Chinas Interesse am Bering-Straßen-Tunnel

11.08.2025
Chinas Interesse am Bering-Straßen-Tunnel root 11.08.2025

Chinesische Eisenbahningenieure denken seit spätestens 2014 über die Anforderungen für einen Tunnel unter der Bering-Straße nach, um eine „Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke China-Russland-Alaska-Kanada-USA“ zu bauen. Im Mai desselben Jahres skizzierte Wang Mengshu, einer der bekanntesten Tunnel- und Eisenbahningenieure Chinas, in einem Interview mit der Beijing Times Chinas ehrgeizige Gesamtpläne für den Bau transkontinentaler Hochgeschwindigkeitsbahnen weltweit.

Die vierte der von ihm genannten transkontinentalen Hauptstrecken erregte internationale Aufmerksamkeit: die Idee, Eurasien mit Kanada und den Vereinigten Staaten zu verbinden. Wang berichtete, dass die Planung für eine etwa 13.000 km lange Strecke begonnen habe, „die im Nordosten beginnt und nach Norden durch Sibirien bis zur Beringstraße führt, den Pazifik durch einen Tunnel nach Alaska unterquert, dann von Alaska nach Kanada und schließlich in die Vereinigten Staaten verläuft.“ Er schätzte, dass für die Unterquerung der Beringstraße etwa 200 km Tunnel erforderlich wären, „eine Technologie, die auch bim Bau des Hochgeschwindigkeitsbahntunnels von Fujian nach Taiwan zum Einsatz kommen soll und deren notwendige Technologie bereits vorhanden ist.“ 

„Wenn das Projekt fertiggestellt ist, müssen Menschen von China in die Vereinigten Staaten nicht mehr fliegen. Sie können mit dem Hochgeschwindigkeitszug fahren und dabei die Landschaft vieler Länder entlang der Strecke genießen. Bei einer geplanten Geschwindigkeit von 350 km/h können Passagiere mit dem Hochgeschwindigkeitszug in weniger als zwei Tagen die Vereinigten Staaten erreichen,“ erklärte er gegenüber der Beijing Times.

Als der US-Bahnexperte Hal Cooper, der sich seit Jahrzehnten gemeinsam mit dem Schiller-Institut für den Bau eines Tunnels unter der Beringstraße einsetzt, von Wangs Interview hörte, erklärte er gegenüber der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti, dass zwar weiterhin politische Hindernisse für eine Zusammenarbeit zwischen China, Russland und den USA bestünden, „nach dieser Ankündigung der chinesischen Seite [das Projekt] jedoch nicht mehr unterbunden werden kann. Es wird nie wieder unter den Teppich gekehrt werden.“

Sieben Monate später erklärte Wang in einem Interview mit der New York Times am 18. Dezember 2014, dass die Unterquerung der Beringstraße „nicht nur ein Wunsch und Traum der chinesischen Eisenbahnfachleute ist, sondern auch der Eisenbahningenieure in Russland, Kanada und den USA, mit denen ich gesprochen habe. Die technologischen Entwicklungen der letzten Jahre im Bereich Hochgeschwindigkeitsbahnen und Unterwassertunnel machen dies möglich. Es ist ein Traum, aber ein Traum, der in greifbarer Nähe liegt.“ 

„Die chinesische Zentralregierung zieht dies nicht ernsthaft in Betracht, noch nicht“, berichtete er. „Aber warum nicht? Wir haben die Technologie, und es ist eine gute Sache. Es würde künftigen Generationen und der Umwelt zugutekommen. Als Eisenbahningenieure denken wir, dass es ein großartiges Vermächtnis für künftige Generationen wäre. Es würde Kontinente verbinden. Es wäre ein grandioses Bauwerk der Ingenieurskunst.“

Die NYT wollte wissen, wie die Chancen stehen, dass diese großartige Idee jemals umgesetzt wird. Wang antwortete:

„Das hängt ganz von der Politik ab, denn wir haben die Technologie. Es hängt davon ab, ob die Regierungen der vier Länder zusammenarbeiten können, um diesen Traum zu verwirklichen und unseren Kindern dieses erstaunliche Vermächtnis zu hinterlassen … Einige Regierungen geben ihre Ressourcen lieber für Kriege aus. Ich denke, der Bau einer Eisenbahn ist viel sinnvoller, als Kriege zu führen.“

Quelle: eirna.de

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