Kissingers NSSM 200
28. April 2008 •

Der erste, der die „Überbevölkerung“ mit der nationalen Sicherheit der USA in Verbindung brachte, war Henry Kissinger. Als damaliger Nationaler Sicherheitsberater leitete er die Ausarbeitung des „Studien-Memorandum zur Nationalen Sicherheit 200“ (NSSM-200) mit dem Titel „Implikationen des weltweiten Bevölkerungswachstums für die nationalen und Übersee-Interessen der Vereinigten Staaten“, das nach seiner Fertigstellung am 10. Dezember 1974 als „streng geheim“ eingestuft wurde.

Am 26. November 1975, als Kissinger zum Außenminister aufgestiegen war, veröffentlichte sein Nachfolger als Nationaler Sicherheitsberater, Gen. Brent Scowcroft, das „Entscheidungsmemorandum zur Nationalen Sicherheit 314“, mit dem NSSM-200 zur offiziellen (aber geheimen) Politik der USA in Bevölkerungsfragen erklärt wurde. Es folgen Auszüge aus NSSM-200:

„Der Aktionsplan zur Weltbevölkerung wird sich nicht von selbst durchsetzen, und es werden nachdrückliche Bemühungen der interessierten Länder, UN-Agenturen und anderer internationaler Körperschaften erforderlich sein, um ihn wirksam zu machen. Die Führung der USA ist wesentlich...

Die Unterstützung für Bevölkerungs-Moderation sollte ihr Schwergewicht primär auf die größten und am schnellsten wachsenden Entwicklungsländer legen, in denen ein besonderes politisches und strategisches Interesse der Vereinigten Staaten besteht. Diese Länder sind: Indien, Bangladesh, Pakistan, Nigeria, Mexiko, Indonesien, Brasilien, die Philippinen, Thailand, Ägypten, die Türkei, Äthiopien und Kolumbien. Zusammen sind sie für 47% des gegenwärtigen Wachstums der Weltbevölkerung verantwortlich...

Außerdem gibt es, abgesehen von drastischen Maßnahmen, keine Möglichkeit, daß irgendein LDC [weniger entwickeltes Land] seine Bevölkerung unterhalb der Verdopplung ihrer gegenwärtigen Größe stabilisieren kann. Für viele wird es keine Stabilisierung geben, bevor sie ihre gegenwärtige Größe verdreifacht hat...

Das Bevölkerungswachstum an sich wird bis zum Ende des Jahrhunderts und darüber hinaus wahrscheinlich keine schwerwiegenden Beschränkungen für die globale physische Verfügbarkeit von Brennstoffen und anderen Mineralien bedeuten...

Die wichtige potentielle Verbindung zwischen schnellem Bevölkerungswachstum und der Verfügbarkeit von Mineralien ist eher indirekt als direkt. Sie ergibt sich aus der negativen Wirkung des übermäßigen Bevölkerungswachstums auf die wirtschaftliche Entwicklung und den sozialen Fortschritt, und damit für die interne Stabilität in den übervölkerten und unterentwickelten Ländern...

Die wirklichen Probleme der Versorgung mit Mineralstoffen liegen nicht in ihrem grundlegenden physischen Ausreichen, sondern in den politischen und wirtschaftlichen Fragen des Zugangs, den Bedingungen für die Erschließung und Ausbeutung und der Aufteilung des Nutzens zwischen den Produzenten, Konsumenten und den Regierungen der Gastländer. In extremen Fällen, in denen der Bevölkerungsdruck zu verbreitetem Hunger, Hungeraufständen und zum Zusammenbruch der sozialen Ordnung führt, sind diese Bedingungen kaum förderlich für die systematische Erschließung von Mineralvorkommen oder die langfristigen Investitionen, die für deren Ausbeutung notwendig sind...“