Aus britischen Geheimdienstkreisen wurden der Nachrichtenagentur EIRNS gegenüber Berichte bestätigt, nach denen sich britische Geheimdienstvertreter in Afghanistan hinter dem Rücken der Karzai-Regierung mit Vertretern der Taliban getroffen haben sollen. Präsident Karzai hatte bereits im Januar die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums in Davos mit ungewöhnlich harscher Kritik an der Regierung Großbritanniens überrascht. Karzai sagte dort, er habe den Briten vertraut, daß sie die Taliban aus der südlichen Provinz Helmand heraushalten würden. Aber das Gegenteil sei eingetreten. Mit den Briten seien die Taliban erst nach Helmand gekommen.
Auch soll der afghanische Geheimdienst bei der Festnahme westlicher Diplomaten Dokumente in die Hand bekommen haben, die beweisen, daß nicht nur Gespräche mit den Taliban stattgefunden hätten, sondern auch ganz konkrete Pläne existierten, 2000 "ehemalige" Talibankämpfer mit Waffen, Kommunikationstechnologien wie Satellitentelefonen und GPS auszurüsten und zu trainieren.
Zwei der Festgenommenen, die Diplomaten Mervyn Patterson von der UN und Michael Semple, stellvertretender Leiter der EU-Mission in Afghanistan, sollen für den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 gearbeitet haben und sind inzwischen wegen "Gefährdung der nationalen Sicherheit" des Landes verwiesen worden.
Ziel der ganzen Operation sei die Bedrohung Kabuls und der Sturz der Karzai-Regierung gewesen. Dies wurde jetzt durch einen Sprecher der eingangs erwähnten Kreise bestätigt: Das Ganze sei eine "typisch post-koloniale Aufstandsbekämpfungsmaßnahme" (Counterinsurgency) der Briten. Aber all diese Machenschaften würden notwendiger Weise scheitern, da die Situation in Afghanistan total verfahren sei. Deshalb habe Deutschland auch guten Grund, sich nicht in diesen Sumpf ziehen zu lassen.