Das diesjährige Boao Forum für Asien (BFA), das vom 26. bis 29. März auf der chinesischen Inselprovinz Hainan stattfand, war der Fokus für Chinas Mobilisierung der Projektes der Neuen Seidenstraße (in China „Ein Gürtel, eine Straße“ genannt) für Asien und die ganze Welt.
Das diesjährige Boao Forum für Asien (BFA), das vom 26. bis 29. März auf der chinesischen Inselprovinz Hainan stattfand, war der Fokus für Chinas Mobilisierung der Projektes der Neuen Seidenstraße (in China „Ein Gürtel, eine Straße“ genannt) für Asien und die ganze Welt.
In seiner Rede am 28. März ging Chinas Staatspräsident Xi Jinping auf die Entwicklung der Asien-Pazifik-Region seit Ende des Kriegs gegen den Faschismus, der darauf folgenden Gründung der Vereinten Nationen und der epochalen Bandung-Konferenz ein, bei der vor 60 Jahren die Premierminister Chinas und Indiens, Zhou Enlai und Jawaharlal Nehru, gemeinsam die „Fünf Prinzipien friedlicher Koexistenz“ ausarbeiteten.
„In diesem Jahr werden wir die Vollendung der ASEAN-Gemeinschaft erleben“, sagte Xi. Mit der Entwicklung der beiden Seidenstraßen-Projekte, eines zu Land („Ein Gürtel“) und eines zur See („Eine Straße“), arbeitet China an der Errichtung einer Ostasiatischen Wirtschaftspartnerschaft bis zum Jahr 2020.
Gleichzeitig stieg die Anzahl der Länder, die sich als Gründungsmitglieder bei Chinas Asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB) beteiligen, auf 46 an. Von den wirtschaftlich starken Ländern blieben lediglich die USA, Kanada und Japan außen vor. Eine chinesische Investorengruppe schätzte, daß das Einlagekapital von 100 Milliarden US-Dollar durch die Herausgabe von Anleihen auf eine Finanzierungssumme von bis zu 1,3 Billionen Dollar gesteigert werden könnte.
Das Boao Forum zog in diesem Jahr Mitglieder aus 48 Nationen und eine deutlich höhere Anzahl von Führungspersonen von Weltgeltung an. China nutzte diese wichtige Gelegenheit und stellte ein breit angelegtes und detailliertes Programm vor, das zeigt, wie sich China die Entwicklung der Neuen Seidenstraße vorstellt.
Dieses Programm, auch [url:“http://en.ndrc.gov.cn/newsrelease/201503/t20150330_669367.html“]„Aktionsplan“[/url] genannt, hat den Titel „Visionen und Maßnahmen zum gemeinsamen Bau des Seidenstraßengürtels und der maritimen Seidenstraße des 21. Jahrhunderts“. Das Dokument spricht im Detail die unterschiedlichen wirtschaftlichen, finanziellen, kulturellen und sicherheitsrelevanten Aspekte des Prozesses an. Der „Rahmen“ des Projektes besteht darin, Asien, Europa und Afrika durch die Infrastrukturkorridore der Neuen Seidenstraße miteinander zu verbinden. Eine Strecke führt von China über Zentralasien und Rußland nach Europa, wobei es eine Anbindung von Zentralasien und Westasien zum Persischen Golf und zum Mittelmeer geben wird. Ein Seekorridor wird China mit Südostasien, Südasien und dem Indischen Ozean und vom Südchinesischen Meer mit dem Südpazifik verbinden. Weitere Korridore von China werden über die Mongolei nach Rußland, und zur indochinesischen Halbinsel entwickelt. Darüber hinaus sollen die Entwicklungskorridore China-Pakistan und China-Myanmar-Indien entstehen.
Die Prioritäten liegen bei der Koordinierung von Handel und Güterverkehr, bei der Beseitigung von Hemmnissen bei Zöllen und Spurweiten, der Verbesserung von Verkehrs- und Energieanbindungen, der intensivierten Zusammenarbeit in den Bereichen Öl, Erdgas, Wasserkraft und Kernenergie. Daneben sollen die beteiligten Länder stärker bei der Entwicklung neuer Industrien, Wissenschaftszentren und grenzübergreifenden Wirtschafts- und Investmentzonen zusammenarbeiten.
Unterstützt werden soll dies durch eine Reihe neuer Finanzinstitutionen, heißt es in dem Aktionsplan: die Asiatische Infrastruktur Investitionsbank (AIIB), die Entwicklungsbank der BRICS-Staaten und zwei Seidenstraßen-Fonds. Die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) wird zudem einen eigenen Finanzierungsarm schaffen. Außerdem will China Unternehmen und Finanzinstitutionen mit guter Bonitätsbewertung erlauben, für Finanzierungsvorhaben Renminbi-Anleihen zu begeben. Ein regionales Frühwarnsystem soll eingerichtet werden, um auf Risiken und Krisen im Finanzsystem reagieren zu können.
Dem kulturellen Austausch wird ebenfalls ein großes Gewicht beigemessen durch die Förderung von Studentenaustauschprogrammen zwischen den teilnehmenden Ländern, aber auch von Tourismus und Sportaktivitäten. Außerdem sollen in den Bereiche der Gesundheitsversorgung und Epidemiebekämpfung enger kooperiert werden. Gemeinsame Labor- und Forschungszentren werden aufgebaut, um wissenschaftliche Innovation zu unterstützen.
Darüber hinaus wird ein Korridor beginnend vom Delta des Jangtsekiangs entlang des Flusses nach Chongqing und Chengdu gebaut. Diese beiden Großstädte in Südwestchina haben sich zum logistischen Zentrum der zentralasiatischen Achse der Neuen Seidenstraße entwickelt. Solch ein Jangtse-Entwicklungskorridor würde auch weiter im Inland gelegene Städte wie Changsa, Nanchang und Hefei einbeziehen. In Hefei, einem Wissenschafts- und Technologiezentrum, ist auch das chinesische Kernfusionsprogramm angesiedelt.
Hintergrund: [url:“http://bueso.de/node/7911″]Die BRICS-Revolution: Beginn eines neuen Zeitalters[/url]