Brasilianischer Präsidentenberater: Multipolarität statt Einflusssphären

28.07.2026
Brasilianischer Präsidentenberater: Multipolarität statt Einflusssphären klaus 28.07.2026

Celso Amorim, Sonderberater des brasilianischen Präsidenten Lula da Silva, spielt seit Jahrzehnten eine Schlüsselrolle in den BRICS-Staaten, zu deren Gründungsmitgliedern Brasilien gehört, und für Brasiliens Beziehungen zu China und anderen Ländern des Globalen Südens. In einem Interview mit Dennis Small von EIR am 24.7. betonte Amorim, Frieden und Entwicklung seien untrennbar miteinander verbunden, weil das eine das andere voraussetzt. Die weltweiten Kriege schaden der Weltwirtschaft und entziehen den Regierungen Mittel für Gesundheitswesen, Infrastruktur und andere notwendige Investitionen sowie für die Entwicklungszusammenarbeit mit den ärmsten Ländern, während sie gleichzeitig die Kosten für unverzichtbare Betriebsmittel wie Kraftstoffe und Düngemittel in die Höhe treiben.

Zur wachsenden Atomkriegsgefahr sagte der ehemalige Außen- und Verteidigungsminister, der Iran sollte keine Atomwaffen besitzen, aber das gelte für alle Länder, und die Atommächte müßten sich zur atomaren Abrüstung verpflichten.

In der Region wolle Präsident Lula die südamerikanische Integration vorantreiben, und ein Aspekt davon sei das Projekt der Biozeanischen Eisenbahn von der Atlantikküste Brasiliens zur Pazifikküste Perus. (Ergänzend kann man sagen, daß China als einzige Großmacht Interesse an einer Mitwirkung an dem Projekt zeigt.)

„Brasilien ist sehr für Multipolarität“, sagte Amorim zu Small. „Aber man darf Multipolarität nicht mit Einflußsphären verwechseln. Ich denke, wir wollen Unabhängigkeit“, natürlich gute Beziehungen zu den USA, „einem sehr alten Freund Brasiliens, trotz gelegentlicher Differenzen“, ebenso wie „zu China, Indien, Rußland und Südafrika. In diesem Zusammenhang möchte ich die Bedeutung der BRICS-Staaten hervorheben, die stark die Art und Weise verändern, wie die Welt mit den wichtigsten Fragen umgeht. Alle fünf sind zudem Mitglieder der G20.“

Amorim ist sehr besorgt über Versuche, die G20 zu ignorieren und alle wichtigen Entscheidungen wieder in der G7 als eine Art „Weltregierung“ zu bündeln. Wie solle man ernste Probleme wie Klima oder Handel ohne China lösen?

Als Small ihn fragte, ob er ein „Win-Win-System“ internationaler Zusammenarbeit im Gegensatz zum „Krieg aller gegen alle“ für möglich halte, gab Celso Amorim eine sehr aufschlußreiche und inspirierende Antwort. Er sei einmal gefragt worden, wie er die Zukunft sehe, und habe so geantwortet:

„Wissen Sie, wenn man in einem Raum ist, der fast völlig finster und dunkel ist, darf man sich nicht nur darauf konzentrieren. Wenn es einen kleinen Spalt gibt oder eine brecha, eine kleine Lücke, durch die man etwas Licht sieht, dann sollte man sich auf diesen Punkt konzentrieren und dann versuchen, ihn zu vergrößern. Das ist nicht einfach. Vielleicht ist es eine Aufgabe für Generationen. Aber ich denke, wir müssen diese Aufgabe anpacken… Wenn man nicht an die Zukunft glaubt, was ist dann der Sinn des Lebens? Unsere Kinder, unsere Enkel und die Enkel anderer Menschen müssen ein gutes Leben haben. Das ist es, was uns am Leben hält, denke ich, besonders für jemanden in meinem Alter.“ (Amorim ist 84.)

Das vollständige Interview ist hier abrufbar.

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