fordern laut ARD-Deutschland-Trend, daß Bundeskanzlerin Merkel die politische Richtung der Bundesregierung klarer vorgeben müsse. Was aber diese Richtung sein soll, darüber gibt es keine sachkundige Debatte. Es gibt keine Ursachenanalyse über die Gründe für die Krise und demzufolge auch keine adäquate Korrektur der Fehler, und Frau Merkel ist umgeben von Brotgelehrten und Ideologen, denen ihr selbstgezimmertes Gedankengebäude tausendmal lieber ist als die Wahrheit. 72% sind deshalb mit der Regierung unzufrieden, die damit inzwischen fast genauso schlecht dasteht wie die Obama-Administration.

Die absolute Schlüsselfrage für diesen Popularitätsverlust ist in beiden Fällen dieselbe: Der Bevölkerung reicht es, mit ansehen zu müssen, daß den Bankern und Spekulanten anscheinend ohne Ende die Steuergelder hinterhergeworfen werden, während der Lebensstandard für den größeren Teil der Menschen an allen Ecken und Enden gesenkt wird. Und aller künstlich hochgekochten Griechen-Schelte zum Trotz ahnen die meisten, daß es eigentlich nicht um die Korruption in Griechenland geht (so was gibt es in Deutschland ja überhaupt nicht!), sondern in Wirklichkeit darum, das System der Kasino-Wirtschaft zu behalten.

Seit nunmehr 31 Monaten eskaliert die Systemkrise, enorme industrielle Kapazitäten sind zerstört, enorme Beträge an Steuergeldern wurden zur „Rettung" der Banken bzw. des Giftmülls in dieses System gepumpt, und trotzdem wächst die Liste der Staaten, die vor der Pleite stehen, sowie der Banken, bei denen sie verschuldet sind.

Wenn die Kasinowirtschaft zu Lasten der Bevölkerung nicht sehr bald durch die Einführung des Glass-Steagall-Standards und der Ablösung des monetären Systems durch ein Kreditsystem beendet wird, dann werden die Streiks und Unruhen, die wir jetzt in Griechenland sehen, sich bald überall auf der Welt ausbreiten. Wir stehen vor einem Absturz der Zivilisation.

Die „Ökonomen", die von den Globalisierungsmedien zitiert werden, tun das ihre, diesen Prozeß noch zu beschleunigen. So schlug Professor Un-Sinn vom IFO-Institut nun der griechischen Regierung vor, die Euro-Zone freiwillig zu verlassen, weil ein Verbleiben Griechenlands den Euro destabilisiere. Das Land solle sich dann an den IWF wenden (der berüchtigt ist für seine drakonischen Konditionalitäten). Was ist von der Kompetenz dieses Vorschlags oder des Professors zu halten? Nichts. Denn außer Griechenland sind auch noch Spanien, Portugal, Irland, Italien innerhalb der Euro-Zone und eine ganze Reihe von Staaten außerhalb pleite - und noch sehr viel mehr, allen voran Großbritannien und die USA. Das Einprügeln auf die Griechen soll nur den Blick dafür vernebeln, daß die für Griechenland geforderte brutale Sparpolitik für alle im Giftschrank der Regierungen bereitsteht.

Eine der aufschlußreichsten Einsichten in die Kompetenz von Professor Un-Sinn bietet sein Artikel vom 8. Februar in der Wirtschaftswoche, mit dem er auf die von Präsident Obama erlassene „Volcker-Regel" reagierte. So nennt man die von Ex-Federal-Reserve-Chef Paul Volcker vorgeschlagene, halbherzige Reform, die den Eigenhandel der Banken etwas erschwert, aber den Namen „Glass-Steagall II" völlig unverdient erhalten hatte. Trotzdem befand Professor Un-Sinn, dies sei „keine gute Idee"; so lautete jedenfalls der Titel seines Artikels. „Der Plan der US-Regierung, das Investmentbanking von den Geschäftsbanken zu trennen, erhöht die Krisenanfälligkeit des Bankensystems, sagt Hans-Werner Sinn", heißt es im Vorspann. !??? Aber es kommt noch besser: daß nach der Aufhebung des Glass Steagall Act 1999 sich einige Geschäftsbanken „zaghaft" im Investmentbanking versucht hätten und hierin eine Ursache der Finanzkrise läge, davon könne nicht die Rede sein. Eher habe dieses System, also Glass-Steagall, selbst die Krise verstärkt. Die Krise sei bekanntlich (!) dadurch ausgelöst worden, daß Lehman Brothers 2008 wider Erwarten nicht vom Staat gerettet worden sei - das habe das gegenseitige Vertrauen der Banken erschüttert, deshalb sei der Interbankmarkt zum Erliegen gekommen, die Ersparnisse der Sparer seien nicht mehr zu den Investoren geleitet worden, und als Folge sei die Realwirtschaft abgestürzt.

Diese Erklärung ist absurd.  .... 

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