Das Trennbankensystem ist keine Bankenreform, sondern die Verteidigung des Gemeinwohls
13. Februar 2013 •

Eine neue Studie im Auftrag des Bundesverbands öffentlicher Banken Deutschlands soll die Diskussion über Bankentrennung offenbar gezielt in eine falsche Richtung lenken.

Von Toni Kästner

In letzter Zeit mehren sich die Stimmen, die sich mit dem Trennbankensystem beschäftigen, jedoch sind viele darunter, die aus böser Absicht oder schlicht aus Unfähigkeit die ganze Debatte in eine falsche Richtung lenken. Denn bei dem Trennbankensystem ging und geht es nicht darum, die Banken zu reformieren, um anschließend dieselben Geschäfte wie zuvor tätigen zu können, nur diesmal mit einem kleinen Puffer, damit die Bevölkerung nicht unmittelbar arm dabei wird - sondern darum, den Staat als Wahrer des Gemeinwohls zu verteidigen und sicherzustellen, daß er nicht von Privatinteressen vereinnahmt wird.

Daher ist das Trennbankensystem heute genausowenig wie früher als einzelne Maßnahme zu betrachten, sondern es muß im Zusammenhang eines neuen Finanzparadigmas gesehen werden. In Deutschland hat dies jedoch bisher nur die Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo) verstanden, und deshalb fordert sie neben dem Trennbankensystem auch die Wiedereinführung der nationalen Währung und ein produktives Kreditsystem, damit die produktive Wirtschaft so schnell wie möglich wieder angekurbelt werden kann, um Arbeit und Werte zu schaffen, damit die Nation wieder in eine sichere Zukunft gehen kann.

Um nun einen besseren Kontext für die Bankentrennungsdebatte zu liefern, möchte ich mich hier erneut zu Wort melden. In meinem letzten Artikel über Peer Steinbrücks Vorschlag für ein Trennbankensystem1Siehe Warum Deutschland Roosevelt braucht - und nicht Steinbrück habe ich bereits gezeigt, daß Lippenbekenntnisse uns in der Krise nicht weiterhelfen und daß es völlig verrückt ist, mit der EU und dem IWF den Bock zum Gärtner zu machen, indem man diese Institutionen künftig mit der Aufsicht über das Finanzwesen betrauen will. Denn Steinbrück schlägt doch tatsächlich genau das vor: daß jetzt diejenigen die Finanzen kontrollieren sollen, die am wenigsten Interesse am Gemeinwohl haben, nämlich supranationale Institutionen, die sich in den letzten Jahren gerade dadurch ausgezeichnet haben, daß sie sich konstant gegen die Interessen der Bevölkerung stellen.

Der Anlaß dieses Artikels ist eine kürzlich erschienene Studie, der Abschlußbericht für den Bundesverband öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB), Berlin, den das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW) veröffentlicht hat und der den folgenden Titel trägt: Trennbanken: eine analytische Bewertung von Trennbankenelementen und Trennbankensystemen im Hinblick auf Finanzmarktstabilität.

Allein der Titel läßt schon darauf schließen, daß dieses Papier entweder völlig inkompetent ist oder eine böswillige Intention hat, weil versucht wird, das Trennbankensystem losgelöst von einem notwendigen anderen Paradigma zu betrachten. Das ist nicht nur aus heutiger Sicht völlig falsch, sondern auch historisch betrachtet völlig absurd, da die amerikanische Regierung Roosevelt, auf die das Glass-Steagall-Gesetz von 1933 zur Bankentrennung zurückgeht, immer wieder betonte, daß dies nur einen Teil umfassender Reformen des Finanz- und Staatswesens darstellt.

Am besten kann man dies daran sehen, daß Gesetze wie das Trennbankensystem damals ein Resultat einer umfassenden Untersuchung der Ursachen der Großen Depression waren, bei der festgestellt wurde, daß es oligarchische Strukturen innerhalb des Finanzsystems waren, die den Crash von 1929 verursachten. Diese Untersuchung ist als „Pecora-Kommission“ in die Geschichte eingegangen und wurde von ihrem Leiter Ferdinand Pecora selbst in seinem Buch Wall Street unter Eid (Wall Street under Oath) ausführlich beschrieben. In diesem Buch macht Pecora in den letzten beiden Kapiteln einige Bemerkungen über die damalige Situation, die für das Verständnis der heutigen Debatte von erheblicher Wichtigkeit sind.

