Frieden heißt Entwicklung: Chinas Strategie für Nahost beim Valdai-Club diskutiert
29. Februar 2016 • 13:23 Uhr

Wirtschaftliche Entwicklung steht im Zentrum von Chinas Strategie für den Nahen Osten – im Kontext der Neuen Seidenstraßen-Initiative („Eine Straße-ein Gürtel“), wie Wu Bingbing, ein führender Forscher des Institutes für Internationale und Strategische Fragen an der Beijing Universität in einem Vortrag bei der Konferenz des Valdai-Diskussionsclubs vom 25-26. Februar in Moskau darlegte. An dem Panel „Nahost: von Gewalt zu Sicherheit“, der sich mit der Frage von Zusammenarbeit und Entwicklung beschäftigte, nahmen hochrangige Experten aus Rußland, Iran, Indien und den USA teil.

Wu griff die „Regimewechselpolitik“ und „Farbrevolutions“-Strategien an, die die Situation nur noch verschlimmerten. China vertrete gegenüber der Region eine Politik, die keinen als Feind ausschliesse, und bemühe sich um ausgeglichene Beziehungen zu allen Ländern; ebenso gehöre dazu die Sicherheitszusammenarbeit mit Rußland, den USA und der EU, unter der Bedingung, daß diese sich im Rahmen der UN bewegt, sowie die Unterstützung für kollektive regionale Sicherheitsinitativen, denn: "von außen kann keine Kraft die absolute Sicherheit des Nahen Ostens garantieren“, so Wu.

Vitaly Naumkin, Präsident des Orient-Instituts der Russischen Akademie der Wisenschaften bezeichnete das russisch-amerikanische Waffenstillstandsabkommen in Syrien als Beispiel für die notwendige Kooperation der Großmächte, um die Probleme im Nahen Osten zu lösen. Kayhan Barzegar, der Direktor des iranischen Institus für Strategiestudien des Nahen Ostens erläuterte die iranische Herangehensweise an die Beziehungen mit den Nachbarn der Region und zwischen Großmächten; Raman Kumaraswamy von der Schule für Internationale Studien an der indischen Jawaharlal Nehru Universität entwickelte Ideen zu einer möglichen Annäherung Russlands und Saudi-Arabiens.

In der abschliessenden Sitzung sprach sich der frühere amerikansiche Botschafter in Ägypten und Israel, Daniel Kurzer (jetzt Woodrow Wilson School an der Princeton Univesität) dafür aus, daß die Totalität der Probleme in der Region, wie mangelnde Sicherheit, Massenarbeitslosigkeit, Bildungs- und Gesundheitsprobleme gleichzeitig angepackt werden müssten. Laut dem Bericht des Valdai Clubs drückte er seine „volle Solidarität“ für die Möglichkeit eines kordinierten Vorgehens aus, um die Instabilität im Nahen Osten zu bekämpfen.

Der Internationale Diskussionsklub Valdai entstand im September 2004 auf Initiative der Presseagentur RIA Novosti, des Rates für Außen- und Abwehrpolitik Russlands, der Zeitung „The Moscow Times“ und der Zeitschriften „Russland in der Weltpolitik“ und „Russia Profile“. Jährlich findet im Herbst ein Treffen von russischen und ausländischen Journalisten, Politikern und Wissenschaftlern statt, bei dem es um die Außen- und Innenpolitik Russlands mit jeweils wechselnden Themen geht und sich der russische Präsident mit den Teilnehmern trifft.