Ambrose Evans-Pritchard vom Londoner Daily Telegraph reagierte am 4. Juli sehr erregt auf den Vorstoß des italienischen Finanzministers Giulio Tremonti zur Anwendung des Artikels 81 (bzw. 85)* des EWG-Gründungsvertrages bzgl. „Verhinderung, Einschränkung oder Verfälschung des Wettbewerbs". Dieser würde, falls akzeptiert und angewandt, die Finanzmacht der Londoner City schwer treffen, befürchtet Evans-Pritchard. Tremonti hatte am 2. Juli bei einer gemeinsamen Sitzung des Haushaltsausschusses des italienischen Parlaments (Abgeordnetenkammer und
Senat) angekündigt, die italienische Regierung werde den EU-Ministerrat bitten, den besagten Artikel 81 anzuwenden, um gegen die Rohstoffspekulation vorzugehen.
Evans-Pritchard,
der Artikel 81 als "obskur" bezeichnet, berichtet, merklich erregt, Italiens Finanzminister Giulio Tremonti habe "zu einer vereinigten europäischen Front bei der Bewältigung behaupteter Mißbräuche aufgerufen, wobei er Spekulanten als die ‚Pest des 21. Jahrhunderts‘ bezeichnete… Er hat die Unterstützung des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy." Um das Schreckensbild zu vervollständigen, erwähnt Evans-Pritchard, daß die deutsche
SPD „für Aktionen gegen Unternehmen ausschlachtende ‚Heuschrecken‘ eintritt."
Evans-Pritchard ist beunruhigt,
denn „Entscheidungen nach Artikel 81 können theoretisch durch eine qualifizierte Mehrheit durchgesetzt werden, wodurch ein Veto der britischen und irischen Regierung überstimmt würde. Jeder derartige Versuch, die Termin- und Derivatmärkte zu drosseln, hätte große Auswirkungen auf die Londoner City und die Finanzindustrie Dublins. Es ist überhaupt nicht klar, ob es
Großbritannien in dem gegenwärtigen, der Marktwirtschaft feindlichen Klima, mit einer Blockadeallianz aufnehmen könnte."
Lyndon LaRouche meinte dazu, Evans-Pritchard brauche sich nicht sorgen; viele Dinge würden bald einen schwerwiegenden negativen Einfluß auf die Finanzindustrie der Londoner City haben; es sei überhaupt schwierig, etwas zu finden, daß keinen negativen Einfluß haben werde. Evans-Pritchard sei sich noch nicht im klaren darüber, was die Stunde geschlagen habe.
Tatsächlich konnte Tremonti einen
Erfolg verbuchen, als Jonathan Todd, Sprecher von Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes, feststellte, daß Artikel 81 „eindeutig gegen alle Formen betrügerischer Absprache genutzt werden kann." „Ich kann nicht sagen, ob es Beweise für
betrügerische Absprache unter Spekulanten gibt, doch wenn es solche gibt, könnte der Artikel angewandt werden."
Auf alle Fälle hat „Tremonti einen Stein ins Wasser geworfen", wie die italienische Tageszeitung Il Sole 24 Ore schrieb.
„Wenn Tremonti damit Erfolg hat, vielleicht von Europa ausgehend die Wasser aufzuwühlen, dann wird das ein Schritt vorwärts sein, in einer Welt, die vom Schock der Globalisierung überrannt ist, und in der jedermanns Fähigkeit zu Führung und Aktion gelähmt zu sein scheint, die großen internationalen Institutionen eingeschlossen."
*ursprünglich Art. 85 des EWG-Gründungsvertrages von 1957. Aber in der „Konsolidierten Fassung" dieses Vertrages vom 10. November 1997 (Vertrag von Amsterdam) hat dieser
Artikel jetzt die Nummer 81 (s. a. Amtsblatt der Europäischen Union Nr. 97/C 340/03).