Was die FAZ nicht berichtet: Untersuchung über Drogen- und Mafiageld beim Madoff-Schwindel

Neue Enthüllungen über den Aufbau des Ponzi-Schemas („Schneeballsystem“), bei dem der ehemalige Börsenchef Bernard Madoff Kunden um bis zu 50 Milliarden Dollar betrogen hat, belegen die Notwendigkeit einer ausgeweiteten und tiefgreifenden Untersuchung der Ursachen der Finanzkrise.

Bei einer Anhörung des Unterausschusses des amerikanischen Repräsentantenhauses für Finanzdienstleistungen am 4. Februar kam als Hauptzeuge Harry Markopolos zu Wort. Dieser wies auf das „Schmutzgeld“ von Drogenkartellen und der Mafia hin, das mit in den „feeder funds“ (zu deutsch: „Einspeise-Fonds“, die als Zwischenstation dienen) für den Schwindel Bernard Madoffs geflossen seien. (An alle Leser, die die Frankfurter Allgemeine Zeitung für eine vertrauenswürdige Nachrichtenquelle halten: in ihrem Bericht über eben diese Anhörung will die FAZ ihre Leser erzählen, daß die Anhörung sich lediglich um das fehlende Einschreiten der Aufsichtsbehörde SEC gedreht habe.1 Finden die Herausgeber den anderen Teil der Anhörungen unangenehm?).

Die Aussagen Markopolos’ können als sehr verlässlich gelten. Mit Berufserfahrung aus den Spezialkräften der US-Army und im Nachrichtendienst, ist Markopolos zudem angemeldeter Finanzanalyst und offizieller Betrugsspezialist, der eine Aufklärungsgruppe leitete, um das Ausmaß des Madoff-Schwindels abzuverfolgen.

Hauptgegenstand der Aussage und Analyse Markopolos sind in den Spuren zu sehen, die er über den Zusammenhang von Drogengeldern und kriminellen Operationen mit dem zusammengebrochenen Finanzsystem hervorhob. Markopolos beschrieb dies mehrmals ausführlich, während ihn Kongressabgeordnete über diese "schmutzigen Gelder" befragten.

Diese Spuren können nur von einer dringend nötigen „Pecora-Kommission“ aufgenommen werden, die mit rechtskräftigen Befugnissen Aussagen und Quellen einfordern kann. Eine solche Kommission wird in den USA mittlerweile von einflußreichen Politikern gefodert, nachdem Lyndon LaRouche bereits letztes Jahr ihre dringende Notwendigkeit aufgezeigt hatte.

Als Antwort auf die Frage der Abgeordneten Jackie Speier aus Kalifornien, warum Markopolos persönliche Schutzmaßnahmen ergriffen hatte, sagte Markopolos, er halte es nicht für paranoid [diese Maßnahmen getroffen zu haben]. Der Grund dafür sei die "unvorstellbare Komplexität und das Ausmaß", zu dem Madoff ein solch großes Schema organisiert hatte. "Er verfügte über eine Menge schmutzigen Geldes." „Und lassen Sie mich beschreiben, was schmutziges Geld ist".

„Wenn man in solchem Ausmaß und mit solcher Geheimhaltung verfährt, dann wird man eine Menge Geld aus dem organisierten Verbrechen anziehen, von dem wir nun wissen, daß es von der russischen Mafia und dem lateinamerikanischen Drogenkartell stammte. Und wenn man Mafiosi eliminieren will, hat man viel zu befürchten."

„[Madoff] konnte es sich nicht leisten, erwischt zu werden, denn wäre er einmal aufgeflogen und auf meinen Namen gestoßen, hätte er also entdeckt, daß ich ihm mit einer Gruppe auf der Spur war, dann wäre ich meiner Ansicht nach nicht mehr lange auf dieser Erde gewesen.“

Im Gespräch mit dem Abgeordneten Gary Ackerman von New York sprach Markopolos über den Umfang der Geldflüsse in den Madoff-Fonds, über die Einspeise-Fonds besonders im Offshore-Bereich und über die Verbindung mit Europa.

„Die Einspeise-Fonds, die in Offshore-Steueroasen liegen, locken schmutziges Geld an." Dieser Anteil sei sehr hoch,  er meine sogar,  dies sei der einzige Grund für Anlagen in Offshore-Bereichen. "Wir wussten, daß eine großer Anteil dessen vom organisierten Verbrechen verschiedenster Herkunft stammte. ... Wenn vom Offshore-Bereich die Rede ist, dann kommt von 5 bis zu 50 Prozent aus [organisiertem Verbrechen]. ..."

Markopolos sagte, das habe er schon seit seiner Reise nach Europa im Juni 2002 gewußt, als er sich mit privaten Bankklieenten  in Frankreich und der Schweiz traf. "Ich wusste, viele von ihnen operierten offshore." In Anbetracht der Größe [der Operation] und der Tatsache, daß 5% der Weltfinanzen aus dem organisierten Verbrechen stammen, sei es eine statistische Schlussfolgerung gewesen, dass dies auch für die Madoff-Geschäfte zuträfe, so Markopolos. "Das ist einfach gesunder Menschenverstand." "Aber da [Madoffs Geschäfte] über einem Hedgefonds liefen, unter solch großer Geheimhaltung und solch hohen Gewinnen, gab es eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, daß diese Prozentzahl im Fall Madoff höher lag ...“

Erst am 29. Januar hatte Antonion Maria Costa, Leiter des UN-Büros für Drogen und Kriminalität UNODC, im Interview mit dem österreichischen Online-Magazin Profil auf die Liquiditätsquelle Drogenhandel hingewiesen2.

Allein die vorliegenden Aussagen über das Weltfinanzsystem reichen hin, daß die von der Bürgerrechtsbewegung Solidarität geforderte Untersuchungskommission im Bundestag einberufen wird, um rechenschaftspflichtig und in aller Öffentlichkeit solchen Spuren nachzugehen. Bei dem Ausmaß der Finanzkrise ist davon auszugehen, daß die bereits bekannten Fälle nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Die große Masse liegt unter dem Wasserspiegel verborgen. Solange dieser nicht beleuchtet wird und an die Oberfläche kommt, wird die Politik die ganze Realwirtschaft (von weiteren Milliarden an Steuergeldern ganz zu schweigen) auf’s Spiel setzen, um vermeintlich legitime Forderungen (größtenteils wertlosem „Giftmüll“) auszugleichen.

Sollte jedoch im Zuge der erwähnten Untersuchung bekannt werden, daß wertlose Papiere der Banken im Zusammenhang mit fiktiven oder gar betrügerischen Methoden zustande kamen, dann ändert sich alles. Dann ist sonnenklar, daß kein Cent für die Pleitebanken ausgegeben werden sollte, sondern daß diese durch ein staatlich abgesichertes Bankrottverfahren bereinigt werden. Und solange diese Fragen ungeklärt bleiben, sollte kein Cent Giftmüll – ob durch Verstaatlichung oder durch Rettungspakete – vom Staat übernommen werden.

 


Anmerkungen
1. Nobert Kuls, Schwere Vorwürfe gegen Börsenaufsicht im Fall Madoff, Fankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2009
2. Der Suchtgiftmarkt in Zeiten der Krise:
UN-Drogenbekämpfer Costa im Interview
, Profil.at, 29.01.2009

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