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Zum 50. Jahrestag der Apollo-Mondlandung: Warum die Raumfahrt den Menschen in mehr als einer Weise erhebt!

Von Helga Zepp-LaRouche

Es gibt kaum ein anderes Phänomen der menschlichen Existenz, das so wie die Raumfahrt für die unbegrenzte Fähigkeit des Menschen steht, bisherige Grenzen durch qualitative Einsichten in die Gesetzmäßigkeit des Universums zu überwinden. Der 50. Jahrestag der Apollo- Mondlandung ist deshalb Anlaß, all der großen Pioniere der Raumfahrt zu gedenken und gleichzeitig die optimistische Vision für die Zukunft der Menschheit und ihre Fähigkeiten, neue Zivilisationen außerhalb der Erde zu schaffen, zu erneuern.

Rechtzeitig zu diesem Gedenktag, der weltweit mit zahllosen Jubiläumsfeiern zelebriert wird, berichtet Chinas Nationale Weltraumbehörde, daß die Mondlandesonde Chang‘e 4 und der Mondrover Yutu2 weiterhin aufregende Informationen von der erdabgewandten Seite des Mondes liefern. Indien startet am 15. Juli sein Weltraumfahrzeug Chandrayaan-2, das im September eine historische Landung in der Nähe des Südpols des Mondes absolvieren soll, wo Eis - also Wasser - in den immer im Schatten liegenden Kratern vermutet wird. Ouyang Zihuan, der „Vater“ des chinesischen Raumfahrtprogramms, berichtete vor kurzem auf einer Pressekonferenz, daß China 2020 eine Marsmission starten wird, die untersuchen soll, ob sich der Mars für ein sog. Terraforming eignet, also auf diesem Planeten Bedingungen geschaffen werden können, die einen dauerhaften Aufenthalt des Menschen möglich machen. Und beim größten bilateralen deutsch-russischen Raumprojekt soll das Röntgenteleskop eRosita Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxien in bisher unerreichter Auflösung erforschen.

Das Phantastische an diesen Meldungen besteht darin, daß sie den Beweis dafür liefern, daß die menschliche Kreativität es immer wieder vermag, neue Horizonte zu erschließen, daß, wie der russische Wissenschaftler Wladimir Wernadskij erkannte, seine immateriellen Ideen eine geologische Kraft im Universum darstellen, und daß, wie schon Nikolaus von Kues erkannte, eine Korrespondenz zwischen den Gesetzmäßigkeiten des Makro- und des Mikrokosmos existiert.

Die Bedeutung der Weltraumfahrt und -forschung besteht vor allem darin, uns auf anschauliche Weise klarzumachen, daß die Erde kein geschlossenes System ist, daß also die ganze These der Endlichkeit der Ressourcen und der daraus abgeleiteten Notwendigkeit des Nullwachstums oder sogar negativen Wachstums völlig absurd ist. Das Hubble-Teleskop hat bisher erforschen können, daß es mindestens zwei Billionen Galaxien gibt, daß es mehr Sterne im Weltall gibt als Sandkörner auf der Erde, und alle diese Himmelskörper sind voller Ressourcen - solchen, die wir schon kennen, wie Helium-3 auf dem Mond, das den Treibstoff für die zweite Generation der Fusionsreaktoren liefern wird, und solchen, für die wir heute noch nicht einmal eine wissenschaftliche Fragestellung haben.

Wenn wir unser langfristiges Überleben als Gattung sichern wollen, dann liegt die Zukunft in der internationalen Kooperation bei der Erforschung der fundamentalen Herausforderungen an das menschliche Wissen: der Erforschung des Weltalls und des sogenannten „tiefen Weltraums“, dem Ursprung und der Geschichte des Universums, der Frage des Charakters des Lebens an sich, dem Wesen der Kreativität des Menschen an sich.

Wenn wir unsere Anstrengungen auf internationaler Ebene für die Beantwortung dieser Fragen vereinen, dann haben wir allen Grund, mit Optimismus die Zukunft zu gestalten.

