Ein Neues Paradigma für die gemeinsamen Ziele der Menschheit!
17. September 2016 •

Appell an die Vollversammlung der Vereinten Nationen:

Es ist unerläßlich, daß die in diesen Tagen zusammenkommende Vollversammlung der Vereinten Nationen an die Fortschritte anknüpft, die der G20-Gipfel unter der Führung Chinas in Hangzhou erreicht hat. Die Weichen für eine neue Finanzarchitektur sind gestellt; die Chance, daß alle Nationen am Ausbau der Neuen Seidenstraße auf der Basis einer Win-Win-Kooperation teilnehmen, daß die Produktivität der Weltwirtschaft auf der Basis von Innovation gesteigert und so die Armut und Kriegsfolgen überwunden werden können, ist vorhanden wie nie zuvor.

Das Hauptproblem besteht jedoch darin, daß der „Westen“ am Status quo der unipolaren Welt und des neoliberalen Finanzsystems festhalten will, obwohl beides längst unhaltbar geworden ist. Der Aufstieg Asiens bedeutet, daß nicht eine Nation die Regeln bestimmen kann, sondern Lösungen durch Dialog und Verhandlungen gefunden werden müssen. Und das neoliberale System befindet sich in einer existentiellen Krise.

Der eine Zwilling der Globalisierung – die Politik der Regimewechsel und angeblich „humanitären“ Interventionen – hat Millionen von Menschen das Leben gekostet, unsägliches Leid für viele weitere Millionen gebracht, ganze Regionen zerstört, der Ausbreitung des Terrorismus einen Nährboden geliefert und riesige Flüchtlingswellen in Bewegung gesetzt. Alleine die Kriege gegen den Irak und Afghanistan haben laut einer Untersuchung von Professor Neta Crawford von der Brown University bisher fünf Billionen Dollar gekostet – und mit welchem Ergebnis?

Der andere Zwilling – das System der Profitmaximierung der „too big to fail“-Banken, die angeblich zu groß sind, als daß man sie untergehen lassen dürfte – hat zu einer unerträglichen Öffnung der Schere zwischen Reich und Arm geführt. Und wenn gewisse Banken die volle Summe als Strafe für ihre kriminellen Methoden zahlen müssen, können sie Insolvenz anmelden, weil ihre Kapitaldecke nicht ausreicht. Eine neue Kernschmelze droht, die noch katastrophalere Folgen hätte als der Kollaps von Lehman Brothers 2008, weil die Instrumente der Zentralbanken nicht mehr greifen.

Zwei Berichte, die in Großbritannien veröffentlicht wurden, bieten daher eine hervorragende Gelegenheit zur Bewertung und Korrektur der bisherigen Politik. Nach dem Chilcot-Bericht, der Tony Blair die Schuld für den illegalen und auf Lügen aufgebauten Irakkrieg zuwies, veröffentlichte ein Ausschuß des britischen Parlaments jetzt eine nicht minder vernichtende Anklage gegen den früheren Premierminister David Cameron bezüglich des Krieges gegen Libyen, der auf einer fehlerhaften Einschätzung erfolgt sei und zu einem „politischen und wirtschaftlichen Kollaps, Kämpfen zwischen Milizen und Stämmen, humanitären und Flüchtlingskrisen, weitverbreiteten Menschenrechtsverletzungen, zur Verbreitung von Waffen des Gaddafi-Regimes in der ganzen Region und zum Erstarken von ISIS“ geführt habe. In dem Bericht heißt es zur entsprechenden Rolle der USA:

„Die Vereinigten Staaten waren entscheidend bei der Ausweitung der Bestimmungen der Resolution 1973 über die Durchsetzung einer Flugverbotszone auf ‘alle notwendigen Maßnahmen’ zum Schutz der Zivilbevölkerung. In der Praxis führte dies zur Durchsetzung einer ‘Fahrverbotszone’ und zu der unterstellten Befugnis, die gesamte Führung und Kommunikation der libyschen Regierung anzugreifen.“

In die gleiche Überprüfung der bisherigen Politik gehören natürlich die Implikationen der 28 Seiten des offiziellen Berichtes der Untersuchungskommission des US-Kongresses, der die Umstände der Anschläge des 11. September 2001 beleuchtet, und des sogenannten JASTA-Gesetzes, die eine vollkommen neue Untersuchung erfordern.

Angesichts des horrenden Leids, das diese verfehlte Politik verursacht hat – den Millionen von Toten und Verwundeten, traumatisierten Kindern und Soldaten (durchaus auch bei den angreifenden Nationen), Zerstörung von Städten, Dörfern, Infrastruktur und unersetzbaren Kulturgütern –, ist es nicht nur angebracht, sondern eine moralische Bringschuld, daß die Staaten, die sich in diversen „Koalitionen der Willigen“ an diesen Kriegen beteiligt haben, den politischen Prozeß in ihren Parlamenten aufarbeiten und sich am Wiederaufbau der zerstörten Regionen voll und ganz beteiligen. Dadurch werden die Toten nicht wieder lebendig, aber das Eingeständnis der Schuld und die beherzte Wiedergutmachung würde den heute lebenden Menschen die Hoffnung auf eine Zukunft geben.