Ferdinand Pecora und die Wall Street

Pecora schreibt:

    „Die Untersuchung wurde erst im Juni 1934 abgeschlossen. Aber schon lange vor diesem Zeitpunkt hatten die Mängel, die sie in unserer Finanzstruktur aufgedeckt hatte, zur Schaffung eines umfassenden Reformprogramms geführt... Die Anhörungen haben eine schockierende Korruption innerhalb unseres Bankenwesens ans Licht gebracht, eine weitgehende Ablehnung althergebrachter Maßstäbe von Ehrlichkeit und fairem Verhalten bei der Schaffung und dem Verkauf von Wertpapieren und eine gnadenlose Ausnutzung der bösartigen Möglichkeiten komplexer Täuschungsmanöver der Unternehmen.“

Daher wurden, noch während die Untersuchung lief, Gesetze verabschiedet, die solche Praktiken in Zukunft unmöglich machen sollten. Dies zeigt, daß man damals ganz genau verstand, daß die Krise nicht nur durch falsche Finanzinstrumente erzeugt wurde, sondern daß jene nur ein Mittel für eine Finanzoligarchie waren, die den Staat für ihre eigenen Interessen ausblutete. Genau das muß heute verstanden werden: Es geht nicht darum, alles beim Alten zu lassen und lediglich die Bevölkerung etwas besser abzusichern, sondern darum, ein für allemal die Geldwechsler aus dem Tempel zu werfen.

Damals wurden nach der Aufdeckung dieser kriminellen, staatszerstörenden Machenschaften aufgrund der Untersuchungsergebnisse vier Gesetze geschaffen, die den Beginn einer neuen Ära im Finanzwesen der USA darstellen sollten:

    I. Banking Act of 1933 (Glass-Steagall-Trennbankensystem)

    II. Securities Act of 1933 (Wertpapiergesetz)

    III. Securities Exchange Act of 1933 (Wertpapierhandelsgesetz)

    IV. Public Utility Holding Company Act of 1935 (zur strikten Regulierung der Stromversorgungsunternehmen)

Die großen Persönlichkeiten des Bankenwesens waren sich damals ebenso wie heute völlig uneins darüber, wie sie diese Maßnahmen der Regierung Roosevelt bewerten sollten; die einen waren ganz dafür, die anderen prophezeiten den Weltuntergang, wenn diese Maßnahmen durchgesetzt würden. Die letzteren verfolgten mit dieser Behauptung gnadenlos ihre eigenen Interessen, die im Widerspruch zum Interesse der Bevölkerung standen.

Eine dieser Personen war J.P. Morgan jun. Er argumentierte genauso wie die entsprechenden Persönlichkeiten heute, denn er sagte damals, daß eine solche Trennung der Banken die Risikoabschätzung bei Finanzgeschäften wesentlich verschlechtern würde. Er implizierte also, daß es im Finanzwesen keine Änderungen geben sollte und daß jegliche Beschränkung für die Banken alles noch schlimmer machen würde als den Crash, der bereits passiert war. Hier seine scheinheilige Begründung:

    „Die Frage wurde gestellt, ob es Privatbankiers erlaubt sein sollte, Einlagen anzunehmen... Wenn uns beispielsweise das Recht genommen würde, Einlagen anzunehmen, die uns Kunden anvertrauen wollen, dann müßten wir sehr wahrscheinlich einen Großteil unserer Organisation aufgeben und wären dadurch weniger in der Lage, in Zukunft die wichtigen Dienste bei der Bereitstellung von Kapital für die Entwicklung des Landes zu leisten, die wir in der Vergangenheit geleistet haben.“

Das ist fast eins zu eins die Argumentation, die man heute von einigen Stellen des Finanzwesens und der Politik zu hören bekommt, wenn man über die Bankentrennung spricht. Wie scheinheilig dieses Argument ist, sieht man auch daran, wenn man einmal versucht, herauszufinden, was diese Banker denn für tolle Investitionen getätigt haben, um das „Wohl der Nation“ zu befördern: Schon sieht man den Betrug. Natürlich umgehen sie mit einer solchen Argumentation auch das unangenehme Gespräch über die Hintergründe gewisser Geschäftspraktiken, von denen sie alle wissen, über die aber keiner sprechen will.

Damals betraf das zum Beispiel Geschäfte, bei denen in Banken gezielt Geld zusammengezogen wurde, um Firmen zu kaufen und sie an der Börse zu Tode zu spekulieren, wobei die Spekulanten mit den Börsengewinnen eine goldene Nase verdienten, während die ausgesaugten Firmen zugrunde gingen und jede Menge Arbeitslose hinterließen. Heute sieht man ähnliche Geschäftspraktiken bei der Nahrungsmittel-, Rohstoff-, und Währungsspekulation, Kreditverbriefungen, LIBOR-Manipulation und und und...

