Aufruf an den Deutschen Ärztetag in Mainz: „Gemeinwohl vor Finanzinzinteressen“

19.05.2009
Aufruf an den Deutschen Ärztetag in Mainz: „Gemeinwohl vor Finanzinzinteressen“ admin 19.05.2009

Der folgende Aufruf wird von der BüSo beim Deutschen Ärztetag in Mainz verteilt, der heute, am 19. Mai 2009 in Mainz beginnt. Bitte helfen Sie, ihn auch darüberhinaus weitmöglichst an die Ärzteschaft zu verteilen!

Aufruf an den Deutschen Ärztetag 2009 in Mainz

"Erst kommen die Menschen – Gemeinwohl vor Finanzinteressen!"

Es ist höchste Zeit, daß sich die deutsche Ärzteschaft den Realitäten des kollabierenden Wirtschafts- und Finanzsystems weltweit stellt. Denn was ist denn der Grund dafür, daß „die Politik budgetiert und rationiert, d.h. auf gut Deutsch gesagt den Geldhahn zudreht," wie sich Bundesärzte­kammer­präsident Hoppe ausdrückte?

Die eigentliche Ursache für die katastrophale Lage des deutschen Gesundheitswesens liegt darin, daß in der schwersten Zusammenbruchskrise der Geschichte, in der wir uns derzeit befinden, die Regierung eine völlig falsche Politik betreibt. Es steht immer weniger Geld für den produktiven und den sozialen Sektor zur Verfügung, gleichzeitig werden aber Hunderte von Milliarden für die Rettung bankrotter Banken verpulvert. „Lächerliche" 3 Mrd. Euro waren angeblich nicht verfügbar, um die Transrapidstrecke zum Münchner Flughafen zu bauen, um eine zukunfts­weisende deutsche Technologie zu erhalten, aber die Hypo Real Estate erhielt umgehend 120 Mrd. € Unterstützung, um die von einigen Bankern verschuldeten gigantischen Spekulationsverluste auszugleichen.

In allererster Linie ist hier ein Kurswechsel der Regierung in Richtung eines Rooseveltschen New Deals und eines Konkursverfahrens für das bankrotte Finanzsystem erforderlich.

Gera­de die Ärzte dürfen sich nicht mit der Tatsache abfinden, daß sie aufgrund der krassen Unterfinanzierung des Gesundheitswesens in Gewissenskonflikte bei der Behandlung der Patienten geraten. Triage ist keine Lösung für das Problem! Genauso wenig hilfreich ist der Vorschlag Hoppes, daß die Krankenkassen nur noch eine Grundversorgung finanzieren und alle anderen Leistungen privat bezahlt werden sollen. Das ist ein Eingeständnis der eigenen Ohnmacht angesichts der scheinbar unabänderlichen Realitäten.

Übernehmen wir selbst die Verantwortung dafür, einen am Interesse der Menschen orientierten Kurswechsel der Politik zu veranlassen. Überlassen wir die Finanz- und Wirtschaftspolitik nicht länger den „Experten", die noch nicht einmal in der Lage waren, die jetzige Krise voraus­zu­sehen, und die seit Jahren sogar die Weichen für den jetzigen Kollaps des Systems gestellt haben.

Deutschland hatte einmal eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, ein Solidarsystem, um das uns viele auf der Welt beneidet haben. Zu dem müssen wir zurückkehren!

Dr. med Wolfgang Lillge 

Landesvorsitzender der BüSo Berlin

Vorsitzender des Club of Life

 

 

Ein Flugblatt mit diesem Aufruf und dem Artikel Wird die Gesundheitsversorgung der US-Bevölkerung auf dem Altar der Finanzinteressen geopfert? kann hier heruntergeladen werden:

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