Internationale Konferenz des Schiller-Instituts: Ein neues Paradigma für das Überleben der Zivilisation
26. November 2012 • 17:20 Uhr

Pressemitteilung

Ein neues Paradigma für das Überleben der Zivilisation

Zu diesem Thema veranstaltete das Schiller-Institut am Wochenende des 24./25. November 2012 eine zweitägige internationale Konferenz in Flörsheim, die von etwa 300 Teilnehmern aus 25 Ländern in Europa, Nahost und den USA besucht wurde und Lösungen für die zwei derzeitigen Hauptkrisen diskutierte.

Zuerst ging es um die sich verschärfenden globalen Spannungen, vor allem in der Nahost/Golfregion, die zu einem neuen Weltkrieg eskalieren können, der heutzutage mit dem totalen Einsatz atomarer Waffen einhergehen und die menschliche Zivilisation in einem globalen Feuersturm auslöschen würde. Helga Zepp-LaRouche (Vorsitzende des Schiller-Instituts) betonte in ihrer Eröffnungsrede die Wichtigkeit der Entwicklung der gesamten Nahost-Region über alle religiösen und ethnischen Konflikte hinweg. Nur die sofortige Perspektive eines Marshallplans für die gesamte Region von Zentralasien bis zum arabischen Golf, von Afghanistan bis zum Mittelmeer, könne eine höhere Ebene der Vernunft etablieren, die ein gemeinsames Überleben und eine Zukunft für alle ermöglicht. Nichts weniger als ein neuer Westfälischer Frieden sei jetzt notwendig. Man müsse der globalen Kriegsgefahr dadurch begegnen, indem man sich auf die gemeinsamen Ziele der Menschheit konzentriert - wie dem Vorschlag des stellvertretenden russischen Premierministers Rogosin für eine gemeinsame russisch-amerikanische Raketenabwehr (Strategische Verteidigung der Erde, SDE) gegen globale Bedrohungen wie den Einschlag von großen Asteroiden. Frau Zepp-LaRouche forderte weiterhin die Entwicklung und Errichtung von wirksamen Frühwarnsystemen gegen Erdbeben, Vulkanausbrüche und extreme Wettersituationen (wie jüngst der Jahrhundertsturm Sandy an der US-Ostküste).

Der Botschafter der Islamischen Republik des Iran in Deutschland, Ali Rheza Sheikh Attar, ging in seinem anschließenden Beitrag auf die Nahost-Region als geographische und kulturelle Verbindung zwischen den drei Kontinenten Asien, Europa und Afrika ein. Von der Zusammenarbeit der Völker und Menschen in dieser Schlüsselregion hänge auch das Wohlergehen aller anderen auf diesen drei Kontinenten ab, sagte der Botschafter. Er stellte einige der wichtigsten großen Infrastrukturprojekte des Iran mit grenzüberschreitendem Nutzen vor, wie die Iran-Wasser-Route vom Kaspischen Meer zum Persischen Golf, die Eisenbahnverbindung vom nordöstlichen Iran nach Zentralasien über die Stadt Maschhad, oder eine Pipeline, die von Tadschikistan kommend durch Afghanistan in den Nordosten Irans münde. Iran wende erhebliche Mittel auf, um diese Projekte zu verwirklichen.

Ein Programm zur Überwindung der Kollapskrise durch zukunftsweisende, grenzüberschreitende Infrastrukturgroßprojekte, insbesondere für Nahost, Nordafrika, Zentralasien und den europäischen Mittelmeerraum, präsentierte Hussein Askary (Irak, Vorsitzender der Partei EAP/ Schweden). Zu den Krisenherden sprachen weiterhin die Wissenschaftlerin Ghoncheh Tazmini (Iran, derzeit am Institut für Strategische Studien in Lissabon) und Bassam Tahhan (Syrien, derzeit Professor für arabische Zivilisation in Paris).

Über bemannte und unbemannte Raumfahrt ging es in den Reden von Didier Schmitt (Raumfahrtexperte, Paris) und Antonio Güell (Raumfahrtmediziner, Toulouse). Sie zeigten am Beispiel des europäisch-russischen Projekts ExoMars sowie der Anwendung von Satellitentechnologien für die medizinische Versorgung, welche technologischen Zukunftsperspektiven für die Menschheit existieren.

