Während bei uns der anti-Kernkraft-Wahn zur dramatischen Zerstörung wissenschaftlich-technischer Kapazitäten und zur enormen Verteuerung der Energieversorgung geführt hat, engagiert sich China bei der Ausbildung von Kerntechnikern aus „Newcomer-Ländern“. Bei dem Programm, das von der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA) mitfinanziert erhielten im vergangenen Jahr 35 Masterstudenten und Doktoranden aus Afrika und Südasien Stipendien für ein Studium in China. Viele von ihnen haben zwar zuhause Kerntechnik studiert, hatten damit aber noch nie praktische Erfahrung.
Das Programm läuft über die Technische Hochschule von Harbin, die größte Chinas. Der Vizepräsident der Universität, Zhijin Zhang, erläutert dazu, die kerntechnische Ausbildung gehöre zu Chinas obersten Prioritäten, sowohl um den rasch steigenden Strombedarf zu decken, als auch um die Kohlendioxidemissionen zu senken. „Und wo wir schon einmal dabei waren, wollten wir auch Studenten aus Entwicklungsländern, die von unserem Fachwissen profitieren können, Unterstützung bieten.“
Auch Rußland ist in Afrika stark interessiert am Ausbau der Energieversorgung im allgemeinen und der Kernenergie im besonderen, wie der Energie- und Versorgungsexperte Vanand Meliksetian in einem Artikel auf Oilprice.com am 16. Mai berichtet. Der Energiemangel sei ein großes Hindernis für die Realisierung von Afrikas Wirtschaftspotential. „Im Vergleich dazu boomt Rußlands Energiebranche. Im Auftragsbuch seines staatliches Kernenergieunternehmens Rosatom stehen 34 Reaktoren in zwölf Ländern im Wert von 300 Mrd.$. In letzter Zeit hat Moskau seine Augen auf Afrika gerichtet, wo die meisten Staaten entweder schon ein Abkommen mit dem Kreml geschlossen haben oder dies erwägen.“
Rußland biete auf die Bedürfnisse zugeschnittene Verträge an, die „besonders einladend für Länder ohne Knowhow in der Kerntechnik sind, weil Moskau Komplettangebote für die Finanzierung, den Bau und den Betrieb der Anlagen macht“. Derzeit experimentiere Rosatom sogar mit einem Vertrag, unter dem der russische Konzern die Anlage baut, betreibt und besitzt und den Strom dem gastgebenden Land verkauft. Das sei eine Chance für Länder, denen eigene Geldmittel für den Bau fehlen.
Bisher ist zwar nur ein einziges kommerzielles Kernkraftwerk auf dem Kontinent in Betrieb – in Südafrika –, aber zehn weitere Länder planen oder verhandeln darüber: Ägypten, Algerien, Ghana, Kenia, Namibia, Nigeria, Tansania, Tunesien, Uganda und Sambia.