Ich möchte hier zwei Visionäre der Raumfahrt zitieren: Zunächst einen Ausschnitt aus dem Artikel „Die notwendige Wissenschaft und Technologie für die Kolonisierung des Mars“ meines kürzlich verstorbenen Ehemanns Lyndon LaRouche von 1986:

„Was ist das Verlangen eines guten Menschen? Was sonst, als die Gesetze der Schöpfung weniger unvollkommen zu verstehen, damit unser Wissen als Anleitung für unser Handeln sich weniger vom Willen des Schöpfers unterscheidet, der in der gesetzmäßigen Ordnung des Universums ausgedrückt ist? Wer könnte gut sein, und sich nicht nach einer solchen Übereinstimmung mit dem Schöpfer sehnen, um in diesem Sinne die Unvollständigkeit des eigenen Verständnisses der gesetzmäßigen Schöpfungsordnung zu verringern?

Was könnte ein schöneres Ereignis in der Existenz der sterblichen Menschheit sein, als sich vom Staub unseres Planeten zu erheben und den Weltraum zu betreten, und jedwede Herausforderung zu akzeptieren, die uns dort erwarten mag? Der Gedanke an eine solch unmittelbare Aufgabe vor uns bedeutet die Erfahrung einer ehrfurchterregenden Schönheit in uns selber.

Auf diesem Planeten, vor allem während der letzten zwanzig Jahre, sind immer größere Teile der Bevölkerung von Westeuropa und Amerika von kultureller Verzweiflung erfaßt worden.

,Es gibt keine Zukunft’, sagen die unheilverkündenden Vertreter der Ökologie-Bewegung. Auf diese Ökologie-Propaganda hereinfallend, suchen die Jugendlichen den momentanen Ausweg im hier und jetzt: Drogenkonsum breitet sich aus, der immer mehr junge Menschen zerstört. Derselbe üble Geruch von Irrationalität und Kulturpessimismus, der den Aufstieg der Nazis in Weimar ermöglichte, breitet sich heute aus und vergiftet den Überlebenswillen unserer Nationen.

Wir müssen die Aufmerksamkeit der jungen Menschen aufwärts, zu den Himmelsräumen richten und ihnen verdeutlichen: ,Dort liegt die Zukunft der Menschheit!’
In dieser Hinsicht ist die Eroberung des Weltraums ein unschätzbares Gut.“

23 Jahre nach dieser Charakterisierung der grünen Bewegung haben diese gesteuerte Irrationalität und der damit induzierte Kulturpessimismus klinische Formen angenommen. Während im vergangenen Jahr der Weltklimarat (IPCC) die Vertreter eines „Grünen New Deal“ und die ganze Phalanx der Endzeitpropheten der „We Dont Have Time“-Netzwerke noch davon sprachen, daß die Menschheit nur noch 12 Jahre hätte, um die Klimakatastrophe abzuwenden, und damit eine organisierte Hysterie-Bewegung unter Teenangern erzeugte, setzte Prinz Charles nun noch eins drauf. Bei einem Treffen mit den Außenministern des Commonwealth, also gewissermaßen den obersten Diplomaten des Britischen Empire, reduzierte er diese Frist auf 18 Monate, die angeblich nur noch verblieben, um die Natur in das Gleichgewicht zu bringen, die für das Überleben der Menschheit benötigt würde.

Erinnern Sie sich noch an das Waldsterben? Am 14. Februar 1983 sagte der Spiegel unter dem Titel „Wir stehen vor einem ökologischen Hiroshima“ das Ende des Waldes voraus, eine Kampagne, die von allen Mainstream-Medien massiv geführt wurde. Zwanzig Jahre später, am 18. Mai beerdigte 3sat in seiner Sendung „NANO“ das Waldsterben. Diese These habe auf „unzureichender Recherche“ und auf der „Unterdrückung von kritischen Sichtweisen“ beruht und hätte eine „allgemein depressive Stimmung“ geschürt, hieß es plötzlich.

Und was war mit dem Ozonloch? Nachdem zuvor eine Lawine ideologisch gefärbter Computermodelle das kommende Ende der Welt beschworen hatte, widerrief der als „Professor Ozonloch“ bekannte Nobelpreisträger Crutzen im Januar 1997 seine Ozonlochwarnungen als „zu apokalyptisch“, und heute erinnert sich kaum noch jemand an das Thema.