Jacques Cheminade (früherer französischer Präsidentschaftskandidat) eröffnete am Sonntagmorgen den zweiten Tag der Konferenz. Er wies auf die zweite große existentielle Bedrohung der Menschheit hin - die sich beschleunigende Krise des westlichen Finanzsystems, insbesondere des Euro-Raums, mit den bedrohlichen politischen und sozialen Folgen. Er betonte die Notwendigkeit eines neuen Paradigmas der Politik, das die geopolitische Tradition beendet, die sich bis heute in der britisch-imperialen Rolle des Finanzplatzes London bei der Globalisierung und im monetaristischen Design der Politik des Euro findet. Der Versuch, den Euro mit diesen Methoden zu retten, beschleunigt nur den Ruin und Zerfall Europas. Es gilt vielmehr, den Weg freizumachen für eine gerechte globale Wirtschaftsordnung, die nicht länger die fiktiven Forderungen der spekulativen Finanziers erfüllt, sondern endlich dem wissenschaftlichen und wirtschaftlich-sozialen Fortschritt der Menschheit insgesamt dient. Die Trennung der Bankenfunktionen nach dem amerikanischen Glass-Steagall Gesetz, das 1999 abgeschafft wurde, muß wieder durchgesetzt werden. Außerdem sind die Schaffung eines Systems von Produktivkrediten für die Realwirtschaft sowie die Ächtung von Kriegen jeder Art unverzichtbare Grundbausteine einer gerechteren Weltordnung.

Mit dieser Botschaft richtete sich im Anschluß auch der per Video zugeschaltete amerikanische Politiker Lyndon LaRouche eindringlich an die Konferenzteilnehmer. Er warnte vor der Gefahr eines thermonuklearen Krieges und sagte, Frieden und Entwicklung, einschließlich der Entwicklung der Wissenschaft, seien nicht einfach eine "Option", sondern ein absolutes Muß, wenn die Menschheit überhaupt eine Zukunft haben will.

Auch die weiteren Sprecher der Konferenz am Sonntag stellten die Notwendigkeit von Entwicklung als einzige Alternative zur Lösung der strategischen Krise ins Zentrum ihrer Reden. Aiman Rsheed, Ingenieur aus Kairo, präsentierte das bahnbrechende Infrastrukturgroßprojekt "Africa Pass". Der äthiopische Generalkonsul in Frankfurt, Michael Mulugeta Zewdie, sprach über die Bedeutung des "Grand Millenium Dam"-Projekts für Äthiopien und die Region. Michael Billington, Asienberater LaRouches, der auch eine Grußbotschaft des früheren IWF-Direktors für Japan, Daisuke Kotegawa, verlas, ging auf die historische Entwicklung Asiens vom Standpunkt der Eurasischen Landbrücke ein.

Darüber, welches Europa wir angesichts des Scheitern des Euro und der verheerenden sozialen Konsequenzen der EU-Politik wollen, sprachen Lorella Presotto (Confederazione Civica Nazionale, Florenz), Prof. Wilhelm Hankel (einer der Hauptkläger gegen den Euro, den EFSF und den ESM vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe), Theodore Katsavenas (Wirtschaftsprofessor in Piraeus, Autor eines neuen Bestsellers über die Rückkehr Griechenlands zur Drachme), George Tsobanoglou (Griechenland, Internationale Vereinigung der Soziologen), sowie Daniel Estulin (Journalist/Spanien). Auch eine Grußbotschaft von Alfheidur Ingatdottir, Abgeordnete im isländischen Nationalparlament, die sich für eine strikte Bankentrennung einsetzt, wurde verlesen.

Ein Panel zur Notwendigkeit einer kulturellen Renaissance beendete die Konferenz, die von klassischen Musikpräsentationen begleitet wurde. Ein besonderer Höhepunkt, der mit begeistertem Applaus belohnt wurde, war das Konzert am Samstagabend, bei dem ein Trio des Schubertfreundes Lachner, Va pensiero aus Giuseppe Verdis Oper Nabucco sowie Chorstücke aus Beethovens Oper Fidelio zur Aufführung kamen.

Weitere Informationen auf newparadigm.schillerinstitute.com