Dieser Tage wird allenthalben an die Massenflucht aus der DDR, die Öffnung der ersten Grenzzäune, die großen Massenkundgebungen in der DDR erinnert, und genau heute vor 20 Jahren, am 4. September 1989, begannen die Montagsdemonstrationen in Leipzig. Zuerst waren es ein paar hundert Demonstranten, da ging es noch um "Reisefreiheit", aber bald waren es einige zehntausend, dann hunderttausend, und schon im Oktober 1989 hieß "Wir sind das Volk". Damit waren die Tage der SED, der Stasi und ihres Regimes gezählt.
Für das politische Establishment von 2009 ist das aber keine lebendige Erinnerung, man erinnert eher daran, so wie man an Ausstellungsstücke im Museum erinnert – ausgestopfte Bürgerrechtler und Demokraten – gewissermaßen. Bewegt sich heutzutage etwas in der Bevölkerung, reagieren die führenden Politiker pikiert: die Bundeskanzlerin weigert sich, in Berlin mit den demonstrierenden Milchbäuerinnen zu reden, der breite Unmut über die Bankenrettungs-Milliarden wird als "Neid" verunglimpft, öffentlich vorgebrachte Sorgen von Gewerkschaftern über mangelndes Interesse der Spitzenpolitiker an der Realwirtschaft werden als "altmodisch" zurückgewiesen.
Diese Haltung herrschte auch vor, als im Juli 2004 – übrigens unter maßgeblicher Initiativrolle der BüSo – die Welle der Montagsdemos gegen "Hartz IV" wiederbelebt wurde. "Wir sind das Volk" ist von der politischen Klasse offenbar nur erwünscht als Farbenschmuck bei Fußballweltmeisterschaften, wie 2006. Und schon gar nicht wird heutzutage in den Medien über eine politische Massenprotestbewegung, wie die derzeitige in den USA, angemessen berichtet.
Die Wähler haben aber in der Bürgerrechtsbewegung Solidarität eine Stimme: denn hier wird die Aufbruchstimmung von 1989 lebendig gehalten, vor allem, weil es um ein neues gerechtes Wirtschaftssystem und die Menschenwürde, um die Einlösung der damals verpaßten Chancen geht. Jede Stimme für die BüSo am 27. September kann und wird bei der Bundestagswahl etwas zum Besseren ändern!
Es ist gleichgültig, ob die Medien das Gegenteil behaupten: zwanzig Jahre nach dem Zusammenbruch des Kommunismus kollabiert jetzt das westliche Wirtschafts- und Finanzsystem, weil die Politiker sich wider besseren Rat weigerten, es rechtzeitig zu reorganisieren. Massendemonstrationen liegen wieder in der Luft.