Ein Grund dafür, dass China den Ausfall seiner Öllieferungen aus dem Iran entgegen westlicher Schlagzeilen kompensieren kann, liegt in der bereits seit längerem erfolgenden technologischen Umstrukturierung ihrer Volkswirtschaft. Die chinesischen Ölimporte haben laut dem Statistikunternehmen Kpler im Jahr 2020 ihren Höchststand erreicht und sind seitdem langsam zurückgegangen. Der Benzinverbrauch ist stark gesunken, da die Hälfte aller Fahrzeuge inzwischen elektrisch betrieben wird. Öl spielt aufgrund des raschen Ausbaus von Kernkraft, Solarenergie, „sauberer Kohle“ und Windkraft keine Rolle mehr bei der Stromerzeugung oder der Heizung von Haushalten.
Nun haben die Bauarbeiten für ein Kraftwerk begonnen, das Kohle mit dem bislang saubersten Verfahren verbrennt. Diese Ruitan-Demonstrationsanlage, die im nächsten Jahr ans Netz gehen soll, nutzt geschmolzenes Salz, um Energie aus der verbrannten Kohle wie eine Batterie zu speichern, wenn im Netz ein Stromüberschuss herrscht, und überkritisches Kohlendioxid (sCO₂) anstelle von Dampf, um die Wärme zum Antrieb von Turbinen und zur Stromerzeugung zu nutzen, wenn dafür Bedarf besteht.
Solche Kraftwerke, so berichtet die South China Morning Post, sind kleiner als herkömmliche Anlagen, benötigen kein Wasser, weisen einen höheren Wirkungsgrad auf und verursachen weniger CO₂-Emissionen. Das erste Kraftwerk wird über eine 50-MW-Anlage mit überkritischem CO₂ und eine 100-MW-Energiespeichereinheit mit geschmolzenem Salz verfügen. Das CO₂ verhält sich sowohl wie ein Gas als auch wie eine Flüssigkeit, treibt die Turbine direkt an und kann in einem geschlossenen Kreislauf umgewälzt werden. Die Turbinen können äußerst reaktionsschnell auf abrupte Änderungen des Energiedurchsatzes reagieren.
Ein sCO₂-Kraftwerkssystem ist in der Provinz Guizhou (Chaotan One) bereits in Betrieb, nutzt jedoch Abwärme aus einem Stahlwerk anstelle eines Systems mit geschmolzenem Salz.
Quelle: eirna.de