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Ägyptische Regierung beschließt Bau des ersten Kernkraftwerks

Der Start des iranischen Kernkraftwerks in Buschir, das erste im Nahen Osten und Nordafrika, hat eine Dynamik erzeugt, auch in anderen Staaten wieder Projekte voranzubringen, die seit Jahren auf dem Reißbrett warten. Am Dienstag forderte der Chef der libanesischen Hisbollah, Hassan Nasrallah, die Regierung des Libanon auf, ein Kernkraftwerk im Land zu errichten. Und einen Tag später gab der ägyptische Präsident Hosni Mubarak bekannt, die Regierung habe den Bau eines ersten Kernreaktors beschlossen.

Mubaraks Ankündigung markiert einen Durchbruch. Der Platz in El Dabaa an der Mittelmeerküste westlich von Alexandria war schon in den 1970er Jahren als bester Standort für die Errichtung eines Kernkraftwerkes erachtet worden. Anfang der 80er Jahre war auch schon mit dem Ausbau der Infrastruktur für den Bau eines französischen Reaktors begonnen worden, aber das Projekt scheiterte an der Finanzierung. Zwischenzeitlich haben Manager der Touristikbranche immer wieder versucht, an gleicher Stelle die Errichtung neuer Hotels genehmigt zu bekommen. Mit der Entscheidung des obersten Rates für Kernenergie in Abstimmung mit Präsident Mubarak wurde das jahrelange Tauziehen nun beendet. AP zitiert den Sprecher des Präsidenten, Suleiman Awad, daß auch Studien der Internationalen Atomenergie Agentur (IAEA) El Dabaa als den besten Platz zum Bau eines Atomreaktors ausweisen. Es existieren Pläne das Kraftwerk mit einer Meerwasserentsalzungsanlage zu koppeln.

Ägyptens Minister für Elektrizität, Hassan Younis, betonte, die Entscheidung bedeute, daß dem Projekt jetzt Priorität eingeräumt würde. Die Ausschreibungen für den Bau des Kraftwerks sollen noch vorm Jahresende beginnen.

Im Libanon rief Hassan Nasrallah in einer Rede, die über Hisbollahs Al Manar Fernsehstation am 24. August ausgestrahlt wurde, die Nation dazu auf, die zivile Nutzung der Atomenergie zu erwägen. „Die Kosten des Buschir-Reaktors [im Iran] waren geringer als Libanons Investitionen ins Stromnetz. Ich rufe die Regierung dazu auf, einen Kernreaktor zu bauen. Dann können wir Strom an Syrien, Zypern und andere Länder verkaufen."

Auch andere Länder der Region setzen auf Atomkraft. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben kürzlich einen Vertrag über die Zusammenarbeit mit Südkorea unterzeichnet, um vier Reaktoren zu bauen. Jordanien, Algerien, Marokko und der Sudan haben im Laufe des letzen Jahres Pläne zur Nutzung der Kernenergie bekannt gegeben. Mit diesen Entwicklungen kann die momentane Atmosphäre von Krieg und Konflikten in der Region in eine optimistische wirtschaftliche Entwicklungsstrategie gewandelt werden. Frieden heißt Entwicklung - nur so kann die geopolitische Chaosstrategie des britischen Empires durchkreuzt werden.