Der Status quo ist nicht zu halten. Ein enormer Vertrauensverlust der Bevölkerung in der transatlantischen Welt ist das Resultat der beiden Zwillinge der Globalisierung. Rechtspopulistische bis rechtsextreme Parteien gewinnen massiven Zulauf, die Verhältnisse der 1930er Jahre drohen sich in neuer Form zu wiederholen, die EU zerbröckelt; die Flüchtlingskrise wird durch die Sicherung der Außengrenzen der EU nicht gelöst, sondern nur verlagert und aus den Nachrichten entfernt. Die amerikanische Wirtschaft kollabiert und die Gesellschaft dort ist zerrissen und von Gewalt erfaßt wie nie zuvor. Entweder dieser Prozeß führt zu einer Eskalation der Konfrontation gegen Rußland und China und zur Auslöschung der Menschheit in einem großen Krieg – oder die führenden Politiker des Westens haben die moralische Integrität, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren.

Die Weichen sind gestellt

Um zu der positiven Aussage des Anfangs dieses Appells zurückzukehren: Die Weichen für den Ausweg aus dieser zivilisatorischen Krise sind seit dem G20-Gipfel gestellt. China hat nicht nur eine neue Ebene der Zusammenarbeit präsentiert, die nicht auf Geopolitik sondern auf einer Politik im gegenseitigen Interesse basiert, sondern es hat zusätzlich die Industrialisierung Afrikas und anderer Länder mit geringem Einkommen versprochen und damit einen Lösungsweg aufgezeigt, wie sowohl die Flüchtlingskrise als auch das Umfeld des Terrorismus beseitigt werden können. Offensichtlich erfordert der Ausbau der Neuen Seidenstraße in den Nahen Osten und nach Afrika Wachstumsraten von 7-10 Prozent.

Und prompt meldet sich der Club of Rome mit einem neuen Bericht mit dem zynischen Titel „Ein Prozent [Wachstum] ist genug“, was in der Konsequenz auf eine Bevölkerungsreduktion hinausläuft – eine faschistische Politik, für die der Club of Rome berüchtigt ist. Die UN betonte kürzlich in einer Stellungnahme, daß Afrika mindestens 7-8% Wirtschaftswachstum braucht. Wenn einer der Autoren, Jorgen Randers aus Norwegen, die abstruse Aussage macht: „Meine Tochter ist das gefährlichste Tier der Welt“, weil sie 30mal soviel Energie verbrauche wie ein Mädchen in einem Entwicklungsland, dann zeigt dies, auf der Basis welchen Menschenbildes der Club of Rome argumentiert, nämlich einem bestialischen.

Der Mensch ist aber im Gegensatz zu allen anderen Lebewesen fähig, sein kreatives Potential immer wieder zur Entdeckung neuer Einsichten in die Gesetzmäßigkeiten des Universums einzusetzen – das nennt man wissenschaftlichen Fortschritt –, und diesem unbegrenzten Vervollkommnungsprozeß des menschlichen Geistes entsprechen die Gesetze des physischen Universums, das sich zu immer höheren Energieflußdichten entwickelt. Wir befinden uns nicht in einem geschlossenen System auf der Erde, wie der Club of Rome und ähnliche Organisationen behaupten, sondern unser Planet ist integraler Teil des Sonnensystems, der Galaxis und des Universums, und die Weltraumforschung ist dabei, diese immer mehr zu entdecken. Diese Forschung bringt uns viele Vorteile auf der Erde, und deshalb ist es phantastisch, daß China auf dem G20-Gipfel gerade die Einbeziehung der Entwicklungsländer in die am weitesten entwickelten Forschungsergebnisse angekündigt hat.

Die Menschheit ist an einem Scheidepunkt angelangt. Wenn wir auf ausgetretenen Pfaden wandeln, mit einer Politik des „weiter so“, dann droht die Welt vollends aus den Fugen zu geraten. Wenn wir uns hingegen auf die gemeinsamen Ziele der Menschheit einigen können – eine Wirtschafts- und Finanzordnung, die dem Gemeinwohl der ganzen Menschheit dient und ein menschenwürdiges Leben für jeden Menschen auf dieser Erde ermöglicht, die Sicherung von Rohstoffen und Energie durch entwickelte Technologien wie die Kernfusion, die Erforschung des Weltalls zur Sicherung unseres Planeten, eine Renaissance der klassischen Kulturen –, dann können wir eine neue, bessere Epoche in der Geschichte unserer Gattung einläuten.

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen ist der würdige Ort, an dem das neue Paradigma der einen Menschheit, jenseits der Differenziertheit der Nationen, etabliert und zelebriert werden muß.





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