Bei einer Konferenz der OECD und der Internationalen
Atomenergiebehörde IAEA, die am 8. und 9. März auf Initiative des französischen
Präsidenten in Paris stattfand, wurde deutlich, daß die Renaissance der
Kernenergie in vollem Gange ist. Deutschland muß sich beeilen, nicht völlig abgehängt
zu werden!
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy erklärte,
Frankreich gehe davon aus, daß jedes Land, das sich an die derzeit üblichen
Transparenz-Regeln hält, ein Recht auf die zivile Nutzung der Kernkraft hat.
„Wir sind in eine neues Zeitalter der Kernkraft eingetreten, das Zeitalter
ihrer Renaissance", sagte Sarkozy in seiner Eröffnungsrede. „Diese Analogie mit
der glorreichen Periode der europäischen Geschichte vor etwa 500 Jahren wird zweifellos
einige Debatten provozieren. Aber es gibt gemeinsame Elemente: die
Infragestellung bisheriger Überzeugungen und irrationaler Ängste, und das
Vertrauen in Wissenschaft und Technologie."
Sarkozy versuchte, die Vorwürfe zu entkräften, daß
Frankreich sich dem Kreuzzug der britischen Malthusianer gegen die wachsende Weltbevölkerung
angeschlossen habe. „Die Weltbevölkerung wächst... und auch der Energiebedarf
unseres Planeten", sagte er. Um die bis 2030 von der IAEA prognostizierte
Steigerung des Energieverbrauchs um 40% zu bewältigen, „bieten die Ideologien,
die dazu auffordern, das Wachstum und den Fortschritt rückgängig zu machen,
keine Lösungen." Man müsse auf "Diversifizierung, ...
Rationalisierung und wissenschaftliche und technologische Fortschritt" setzen.
Die Welt dürfe nicht zwischen denen, die Nukleartechnologien haben und neidisch
versuchten, ihre Privilegien zu verteidigen, und denen, die ein Recht
verlangen, das ihnen die anderen vorenthalten, geteilt sein. "Ich denke,
die Kernkraft kann zum Kitt eine neuen Form der globalen Solidarität werden."
In seinem Schlußwort zitierte der französische
Premierminister Francois Fillon sogar den großen französischen Politiker und
Humanisten Jean Jaures: „Alle Länder haben ein gleiches Recht auf Entwicklung
und Wachstum. Und alle haben ein gleiches Recht auf Energie, die dafür die
Voraussetzung ist." Fillon sagte außerdem, Frankreich sei nicht für ein
„Rück-Wachstum". Er zitierte de Gaulle, der gesagt hatte, es sei keine Lösung
für die Probleme, „die Öllampen wieder einzuführen, oder bei der Marine wieder die Segel zu setzen."
Sarkozy machte bei der Konferenz eine Reihe von klaren
Aussagen und Vorschlägen.
- Die Kernkraft liegt in der Verantwortung des Staates, und
nicht in der von privaten Konzernen, da diese Investitionen sehr langfristig
und umfangreich sind.
- Investitionen im zivilen Nuklearsektor dürfen nicht länger
von den internationalen Finanzinstitutionen ausgeschlossen sein.
- Man braucht Ausbildungsprogramme für alle neuen Nutzer der
Kernkraft; deshalb solle ein Internationales Institut für Kernenergie gegründet
werden, Â um Ingenieure und technische Mitarbeiter
auszubilden. (Ein erstes solches Institut wurde gerade in Jordanien gegründet,
wo Frankreich mit den Koreanern um den Auftrag zum Bau mehrerer Kernkraftwerke
konkurriert. Auch Frankreich und China gründeten kürzlich ein gemeinsames Institut,
das der Universität von Kanton angeschlossen ist.)
- Die Sicherheit muss zu den wichtigsten Prioritäten gehören.
Die IAEA als einer unabhängigen Körperschaft könnte ein Sicherheits-Rating für
die auf dem Markt angebotenen Kernkraftwerks-Typen erstellen.
- Um einen verläßlichen Zugang zu nuklearen Brennstoffen zu
sichern, schlug Sarkozy auch vor, bei der IAEA eine „Bank für
Nuklearbrennstoffe" einzurichten, an die sich Länder wenden können, die
Kernkraftwerke betreiben, wenn sie ihre Brennstoff-Lieferanten verlieren.
- Der Präsident rief zur Wiederaufbereitung der verbrauchten
Kernbrennstoffe auf, wie es Frankreich, Rußland und andere Länder tun.
In Deutschland ist die BüSo bislang die einzige Partei, die sich klar und deutlich für die Kernenergie einsetzt.
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