Werden der 11. September und BAE Cheneys Pläne, den Iran zu bombardieren, entgleisen lassen?

06.11.2007
Werden der 11. September und BAE Cheneys Pläne, den Iran zu bombardieren, entgleisen lassen? admin 06.11.2007

Zwei Ereignisse der jüngsten Zeit, die im Zusammenhang mit dem Besuch des saudischen König Abdullah in London Ende Oktober auftraten, haben erneut die dunklen Schatten des 11. September 2001 und des BAE-Skandals auf den Vizepräsidenten Dick Cheney geworfen. Zusammen mit dem wachsenden Widerstand im US-Militär und von Fraktionen innerhalb der Bush-Regierung, sowie in den Golfstaaten, Rußland und sogar Israel gegen Cheneys Kriegspläne könnte die Aufmerksamkeit für die zwei größten mit Cheney verbundenen Skandale helfen, die beschleunigte Mobilisierung des US-Vizepräsidenten für eine Bombardierung des Iran entgleisen lassen, und somit einen neuen eurasischen Hundertjährigen Krieg abwenden.

Vorwürfe über den 11. September

Am 1. November 2007 gab der langjährige saudische Botschafter in Washington, Prinz Bandar bin-Sultan, der heute der nationale Sicherheitsberater von König Abdullah ist, dem arabischen Fernsehsender Al-Arabiya ein Interview, in dem er die erstaunliche Aussage machte, die Angriffe des 11. September 2001 hätten verhindert werden können, wenn die USA die Nachrichtendienstberichte aus Saudi-Arabien ernst genommen hätten.

Prinz Bandar behauptete, die saudischen Nachrichtendienste hätten die meisten der Flugzeugentführer des 11. September vor den Angriffen auf das World Trade Center und das Pentagon „mit Genauigkeit aktiv überwacht".

„Wenn die US-Sicherheitsbehörden ihren saudischen Partnern in ernsthafter und glaubhafter Weise entgegengekommen wären, dann hätten wir meiner Ansicht nach die Geschehnisse verhindern können.", sagte er.

Prinz Bandars Vorwurf, die US-Regierung hätte den 11. September verhindern können, wenn sie die Spuren verfolgt hätte, die die saudischen Nachrichtendienste lieferten, wurden von einigen US-Nachrichtendienstlern, die von EIR diesbezüglich konsultiert wurden, mit Skepsis aufgenommen. Sie wiesen auf die Enthüllungen, die EIR selbst am 29. Juni 2007 auf der Grundlage des Berichtes der Kommission zum 11. September und anderen Quellen gemacht hatte, daß der damalige saudische Botschafter Bandar mehr als $50.000 über zwei saudische Nachrichtendienstler an einige der Flugzeugentführer geleitet hatte. Eine Quelle betonte, die Bandars Zahlungen seien so kontrovers, daß ein 28seitiger Abschnitt des Berichtes zum 11. September zu diesem Vorfall als streng geheim eingestuft und bis heute nicht veröffentlicht wurde. Aber der Vorwurf des Versagens der USA im Vorfeld der Anschläge könnte einen Bruch zwischen dem Prinzen und seinem Gefährten in der Kriegspartei Dick Cheney bedeuten. Dies wiederum könnte die Intrigen Cheneys, einen Konflikt zwischen Sunniten und Shi´iten im Golf aufzubauen, behindern. Er hatte diese Machenschaften mit seiner Reise nach Riad im November 2006 in Gang gesetzt, die Prinz Bandar persönlich organisiert hatte.

Ob sie legitim sind oder nicht, Prinz Bandars außerordentliche Behauptungen spiegeln Bemerkungen wieder, die König Abdullah am 29. Oktober, kurz vor seinem Staatsbesuch in London, in einem Interview mit dem BBC machte. König Abdullah sagte, auch die britischen Behörden hätten die saudischen Nachrichtendienstwarnungen über geplante Terroranschläge in England nicht weiterverfolgt. In diesem Zusammenhang sagte er, der Anschlag auf die Londoner U-Bahn vom 7. Juli 2005, der 52 Menschen tötete, hätte verhindert werden können, wenn die britischen Behörden auf die spezifische Warnungen aus Riad im Vorfeld der Angriffe hin gehandelt hätten.

