Austerität bringt Menschen um: Neue Studie vergleicht 30er Jahre und heute

30.04.2013
Austerität bringt Menschen um: Neue Studie vergleicht 30er Jahre und heute elke 30.04.2013

Austeritätspolitik bringt Menschen um. Das ist die Schlußfolgerung eines neuen Buches, das diese Woche unter dem Titel „The Bodoy Economic: Why Austerity Kills“ erscheinen wird. Verfasser sind der Soziologiedozent David Stuckler von der Universität Oxford und der Epidemiologe Sanjay Basu, der eine Assistenzprofessur an der Stanford Universität innehat. Die Autoren vergleichen in ihrer Studie die Situation in Europa und Nordamerika mit der Großen Depression der 1930er Jahre.


Austeritätspolitik bringt Menschen um. Das ist die Schlußfolgerung eines neuen Buches, das diese Woche unter dem Titel „The Bodoy Economic: Why Austerity Kills“ erscheinen wird. Verfasser sind der Soziologiedozent David Stuckler von der Universität Oxford und der Epidemiologe Sanjay Basu, der eine Assistenzprofessur an der Stanford Universität innehat. Die Autoren vergleichen in ihrer Studie die Situation in Europa und Nordamerika mit der Großen Depression der 1930er Jahre.

Sie berichten u.a., daß nach dem Finanzcrash von 2007-2008 über 10.000 zusätzliche Fälle von Selbstmord und einer Million Fälle klinisch diagnostizierter Depression in den USA und Europa auftraten. Wie das griechische Newsportal enetenglish.com zitiert, führten in Griechenland Einschnitte im HIV-Präventionsprogramm, in den Drogenbekämpfungsprogrammen und andere negative Maßnahmen zu einer 200%igen Erhöhung von AIDS-Fällen seit 2011. Zum Teil führen die Forscher dies auf eine Erhöhung des Drogenmißbrauchs angesichts einer 50%-Jugendarbeitslosenquote zurück. Jetzt erlebt Griechenland außerdem seine ersten Fälle von Malaria, nachdem die Stechmückenbekämpfungsprogramme zusammengestrichen worden waren.

In dem Bericht heißt es auch, mehr als fünf Millionen Amerikaner (davon 3 Millionen im arbeitsfähigen Alter und zusätzlich noch zwei Millionen) hätten in der letzten Zeit ihren Zugang zur Gesundheitsversorgung verloren. In Großbritannien seien mehr als 10.000 Familien durch die Sparpolitik der Regierung in die Obdachlosigkeit getrieben worden.

„Unsere Politik müssen die ernsten und in einigen Fällen tiefgehenden gesundheitlichen Konsequenzen ihrer wirtschaftlichen Entscheidungen bedenken,“ sagte David Stuckler dazu. „Der angerichtete Schaden umfaßt HIV- und Malaria-Ausbrüche, Mangel an lebenswichtigen Medikamenten, Verlust des Zugangs zur Gesundheitsversorgung und eine vermeidbare Epidemie von Alkoholmißbrauch, Depressionen und Selbstmorden. Austerität hat verheerende Folgen.“

Besonders deutlich zeigt das der letzte Selbstmord in Griechenland: Costas Jogias, 70 Jahre alt, ein Kioskbesitzer aus Volos, wurde am 27.4. erhängt in seinem Haus aufgefunden. Er war der Gründer der „Bürgerbewegung für die Hoffnung“, deren Mitglieder letzten Oktober 324 km von Volos nach Athen marschierten, um dort gegen die brutalen Troika-Kürzungen zu demonstrieren. Jogias war auch Präsident der Vereinigung der Kioksbesitzer in Volos und der Vereinigung der lokalen Kaufleute.

In einer separaten Studie, über die der blog Keeptalkinggreece.com berichtet, dokumentierte Dr. Christoulous Stefanadis, Kardiologieprofessor an der Universität Athen, den Zusammenhang zwischen dem Anstieg ernsthafter Herzkreislauferkrankungen in den letzten zwei Jahren um 20% und der brutalen Sparpolitik und dem wirtschaftlichen Kollaps. So hätten sich die Zahl der Bluthochdruckfälle erhöht. Einer unter sechs Patienten mit hohem Cholesterinspiegel kann es sich mittlerweile nicht mehr leisten, verschriebene Medikamente zu bezahlen und deswegen nicht mehr behandelt werden. Stefanadis macht Streß bei der Arbeit, Arbeitslosigkeit und Depressionen für den Anstieg der Fälle verantwortlich.

Wie die Autoren der zuerst genannten Studie, Stuckler und Basu, jedoch aufgrund ihrer Daten zeigen konnten, geschah nach dem Finanzkrach und der darauf folgenden wirtschaftlichen Erschöpfungsphase in den 1930er Jahren in den USA mit Franklin D. Roosevelt’s New Deal das genaue Gegenteil: Die öffentliche Gesundheitsfürsorge wurde verstärkt. Statistisch gesehen, so dokumentierten die Autoren, resultierten je 100 $ Ausgaben des New Deal in 20 weniger Todesfällen pro 1000 Geburten, vier weniger Selbstmorden bei 100.000 Menschen und einem Rückgang von 18 Todesfällen durch Lungenentzündung pro 100.000 Menschen. „Was wir schlußendlich zeigen, ist: es ist keine unabänderliche Konsequenz, daß sich der Gesundheitszustand [der Bevölkerung] nach wirtschaftlichen Rezessionen verschlechtern muss. Es ist eine politische Entscheidung.“ sagte Sanjay Basu in einer Erklärung zur Veröffentlichung des Buches.

Um diese politische Entscheidung geht es heute: Schließen Sie sich deshalb unserer Mobilisierung gegen das bankrotte britische Finanzempire der Globalisierung, für die „Glass-Steagall“-Bankentrennung und ein neues Kreditsystem souveräner Nationen für wirtschaftlichen Aufbau und Entwicklung im Sinne von Roosevelt an. Es ist wirklich eine Frage von Tod oder Leben!

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