Roosevelt brachte diese Geschäftspraktiken damals ans Licht der Öffentlichkeit und schuf Maßnahmen, um diese zu unterbinden, zum Beispiel durch den Securities Act of 1933:

    „Dieser Vorschlag fügt zu der jahrhundertealten Regel caveat emptor [der Käufer muß sich selbst vergewissern, daß das gekaufte Produkt in Ordnung ist, und trägt das Risiko] die Regel hinzu: ,Laßt den Verkäufer verantwortlich sein.’ Damit wird dem Verkäufer die Verantwortung auferlegt, die volle Wahrheit zu sagen. Das sollte den Antrieb dazu geben, ehrliche Geschäfte mit Wertpapieren zu führen und dadurch das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen.“

Wenn jetzt auf einmal der Spekulant in der Verantwortung ist, wird er sich hüten, Risikogeschäfte zu machen oder faule Wertpapiere zu veräußern, denn er ist derjenige, der haften muß, und nicht mehr der Anleger. Aber obwohl die Regierung zunächst mit ihren Maßnahmen niemand verteufelte, sondern einfach nur sicherstellen wollte, daß im Finanzwesen wieder Recht und Ordnung einkehrt, gab es eine Gruppe innerhalb der Finanzwelt, die diese Maßnahmen attackierte. An diesem Punkt war jedoch schon klar, daß diese Gruppe aus denjenigen bestand, die weiter die Menschen betrügen wollten, um noch mehr Geld und Macht anzuhäufen. Die Washington Post sammelte dann über hundert Kommentare hochstehender Persönlichkeiten, die sich zu diesem Thema äußerten. Der Grundtenor aller dieser Kommentare wird, wie Pecora schreibt, in der folgenden Aussage von Silas H. Strawn, ehemaliger Präsident des Rechtsanwaltsverbands American Bar Association und der Handelskammer der Vereinigten Staaten, treffend zusammengefaßt:

    „Ich glaube, es gäbe einen sehr ergiebigen Markt für Wertpapiere, wenn der Securities Act nicht deren Schaffung und Verteilung verhindern würde.“

Das schrieb er in einer Zeit, in der anfänglich noch das Geld knapp war, weil sich das Finanzwesen nach dem Crash erst wieder erholen mußte. So wurde sofort versucht, die mißliche Lage wieder für die eigenen Interessen auszunutzen, gerade so wie man heute der Bevölkerung Angst vor jeder Maßnahme macht, die den Banken Beschränkungen auferlegen will oder die Rückkehr zur Währungshoheit fordert. Damals hießt es, es könne doch mehr Geld geben, wenn man die Beschränkungen wieder außer Kraft setzen würde, und heute heißt es, wenn wir Beschränkungen akzeptieren, wird das Geld unglaublich knapp und wir sind nicht mehr überlebensfähig.

Obwohl klar und deutlich zu sehen war, daß aufgrund der Selbstregulierung der Wall Street und der Wertpapiergeschäfte ein kriminelles Finanzwesen Amerika an den Rande des Ruins getrieben hatte, versuchten die Banker wieder und wieder, der Bevölkerung den Eindruck zu vermitteln, daß nicht die Finanzwelt, sondern die Regierung das eigentliche Problem sei; und so schreibt Pecora:

    „Anfang 1933 äußerten die Kapitäne der Wall Street, immer noch im Schatten der Panik und Depression, nur wenig offene Kritik an den Programmen des New Deal. Ihr Geschrei war damals, wir alle seien die Opfer einer Katastrophe geworden, aber nicht wegen der Schuld von Bankern, sondern wegen menschlicher Schwächen. Alle seien gleichermaßen bereit, aus dieser Erfahrung zu lernen und alle Mißbräuche zu korrigieren, der sich gezeigt haben...

