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Afghanistan: Vermögenswerte freigeben, um eine Katastrophe zu verhindern

Am 15. August ordnete US-Finanzministerin Janet Yellen an, das gesamte afghanische Staatsvermögen bei der Federal Reserve und anderen US-Finanzinstituten einzufrieren. Diese ominöse Entscheidung wurde bis heute nicht rückgängig gemacht. Infolgedessen können die Gelder, die dem afghanischen Volk und Staat rechtmäßig gehören, nicht zur Linderung der akuten Bedürfnisse der Bevölkerung verwendet werden. Das Militärpersonal wurde abgezogen, doch der Finanzkrieg geht weiter.

Laut einem Tweet von Ajmal Ahmady, dem Leiter der afghanischen Zentralbank unter der vorherigen Regierung Ghani, verfügte Afghanistan am 18.8.2021 über etwa 7 Mrd.$ Guthaben bei der New Yorker Federal Reserve Bank und über 1,5 Mrd.$ auf internationalen Konten (offenbar Privatbanken in New York und London).

Ahmady erläuterte, daß Afghanistan darauf angewiesen war, alle paar Wochen Bargeldlieferungen von der New Yorker Fed zu erhalten, damit die Bevölkerung überhaupt über Geld im Land verfügen konnte. Das war vor der Machtergreifung der Taliban. Doch Yellens barbarische Entscheidung hat die Unterwerfung des Landes durch das Einfrieren der Gelder noch verschlimmert.

Dies ist eine inakzeptable Situation, wie auch der pakistanische Außenminister Schah Mahmud Kureschi am Rande der UN-Vollversammlung feststellte. Er forderte die Mächtigen eindringlich auf, „über eine Aufhebung des Einfrierens nachzudenken“. Chinas Außenminister Wang Yi forderte ebenfalls, die verschiedenen einseitigen Sanktionen und Beschränkungen gegen Afghanistan so bald wie möglich aufzuheben. Die Devisenreserven des Landes sollten nicht als Mittel verwendet werden, um politischen Druck auf das Regime auszuüben.

Moskaus Gesandter in Afghanistan, Samir Kabulow, hatte bereits Ende August gewarnt, wenn die USA das Vermögen nicht freigeben, würden die neuen afghanischen Behörden sich wahrscheinlich auf den Handel mit illegalen Opiaten und den Verkauf der von der afghanischen Armee und den USA zurückgelassenen Waffen auf dem Schwarzmarkt verlegen. Die Taliban haben zwar versprochen, den Mohnanbau wieder zu verbieten, doch dazu müssen sie in der Lage sein, den Ersatzanbau zu finanzieren und den Bauern andere Einkommensmöglichkeiten zu sichern, wie der Londoner Telegraph feststellte. Zusätzlich zum Opium warnte die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen am 30. September in einem Bericht vor der Gefahr einer Flut von billigem, in Afghanistan hergestelltem Metamphetamin.

Und dann sind da noch die von den USA und der NATO zurückgelassenen Waffen im Wert von etwa 85 Mrd. Dollar, die in der Not von der Talibanregierung zumindest teilweise zu Geld gemacht werden könnten. Wollen die USA tatsächlich, daß diese Waffen in den Besitz dubioser Staaten oder Kräfte geraten?

Unterdessen traf am 28. September die erste größere humanitäre Hilfslieferung aus China in Kabul ein, u.a. Medikamente, Decken und andere Schutzgüter für den Winter. Lebensmittel werden weiterhin dringend benötigt. Der Exekutivdirektor des Welternährungsprogramms David Beasley warnte, daß mehr als 75% der Bevölkerung nicht genug zu essen haben, viele sich Lebensmittel „leihen“ oder auf sie verzichten müssen.

Der Direktor des Roten Kreuzes und Roten Halbmonds für den asiatisch-pazifischen Raum, Alexander Matheou, erklärte, derzeit leisteten sie Soforthilfe und Wiederaufbauhilfe für 560.000 Menschen in 16 Provinzen, die am stärksten von der schweren Dürre und der Vertreibung betroffen sind. Angesichts des schweren Nahrungsmittelmangels und von COVID-19 seien „etwa 18 Millionen Afghanen dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen“.

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