Deutsch-russische Wissenschaftsallianz statt Kriegseskalation!
31. März 2014

Herunterladen:

MP3-AUDIO HERUNTERLADEN

Angesichts der seit Jahren andauernden Propaganda gegen Russland und der sich immer weiter zuspitzenden Situation in der Ukraine ist es an der Zeit, in Deutschland zu sagen: Russland ist nicht unser Feind. Denn es verbindet uns eine gemeinsame Geschichte, die ein Beweis unserer Zusammengehörigkeit ist. Damit meine ich aber nicht den 1. oder 2. Weltkrieg oder gar die Auseinandersetzung Sozialismus/Kommunismus, sondern die gemeinsame Wissenschaftstradition auf höchster Ebene, die in unseren beiden Ländern beheimatet ist und uns auszeichnet. Denn eines kann man mit absoluter Sicherheit sagen: ohne die Wissenschaftler und Gelehrten aus Deutschland und Russland wäre die Welt um einiges dümmer und viele der wichtigsten Errungenschaften der Menschheit hätten von anderen geleistet werden müssen oder wären bis heute noch nicht entdeckt. Um daher eine weitere Eskalation hin zu einem erneuten Weltkrieg zu verhindern und neue Wege für eine gemeinsame Zukunft aufzuzeigen, müssen wir uns an diesen positiven gemeinsamen Teil unserer Geschichte erinnern und dies zur Grundlage unserer zukünftigen Zusammenarbeit machen.

Wie alles begann

Alles fing an mit der Zusammenarbeit des deutschen Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz und Zar Peter dem Großen, denn dadurch wurde das Schicksal von Russland und Deutschland miteinander verwoben und es entwickelte sich in Russland eine besondere Wissenschaftstradition, die in Europa ansonsten nur mit der deutschen Wissenschaftstradition vergleichbar ist. 1724 entstand die Petersburger Akademie der Wissenschaften und 1755 die erste Universität Russlands durch den Einfluss, den Leibniz auf das Land ausgeübt hatte. Für die folgenden 100 Jahre waren immer etwa ein Viertel ihrer Dozenten Deutsche und auch an den danach gegründeten Universitäten Russlands gab es immer einen hohen Anteil an deutschen Gelehrten; bis 1867 war deutsch sogar eine Standardsprache an den russischen Universitäten.

Aus dieser Tradition der Gelehrsamkeit erwuchs dem Land Michail Wassiljewitsch Lomonossow (1711-1765) der Entdecker der physikalischen Chemie, Erneuerer der russischen Sprache und der Akademie der Wissenschaften. Dimitri Mendelejew (1834-1907) befand sich direkt in der Tradition Lomonossows und er war daher auch in der Lage, das Periodensystem der Elemente zu entdecken. Ihm folgten Persönlichkeiten wie Alexander Gurwitsch (1879-1955), einer der bedeutendsten Biologen des 20. Jahrhunderts und der BioGeoChemiker Vladimir I. Vernadskij, welcher neben vielen bahnbrechenden Entdeckungen in der Geo- und Biochemnie als erster verstand, daß der schöpferisch kreative Geist des Menschen eine eigenständige geologische Kraft repräsentiert und daher auch eine Rolle in den Ordnungsprinzipien eines Staates und der Gesellschaft spielen muss.

Diese großen Wissenschaftler hatten auch ganz direkt persönlich mit Deutschland zu tun. So studierte Lomonossow im sächsischen Freiberg und Gurwitsch in München. Mendelejew bereiste Deutschland mehrfach, wie auch Wernadskij, dessen Vater zu den Kreisen um den deutschen Dichter Heinrich Heine gehörte. Schließlich sei auch gesagt, daß diese vier Persönlichkeiten und viele weitere eine unglaubliche Inspiration für viele deutsche Wissenschaftler darstellten, ohne die unser Land nicht das wäre, was es bis heute eigentlich auszeichnet.

Aber auch Deutschland braucht sich nicht zu verstecken: nicht nur Leibniz arbeitete mit Russland zusammen, sondern auch Carl Friedrich Gauss, der sogar mit 60 Jahren noch russisch lernte und die Sprache gut beherrschte. Alexander von Humboldt reiste auf Einladung des Zaren acht Monate durch Russland und betrieb dort nicht nur Forschung, sondern half auch aktiv, den Bergbau zu erneuern und zu verbessern, sowie auch die Wirtschaft Russlands zu beleben. Daraus entwickelte sich ein Briefwechsel mit hundert Korrespondenten, die in Russland lebten. Die Deutschen legten wesentliche Grundlagen für die Wissenschaft in Russland, so zum Beispiel Alexander von Humboldt und Gauss für die Geologie und die Forschungen zum Schwerpunkt Erdmagnetismus.

Wir können also sagen, dass die manchmal zwar nicht ganz einfache gemeinsame Geschichte von Russland und Deutschland dennoch auf einem wunderbaren Fundament wissenschaftlicher Zusammenarbeit unserer gemeinsamen größten Geister in der Wissenschaft beruht. Was wäre also jetzt angebrachter, als uns genau daran zu erinnern diese Tradition wiederzubeleben und zur Grundlage gemeinsamer Projekte im gemeinsamen Interesse zu machen.

Aus diesem Grund fand am 21. März 2014 ein Treffen zu diesem Thema in Köln statt. Wir wollen ihnen den Audiomitschnitt nicht vorenthalten, so dass auch Sie sich begeistern lassen können von einer besseren Herangehensweise für die Zusammenarbeit der Nationen Deutschland und Russland.