Von EIR auf die Äußerungen Bandars und Abdullahs angesprochene US-Nachrichtendienstquellen berichteten, die Saudis seien von der Enthüllung, daß 15 der 19 Flugzeugentführer vom 11. September saudische Staatsbürger waren, schwer getroffen waren, und würden nun eine PR-Offensive starten, um das Stigma abzulegen. Aber, so unsere Quellen, der Versuch, die Schuld für den 11. September abzuwälzen, bringe für alle beteiligten Parteien, den Vizepräsidenten miteinbezogen, erhebliche Risiken mit sich. Letzterer hatte erwartet, die Saudis würden seine Kriegspläne gegen den Iran unterstützen.

Die unverblümten Beschuldigungen Bandars haben dramatische Fragen aufgeworfen, die den jüngsten Äußerungen Lyndon LaRouches während einer internationalen Internetkonferenz am 10. Oktober in Washington ähneln. In seinen einleitenden Worten hatte LaRouche erklärt: „Was ich weiß und sagen kann ist, daß der 11. September ein Verbrechen von Insidern war, also eine Operation mit Kenntnis amerikanischer Dienste war. Es war eine Operation im Namen dessen, was die Bush-Cheney Regierung repräsentiert." Später fügte LaRouche hinzu: „Ich weiß auch mehr Einzelheiten, als ich sage: Es gab unter Beteiligung gewisser Leute aus Saudi-Arabien, zusammen mit dem britischen Empire, das sich über [den Rüstungskonzern] BAE Macht mit Saudi-Arabien teilt, am 11. September einen Angriff auf die Vereinigten Staaten. Und seitdem leben wir unter diesem Druck. Dazu stehe ich. Weitere Tatsachen werden zu einem geeigneten Zeitpunkt an die Öffentlichkeit kommen."

Die erstaunlichen Anschuldigungen Bandars, daß US-Regierungsvertreter mit den Saudis nicht zusammenarbeiten wollten, die die Flugzeugentführer genau überwachten, wirft die Frage auf, die dem Vizepräsidenten Dick Cheney und anderen im Weißen Haus gestellt werden muss: Stellten die Saudis tatsächlich der Bush-Cheney Regierung „handlungsfähige Informationen" über den bevorstehenden Al-Qaida Angriff auf Amerika zur Verfügung? Im Juli 2001 zirkulierten sowohl das FBI als auch die CIA Warnungen vor einem Terroranschlag der Al-Kaida. Am 10. Juli trafen CIA-Direktor George Tenet und der Terrorabwehrdirektor der CIA Cofer Black die Nationale Sicherheitsberaterin Condolezza Rice, Justizminister John Ashcroft und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, um Alarm zu schlagen und vor einem unmittelbar bevorstehenden Al-Kaida-Anschlag zu warnen. Sie wurden vor allem von Rice "abgebürstet".

Dies führte zu dem inzwischen berüchtigten Tagesbriefing des Präsidenten vom 6. August 2001, in dem ein Abschnitt überschrieben war: „Bin Laden ist entschlossen in den USA zuzuschlagen." Hierin wurde vor einem Al-Kaida-Anschlag auf amerikanischem Boden gewarnt. Die Warnung gründete auf Informationen aus dem In- und Ausland.

Trotz aller Warnungen des FBI und der CIA und den neuen Aussagen von Prinz Bandar, daß auch Saudi-Arabien vor Al-Kaida-Anschlägen auf die USA gewarnt habe, tat die Bush-Cheney Regierung absolut nichts, um auf die Warnungen zu reagieren.

Wer trägt die Hauptverantwortung für den 11. September in der US-Regierung, unabhängig davon, ob Bandars Vorwürfe sich als wahr erweisen oder nicht? Zur Zeit der Anschläge war Cheney der „Antiterror-Zar" des Weißen Hauses, ein Titel, den ihm Präsident Bush am 17. Mai 2001 verliehen hatte – just in dem Moment, als das Weiße Haus die Feststellungen der Hart-Rudman-Kommission zur Nationalen Sicherheit, die zweieinhalb Jahre lang Amerikas Verwundbarkeit durch Terroranschläge untersucht und eine große Überholung der Planungen und Strukturen der USA zur inneren Sicherheit gefordert hatte, zu den Akten legte.