    Aber je mehr sich die Geschäfte erholten, um so offener und erbitterter widersetzte sich die Wall Street jedem vernünftigen Reformprogramm. Anstelle des bescheidenen Abstreitens der Allwissenheit vom März 1933 entwickelten die Titanen des Finanzwesens einmal mehr eine arrogante Selbstsicherheit und eine dogmatische Überzeugung, daß jeder Versuch, ihre Aktivitäten zu beschränken, unweigerlich zum Ruin des ganzen Landes führen müsse.“

So wurden die Attacken immer lauter und direkter, wie hier von Francis H. Sisson, Präsident der amerikanischen Bankiersvereinigung:

    „Die American Bankers Association wird bis zum letzten gegen die ungereimten, unwissenschaftlichen, ungerechten und gefährlichen Garantiebestimmungen des Glass-Steagall-Gesetzes kämpfen. Die überwiegende Meinung erfahrener Banker ist nachdrücklich gegen eine Einlagenversicherung, die starke und gut geführte Banken zwingt, die Verluste der schwachen zu bezahlen.“

Aber wenn sie doch alle ehrenwerte Männer sind, wie sie uns versichern, warum sollte es dann so ein großes Problem sein, für jemanden einzuspringen, dem einmal ein Fehler unterläuft? Aber darum ging es ja nicht, sondern man wußte ganz genau, was im Finanzwesen gängige Praxis war - und daher würde man einen Teufel tun, für Millionen fauler Schulden einzuspringen.

Wer war nun diese ominöse Opposition, wo kam sie her?

US-Senator Ashurst beschrieb die Opposition gegen diese Gesetze wie folgt:

    „Wenn Sie nach der Quelle dieser Opposition suchen, dann werden Sie wahrscheinlich feststellen, daß die Opposition von den Organisationen und Personen ausgeht, die im ganzen Land ,faule’ Wertpapiere im Umfang von Milliarden verkauft haben und die ihre Reißzähne mit einer größeren Raubgier in die Geldbeutel unschuldiger Investoren gebohrt haben, als jemals ein Schwarm von Haien die Zähne in menschliches Fleisch schlug.“

Präsident Roosevelt sagte dazu auf einer Pressekonferenz, die Lobby gegen diese Gesetzesmaßnahmen sei die gefährlichste Lobby, die je von einer Organisation in den USA gegründet wurde.

US-Senator Wheeler beschrieb diese Lobby wie folgt:

    „Die Korridore und die Büros der Senatoren waren ständig voller Lobbyisten der Stromkonzerne, seit dem Tag, an dem das Gesetz [Public Utility Holding Company Act of 1935] eingebracht worden war. Sie saßen in der Galerie des Senats und beobachteten jeden einzelnen Senator, riefen ihn zu sich, machten ihm Vorschläge, riefen ihn aus den Ausschußräumen heraus und jagten ihn, Tag für Tag. Sie veranlaßten ihre Angestellten und ihre armen Opfer, die sie ausgeraubt und betrogen hatten, hierherzukommen, und deren Witwen und Waisen, hierher zu schreiben, und zu sagen: ,Rettet uns vor den schrecklichen Folgen dieses Gesetzes.’“

Dieser Lobby war jedes Mittel recht, um ihre Ziele durchzusetzen; man sieht, daß sie keinerlei Respekt mehr vor den Instanzen des Staates und den Volksvertretern hatten. Senatoren und Abgeordnete wurden tyrannisiert und unter Druck gesetzt, und es erforderte starke Persönlichkeiten wie Roosevelt, Pecora und einige wenige andere, die die Führungsstärke bewiesen, hier wieder eine Grenze zu ziehen und die Finanzwelt in die Schranken zu weisen.

Pecora sagt, obwohl der Widerstand gegen alle vier Gesetze heftig war, habe es den entscheidenden Kampf mit der Börse in New York gegeben. Sie war die letzte Bastion des ungezügelten Egoismus. Denn seit ihrer Gründung 1791 hatte die Börse ständig volle Kontrolle über ihre eigenen Handlungen gehabt, sie war völlig selbstreguliert und verteidigte dieses Recht mit allen Mitteln. Obwohl die Börse in etlichen Punkten das öffentliche Interesse berührt, kannte sie keine Gesetze außer ihrem eigenen Willen. Doch der Crash von 1929 und die anschließenden Untersuchungen der Roosevelt-Administration deckten so viele kriminelle Machenschaften auf, daß die New Yorker Börse ihre Aura des Geheimnisses und der Unantastbarkeit verlor und zuguterletzt wie alle anderen auch die Autorität der Regierung der Vereinigten Staaten anerkennen mußte. Pecora warnt jedoch am Ende seines Buches: „Aber trotz allem wäre es absolut nicht weise, die Stärke der feindlich gesonnen Elemente zu unterschätzen.“

