Kernkraftkonferenz in Paris: Weltweit wissenschaftlicher Nachwuchs für Kernenergie gesucht!
12. März 2010 • 18:19 Uhr

Einer der Hauptpunkte, mit denen sich die Pariser Kernenergiekonferenz
befasste, war die weltweite Ausbildung von Ingenieuren und Wissenschaftlern -
eine "Demokratisierung der Kernenergie".

Dominique Ristori, Stellvertretender Direktor der
Generaldirektion der Europäischen Kommission für Energie, leitete die Sitzung über
den Ausbildungsbedarf für eine Renaissance der Kernenergie. Frau Amina
Benkhadra, marokkanische Ministerin für Energie, Bergwerke, Wasser und Umwelt erklärte,
wie ihr Land sich vorbereitet, um sein nukleares Programm in Gang zu setzen.
7000 gut ausgebildete Ingenieure und Techniker stehen zur Verfügung, sobald es
losgeht. Professor Pierre Lena von der französischen Akademie der
Wissenschaften unterstrich die Notwendigkeit, die Kreativität von Kindern im
frühen Alter zu erwecken. Es sei allgemein bekannt, wie wichtig es ist, frühzeitig
wissenschaftliche Bildung zu erwerben. Dann funktionierten auch Demokratie und Wirtschaft
viel besser.

Von der französischen Seite unterstrich Frau Caterine
Cesarsky, Hoch-Kommissarin für Kernenergie (CEA) die Bildungsinfrastruktur, die
in Frankreich auf der Grundlage von Präsident de Gaulle entwickelt worden ist. Sie berichtete, daß sich in den
letzten Jahren neues Interesse in der jüngeren Generation an der Kernphysik zeige.
Die Master-Studienabschlüsse in Kernphysik stiegen in Frankreich im letzten Jahr
von 380 auf 900. Das jetzige Potential werde auf 1500 innerhalb von 3 Jahren wachsen.
Das Internationale Institut für Kernenergie, das unter Präsident Sarkozy eingerichtet wurde, bildet 95 Studenten
aus -  die Hälfte davon französisch, die
andere Hälfte Ausländer. Die Kapazität wird auf 200 erweitert. Das Franco-Chinesische
Institut  für Kernenergie bildet bereits 150
Studenten in Kanton, China aus. 2008 gründete Frankreich auch die Agence France
Nucleaire Internationale (AFNI), um eine Regierungs-Koordination zwischen den
verschiedenen Teilnehmern und staatlichen Partnerschaften zu schaffen. Zusammenarbeit
gibt es u.a. mit Ländern wie Indien, Russland, China, Jordanien, Tunesien,
Libyen, Ägypten, Vietnam und Polen.

Laurent Stricker, der Vorsitzende der Weltvereinigung der
Kernenergiebetreiber (WONA) und Walter Hohlefelder von ENEF (Europäisches
Nuklearenergieforum) stellten die verschiedenen europäischen Ausbildungsbestrebungen
vor.  Die ENEF  wurde 2007 in Bratislava (Slowakei) im Auftrag
der EU-Kommission gegründet, aber, so Hohefelder, bisher sei dort noch keine umfassende
Bestandsaufnahme gemacht worden. Der Mangel an jungen, qualifizierten Arbeitskräften
ist aber so groß, daß  die EU vor einigen
Wochen zusammen mit sieben der wichtigsten Kernkraftbetreiberfirmen eine Europäische
Führungsakademie für Kernenergie (ENELA) zu gründen.  ENELA soll 2011 in Garching bei München
eröffnet werden. Aber Deutschland sollte sich sicher nicht auf die EU verlassen, um endlich zur Kernenergie zurückzukehren!