Amelia Boynton Robinson in Berlin: „Glaubt und arbeitet an Euch!“

14.11.2007
Amelia Boynton Robinson in Berlin: „Glaubt und arbeitet an Euch!“ admin 14.11.2007

Amelia Boynton Robinson ist eine der besonderen
Persönlichkeiten, die uns Menschen bewußt vorlebt: Jeder von uns ist zu
außergewöhnlichen Taten prädestiniert, wenn er nur niemals aufhört, an sich
selbst zu glauben. Ihre großherzige und gutmütige Art ermuntert ihre
Mitmenschen auf beinahe selbstverständliche Weise und weckt das Bedürfnis in
nahezu jedem, der sie kennenlernen darf, selbst ein besserer Mensch werden zu
wollen. Sie selbst war nicht nur eine enge Mitstreiterin Dr. Martin Luther
Kings, sondern eine der führenden Initiatoren der amerikanischen
Bürgerrechtsbewegung, in der sie unermüdlich für das Wahl- und
Selbstbestimmungsrecht ihrer unterdrückten Landsleute kämpfte.

Amelias derzeitige Europareise macht einen historischen
Zusammenhang deutlich: Anfang der 30er Jahre brachte sie als eine der ersten
den Mut auf, sich gegen die damaligen Rassendiskriminierungen aufzulehnen –
seit dem amerikanischen Bürgerkrieg waren gerade mal 70 Jahre vergangen -, und
heute erlebt sie, obwohl seit dem Ende des Faschismus 70 Jahre vergangen sind,
die politische Ohnmacht vieler europäischer Staatsbürger. Damals wie heute sind
die Mechanismen, die unsere Kultur und jeden einzelnen davon abhalten,
politisch aktiv zu werden, um etwas zu verändern, lediglich etwas „moderner“,
d. h. subtiler geworden. Sie betont immer wieder, daß der Weg ihres
Freiheitskampfes in vielen Schritten bestand und das größte Hindernis vor allem
darin bestand, ihren Mitmenschen klarzumachen, daß sie ihre Rechte nicht nur
wahrnehmen, sondern auch die innere Stärke aufbringen müssen, für sie zu kämpfen.

Es ist ihr natürliches Selbstverständnis, bei
Ungerechtigkeiten nicht weg zu schauen, sondern das Bestmögliche dagegen zu
unternehmen. Amelia Boynton Robinson verkörpert genau das, was Friedrich
Schiller „eine schöne Seele“ nannte. Lauscht man ihren Erfahrungen, wird einem
schnell klar, für sie sind Verstand und Gefühl, Freiheit und Notwendigkeit
eines – für Schiller das höchste Ziel der Bildung des eigenen Charakters.

Besuch in Berlin

Der 29. und 31. Okt. 2007 sollte für die Schüler zweier
Berliner Schulen ein ganz besonderer Tag werden, da sie die große Dame der
amerikanischen Bürgerrechte persönlich kennenlernen durften. Bei diesen Treffen
konfrontierte Amelia die Schüler mit allerhand Erlebnissen aus ihrer
Vergangenheit, aber auch gerade der Gegenwart. So ging sie darauf ein, was es
mit der Immobilienblase auf sich hat, und daß der Kampf hier derselbe ist wie
der Kampf für die Bürgerrechte der Farbigen in den 60er Jahren. Es ist ein
Kampf gegen Ungerechtigkeit. Solange nicht jeder Mensch das Recht auf
Glückseligkeit wahrnehmen kann, muß man für eine Verbesserung der Umstände
kämpfen, hieß Amelias Motto.

Mit diesen Worten bereitete sie auch schon die Bühne für die
weitere Diskussion, in der es darum ging, wie einfach es eigentlich ist, eine
vernünftige und gute Welt zu haben, wenn nur jeder jeden Tag versucht, sein
Bestes zu geben. Daß das leider so nicht geschieht, so Amelia, läge an der
Angst der Menschen – anstatt diese zu überwinden, kultivierte man sie und ließe
den Haß zu, der letztlich nur dem Hassenden schadet

Doch diesem könne man entgegenwirken, ließ sie uns wissen,
indem man sich einfach auf die guten Eigenschaften konzentriert, die ein jeder
hat, anstatt auf seinen Fehlern herumzureiten. Selbst wenn einer nichts als
gut pfeifen kann, dann ist es besser, ihn pfeifen zu lassen und gar nichts zu
sagen, als schlechtes von sich zu geben.

Wenn man nun einmal darüber nachdenkt, wird wohl der eine
oder andere feststellen, es könne sehr gut sein, daß dies die Ursachen sind,
die Menschen wie George Bush, Dick Cheney oder auch Nancy Pelosi hervorbringen.
Gerade letztere beispielweise hätte jedes Recht im Universum, dem
Vizepräsidenten Dick Cheney im Repräsentantenhaus die Hölle heiß zu machen. Sie
tut es aber nicht, weil sie aus Angst und Egoismus nicht über ihren eigenen
Schatten springen kann.