Bandars Vorwurf, der auf LaRouches Internetkonferenz vom 10. Oktober folgte, wird die Fragen zum 11. September wieder auf die Tagesordnung bringen. Dies wird insbesondere für Vizepräsident Cheney, den LaRouche als den „Hermann Göring" der Bush-Regierung bezeichnete, eine schlechte Nachricht sein.

Der BAE-Skandal wieder im Rampenlicht

Mit viel Pracht und Prunk machte der saudische König Abdullah während der letzten Oktoberwoche einen Staatsbesuch in Großbritannien, um "Zwei Königreiche" zu feiern. Mehr als 500 Personen begleiteten den König, darunter auch Prinz Bandar, der saudische Verteidigungsminister Prinz Sultan (Bandars Vater), Außenminister Prinz Saud al-Faisal, und Innenminister Prinz Naif.

Der Besuch brachte den Skandal um den langanhaltenden "Al-Yamamah" Waffen-für-Öl Handel zwischen dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems und den Saudis erneut ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Vince Cable, der die Liberaldemokraten in England anführt, boykottierte die gesamte britisch-saudiarabischen Feierlichkeiten, um gegen die Vertuschung des BAE-Skandals durch die britische Regierung und saudische Menschenrechtsverletzungen zu protestieren.

Als einer seiner letzten Amtshandlungen hatte Tony Blair das britische Amt für Schwerbetrug angewiesen, seine Untersuchung der Al-Yamamah-Geschäfte, inklusive der bekannten $2 Milliarden an Schmiergeldzahlungen an Prinz Bandar, der den Tauschhandel Öl-für-Waffen ausgeheckt hatte, einzustellen. Unmittelbar bevor er die Downing Street No. 10 verlies, unterzeichnete Blair ein weiteres neues BAE-Waffengeschäft mit den Saudis im Wert von geschätzten $20 Milliarden.

Wie EIR Anfang des Jahres exklusiv berichtet hatte, lag der eigentliche Skandal beim „Al-Yamamah"-Abkommen in der Schaffung eines Geheimfonds von rund $100 Milliarden, der von den Briten mit saudischer und amerikanischer Kooperation verwaltet wurde. Man verkaufte hierfür das Öl, das Saudi-Arabien als Zahlung an BAE lieferte, auf dem Spotmarkt, um ohne Spuren das Geld zu beschaffen. Diese geheimen Gelder wurden einer halboffiziellen Biographie Bandars zufolge für eine ganze Reihe von verdeckten Kriegsoperationen genutzt, etwa die Bewaffnung der Mujahideen in Afghanistan in den 1980er Jahren, die Belieferung des Tschad mit sowjetischen Waffen, um einen lybischen Einmarsch in den späten 80er Jahren abzuwehren, und den amerikanischen Verkauf von Rüstungsgütern an die Saudis unter Umgehung der US-Behörden. Einige der Gelder gingen direkt an Bandar und könnten sogar Teil jenes Geldes gewesen sein, das an einige der Flugzeugentführer vom 11. September über den saudischen Geheimdienstmann Osama Basnan floß.

Einer amerikanischen Nachrichtendienstquelle zufolge könnte das Wiederaufleben des BAE-Skandals während des saudischen Staatsbesuches zu Spannungen zwischen Riad und London führen. In einem Interview mit der BBC während seines Besuches sagte Saudi-Arabiens Außenminister Prinz Faisal auf eine Frage zum BAE-Skandal, die Schuld bei Bestechungen liege nicht bei dem Bestochenen, sondern dem Bestecher. Das heißt: BAE sollte die Verantwortung für die Schmiergeldaffäre tragen und nicht Prinz Bandar.

Der Skandal wird nach wie vor vom US-Justizministerium untersucht. Offiziellen Berichten zufolge konzentrierte man die Ermittlungen bisher auf mögliche Verletzungen des US-Korruptionsgesetzes wegen der $2 Milliarden, die an Bandar gezahlt wurden. Wenn die Ermittlungen sich ausweiten, und Geldwäsche zum Thema wird, dann könnten die Konten der saudischen Botschaft in den zwei Jahrzehnten, in denen Bandar dort Botschafter war, untersucht werden. Und das ist etwas, was Dick Cheney, das Zentralkomitee der Republikanischen Partei und eine ganze Menge anderer Leute um jeden Preis vermeiden wollen.

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