Aus diesem kurzen historischen Abriß kann man einige der Fehler in der heutigen Debatte und in den Intentionen der verschiedenen Partein erkennen. Erstens findet in Deutschland keinerlei historische Auseinandersetzung damit statt, woher das Trennbankensystem in Form von Glass-Steagall herkam. Selbst in der anfangs erwähnten Studie des ZEW heißt es zwar, man setze sich mit der Geschichte auseinander, aber dann findet sich dort kein einziges Wort über die Pecora-Kommission oder über die anderen Gesetze, die zum Paket des New Deal gehörten. Denn schließlich hat nicht das Trennbankensystem die Große Depression überwunden, sondern der New Deal. Zweitens kommt noch hinzu, daß man all den Studien und Aussagen zu dem Thema anmerkt, daß keiner der Verfasser das ursprüngliche Gesetz von Roosevelt gelesen hat, sondern nur Sekundärliteratur kennt von anderen, die über das Gesetz geschrieben haben. Und das ist entweder grob fahrlässig oder es geschieht in böswilliger Absicht, damit man weiter so tun kann, als müsse man nicht das System verändern, sondern nur innerhalb des Systems regulieren.

Der ZEW-Report

Zuguterletzt will ich noch den ZEW-Bericht selbst zu Wort kommen lassen. In dem Bericht wird fast jeder derzeitige Versuch besprochen, die Banken zu trennen, und jeweils aufgezeigt, warum es nicht bzw. nur teilweise umsetzbar ist. Aber ich möchte hier nicht auf die technischen Einzelheiten eingehen, sondern bei der prinzipiellen Frage bleiben, denn bevor man über die Details diskutiert, sollte man eine vernünftige Grundlage haben, von der aus man die Diskussion führen kann. Dann wird auch klar, daß man alles Notwendige bereits in Roosevelts ursprünglichem Bankengesetz von 1933 findet.

In der Studie spricht man wie eben erwähnt auch über die Geschichte des Trennbankensystems. So heißt es dort in „Kapitel 3 - Bisherige Erfahrungen mit Trennbankensystemen“:

    „3.1 Motivation der Gesetzgebung

    Die Regulierung zur Einführung des Trennbankensystems verstand sich als Reaktion auf die Erfahrungen der Großen Depression, in deren Windschatten bis zum Jahr 1932 immerhin 25 Prozent der amerikanischen Banken ausgefallen waren (White (1986)). Als grundlegendes Problem dieser Banken sowie der Umstände, die zum Aktienboom in den zwanziger Jahren und dem anschließenden Börsencrash im Jahr 1929 geführt haben, wurde allgemein der Umstand betrachtet, daß amerikanische Geschäftsbanken ausgedehnte Wertpapierhandels- und Emissionsaktivitäten betrieben: So entfielen auf die Tochtergesellschaften der Geschäftsbanken (security affiliates) im Jahr 1929 etwa 50 Prozent des Wertpapieremissionsgeschäfts (Focarelli et al. (2011)).“

Wie wir eben erfahren haben, war das nur ein Resultat eines viel tiefer liegenden Problems, das hier überhaupt keine Erwähnung findet. So macht man es sich einfach und zitiert hier nicht etwa Zeitzeugen oder die Regierung Roosevelt, sondern nur zwei Schriften aus den Jahren 1986 und 2011, was äußerst fragwürdig ist. Der viel wichtigere Punkt ist aber, zu sehen, daß man dadurch keinerlei Verweis darauf hat, daß es damals um viel mehr ging als nur eine Restrukturierung der Wertpapiergeschäfte, wie ich zuvor weiter oben gezeigt habe. Nur an einer Stelle wird der damalige Interessenkonflikt erwähnt, aber ohne näher darauf einzugehen:

    „Es ist zu beachten, daß im historischen Kontext - anders als vielleicht unter der heutigen Perspektive naheliegend - der unter dem ersten Punkt genannte Aspekt (Vermeidung von Interessenskonflikten) im Vordergrund der Besorgnis stand und letztlich den Ausschlag gab, ein Trennbankensystem einzuführen und nicht stattdessen das bestehende System mit einer zielgerichteten Regulierung krisenresistenter zu machen (vgl. White (1986)).“

„Anders als vielleicht unter der heutigen Perspektive“? Nein, es ist heute genau dieselbe Perspektive. Das Finanzwesen ist völlig dereguliert und hat seit Jahrzehnten eine menschenverachtende Politik betrieben und Länder soweit heruntergewirtschaftet, daß die Menschen in den betroffenen Teilen der Welt an Armut, Hunger und Kriegen sterben. Daß dies kein reines politisches Problem ist, zeigen der Lobbyismus und die Drogengeldströme wohl am deutlichsten, zusammen mit der Währungs-, Nahrungs- und Rohstoffspekulation.