Nicht diese angeblichen Katastrophen sind die Gefahr, sondern die Ideologie der Umwelt- und Klimaschützer, die in immer neuen Häutungen von der Finanzoligarchie gefördert wird, einerseits, um den großen Reibach mit Investoren zu machen, die in „nachhaltige Finanzprodukte“ investieren, andererseits, um die Bevölkerung in einem kulturpessimistischen Zustand zu halten, in dem sie sich klein, verängstigt und machtlos fühlt.

Dahinter steht nichts anderes als die verhüllte Aufforderung, die Entwicklung von wirklichem wissenschaftlichen Fortschritt aufzugeben, den Reichtum einer kleinen Schicht von Spekulanten und Investoren zu mehren und Hunderten von Millionen Menschen zu sagen, daß sie keinen Anspruch auf Nahrungsmittel, sauberes Wasser, Gesundheitswesen, Wohnung und Erziehung haben. Es geht um diese beiden, vollkommen entgegengesetzten Menschenbilder, die bei der Raumfahrt und bei der Öko-Hysterie zum Ausdruck kommen und darüber entscheiden, ob sich die Menschen ihrer Kreativität bewußt und deshalb frei sind, oder ob sie als manipulierte Angstbündel die Axiomatik der neoliberalen Oligarchie akzeptieren.

Global Times berichtete im letzten Jahr, daß China seine Ein-Kind-Politik korrigierte habe, weil man früher fälschlicherweise angenommen habe, daß die Ressourcen begrenzt seien und Bevölkerungskontrolle helfen würde, den Druck auf die Ressourcen zu vermindern. Inzwischen setze man auf Innovation und betrachte die Menschen, vor allem junge Menschen, als Quelle der Kreativität. Jetzt gehe man davon aus, daß mehr Menschen mehr Chancen schaffen und eine nicht zu bändigende Kreativität inspirieren. Der bahnbrechende Erfolg des chinesischen Modells spricht für sich selbst.

Nicht nur China, sondern ganz Asien einschließlich Rußlands befindet sich auf einer ganz anderen Flugbahn als das neoliberale Establishment in Europa oder den USA. „Der Westen“ hingegen ist mit der grünen Ideologie dabei, sich selber abzuschaffen. Wie man am Zustand Europas mit seinen diversen Protestbewegungen sehen kann, zerstört diese Politik nicht nur die Fundamente der bisherigen staatstragenden Institutionen, sondern dieser Irrweg ist existenzbedrohend. Letztlich liegen in diesem selbstinduzierten Niedergang des Westens die Quelle neuer Konflikte und sogar die Gefahr eines großen Krieges.

Die Ökologiebewegung basiert nicht auf wissenschaftlichen Fakten, sondern sie hat alle Kennzeichen einer fundamentalistischen Religion, die in ihrem Fanatismus jegliche Gültigkeit der Vernunft ablehnt. Was wir statt dessen brauchen, ist eine wirkliche Naturschutz- Bewegung, die sogenannte naturähnliche Technologien entwickelt, die die natürlichen Prozesse, wie sie im Universum vorkommen, gemäß den Gesetzen der Natur reproduzieren.

Die besten Beispiele dafür sind die thermonukleare Kernfusion und die Raumfahrt. Bei der Kernfusion imitieren wir die Prozesse, wie Wärme und Licht auf der Sonne entstehen, und bei der Raumfahrt unterliegen wir dem vom großen Weltraumpionier Krafft Ehricke so bezeichneten „extraterrestrischen Imperativ“, d. h. wir sind im Weltraum gezwungen, die tatsächlichen Naturgesetze zu respektieren, wenn wir dort überleben wollen.

Das Jubiläum der Apollo- Mondlandung sollte uns alle mit Optimismus für die Perspektive erfüllen, die Lyndon LaRouche in seinem Buch Die kommenden 50 Jahre entwickelt hat, daß wir im Sinne Wernadskijs immer mehr von der Zunahme der Noosphäre, also der Wirkung der menschlichen Kreativität geprägt sein werden.

Der erste der drei Fundamentalsätze von Krafft Ehricke lautet: „Niemand und nichts in den Naturgesetzen des Universums legt dem Menschen irgendwelche Beschränkungen auf - außer der Mensch selbst.“ Es liegt an uns, eine neue Phase in der Menschheitsgeschichte zu gestalten!