Am 1. Mai ist in China die Zollfreiheit für alle Importe aus Afrika in Kraft getreten. Sie gilt für alle 53 afrikanischen Länder, zu denen Peking diplomatische Beziehungen unterhält – das sind alle außer dem Kleinstaat Eswatini (der weiter diplomatische Beziehungen zu Taiwan statt zur Volksrepublik hat) –, unabhängig von ihrer Größe, ihrer politischen Ausrichtung oder ihren wirtschaftlichen Verhältnissen.
Die chinesische englischsprachige Tageszeitung Global Times veröffentlichte am 29. April einen Artikel und einen Leitartikel, worin betont wird, dass die Bedeutung dieser Politik über ihren nützlichen kurzfristigen Effekt der Ausweitung afrikanischer Exporte nach China hinausgeht. Ihre potenzielle Bedeutung liege besonders in der Beschleunigung der Industrialisierung des Kontinents.
„Was die Zollfreiheit mit sich bringen wird, ist nicht nur eine Veränderung der Handelszahlen, sondern eine starke und nachhaltige neue Triebkraft für die tiefgreifende Integration Afrikas in die globale Industriekette und die Entwicklung seiner verarbeitenden Industrie…“, heißt es in dem Artikel. „Da Zollfreiheit die Schwelle für afrikanische Verarbeitungsprodukte zum Eintritt in den chinesischen Markt senkt, ist es für internationale Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll, Montage- oder Verarbeitungsanlagen auf dem Kontinent zu errichten, um die lokale Kostenwettbewerbsfähigkeit zu nutzen und gleichzeitig den chinesischen Markt anzusteuern.“
Und weiter heißt es: „Aus der Perspektive der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit zwischen China und Afrika … wird dies dazu beitragen, mehr langfristiges Industriekapital und Zulieferindustrien für eine Ansiedlung in Afrika zu gewinnen, die bestehende Industriekette zu erweitern, immer umfangreichere und tiefgreifendere industrielle Verflechtungen zu schaffen und die tiefgreifende Integration der chinesisch-afrikanischen Industriekette weiter voranzutreiben.
Seit Jahrzehnten war Afrika weitgehend beschränkt auf die Rolle eines Lieferanten von unverarbeiteten Rohstoffen – Mineralien, Rohöl, Kakao und Holz. Mit der Zollfreiheit ändert sich die Anreizstruktur. Investoren beginnen, Afrika nicht mehr nur als Quelle für Vorleistungen zu sehen, sondern als Produktionszentrum. Mit der Zeit, wenn sich Industriecluster und Lieferketten entwickeln und etablieren, wird die Wettbewerbsfähigkeit der afrikanischen Fertigungsindustrie wachsen, was es dem Kontinent ermöglicht, seine Abhängigkeit von Rohstoffexporten im Niedrigpreissegment schrittweise zu beenden und die Vitalität lokaler Industrien zu fördern.“
Es wird auch betont, die Zollfreiheit sei ein weiterer Beweis dafür, dass westliche Äußerungen über angeblichen chinesischen „Neokolonialismus“ in Afrika ein Produkt des „schlechten Gewissens“ des Westens sind, wegen dessen Plünderung afrikanischer Ressourcen und einer „Entwicklungshilfe“, die mit harten Auflagen verbunden ist – „alles im Dienste geopolitischer Strategien“.
Quelle: eirna.de