Präsident George W. Bush rettete Scooter Libby heute vor dem Gefängnis und bewahrte damit Cheney vor der Möglichlichkeit, daß Libby mit Staatsanwälten kooperieren könnte, anstatt zweieinhalb Jahre hinter Gitter zu gehen. Bushs Entscheidung kam nur Stunden, nachdem das Berufungsgericht Libbys Einspruch abgelehnt hatte. Libby hatte versucht, auf Bewährung frei bleiben zu können, bis das Berufungsgericht über seinen Einspruch entschieden hat – was noch ein Jahr oder noch länger dauern könnte.
In seiner Begründung log Bush, die 30-monatige Gefängnisstrafe für Libby sei überzogen, obwohl sie den Richtlinien folgt, die von der Regierung unterstützt werden.
Eine Begnadigung oder ähnliches Vorgehen für einen Verschwörer wie Libby kann den Bestand der Behinderung der Justiz erfüllen, wenn der Begnadigte Informationen über die Rolle höherer Regierungsvertreter (wie Dick Cheney) hat und versucht sein könnte, unter dem Druck einer Gefängnisstrafe mit den Staatsanwälten zusammenzuarbeiten und preiszugeben, was er weiß.
Jemand, der einiges über derlei Dinge weiß, hat das betont: der durch Watergate bekannte John Dean. Er schrieb am 1. Juni in FindLaw, daß die Watergate-Verschwörer 1974 angeklagt wurden, sich zur Behinderung der Justiz verschworen zu haben, indem sie anboten, Gnade für diejenigen zu erwirken, die mit dem Watergate-Einbruch zu tun hatten. Des weiteren waren Präsident Nixons Diskussionen über Begnadigungen für die Watergate-Verschwörer Teil der Amtsenthebungsklage, die vom Rechtsausschuß des Repräsentantenhauses beschlossen wurde, bevor Nixon zurücktrat.
Ähnlich warnte der Ehemann der enttarnten CIA-Beamtin Valerie Plame Wilson, der ehemalige Botschafter Joe Wilson, Präsident Bush, er könne zum Mitschuldigen bei einem Verbrechen werden, wenn er in einer Sache eine Begnadigung erwäge, in welche das Büro des Präsidenten und "sicherlich das Büro des Vizepräsidenten" involviert seien.
"Wenn ich bedenke, daß es in diesem Fall um Behinderung der Justiz geht, und dann daran denke, daß der Staatsanwalt widerholt gesagt hat, daß eine Wolke über dem Büro des Vizepräsidenten schwebt, dann scheint es für mich gegeben, daß die diejenigen, die hier für Begnadigung plädieren, tatsächlich Mitschuldige eines anhaltenden Verbrechens sind", sagte Wilson in der Sendung "In The Know TV", einer Sendung über öffentliche Angelegenheiten im Großraum Washington, D.C.