Diese drei eben erwähnten Menschen sind symptomatisch für
ihre Generation, die jetzt der jungen Generation eine Welt hinterläßt, die kurz
davor ist zu zerbrechen und als eine weitere gescheiterte Zivilisation in die
Geschichte einzugehen. Deswegen sagte Amelia den Schülern, es liege jetzt an
ihnen, die Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen und mit Freude die Zukunft zu
gestalten. Die Diskussionen die in beiden Schulen der Rede Amelias folgten,
waren sehr fruchtbar und zeigten, daß es doch noch möglich ist, Begeisterung
und Optimismus an deutsche Schulen zu bringen und den Schülern mit einer
Perspektive auch eine Antwort auf die Frage zu geben, warum sie eigentlich überhaupt
etwas lernen sollten.

Natürlich steht die Frage im Raum, warum der Berliner Senat
oder auch die Bundesregierung nicht häufiger Persönlichkeiten wie Amelia
Boynton Robinson in Schulen einlädt, um den Schülern Perspektiven und
Optimismus zu bringen, und warum anstatt dessen so pessimistische und
wahrheitsverdrehende Filme wie Al Gores „unbequeme Wahrheit“ gezeigt werden. Es
gibt zwar Geld, um in Hamburg 30.000 Schüler ins Kino zu schicken und Hunderte
DVDs an Schulen in Berlin und im ganzen Land zu verteilen, die behaupten, daß
es einen Klimawandel gibt, der vom Menschen gemacht ist und die Welt zerstören
wird – doch haben wir keine Mittel, um Optimismus zu vermitteln?

Weitere Stationen

Während der wenigen Tage, die sie in Berlin verbrachte,
sprach Amelia auch vor zwei Kirchengemeinden und bei einer Veranstaltung, die
gemeinsam von der Flüchtlingsinitiative Berlin und dem Schiller-Institut
organisiert wurde. Etwa 45 Afrikaner lauschten der LaRouche-Jugendbewegung, als
zur Einführung zwei Spirituals – „When I was sinking down“ und „Oh Freedom“ –
gesungen wurden, dann übernahm Amelia das Wort.

Sie berichtete von Booker T. Washington, der durch den Bau
einer Schule Amelias Heimat, Tuskegee, gemeinsam mit der afro-amerikanischen
Gemeinde berühmt gemacht hatte. Später wurde sogar eine Schwesterschule in
Liberia errichtet. Amelia sprach von der Wichtigkeit der Bildung, davon, daß
Afrikaner ihren Geist entwickeln müssen. „Was ist es denn, das uns zum Menschen
macht?“ fragte sie. „Gott hauchte dem Menschen das Leben ein, gab ihm eine
lebendige Seele.“ So sei der Geist des Menschen, oder auch: sein Gewissen, sein
Leitfaden und seine Verbindung zu Gott.

Dann kam die Überraschung. „Wir sind eingeschlafen!“, sagte
Amelia und forderte jeden einzelnen ihrer Zuhörer heraus, den Haß zu
überwinden, der wie ein Biber, der das Wasser staut, jede weitere Entwicklung
hemmt. Amelia zeigte den Anwesenden, welch großartige und schöne Menschen sie
sind und ermunterte zur Einigkeit: so können Probleme überwunden und gelöst werden.

Die darauf folgende Diskussion war packend und voller
Leidenschaft. Fragen drehten sich um die Situation in den USA heute,
Gerechtigkeit und vor allem um Afrika. Amelia ließ niemanden mit einer
einfachen Antwort davonkommen. An einem Punkt erzählte sie die Geschichte
davon, was passiert, wenn Afrikaner in Übersee studieren und dann zu Werkzeugen
der Oligarchie werden. „Sie sagen ,Spring!’ und dann antwortet man: ,Wie hoch, Boss?’“

Hier drückte eine ältere Dame aus Togo ihre Freude aus,
Amelia kennenlernen zu dürfen. Sie sagte, sie habe genug davon, daß Afrikaner
sich immer nur als Opfer sehen: „Es wird Zeit, daß wir unser Schicksal selber
in die Hand nehmen!“ Jetzt ging die Debatte richtig los. Amelia zeigte den Leuten,
was das Schiller-Institut ist, wer LaRouche ist, sie berichtete vom Kampf für
das Gesetz zum Schutz der Eigenheimbesitzer und Banken in den USA und forderte
alle auf, sich dem Kampf anzuschließen.

Abschließend sprach sie von ihrem kenianischen Großonkel,
und darüber, wie stolz sie auf ihre Vorfahren sei. Afro-Amerikaner haben die
Ampel, den Kühlschrank und Tausende anderer Erfindungen gemacht, von denen
selten gesprochen wird. „Nichts ist zu groß, um erreicht werden zu können!“ Als
jemand einwarf, wie schwer es sei, einige der Probleme Afrikas zu lösen,
antwortete sie: „Das ist wie der Elefant, der von einem kleinen Mann mit einem
Stock herumgeführt wird: Du weißt gar nicht, welche Kraft in Dir steckt!“

Scroll to Top