In ihrem Editorial vom 10. September mit dem Titel „Der Aufbau einer Finanzmacht ist von tiefgreifender Bedeutung für China und die Welt“ signalisiert die chinesische Tageszeitung Global Times, dass China bereit ist, der Welt seine beträchtlichen finanziellen Ressourcen und seine Erfahrungen beim Einsatz von Finanzregulierung und gelenkter Kreditvergabe zur Entwicklung der eigenen Wirtschaft zur Verfügung zu stellen. Dieser Vorstoß kommt zur rechten Zeit, da der Zusammenbruch der westlichen Volkswirtschaften und des westlichen Finanzsystems droht, die gesamte Weltwirtschaft mit in den Abgrund zu reißen.
Wie die Global Times berichtet, wurde die Aufgabe, „China zu einer Finanzmacht aufzubauen“, erstmals in einen Fünfjahresplan aufgenommen – und zwar in den Plan für den Zeitraum 2026–2030. Auf der an diesem Tag abgehaltenen Pressekonferenz des Informationsbüros des Staatsrats erläuterten hochrangige Vertreter der vier wichtigsten chinesischen Finanzaufsichtsbehörden – der Chinesischen Volksbank, der Nationalen Finanzaufsichtsbehörde, der Chinesischen Wertpapieraufsichtskommission und der Staatlichen Devisenverwaltung – diese Pläne ausführlich. Die Global Times stellte fest, dass dieses hochrangige Briefing „ein klares Signal sendet: Der Aufbau einer Finanzmacht wurde innerhalb der übergeordneten nationalen Strategie auf eine äußerst prominente Position gesetzt“. Es handele sich um eine Entscheidung, die auf die Bewältigung „einer dringenden Aufgabe von weitreichender Bedeutung“ abziele. Auf diese Weise würde China „nicht nur die Entwicklung der heimischen Realwirtschaft unterstützen, sondern auch dazu beitragen, die gemeinsamen Interessen des Globalen Südens besser zu schützen und den Aufbau eines faireren und gerechteren internationalen Finanzordnungssystems voranzutreiben“.
Die Tageszeitung benennt die finanziellen Prinzipien, mit denen China sein erstaunliches Wirtschaftswachstum erreicht hat. Demnach besteht der Zweck des Finanzwesens darin, „einer qualitativ hochwertigen wirtschaftlichen Entwicklung zu dienen“. Es stellt der Realwirtschaft „effiziente Blutgefäße“ zur Verfügung und sorgt dafür, dass kleine und mittlere Unternehmen leicht Zugang zu „geduldigem Kapital“ erhalten, also zu langfristigen Investitionen, die nicht auf kurzfristigen Renditen beruhen. So wurden Wissenschaft und Technologie unterstützt, die chinesische Industrie modernisiert und chinesischen Unternehmen der „Gang ins Ausland“ ermöglicht. Dies geht Hand in Hand mit einer Finanzregulierung, die „systemische Risiken vorbeugt“ und Stabilität für die Volkswirtschaft gewährleistet.
Mit dem digitalen Yuan und der Entwicklung eines mehrstufigen Yuan-Clearing-Netzwerks ist China nun auch in der Lage, „zugängliche und erschwingliche öffentliche Finanzdienstleistungen für die Partnerländer der Seidenstraßeninitiative und den Globalen Süden“ bereitzustellen. Die Zeitung formuliert es unmissverständlich: Angesichts der Größe der chinesischen Wirtschaft und des „wachsenden Anteils des Yuan an den weltweiten Devisenreserven sowie an internationalen Zahlungen und Abrechnungen“ sollte China eine größere Stimme bei der „internationalen Finanzordnung“ haben.
Das bestehende internationale Finanzsystem sei nicht länger in der Lage, den Anforderungen der wirtschaftlichen Globalisierung und der Entwicklung des Multilateralismus gerecht zu werden. „Daher würde der Aufbau Chinas zu einer Finanzmacht nicht nur die Entwicklung der heimischen Realwirtschaft unterstützen, sondern auch dazu beitragen, die gemeinsamen Interessen des Globalen Südens besser zu schützen und einen Beitrag zu einem faireren und gerechteren internationalen Finanzordnungssystem leisten“, heißt es abschließend.
Quelle: eirna.de