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China zieht wichtige Mondmissionen vor

In einer Rede zur Feier des 4. Nationalen Tags der Raumfahrt hat Zhang Kejian, Direktor der Chinesischen Raumfahrtbehörde, am 24.4.2019 erklärt, China plane „innerhalb des nächsten Jahrzehnts eine bemannte Mondmission und den Bau einer Forschungsstation am Mond-Südpol,“ berichtete Xinhua. Dies ist die erste offizielle Ankündigung des Chefs der Raumfahrtbehörde über Pläne einer bemannten Mondlandung. „Innerhalb des nächsten Jahrzehnts“ bedeutet einen vorgezogenen Zeitplan gegenüber „Anfang der 2030er Jahre“, wie andere Mondforscher angedeutet hatten. Im Anschluß an die gelungene Landung von Chang'e 4 in der Nähe des Südpols hieß es von Wissenschaftsseite, daß dort eine Roboter-Forschungsstation gebaut werde, um weitere Erkundungen in Vorbereitung einer bemannten Station durchzuführen.

Dies ist eine dramatische Ankündigung, nicht nur wegen des vorgezogenen Zeitplans für die Landung und die Forschungsstation, sondern auch deswegen, weil China damit zwei bemannte Missionen gleichzeitig betreiben wird. Die Raumstation, die 2022 eröffnet werden soll, wäre am Ende des Jahrzehnts noch in Betrieb, wenn die Mondlandung stattfinden wird. Zwei parallele bemannte Missionen erforderten nicht nur eine erhöhte Finanzierung, sondern auch mehr Personal, die beschleunigte Anwerbung und Ausbildung von Astronauten (was im Gange ist) und anderer Ressourcen. 

In China wurde außerdem heute bekannt gegeben, daß der Jungfernflug der Rakete Langer Marsch 5-B in der ersten Hälfte von 2020 stattfinden werde, mit der das Kernmodul der chinesischen Raumstation in eine Erdumlaufbahn gebracht werden soll. Das ist für das chinesische (und auch jedes andere) Raumfahrtprogramm ein ungewöhnlich riskantes Vorgehen, denn beim ersten Start einer Rakete einer neuen Baureihe würden gewöhnlich weniger wertvolle Satelliten oder Geräte mitgeführt.