Die tieferen Implikationen des nordamerikanischen NAWAPA-Projekts
13. August 2010 •

Von Lyndon LaRouche

Im Wochenreport von LPAC-TV erklärte Lyndon LaRouche am 11. August die tieferen Implikationen des NAWAPA-Projekts. Hier ein Auszug:

Moderator: Wenn wir über das NAWAPA Projekt sprechen, dann sprechen wir einmal über die Entwicklung des amerikanischen Westens, über Magnetbahnen, Hochgeschwindigkeitszüge, aber auch über die Querung der Beringstraße und über die Entwicklung Sibiriens ...

LaRouche: Schauen wir einmal zurück auf die Zeit von Mendelejew, Dimitri Mendelejew, der ein großartiger Wissenschaftler der Chemie war, der die Chemie revolutionierte. Man schaue sich diesen Prozeß von seinem Blickwinkel aus an. Er beobachtete, was in den Vereinigten Staaten im Jahre 1876 passierte, denn er besuchte die Jahrhundertfeier in Philadelphia. Gesandte Bismarcks waren auch dort.

Er ging dann also zurück nach Rußland und mit einem überragenden Kanzler der russischen Monarchie brachte er ein Programm in Gang, ein Programm in der Chemie, in Übereinstimmung mit seinem Beruf, und den Bau einer transsibirischen Eisenbahn. Sein Argument war: wir benutzen ein Eisenbahnsystem, ein transkontinentales Eisenbahnsystem, wie es Amerika vorgemacht hatte als Bestandteil der großen Revolution, die Revolution Abraham Lincolns in der Wirtschaft. Und als physikalischer Chemiker setzte er dann Orte in Sibirien fest, in denen eine hohe Dichte an Lagerstätten wichtiger Rohstoffe entdeckt worden war, und zwar von ihm selbst! Er ist selbsthinausgegangen und hat die Gegenden erkundet. Er plante also das Eisenbahnsystem und dessen Weiterentwicklung auf der Basis eines sich weiter entwickelnden Schienenwegesystems, das Sibirien, aber auch Rußland mit den wichtigsten Rohstofflagern verbinden und diese zugänglich machen würde.

Heute hat die Entwicklung der Beringstraße dieselbe Bedeutung: China entwickelt Schienenwege, Rußland will sie gleichermaßen entwickeln, und die Zusammenarbeit zwischen China and Rußland, vor allem auf der sibirischen Seite, heißt, daß man Systeme in Sibirien und anderswo aufbaut, die, wenn man sie mit China verbindet, dessen Versorgung mit nötigen Rohstoffen sichern wird - Rohstoffe die im nördlichen Teil Asiens sehr häufig vorkommen, allerdings in einem Territorium, in dem Menschen nicht besonders angenehm wohnen können, wenn sie an die Bedingungen in Südasien gewöhnt sind. Die Russen sind also besonders gut in der Lage, wegen ihrer Wissenschaftstradition von Mendelejew und Wernadski, den Abbau dieser Rohstoffe in Nordasien zu betreiben, und den nötigen Rohstoffbedarf für Südasien zu organisieren, vor allem für China, Indien, usw.

Man hat also das NAWAPA Projekt, das unmittelbar das Beringstraßenprojekt nach sich zieht, und man integriert dies nun als Folge des NAWAPA-Projekts, denn ohne NAWAPA funktioniert das Beringstraßentunnel-Projekt wirtschaftlich nicht. Mit dem NAWAPA-Projekt und dem Beringstraßen-Tunnel bekommt man plötzlich, wenn man die Darién Region überbrückt, die Vereinigung der gesamten Landmasse Eurasiens, Nord- und Lateinamerikas in ein einziges internationales System aus souveränen Nationalstaaten, die wirtschaftlich zusammenarbeiten, fußend auf der Idee, Technologie zu teilen, um sich wechselseitig zu entwickeln.

