Der Rußlandberichterstatter des Londoner Economist [url:“news/russland-redakteur-des-economist-ich-empfehle-lissabon-vertrag-100-ich-hasse-westfalische-syste“]Edward Lucas[/url], der gestern in einer Auseinandersetzung mit Mitgliedern der LaRouche-Jugendbewegung in den USA aus der Rolle fiel und schrie: „Die Länder Europas brauchen keine Souveränität“, ist ein führender Vertreter jener Kreise, die die Europäische Union als Vehikel für eine Machtprobe mit Rußland benutzen wollen. Man sollte sich daran erinnern, daß der Economist letztes Jahr ein "Szenario" für die Europäische Union in den kommenden 50 Jahre veröffentlicht hatte. Darin wurde über eine atomare Kraftprobe über die Ukraine zwischen Russland und den USA im Jahre 2010 spekuliert. Das Szenario geht dann davon aus, daß Europa Russland zwingt, nachzugeben. Damit werde sich Europa dann eine Weltmachtrolle erobert haben, so die krankhaften Phantasien.
Lucas‘ Tirade gegen Souveränität ist typisch für eine ganze Reihe britischer Strategen, die hinter dem Angriff auf die nationale Souveränität durch den Lissaboner Vertrag der EU stehen. Sein Buch „Der neue Kalte Krieg: Putins Russland und die Bedrohung für den Westen“ gehört zu dieser Offensive. Die gleiche Anschauung – gegen das Prinzip der Souveränität und gegen Rußland – vertrat am 5. September 2007 Ivan Krastev in seinem Artikel „Russland gegen Europa – die Souveränitätskriege“ auf der Webseite von OpenDemocracy. Krastev leitet das "Zentrum für liberale Strategien" in Sofia, Bulgarien. Er hat viele Bücher über den sich weltweit entwickelnden Antiamerikanismus geschrieben und arbeitete u.a. auch für das St. Antonys College, Oxford, ein berüchtigtes britisches Nachrichtendienstzentrum. Von diesem aus operieren zahlreiche zentraleuropäische Befürworter des britisch- imperialen EU-Modells, wie z. B. Jan Zielonka, der Autor des Buches „Europa als Imperium“.
Nach Angaben Krastevs sind „die zunehmenden Spannungen in den Beziehungen der EU und Russlands“ darauf zurückzuführen, daß das Denken von Präsident Vladimir Putin und seiner Mitarbeiter, das von dem Prinzip der "souveränen Demokratie" ausgehe, mit dem der „postmodernen europäischen Ordnung“ zusammenprallt. Krastev behauptet, Rußland verkörpere "die Nostalgie des alten europäischen Nationalstaates und einer europäischen Ordnung, die sich um Machtausgleich und die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der anderen Staaten bemüht“. Dagegen bestünden Schlüsselelemente des modernen Europa laut Robert Coopers Buch „Der postmoderne Staat“ aus einem „entwickelten System der gegenseitigen Einmischung in die Angelegenheiten des anderen".
Krastev beklagt sich, daß Russland unter Putin diese Ideen zurückgewiesen habe: „Die Rhetorik über Kooperation und Partnerschaft zwischen EU und Russland kann die Tatsache nicht verdecken, daß sich das Regime der souveränen Demokratie absolut nicht mit dem der postmodernen Hegemonie verträgt. Die Rückkehr Russlands hat die Form einer offenen Herausforderung an die europäische Ordnung angenommen.“ Neben anderen Beschwerden ist Krastev besorgt, daß Russlands „Betonung bilateraler Beziehungen mit großen europäischen Mitgliedsstaaten und seine wachsende Abneigung, mit der EU zu verhandeln“, eine "Renationalisierung" der Außenpolitik von EU-Schlüsselländern wie Deutschland und Polen fördern werde. [Mit diesem Wortgeklingel ist gemeint, daß Deutschland und andere Nationen wieder eine eigenständige Außenpolitik betreiben könnten].
Krastev schrieb 2005, nach der Ablehnung der Europäischen Verfassung, übrigens auch einen Artikel in "Europas Welt" darüber, warum eine neue "Balkanexplosion Europa helfen könnte".