Argentinien lockert Verbindungen zum IWF weiter

08.09.2008
Argentinien lockert Verbindungen zum IWF weiter admin 08.09.2008

Normalerweise gilt es als ein gutes Zeichen, wenn Schulden zurückbezahlt werden. Im Falle Argentiniens jedoch sind britische Finanzinteressen darüber hysterisch, dass das Land eine Summe in Höhe von 6.7 Millionen Dollars an die Gläubigerländer des Pariser Clubs auf einmal und in bar bezahlt hat.  

Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner hatte bewußt diese Form der Rückzahlung gewählt, da der "Pariser Club" für die Neuverhandlung der Schulden eine Überprüfung durch den Internationalen Währungsfonds IWF verlangte. Damit hätte sich Argentinien wieder dem IWF und seinen brutalen Schock-"Anpassungs-Programmen" unterworfen, aus denen es sich mühselig befreit hat.

Kirchner erklärte, dass mit dieser Rückzahlung der Staat einen weiteren Schritt unternommen habe, um seine Schuldenlast zu reduzieren und den Zugang zu Krediten für die nationale Industrialisierung und Verbesserung des Lebensstandards zu verbessern, ebenso wie Argentinien dies bereits bei der Rückzahlung an den IWF gemacht hatte.

Die Regierung kündigte die Ablösung ihres bisherigen Vertreters beim IWF, Hector Torres, an. Torres hatte gute Verbindungen zum Präsidenten der Zentralbank, Martin Redrago, der gegen eine Zurückzahlung mit Zentralbankgeldern und für eine Neuverhandlung mit der Pariser Klub gewesen war.

Hier einige Beispiele für die hysterischen Reaktionen der Finanzkreise:

Die Londoner Zeitung "The Economist" behauptete in ihrer Ausgabe vom 4. September, daß eine Neuverhandlung mit dem Pariser Club und die damit erfolgte Überprüfung der argentinischen Wirtschaft durch den IWF nur von Vorteil für Argentinien sei. Verschiedene Hedgefonds regen sich darüber auf, dass Argentinien nur deshalb diese Zahlungsweise gewählt hat, weil es die "IWF-Reformen" nicht akzeptieren will, die ihrer Ansicht nach das Land "dringend braucht!" Aber wer in Wirklichkeit Probleme hat, sind die bankrotten Hedgefonds, Spekulanten und Banken – nicht ein reiches Land wie Argentinien!

Einige Investoren haben begonnen, argentinische Wertpapiere zu verkaufen, und ominöse Voraussagen über einen erneuten argentinischen Staatsbankrott zu verbreiten. J.P. Morgan veröffentlichte gleichzeitig einen vertraulichen Bericht. Darin heißt es Medienbereichten zufolge, wenn Argentinien "Zugang zu den Märkten haben will, wird es eine ausdrückliche steuerliche und finanzielle ‚Anpassung‘ vollziehen müssen".

Der argentinische Botschafter in den USA, Hector Timerman, machte vor allem solche "Geierfonds" und Finanzinvestoren dafür verantwortlich, die sich 2005 geweigert hatten,  an der Schuldenrestrukturierung argentinischer Staatspapiere 2005 teilzunehmen, und die immer noch 20 Mrd. $ verlangen. Diese wollten das Land in die Knie zwingen, so Timerman, was jedoch fehlschlagen würde.

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