Damit passiert das Offensichtlichste, wenn man erst einmal das Durcheinander im Mittleren Osten wegbekommt, kann man Schienentransportsysteme nach Afrika hineinbringen. Nur so kann man die Probleme Afrikas lösen - ohne dies kann man nichts tun, denn das Grundproblem Afrikas ist größtenteils [die fehlende] Basisinfrastruktur. Die Idioten in Europa wissen das nicht und wollen es nicht wissen. So wie Afrika heutzutage ausgebeutet wird, geschieht es durch fremde Länder, die es vergewaltigen. Sie dringen ein, suchen sich die Rohstoffe, heuern einige Leute als billige Arbeitskräfte an und beuten die Rohstoffe aus. Sie nehmen sich entweder das Roherz oder eine teilverarbeitete Form des Erzes und verhindern, daß es in Afrika verwendet wird. Sie exportieren es mit Hilfe internationaler Kartelle, und verschiffen es in andere Teile der Welt. Und Afrika sitzt da und muß zusehen, wie seine Naturreserven wegschwimmen - keine Entwicklung. Die Rohstoffe Afrikas sollten in Afrika verarbeitet werden. Und das Produkt kann dann als End- oder Halbfertigprodukt von den Afrikanern als Einkommensquelle vermarktet werden.

Aber was wir wirklich dringend tun müssen: Afrika ist, wenn man von der Sahararegion absieht, ein vornehmlich landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Man nimmt den Überschuß an Wasser aus dem Kongo-Becken und führt es über Land, was schwierig ist, aber dem NAWAPA-Projekt vergleichbar. Wir bewegen mit derselben Methode Wasser in die Richtung der Sahelzone oder zum Tschadsee, und wenn wir den Tschadsee wieder vergrößern, kann die ganze Region plötzlich entwickelt werden.

Wenn man den afrikanischen Bauern Zugang zu Infrastrukturentwicklung gibt, dann werden die Probleme der besiedelten Regionen lösbar durch Prozesse des Fortschritts. Dies bringt mehr Licht nach Afrika, denn wenn man sich Afrika heutzutage nachts von oben betrachtet, dann sieht man kaum Licht. Doch dadurch hat man plötzlich Entwicklung in Afrika.

Es gibt keinen anderen Weg, die Probleme Afrikas zu lösen außer durch ein solches Programm. Man kann über ihre Freiheit und über alles Mögliche reden; aber was für eine Freiheit meint man? Es ist die Freiheit, sich zu entwickeln. Die Freiheit, sich zu entwickeln auf der Basis dessen, was sie heute tun können, und mit dem, was sie heute können, zu höheren Formen der Entwicklung voranzuschreiten.

Der Bau von Eisenbahnen von Europa nach Afrika hinein und diese großen Wasserprojekte - das ist das Geheimnis eines jeglichen wirklichen Entwicklungsprogramms für Afrika. ...

So das ist die Lage. Denn wenn wir die Depression auf diese Art und Weise [mit Hilfe des NAWAPA-Projekts] überwinden, dann werden wir mit Rußland zusammenarbeiten und die Russen werden, da bin ich mir sicher, mit Freuden dieser Kooperation zustimmen, oder auch bei anderen Projekten. Das wird sich auf Rußlands Außenbeziehungen auswirken, zu aller erst in Bezug auf China und Indien, aber auch auf den Rest der Welt. Deutschland wird sofort davon profitieren. Die Entwicklung Rußlands wird in die Anrainerstaaten ausstrahlen. Besonders auf Deutschland, da es dort Kapazitäten für den Wiederaufbau gibt, und weil es ein bedeutender Technologieproduzent ist - wenn die entsprechenden Verträge abgeschlossen werden. Unter diesen Umständen werden deutsche Firmen viele Aufträge bekommen. Wenn Rußland durch die Kooperation mit NAWAPA wieder in eine Wachstumsphase tritt, wird Deutschland ganz automatisch mit ins Boot geholt.