Zwei weitere Punkte aus dieser Studie sollen das eben gesagte noch verdeutlichen, denn man darf nicht vergessen, daß diese Studien an die Regierung und die Bankenvorstände gehen und dort natürlich für eine bestimmte Haltung sorgen sollen, wodurch das Finanzwesen ganz gezielt die Politik in seine Richtung lenkt.

    „3.3 Diskussion um die Sinnhaftigkeit des Glass-Steagall Acts

    Die zunehmende Aushöhlung und abschließende Aufhebung des Glass-Steagall Acts trug zahlreichen Kritikpunkten Rechnung, mit denen der Glass-Steagall Act konfrontiert war (vgl. Barth et al. (2000)):

    1. Eine einflußreiche wissenschaftliche Literatur aus den 1980er und 1990er Jahren hatte die Vorgänge in den Jahren vor der Weltwirtschaftskrise eingehend untersucht und festgestellt, daß - anders als von Zeitgenossen damals vermutet - die Wertpapier-Aktivitäten der damaligen Universalbanken wenig spezifischen Einfluß auf die Entstehung der Weltwirtschaftskrise hatten. Zu diesen Untersuchungen gehören auch die Studien von Kroszner und Rajan (1994) sowie White (1986), auf die wir im weiteren Fortgang dieses Textes eingehen.

    2. Die Ausnahmetatbestände, die in den vergangenen Jahrzehnten, besonders aber nach dem Jahr 1987, zugelassen worden waren, wurden ebenfalls als Argumente für eine Abschaffung des Glass-Steagall Acts ins Felde geführt. So wurde darauf verwiesen, daß diese Ausnahmen die Stabilität des Finanzsystems nicht verschlechtert hätten, und einzelne Studien stellten dar, daß die neu ins Investmentbankgeschäft eingestiegenen Geschäftsbanken kein systematisch anderes Geschäftsgebaren an den Tag gelegt hätten als Investmentbanken. Es wurde dementsprechend argumentiert, daß man von einer Regelung mit Ausnahmen zu einer generellen Erlaubnis entsprechender Geschäftsfelder übergehen könne.“

Die Literatur der 80er und 90er Jahre, auf die sich hier bezogen wird, sind die seit 1984 veröffentlichten vielfachen Studien von Alan Greenspan und Co., die für die Interessen genau jener Kreise stehen, vor denen uns Pecora am Ende seines Buches warnt. Heute immer noch zu behaupten, das Trennbankensystem hätte damals keine Wirkung gehabt und würde auch heute nichts bringen, ist völliger Unsinn und entbehrt jeglichen historischen Verständnisses der Politik des New Deal.

Man könnte an dieser Stelle noch unzählige weitere Zitate aus der Studie anführen, die alle nur einen Zweck haben: Die Vorstellung durchzusetzen, daß ein Trennbankensystem damals nicht bei der Krisenüberwindung geholfen hat und daher auch heute nicht helfen würde, und daß es damals lediglich um die Restrukturierung der Finanzmärkte ging und nicht darum, ein grundsätzliches Problem in der Funktionsweise des Finanzsystems zu lösen.

Anschließend wird in dieser Studie jeder Vorschlag für ein Trennbankensystem durchgegangen, der sich nicht auf das originale Gesetz von 1933 bezieht, und dabei gibt man sich große Mühe, selbst die wenigen guten systemkritischen Elemente der einen oder anderen Untersuchung wegzudiskutieren. Noch schlimmer ist nur, daß mit keinem einzigen Atemzug der aktuelle Gesetzesvorschlag (HR129, ehemals HR1489) von Marcy Kaptur und Walter Jones im US-Kongreß zur Wiedereinführung des originalen Glass-Steagall-Bankengesetzes von 1933 erwähnt wird.

Wollen Sie daher mehr über die Bankentrennung, die Geschichte dahinter und eine Lösung für die jetzigen Probleme wissen, halten Sie sich an die BüSo und besuchen Sie www.bueso.de/Trennbankensystem und www.bueso.de/Kreditsystem. Helfen Sie mit, ein neues Paradigma des Aufbaus und der Entwicklung der Nationen zu schaffen, und kontaktieren Sie ihre Abgeordneten und klären Sie diese über das richtige Trennbankensystem und den historischen Kampf darum auf.