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Chinesen und Russen planen Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Peking und Berlin

In der russischen Regierung findet ein Richtungsstreit über den Kurs der zukünftigen Wirtschaftspolitik statt. Da sind einerseits die Kräfte um den Vorstandsvorsitzenden von [i]Rosnano[/i], [i]Anatoli Tschubais[/i], die die Zukunft allein in der IT- und Nanotechnologiebranche sehen und die eine Kopie des kalifornischen Silicon-Valley in Rußland aufbauen wollen. Dagegen stehen die Kräfte, die sich noch lebhaft an das Platzen der IT-Blase im Jahr 2000 erinnern, und die den produktiven Aufbau des Landes, vornehmlich den Ausbau der grundlegenden Infrastruktur forcieren. Ein führender Sprecher dieser zweiten Fraktion ist der Chef der Russischen Eisenbahnen, [i]Wladimir Jakunin[/i].

Die erste Fraktion besteht aus Vertretern der britischen Freihandelsdoktrin, zu der auch die russischen Oligarchen gehören, die inzwischen als die russischen „Piraten der Karibik" bezeichnet werden, da sie Kapital und Sitz ihrer Finanzimperien in die Steueroasen der Karibik verlegt haben. Zur zweiten Fraktion gehören die patriotischen Kräfte, die das Potential der Menschen und des Landes zur Entfaltung bringen wollen und wissen, daß dabei dem Staat eine wichtige Führungsrolle zukommt.

In einem Interview mit der Tageszeitung Iswestija, beschreibt Yakunin Diskussionen, die er am 12. Juli im Rahmen einer Konferenz ([i]„Dialog der Zivilisationen und eine harmonische Welt"[/i]) in Peking geführt hat. Chinas nationale Entwicklung der Infrastruktur sei ein „Lehrbuchbeispiel, wie man ein Wirtschaftswunder in Gang setzt. ... und wissen Sie, was man mir dort vor drei Tagen gesagt hat? ‚Lassen sie uns über eine Hochgeschwindigkeitsverbindung Peking - Berlin und Peking - Paris nachdenken‘ - und ich muß sagen, die Idee gefällt mir."

Auf chinesischer Seite sei man der Ansicht, daß sich dieses Projekte in 5 bis 10 Jahren realisieren ließe, und höchstwahrscheinlich werde die Trasse von China nach Europa durch Rußland führen. Momentan dauerten Gütertransporte zwischen China und Europa gut eine Woche. „Wenn Sie sich vorstellen, daß China und Rußland gemeinsam eine Verbindung für Hochgeschwindigkeitszüge schaffen, wieviel schneller wäre die dann wohl?"

Dann beschrieb er die Vorschläge des russischen Eisenbahnministeriums für das Modernisierungskomitee des Präsidenten, inklusive der Entwicklung einer Hochgeschwindigkeitsteststrecke für Rußland und seine internationalen Partner. „Es gibt keine Alternative zur Eisenbahn als Massengüter- und Personentransportmittel." Westliche Nationen hätten nach dem zweiten Weltkrieg vor allem Straßen gebaut „aber heute schlagen sie Alarm... Rußland hat verschiedene Schritte unternommen, um den Schienenverkehr zu unterstützen. Ich bin sicher, daß überregionalen Hochgeschwindigkeitsverbindungen entwickelt und gebaut werden, speziell im Transural und in Rußlands Fernen Osten, wo, wie Sie wissen, die Transportverbindungen nicht gerade als gut bezeichnet werden können."

Auch Weißrußland macht inzwischen für den Bau eines wichtigen Teilstückes der China-Europa-Verbindung spezifische Vorschläge. Die Pressestellen der Weißrussischen Eisenbahnen berichtet, man habe ein Treffen der chinesischen, weißrussischen und russischen Eisenbahnvertreter vorgeschlagen, um eine Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Minsk und Moskau zu diskutieren. Auf einem Treffen am 2. Juli in Minsk, lud die weißrussische Eisenbahngesellschaft das chinesische Eisenbahnministerium ein, sich am Ausbau der Trasse Baranawitschy-Brest, einem wichtigen Teil der Moskau-Berlin Verbindung zu beteiligen. Nach dem Treffen hieß es, China sei an einer „Zusammenarbeit in den Bereichen Design, Konstruktion und Ausrüstung interessiert".

In Weißrußland, wie auch in Rußland und China, ist die Idee der Weltlandbrücke der BüSo und Lyndon LaRouches sehr bekannt. Anfang diesen Jahres veröffentlichte die Weißrussische Entwicklungsgruppe eine Broschüre unter dem Titel [i]„Weißrußland 2018: Regionale Führung durch souveräne, nationale Entwicklung"[/i], in der Lyndon LaRouche zum Thema [i]„Eurasische Landbrücke"[/i] zitiert wird.

Jakunins Stellvertreter in der Russischen Eisenbahngesellschaft, [i]Wadim Morosow[/i], beschrieb Anfang Juli auf einer Konferenz („Weltweiter Bahnfrachtverkehr") in St. Petersburg, warum der Aufbau und die Entwicklung von Eisenbahnstrecken essentiell sei, um aus der Krise zu kommen. Die Erfahrung habe weltweit bewiesen, daß dem Staat bei der Entwicklung der Infrastruktur eine besondere Rolle zufalle. „Der Bau von Infrastrukturprojekten hilft Zehntausende neuer Arbeitsplätze zu schaffen, unterstützt den realwirtschaftlichen Sektor, verbindet Langzeitinvestitionen des Staates miteinander und minimiert konsequent die Gefahr einer wachsenden Inflation." Gleichzeitig lege man hier die Grundlage für die Modernisierung der Wirtschaft und verbessere die Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

Ebenfalls am 7. Juli gaben die Russischen Eisenbahnen bekannt, man werde mit Hilfe internationaler Geldgeber, den Neubau der ersten russischen Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen St. Petersburg und Moskau fortführen. Seit 2009 werden bereits Hochgeschwindigkeitszüge über die bestehende Trasse geführt, was aber eine Verlangsamung des laufenden Betriebs und auch Sicherheitsprobleme mit sich brachte. Auch der Neubau der 660 Kilometer langen Strecke von Moskau nach Nischni Nowgorod, Rußlands viertgrößter Stadt, soll jetzt in Angriff genommen werden. Dafür würden jetzt 1 Billion Rubel (25,58 Milliarden Euro) bereit gestellt.