Der kommende Untergang des Hauses Saud?
28. April 2016 • 11:30 Uhr

Fast unbemerkt von den Medien in Deutschland tobt in den USA der Kampf um die Veröffentlichung der unter Verschluß gehaltenen Dokumente, die die Beteiligung von führenden Institutionen Saudi-Arabiens an den Anschlägen vom 11. September 2001 belegen. Wenn die ganze Wahrheit ans Tageslicht kommt, könnten Regierungen und Dynastien stürzen. Ist das der Grund warum sich Obama so vehement gegen eine Veröffentlichung stellt? Hier nur eine kleine Auswahl von Stellungnahmen der letzten Tage.

Bernie Kerik, New Yorker Polizeichef zur Zeit der Anschläge, sagte am 22. April gegenüber Newsmax Now, daß einige Mitglieder der 9/11-Untersuchungskommission der festen Überzeugung seien, die 28 Seiten [des Berichts] enthielten Beweise für eine saudische Urheberschaft der Anschläge. Wenn das wirklich der Fall sei, „dann geht es nicht allein um die Familien der Opfer von 9/11 … Dies könnte weltweite Auswirkungen haben: Rechtsstreitigkeiten, Anklagen, Länder die sich gegen Saudi-Arabien wenden. Ich glaube, es existiert die Möglichkeit, daß es zum Sturz des Hauses Saud führt.“

Zu der Drohung Saudi-Arabiens, man werde im Falle einer Anklage amerikanische Staatsanleihen in Höhe von 750 Milliarden Dollar abstoßen, sagte Kerik, dies sei „nichts anderes als wirtschaftlicher Terrorismus, weil sie glauben uns damit in die Knie zwingen zu können. Wir sollten uns nicht beugen.“ Und da Obama ja verzweifelt etwas suche, was als Hinterlassenschaft seiner Präsidentschaft anzusehen sei, fügte Kerik augenzwinkert hinzu: „Was wäre, wenn Obama die 28 Seiten freigibt und darüber das Haus Saud tatsächlich stürzt. Was wäre das für eine Hinterlassenschaft.“

Auch am 22. April sprach Bill Maher in seiner populären Fernsehtalkshow Real Time With Bill Maher davon, daß die Vereinigten Staaten unter George W. Bush das falsche Land nach 9/11 angegriffen habe. „Besonders … wenn wir wissen, daß die Saudis uns angegriffen haben, wow, das läßt den Irakkrieg noch schlimmer aussehen. Viele Stimmen haben schon die ganze Zeit behauptet: ‚Wir haben das falsche Land angegriffen‘. Und jetzt ist ziemlich offensichtlich, daß wir das falsche Land angegriffen haben und daß es ein tatsächlich ein richtiges Land gab.“

Der ehemalige Senator Bob Graham, der als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses 2002 für die Erstellung des Gemeinsamen Kongreßberichts, in dem die berühmten 28 Seiten das Schlußkapitel darstellen, verantwortlich war kam am vergangenen Sonntag in der NBC-Fernsehsendung Meet the Press ausführlich zu Wort. Es ginge nicht allein um die Freigabe der 28 Seiten, so Graham, sondern es gäbe um die 80.000 Dokumente aus Sarasota (Florida), die noch viel mehr über die Beteiligung Saudi-Arabiens aussagten und ebenfalls freigegeben werden müßten.

Er wird gefragt, ob es plausible sei, daß die 19 Attentäter, ohne Hilfe diese sehr komplexe Operation haben durchführen können. Es sei kaum glaubwürdig, antwortet Graham, daß Leute, die kein englisch sprechen konnten und nie zuvor in den USA gewesen seien die Anschläge ohne Hilfe hätten durchführen können. „Alle Hinweise, denk ich, deuten auf Saudi-Arabien. Wir wissen, daß Saudi-Arabien Al-Kaida geschaffen hat.“

Dann hakt Gastgeber Chuck Todd nach: „Wenn Sie Saudi-Arabien sagen, meinen Sie dann die Regierung … oder reiche Einzelpersonen?“ Und Graham antwortet: „Dies ist eine sehr undurchsichtige Fragestellung. Saudi-Arabien hat durch seine legalen Aktionen diese Unklarheit selbst hervorgerufen.“ Denn wenn immer ein amerikanischer Bürger eine saudische Bank oder Wohltätigkeitsorganisation verklagt, würde die saudische Regierung sich auf die ‚souveräne Immunität‘ berufen, auch wenn die beklagten Organisationen offiziell gar nicht Teil der Regierung seien.

Und am Ende des Gesprächs sagt Graham: „Die Abwendung der USA von Saudi-Arabien ist jetzt recht offensichtlich. Ich glaube es ist an der Zeit, die Wahrheit über diese Beziehung in den Entscheidungsprozeß einzubeziehen, wie wir zukünftig agieren.“