Der IWF hat gerade erst der Regierung von Lettland 40-prozentige Haushaltskürzungen als Vorbedingung für einen Überbrückungskredit des Fonds aufgebrummt. Das hat sogar Frau Merkel ensetzt, die das für "entschieden zu weitgehend" hielt.
Nun wartet der IWF schon mit dem nächsten baltischen Krisenfall auf: Estland, im Jahr 2006 noch der Spitzenreiter in Europa mit einem BIP-„Wachstum" von 10,8 Prozent, ist im Zuge der Weltfinanzkrise ähnlich wie andere Spitzenreiter der internationalen Finanzglobalisierung wie Island und Irland abgestürzt: Estland soll 2009 mit einem BIP-Minus von 13 Prozent abschließen.
Auch 2010 soll es für die 1,3 Millionen Esten düster aussehen, sagt der IWF. Seine „Lösung": er fordert die estnische Regierung auf, im Haushalt drastisch zu kürzen und auf keinen Fall die Renten und Löhne des öffentlichen Dienstes weiter zu erhöhen wie bisher. In der Krise in Estland sind es die schwedischen Banken, die sich, wie auch in Lettland, am meisten mit Krediten exponiert haben. Jetzt befinden sie sich in großen Schwierigkeiten, da Rückzahlungen erheblich erschwert oder in vielen Fällen sogar unmöglich sind, nachdem die Spekulationsblase international geplatzt ist. Von ihrer Seite aus ergeht massiver Druck auf den Staat, eine brutale Kürzungspolitik der öffentlichen Haushalte durchzuziehen.
Estland war eines der Länder, das seinen Status als "Spitzenreiter" mit einem hochspekulativen, international gespeisten Kreditboom im Konsum und Immobilienbereich erkauft hat und dazu ermuntert wurde, solide Investitionen in die eigene Realwirtschaft zu unterlassen. Die vielen Arbeitsplätze meist junger, sehr fremdsprachenkundiger Esten, die an diesem Boom hingen, sind jetzt akut gefährdet – so wie in Irland, aus dem junge Bankangestellte jetzt in größerer Zahl auswandern, nachdem ihnen die Arbeitsplätze im Finanzzentrum am Dubliner Hafen verlorengegangen sind.